03 November 2015

3. November, 2015


Während bekannte Top-Talente wie Victor Oladipo, Giannis Antetokounmpo, Nerlens Noel und Jabari Parker die angesagten Breakout-Kandidaten sind, fliegen andere Youngster ein bisschen tiefer unter dem Fan-Radar. Noch. NBACHEF stellt euch in unserer 'Don't Sleep' Reihe eine Handvoll Spieler vor, die in dieser Saison einen großen Leistungssprung machen werden. 

von TORBEN SIEMER @lifeoftorben

John Logan Jenkins III, wie er mit vollem Namen heißt, geht in wenigen Tagen in Dallas in seine vierte Saison in der NBA. Der 24 Jahre alte Shooting Guard aus Hendersonville, Tennessee will sich nach drei Jahren in den Farben der Atlanta Hawks jetzt im Trikot der Mavericks endlich in der Liga etablieren. 

Zu Schulzeiten zweimal als „Tennessee High School Player of the Year“ ausgezeichnet, entschied er sich im Sommer 2009 für den Besuch der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee. Dort erspielte sich Jenkins in drei Jahren einen Namen als einer der besten Jump-Shooter der Division I: 72, 100 und 134 Dreier fanden in den jeweiligen Saisons den Weg durch die Reuse, insgesamt 306 erfolgreiche Dreier bei einer Wurfquote von 43.8%. Bei gleichbleibender Entwicklung hätte ihm dies einen Top 10-Platz der All-time leader bei erfolgreichen Distanzwürfen in der NCAA-Historie eingebracht.

Hätte, denn nach seinem Jahr als Junior beschloss Jenkins, seine vierte und finale Saison am College für den Wechsel ins Profitum zu überspringen und er reichte im Frühjahr 2012 seine Anmeldung für den Draft ein. Draft-Experte Chad Ford von ESPN notierte den 1.93m großen und 98 Kilogramm schweren Flügelspieler als wohl „besten Schützen seines Jahrgangs“ und trotz seiner Schwächen in der Defensive als voraussichtlichen Erstrundenpick.

Mit dem 23. Pick erlösten ihn dann die Atlanta Hawks von der Anspannung – und ertradeten sich nur knapp zweieinhalb Wochen später einen gewissen Kyle Korver von den Chicago Bulls als designierten Starter auf Shooting Guard. In seiner Rookie-Saison stand Jenkins, von der Bank kommend, in 61 Spielen durchschnittlich 14.8 Minuten auf dem Feld und konnte trotz der kleinen Rolle mit 6.1 Punkten bei Trefferquoten von 44.6 Prozent aus dem Feld und 38.4 Prozent von jenseits der Dreierlinie überzeugen – dank seiner guten Wurftechnik inklusive schnellem Release und trotz seiner Schwächen am defensiven Ende des Courts schien die neue Nummer 12 der Hawks in der NBA angekommen.


Früh in der Saison 2013/14 folgte der große Rückschlag: Immer wieder klagte Jenkins Anfang Dezember über Rückenschmerzen, letztlich versprach nur eine Operation mit anschließeneder Rehabilitationsphase Linderung und Heilung. Nach nur 13 Partien war die Saison für den Sophomore vorbei, der Plan hieß nun Neuaufbau im Sommer und Rückkehr zum Trainingslager. Die folgende Saison 2014/15 stand für Jenkins unter keinem guten Stern: In der Rotation war er neben Korver auch hinter Kent Bazemore zurückgefallen, durch Korvers Rolle als wandelnder Dreipunktwurf war zudem Jenkins‘ Kernkompetenz bereits abgedeckt.

Defensiv hatte Jenkins zwar eine positive Entwicklung gemacht, das nur durchschnittliche Ballhandling sowie die im Vergleich zu Jeff Teague und Dennis Schröder mangelnde Athletik aber hinderten ihn daran, für mehr Spielzeit auf die Position des Spielmachers ausweichen zu können. In nur 24 Spielen stand der Rechtshänder auf dem Feld, in durchschnittlich 12.4 Minuten steigerte er sich dennoch zumindest auf 49.5 Prozent Trefferquote aus dem Feld und 40.4 Prozent von der Dreierlinie – offensiv also konnte er trotz vieler Kurzeinsätze erneut sein NBA-Format offenbaren. 

In den folgenden Playoffs jedoch gab es in der Rotation der top-gesetzten Hawks für Jenkins in 16 Partien nur 21 Minuten abzugreifen, zwölf davon im bedeutungslosen Schlussviertel der zu diesem Zeitpunkt längst entschiedenen vierten und letzten Partie der Eastern Conference Finals gegen die Cleveland Cavaliers. Immerhin fanden sich hinterher zehn Punkte und zwei erfolgreiche Dreier bei drei Versuchen im Spielbericht. Dies sollte die letzte Partie Jenkins‘ für die Franchise, die ihn gedraftet hatte, gewesen sein. Die Hawks ließen die Option aufs vierte Jahr verstreichen und entließen ihn in die Free Agency.

Damit war der Weg frei für einen Neustart in Texas: Die Dallas Mavericks schnappten zu und statteten Jenkins mit einem Vertrag über drei Jahre und 3,2 Millionen Dollar aus, die Jahre zwei und drei sind dabei jedoch nur teilweise garantiert. Das Team von Dirk Nowitzki war dringend auf der Suche nach guten Schützen, für kleines Geld sollte Jenkins hier also Abhilfe schaffen und im einmal mehr runderneuerten Team die Planstelle des Dreierspezialisten ausfüllen. 

In der Preseason war Jenkins bisher trotz sechs Niederlagen in sechs Partien DER Lichtblick in Blau und Weiß: 20.8 Punkte in 30.6 Minuten pro Partie, fünfmal bester Punktesammler der Mavericks und Trefferquoten von 48.3 Prozent aus dem Feld sowie 90.3 Prozent von der Freiwurflinie bei immerhin 5.2 Versuchen im Schnitt. Von jenseits des Perimeters fanden bisher zwar nur 27.5 Prozent seiner durchschnittlich 6.7 Versuche das Netz und auch 3.2 Ballverluste bei nur 1.5 Assists lassen noch viel Luft nach oben. 

Dennoch bietet sich für Jenkins in Dallas die bisher beste Situation seiner NBA-Laufbahn: Auf den Positionen eins bis drei sind inklusive seiner selbst aktuell nur fünf Spieler hundertprozentig fit - Devin Harris, JJ Barea, Rookie Justin Anderson und der vermutlich von Spiel eins an auf dem Tradeblock stehende Raymond Felton. 

Chandler Parsons kommt von einer großen Knie-Operation zurück, Deron Williams läuft auf zwei maladen Knöcheln über das Parkett und der designierte Starter auf Shooting Guard, Wesley Matthews, befindet sich noch in der Rehabilitation seines Anfang März erlittenen Achillessehnenrisses. Selbst wenn alle drei zum Saisonstart spielfähig sein sollten, vor allem Parsons und Matthews werden mindestens in den ersten Saisonwochen auf der Suche nach ihrer Bestform sein. 


John Jenkins ist auch nach drei Jahren noch immer nicht vollständig in der Liga angekommen, hat aber seine starken Wurfquoten von der NCAA in die NBA transportieren können – sowohl aus der Mitteldistanz wie auch von jenseits der 7.25m-Linie dürfen Verteidiger Jenkins nicht offen stehen lassen, sein Zug zum Korb stellt diese bisher allerdings selten vor große Probleme. Im Spielaufbau und was sein Passspiel betrifft, hat der junge Guard noch Luft nach oben; dies aber wird in Dallas nicht zu seinen primären Aufgaben zählen. 

Jenkins soll die Offensive am Laufen halten, indem er seine eigenen Würfe kreiert oder nach dem Pass abschließt. Defensiv ist er ähnlich wie der Rest seines Teams bestenfalls Durchschnitt, mit einer großen Portion Engagement und Einsatz aber sollte er auch hier den Schritt in Richtung NBA-Mittelmaß machen können. Mit Wesley Matthews steht zudem ein ausgewiesener Three-And-D-Experte im Kader.

Die Mavericks haben vor allem in den ersten Wochen der neuen Saison viele Minuten auf den kleinen Positionen zu verteilen, für Jenkins wie auch für die Mavericks könnte daraus eine Win-Win-Situation erwachsen: Der 24-Jährige, dank seiner überzeugenden Auftritte in der Preseason erstmals ernsthafter Kandidat für einen Posten als Starter, kann viele Minuten auf dem Feld stehen und offensiv sowohl mit dem Ball seinen eigenen Wurf kreieren wie auch als Spot-Up-Shooter Angriffe abschließen. 

John Logan Jenkins III ist immer noch jung, kann und will sich in prominenterer weil größerer Rolle als elitärer Shooter beweisen und gleichzeitig dem Coaching Staff um Rick Carlisle dabei helfen, eventuelle Schwierigkeiten bis zur Rückkehr – sowohl auf das Feld wie auch zu alter Form - der Langzeitverletzten im ersten Saisondrittel zu mildern.