15 November 2015

15. November, 2015


Obwohl Utah 2014/15 die Playoffs verpasste, zeigte sich die junge Mannschaft unter Neu-Coach Quin Synder vor allem defensiv stark verbessert, trumpfte nach dem All-Star Weekend mit einer der besten Bilanzen der Liga und Elite-Verteidigung auf. Das macht Jazz-Fans Hoffnung, dass es in diesem Jahr nicht nur in Richtung, sondern sogar in die Playoffs gehen kann.

von PETER DREWS @Pony1990

Zwar hätte Utah im Sommer das nötige Cap Space gehabt, um einen erfahrenen Free Agent an Land zu ziehen, allerdings hatte General Manager Dennis Lindsey andere Pläne. Zumal die Stadt und der eher kleine Markt in Utah nicht als Überzeugungsmittel dienen.

Im Draft zog Utah an zwölfter Stelle Trey Lyles von der University of Kentucky. Der Power Forward war eine logische Wahl, wenn man sich die Entwicklung in Utah anschaut. Während sich in der NBA immer weiter der Trend des Smallballs verbreitet, schwimmt Utah gegen den Strom und setzt auf die großen Männer unter dem Korb.

Der Freshman wurde meistens auf der Small Forward Position eingesetzt und konnte in seinem ersten Jahr am College 8,9 Punkte und 5,2 Rebounds auflegen. Er verfügt für seine Größe über ein vernünftiges Skill Paket, exzellente Fußarbeit und einen guten Mid-Range Jumper, den er vernünftig trifft.

Im Sommer neu dazugekommen ist auch der Brasilianer Raulzinho Neto. Der Point Guard wechselte vom Spanischen Erstligisten CB Murcia nach Salt Lake CIty. Neto bevorzugt eher das klassische Spiel. Er verfügt über eine solide Verteidigung und kreiert gerne aus dem Pick & Roll für seine Mitspieler.

Der dritte Neuzugang ist deutschen Basketballfans natürlich ein Begriff: 2,18 Meter Center Tibor Pleiss, der 2010 an 31. Stelle von den New Jersey Nets gedrafted wurde, unterschrieb im Sommer einen mehrjährigen Vertrag in Salt Lake City.

Der Deutsche kommt vom FC Barcelona, wo er in der vergangenen Saison 5,7 Punkte und 3,8 Rebounds auflegte. Wenn er geduldig an sich arbeitet, den Konkurrenzkampf annimmt und Utah ihm Zeit gibt, könnte er die perfekte Ergänzung zum Franzosen Rudy Gobert sein. Dafür muss Pleiss allerdings Jeff Withey auf Distanz halten, der im Sommer nach zwei Jahren bei den New Orleans Pelicans zu den Jazz kam.

Anfang August die Schreckensnachricht für Utah: Starting Point Guard Dante Exum riss sich in einem Vorbereitungsspiel der australischen Nationalmannschaft das linke hintere Kreuzband und fällt damit die komplette Saison 2015-2016 aus.


Auf ins Gelobte Land!
Die ersten drei Spiele der neuen Saison mussten die Männer von Head Coach Quin Snyder allesamt auswärts ran. Das Gastspiel in der Motor City wurde gegen Detroit verloren. Von Beginn an lief Utah einem Rückstand hinterher, den es zwischenzeitlich in eine Führung umwandeln konnte, um dann das Spiel hinten raus doch noch mit fünf Punkten zu verlieren.

Gegen die 76ers konnte dann der erste Saisonsieg eingefahren werden. Bereits hier zeigte sich, wie wertvoll der Frontcourt um Derrick Favors und Rudy Gobert auch in der neuen Saison sein wird. Favors überzeugte mit einem 20 Punkte, 12 Rebounds Double-Double, Gobert mit exzellenter Defense und sieben Blocks.


An die gute Leistung konnte am Folgeabend angeknüpft und Indiana mit 97-76 besiegt werden. In der zweiten Halbzeit sah man den Willen der Mannschaft, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, als sie direkt nach der Halbzeit die Weichen auf Sieg stellte.

Zum ersten Heimspiel der neuen Saison empfing Utah die Portland Trail Blazers. Damian Lillard und CJ McCollum verdarben den Jazz-Fans allerdings den Tag. Das Backcourt Duo traf an diesem Tag fast alles. Bei den Gastgebern lief in der Offense auch nicht, sodass dieses Spiel schnell abgehakt war.

In der ehemaligen Goldgräberstadt Denver und zu Hause gegen Memphis konnten sich die Jazzer von der Niederlage gegen Portland rehabilitieren. Trotz mehrerer bedenklicher Schwächephasen in beiden Partien fuhr das junge Team zwei Siege ein und kletterte in der Tabelle mit 3-2 Siegen nach oben.

Dann kam der mit Spannung erwartete erste Ostküstentrip, der erstmals Aufschluss über den Gesamtzustand des Klubs geben sollte. Bei den Cleveland Cavaliers zeigte Utah die bis dahin beste Saisonleistung. Alle Starter punkteten zweistellig, das Spiel war lange offen. Am Ende machten LeBron James und der frühere Jazz-Guard Mo Williams den Unterschied zugunsten der Cavs.

In der Nähe des South Beach in Miami konnte Utah an die Leistung aus dem Cleveland-Spiel anknüpfen, bekam trotz hartem Kampf ohne den lädierten Gobert aber Probleme. Die Verletzungsmisere weitete sich aus, als auch Starter Rodney Hood mit Fußschmerzen ausfiel. Entsprechend uninspiriert war dann die Performance des dezimierten Teams einen Tag später in Orlando, wo Utah von der ersten Sekunde überrannt wurde. Der Roadtrip endet am heutigen Sonntag in Atlanta. 


Läuft
Nach neun Spielen steht die Mannschaft aus Salt Lake City mit einer Bilanz von 4-5 da. Die Auswärtsspiele in Cleveland und Miami haben gezeigt, dass Utah mit einer konzentrierten Leistung auch gegen die Großen dieser Liga mithalten kann.

Leader des Teams ist bisher ganz klar Favors, der sowohl in der Offense als auch in der Defense Akzente setzen kann. Mit 15 Punkten und 9.1 Rebounds legt er ordentliche Zahlen auf. Zudem ist er der erste Jazz-Spieler seit 2009, der in den ersten drei Spielen im Durchschnitt mehr als 18 Punkte auflegte.

Das Prunkstück der Jazz ist und bleibt die Defense. Mit einem Defensiv-Rating von 95.6 liegt dieses Team auf Rang fünf und hat sich erneut im oberen Drittel festgespielt. Gobert ist mit seiner unglaublichen Spannweite von 2,37 Metern der geborene Ringbeschützer - 3,4 Blocks und 8,1 Defensiv-Rebounds pro Spiel unterstreichen die Effektivät des "Stifle Tower". Er lässt sich nie auf Spielchen ein, reagiert nicht auf jede Finte des Angreifers und hat durch seine enorme Größe und seine noch längeren Arme die besten Voraussetzungen, um Rebounds und Blocks einzusammeln.

Von der Bank kommt enorm viel Shooting und Gefahr. Trey Burke und Alec Burks, im Vorjahr beide noch Starter, bringen jede Menge Gefahr in der Offensive und konnten jeweils schon über 20 Punkte erzielen. Mit Trevor Booker hat man einen soliden Spieler, der immer vollen Einsatz gibt und die Teambelange über die eigenen Statistiken stellt. Gordon Hayward spielt bisher relativ unauffällig, legt aber dennoch gute Zahlen auf und ist nur eine 'hot streak' von einer Rückkehr in die All-Star Konversation entfernt.


Muss besser werden
In der Offensive läuft noch nicht viel zusammen: 95.3 Punkte pro Spiel, 99.4 Offensiv-Rating. Hier muss eindeutig mehr kommen, möchte Utah im starken Westen tatsächlich um einen Platz in den Playoffs mitkämpfen.  In den entscheidenen Momenten des Spiels merkt man dem jungen Team noch seine Unerfahrenheit an. Wie bereis letztes Jahr zählt der Jazz zu den langsamsten Teams in der NBA und kommt pro Spiel mit nur 18,4 Assists auf den zweitschlechtesten Wert der Liga.

Leider muss man auch hier Rudy Gobert ansprechen, dessen Angriffsspiel sehr limitiert ist. Er kann außerhalb der Zone nie punkten, und hat auch nahe am Brett bisher keine Angriffsbewegungen gemeistert.

Hinzu kommt Utahs großes Problem auf der Point Guard Position. Im Sommer hat sich nach der Verletzung von Dante Exum der Spanische Rookie Neto den Platz in der Starting Five gesichert. Teilweise kann Neto durch gute Defense und smarte Assists überzeugen. In der Offensive muss er jedoch seinem Wurf mehr vertrauen, anstatt nur als Spot Up Shooter in der Ecke zu fungieren. Vor allem die Paarung Neto/Gobert in der ersten Fünf ist verheerend für ein ohnehin schon schwaches Offensivteam.

In den Spielen, in denen Favors und Gobert verletzungsbedingt nicht durch bzw. gar nicht spielen konnten, musste sich die Defensive ebenfalls erst neu sammeln. Natürlich hinterlässt der Ausfall solch elitärer Verteidiger ein großes Loch.

Hier wäre vor allem jemand wie Tibor Pleiss gefragt, der gegen Orlando seinen ersten längeren NBA Einsatz feiern konnte (10 Minuten, 2 Punkte, 1-3 FG), allerdings in der Rolle des Defensivankers recht überfordert war. Utah kann es sich nicht leisten, lange auf Gobert und Favors zu verzichten.


Check
In Utah läuft dennoch vieles richtig. Coach Snyder hat eine der jüngsten (Starting Five im Durchschnitt 24 Jahre alt) und zudem auch talentiertesten Mannschaften in der Association beisammen. Diese wird noch mindestens eine weitere Saison genauso beisammen bleiben und hat eine vielversprechende Zukunft vor sich.

Selbst wenn die Jazz die Playoffs dieses Jahr erneut verpassen sollten - das wäre kein Beinbruch. Es gibt keinen Druck, weder intern noch von außen, eben weil dieses Team noch so jung ist. Die Defensive zählt dank Gobert und Favors zu den besten in der NBA und wird mit der Rückkehr von Exum nur noch besser werden.

Wenn Utah in der Offensive kontinuierlich weiter arbeitet, konzentriert versucht, seine altersbedingten Aussetzer abzustellen und die kommenden Wochen nutzt (14 der nächsten 21 Partien nach diesem Roadtrip finden zu Hause statt), kann es eine erfolgreiche Saison werden.