16 November 2015

16. November, 2015


Während bekannte Top-Talente wie Victor Oladipo, Giannis Antetokounmpo, Nerlens Noel und Jabari Parker die angesagten Breakout-Kandidaten sind, fliegen andere Youngster ein bisschen tiefer unter dem Fan-Radar. Noch. NBACHEF stellt euch in unserer 'Don't Sleep' Reihe eine Handvoll Spieler vor, die in dieser Saison einen großen Leistungssprung machen werden. 

von TIAGO PEREIRA @24Sekunden

Patrick Ewing, Alounzo Morning, Allen Iverson, sind nur einige wenige Namen auf der Liste der Georgtown Alumni. Die Hochschulfakultät in Washington D.C. ist trotz des edlen Klangs ihrer Absolventen nicht für ihre Fließbandarbeit an NBA Zöglingen bekannt. Nur alle paar Jahre steigt ein Schüler der Georgetown Universität auf in die Profiliga, daher gelten die Hoyas als wertvolle Rarität. 

Der jüngste Hoya, der seinen Namen am Draftabend hören durfte, ist Otto Porter. Das Verizon Center wurde für den Lokalhelden von der College-WG zum Arbeitsplatz, als die Washington Wizards ihn mit dem dritten Pick der 2013er Draftklasse zu sich ins Team beriefen. Porter sollte der letzte Frischling aus der Lottery sein, bevor die Zauberer ihren Aufstieg in die Playoffs wagen würden.

Otto Normal
Von Rookies wird selten ein direkter, positiver Einfluss auf das Spielgeschehen erwartet. Auch die besten ihres Jahrgangs durchleben während ihres ersten Jahres in der NBA ein Auf und Ab im geballten Lernprozess. Leider verkürzte sich Porters Prämierenachterbahnfahrt zu Beginn, als er die ersten 18 Spiele  wegen einer Hüftverletzung pausieren musste. 

Doch auch in den folgenden Monaten sah sich der Flügelspieler auf der Bank, statt auf dem Parkett. Die schwerfällige Anpassung an das NBA Spiel führte dazu, dass hinter dem Namen Otto Porter nicht die erhofften Statistiken eines Lottery Picks standen, sondern meist drei Buchstaben: DNP. 


Für Randy Wittman, den Trainer der Washington Wizards, war der Rookie keine Option auf dem Flügel neben Veteranen wie Trevor Ariza und Martell Webster, sodass sich das Team aus Chocolate City vermehrt ohne Porter den Weg in die Playoffs erkämpfte. 

Mit einer Hand voll Playoff Minuten und einer gedimmten Erwartungshaltung ging es für den langen Schlaks in seine zweite Saison. Sporadisch blitze nun doch das Können von Porter auf, nachdem er einen Teil der Spielzeit von Abgänger Trevor Ariza aufsammeln konnte. Um die Gunst seines Trainers weiter zu gewinnen, tat der Flügelspieler stets das, was ihm sein Übungsleiter befahl. 

Folglich war das Endergebnis weiterhin ernüchternd, denn in Randy Wittmans Basketballsystem befand sich nur wenig Platz für eine intelligente Spielkultur. Mit Mitteldistanzwürfen und beiden Füßen auf der Bremse versuchte der Coach sein Team erneut in Richtung Playoffs zu steuern. 

Playoff Porter
Für den athletischen Otto Porter war genau dies das Problem. Das System seines Trainers ließ ihn in der Vergangenheit nie seine Stärken ausspielen. Ineffiziente Würfe und der mangelnde Zug zum Korb brachten den Backup des neu verpflichteten Veteranen Paul Pierce nur knapp 20 Minuten aufs Parkett und gliederte sich unauffällig in das oft harmlose Konstrukt der Wizards ein.

Porters Ausbeute (nur sechs Punkte und magere drei Rebounds) war somit weiterhin fern vom erhofften Leistungssprung - und dem, was ein hoher Lotterie-Pick eigentlich abliefern sollte. Erst eine Verletzungswelle im April brachte die notgedrungene Änderung, die Otto Porter und sein Team benötigten. Griesgrämig ergab sich Wittman dem Small Ball, und befreite sein Team endlich von den Eisenketten des 80er Jahre Basketballs.


 MPG
 PPG
 RPG
 FG%
 3P%
 PER
Reguläre Saison
 19.4
 6.0
 3.0
 45.0
 33.7
 11.6
Playoffs
 32.4
 9.6
 8.0
 54.3
 46.7
 14.9

Während andere Teams in den Playoffs auf die Bremse drückten, gaben die Wizards Vollgas. In der Postseason spielten die Zauberer nicht nur mit der viertschnellsten Geschwindigkeit aller Playoff-Mannschaften, sondern obendrein auch ihren besten Basketball der Saison. Einen großen Teil trug dazu Porter bei, der im neuen System aufblühte.

Zwar griff der Flügel weiterhin nicht von Beginn ins Spielgeschehen ein, dafür stand er, abgesehen von Wall und Beal, die meiste Zeit auf dem Parkett. Dazu erwies sich Porter als äußerst zuverlässiger Distanzschütze aus den Ecken (9-15 Dreier von dort, Quote: 60%). Die neue Balance in Porters Wurfrepertoire, weg von den Mitteldistanzwürfen und hin zur Dreierlinie, waren aber nicht der einzige Grund, warum Porter plötzlich Crunchtime Minuten sah.

Grünes Licht
Porter wurde während Washingtons Playoff-Lauf zum besten Verteidiger der Zauberer... wenn er dies nicht bereits vorher war. Nur knapp 38% der gegnerischen Wurfversuche fanden ihr Ziel, wenn der Ex-Hoya zwischen ihnen und dem Korb stand. Eisig wurde es für alle Distanzschützen, denn die trafen nicht einmal ein Drittel ihrer Würfe in Porters Angesicht.

Das erstaunliche ist, dass Otto Porter bereits in der regulären Saison seine exzellenten Verteidigungskünste zeigte, nur eben meist an der zweiten Garde des Gegners. Die Playoffs baten dem jungen Flügel eine Bühne, die er zu nutzen wusste - auch wenn es "nur" für zehn Spiele war.


In der neuen Saison ist Porter zum ersten Mal in seiner Karriere als Starter klar gesetzt, legt mit 12,9 Punkten bei 50% aus dem Feld die mit Abstand besten Zahlen seiner Karriere auf. Ohne Paul Pierce und den verletzten Jared Dudley bleibt Randy Wittman nichts anderes übrig, als auf seinen Jungstar zurückzugreifen. Wittman hält mittlerweile nicht nur an Porter fest, sondern auch am Erfolgskonzept der Playoffs.

Small-Ball soll von nun an in der amerikanischen Hauptstadt regelmäßig praktiziert werden - zur Freude aller. Mit einem entfesselten John Wall und dem grünen Licht vor Augen, steht Otto Porter nun die schnellste Fahrt seiner Basketballkarriere bevor. Es bleibt zu hoffen, dass er das Tempo auf Dauer mitgehen kann und Washington ihm künftig alle Chancen bietet, seine vielversprechende Karriere erfolgreich zu gestalten.