14 Oktober 2015

13. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von GÜVEN TAŞ @GuvenTas

Flashback
46-36, Playoffs Runde zwei (2-4 vs. Atlanta)

Plus
Jared Dudley
Alan Anderson
Gary Neal
Kelly Oubre

Minus
Paul Pierce
Kevin Seraphin
Rasual Butler
Will Bynum

Cap-Situation
85 Mio. $ Gehalt
über dem Cap
Luxury Tax

Stimmung so?


Was ist Neu?
Dieses Jahr hat sich nicht viel verändert in der Hauptstadt. Der starke Kern der Mannschaft ist zusammen geblieben und wird auch in der kommenden Spielzeit gemeinsam auflaufen. Das bedeutet aber auch, dass Nenê Hilario weiterhin auf der Gehaltsliste der Wizards steht. Die Power Forward Position war schon in den letzten beiden Jahren die Achillesferse Washingtons. Da wird es am ehesten eine Neuerung geben.

Der Abgang von Paul Pierce nach nur einem Jahr war eine Schwächung für die Wiz. Paul der Graue hinterließ jedoch eine Riesenportion Erfahrung und Clutchness im Locker Room der Zauberer. Vor allem Otto Porter profitierte enorm davon.

Beste Addition
Jared Dudley ... Der 30-jährige Flügelspieler vom Boston College war ein echtes Schnäppchen. Washington holte ihn für einen Zweitrundenpick aus Milwaukee. Die Bucks waren bereits seine dritte Station in den letzten drei Jahren. Jared Dudley ist ein echter Team Player und ein sehr brauchbarer Defender. Vom Point Guard bis zum Small Forward kann J-Dud alle Positionen effektiv verteidigen, in Ausnahmefällen sogar den Power Forward des Gegners.

In seiner NBA-Vita stehen bereits über 600 Dreier, bei einer Quote von fast 40%! Diese Treffsicherheit könnte er durch Zuckerpässe von John Wall weiter steigern. Allerdings muss seine Mannschaft voraussichtlich bis Ende November auf Dudley verzichten. Im Juli wurde der Neuzugang wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert und fällt etwa vier Monate aus.

The Planet
John Wall ... Als NBA-Fan hatte man seine helle Freude an der Entwicklung des Johnathan Hildred Wall Junior. Der erst 25-Jährige hat sich endgültig in die belle étage der Spielmacher gehievt. Seine Leistungen in den letzten beiden Jahren waren ein beeindruckender Beweis für die Reife in seinem Game. Die Washington Wizards haben heuten einen der besten Floor Generals der NBA in ihren Reihen.

Doch nicht nur offensiv ist Wall enorm wichtig für sein Team. Auch in der Defensive kann der ehemalige Kentucky Wildcat dank seiner Länge und Athletik häufig glänzen. Die Chemie zwischen ihm und Bradley Beal ist fantastisch, und sogar noch immer mit Luft nach oben. Bleiben beide gesund, werden die Wizards erneut ein Schwergewicht im Osten sein und können im Idealfall um die Spitze mitspielen.


Rising Star
Bradley Beal ... Der Shooting Guard der Wizards kommt aus einer ziemlich einfältigen Familie, zumindest was die Namenswahl angeht. Vater heißt Bobby, Mutter ist Besta und die vier Brüder tragen die Namen Brandon, Bruce, Byron und Bryon. Das tut der sportlichen Qualität des 1,96 Meter großen Modellathleten Bradley natürlich keinen Abbruch. Die letzte Saison war erneut eine Steigerung für Beal.

Nachdem er in der regulären Saison erneut von Verletzungen geplagt wurde und nur 63 Spiele absolvieren konnte, lief er in den Playoffs richtig heiß. 23,4 Punkte, 5,5 Rebounds und 4,6 Assists legte er dort im Schnitt auf! Das sind beeindruckende Zahlen für einen erst 22-Jährigen, der aber zum zweiten Mal seinen statistischen Output steigerte, als es in die entscheidende Saisonphase ging.
Halten die Knochen, wird Beal sein Spiel aufs nächste Level hieven. Mit John Wall bildet der ehemalige Florida Gator einen der besten Backcourts der gesamten NBA.

Falling Fast
Nenê Hilario ... "Endlich läuft sein Vertrag aus"... Das denken sich wohl nicht wenige in der Hauptstadt. Der mittlerweile 33-jährige Brasilianer hat seinen Zenit längst überschritten. In der vergangenen Saison legte er nur noch bescheidene elf Punkte und fünf Rebounds pro Partie auf.
Die Relationen sind angesichts seines fürstlichen Gehalts von 13 Mio. $ inakzeptabel. 

Aus Mangel aus Alternativen wird der Rastamann wohl auch in der neuen Saison den Power Forward Spot der Zauberer besetzen - wenn auch vermutlich seltener als bisher. Seine fehlende Reichweite und sein Zonen-lastiges Game behindern den Spielfluss der Wizards, allerdings nicht so sehr wie seine permanenten, verletzungsbedingten Ausfälle. Maybyner Rodney Hilário ist ein Big Man der alten Schule, seine Tage in der NBA könnten schon bald gezählt sein. Möglicherweise wird es sogar seine letzte NBA-Saison. 

Don’t Sleep! 
Otto Porter ... An dritter Stelle pickte Washington den Flügelspieler einst von der heimischen Georgetown University. Nach einer enttäuschenden Rookie-Saison sanken die Aktien des Lokalmatadors jedoch tief in den Keller. Mit der Ankunft von Paul Pierce im letzten Sommer kam die Wende für den schmächtigen 2-Meter-Mann. Unter dem Einfluss von "The Truth" entwickelte Porter sein Spiel rapide.

Die Playoffs bestätigten die enorme Verbesserung des Small Forwards. Mit zehn Punkten und acht Rebounds im Schnitt bewies er schon verloren geglaubte Qualitäten. Somit leistete er einen ordentlichen Beitrag zum guten Run der Wizards. In der neuen Saison wird Porter höchstwahrscheinlich den Platz von Pierce übernehmen und in die Starting Five rutschen. Wenn er die Leistungen der letzten Playoffs bestätigen kann, wird der erst 22-jährige ex-Hoya doch eine schöne Überraschungsstory für Washington.


Good News
+ Wall und Beal sind das beste Backcourt-Tandem der Eastern Conference und eines der besten der gesamten NBA. Die Chemie der beiden Youngster wird mit zunehmender Karrieredauer immer besser - schlechte Aussichten für gegnerische Perimeter-Verteidiger
+ Marcin Gortat ist ein echter Musterprofi und Malocher. Seit seiner Ankunft in Washington verpasste der 'Polish Hammer' nur ein einziges Spiel der Wizards. Auch nach seinem fetten Zahltag im vergangenen Jahr bestätigte er seine guten Leistungen unverändert weiter
Die Reservebank: Mit Dudley, Anderson und Neal investierte Washington wunderbar in die Breite des Kaders und konnte somit die zuvor sehr dünne Bank aufwerten. Die Balance zwischen erster Fünf und Ersatzgarnitur ist jedenfalls um einiges ausgereifter als zuvor

Bad News
- Backup Bigs: Den Wizards fehlten adäquate Stellvertreter für Gortat und Nenê. DeJuan Blair ist höchstens unterer Durchschnitt, Drew Gooden in die Jahre gekommen und Kris Humphries ist... naja, ihr wisst schon. Wie reagiert Coach Wittman auf die fehlende Tiefe? Lässt er häufiger und länger klein spielen, zieht er Dudley oder vielleicht sogar Porter auf die Vier? 
- Arbeitspapiere: Gleich 50% aller Verträge laufen nach dieser Saison aus, der wichtigste davon ist natürlich Bradley Beals. Da kommt eine Menge (und teure) Arbeit auf Ernie Grunfeld & co. zu
Der Schatten von KD: In der Hauptstadt schielen alle mit einem Auge bereits auf den nächsten Sommer, auf einen gewissen Free Agent namens Kevin Wayne Durant aus Washington D.C. Sein Schatten ist larger than life und könnte somit für die Wiz zur unnötigen Ablenkung werden.

Was fehlt?
Im vergangenen Jahr rangierten die Zauberer beim Defensivrating auf einem hervorragenden fünften Platz. In der Offense hingegen belegten Sie abgeschlagen nur Platz 22. Durch die Verpflichtungen von Dudley, Anderson und Neal konnte dieses Manko nicht zwingend behoben werden. Das Trio sollte jedoch als Kollektiv die dringend benötigten Punkte von der Bank bringen. Alle drei sind gute Distanzschützen und könnten zur echten Entlastung für die Starting Five werden. Das müssen sie auch, wenn Washington im Vergleich zum Vorjahr respektabler angreifen will. 

Blast from the Past


KGDCG (via @nbachefkoch)
Nenê Hilario … Der gealterte Brasilianer ist längst nicht mehr die Naturgewalt, die er vor Jahren einmal war. Auch wenn Ballgefühl und pure Muskelkraft immer mal wieder durchscheinen, so haben ihn seine chronischen Verletzungen seiner Dynamik und Durchsetzungskraft beraubt. Defensiv ist er trotz seiner Synergie mit Gortat auch nur noch punktuell effektiv. Für Washington wäre es besser, künftig nicht mehr auf Nenê zu bauen. Das zu rechtfertigen wird jedoch schwer, wenn ihm die Franchise in der kommenden Saison noch 13 Mio. $ überweisen muss. 

LP-Rating


Bei all ihren individuellen Qualitäten - Wall und Beal alleine reichen nicht, um Washington zu einem League-Pass-Darling zu machen. Der Frontcourt ist alles andere als begeisternd, vor allem die Ersatz-Bigs sind so spannend anzuschauen wie "Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands" um 3:45 Uhr. Der lahmende Angriff dieses Teams und Randy Wittmans wenig kreatives Coaching machen es einem schwer, mit einer der ineffizientesten Offensiven der NBA mitzufiebern. Ändert Wittman seine Taktik und Lineups, geht vielleicht was...

Eine Frage noch...
Ändert Wittman endlich seine Taktik und Lineups? Stretch Vierer "or even a Stretch Five", wie man heute so schön sagt, sind mittlerweile so im Trend wie dünne Augenbrauen bei Männern. Davon wollen Sie in Washington zwischen November und April aber nichts wissen. Also von der Aufstellung. Obwohl die Wizards mit kleinem Ball in den Playoffs Erfolg hatten, und die Transaktionen des Sommers darauf hinweisen könnten, dass Wittman künftig häufiger klein spielen lässt, ist die Umstellung auf Smallball längst nicht in trockenen Tüchern. Zumal weder Dudley noch Porter das Spielfeld ähnlich effizient "stretchen" können wie der abgewanderte Pierce. Wittman bleibt wohl eher ein Traditionalist alter Schule, der nicht gerne frisst, was er nicht so richtig kennt.  

Check 1,2
Bereits die letzten Playoffs haben bewiesen, dass die Washington Wizards zur Spitze der Eastern Conference gehören. In der ersten Runde fegten Sie die schwachen Dinos weg. In der zweiten Runde verletzte sich John Wall leider an der Hand und konnte somit das unglückliche Ausscheiden gegen die Hawks nicht verhindern.

Sein kongenialer Partner Bradley Beal sprang in die Bresche und beeindruckte mit famosen Leistungen. Diesen beiden Young Guns zuzuschauen macht großen Spaß, nicht nur Wizards-Fans. Sollten beide endlich mal von größeren Verletzungen verschont bleiben, wird es wieder ein tiefer Run am Capitol. Für den ganz großen Coup scheint aber die Qualität neben und hinter den beiden jungen Backcourt-Stars zu fehlen.

Chef-Orakel
45-37

Playoffs?