11 November 2015

11. November, 2015


Die neue NBA-Saison ist gut unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Bradley Beal in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit artgerechten Häppchen zur NBA-Spielzeit 2015/16.

von NBACHEFSQUAD @nbachefkoch

Lahme Pelikane
Onur Alagöz @LakersParadigm ... Nichts ist schlimmer für einen gestandenen und talentierten Profi, als bei einem schlechten Team festzusitzen – just ask Kevin Garnett. One-Man-Wrecking-Crew, Alleinunterhalter, nennt es wie ihr wollt, aber bei den New Orleans Pelicans läuft im Augenblick nichts außer der „Anthony Davis Show“. Und selbst die droht nach Davis' Hüftverletzung im gestrigen Spiel gegen Dallas eine Weile auszufallen.

Der junge Mann aus Chicago reißt derzeit am Bayou in Louisiana wieder Fabelzahlen ab: Gerundet in etwa 25/10 Abend pro Abend. Elitäre Defense gibt’s umsonst obendrauf. Doof nur, dass der Rest des Teams die Memo nicht bekommen hat - oder einfach nicht in der Lage scheint, gesund zu bleiben. 


Der neue Head Coach Alvin Gentry hat es noch nicht geschafft, über längere Strecken guten Basketball aus seiner Rumpftruppe zu extrahieren. Die Pelicans sind abgeschlagen letzter, sowohl in der Western Conference Tabelle (1 Sieg und 6 Niederlagen) als auch bei der defensiven Effizienz (110.3 kassierte Punkte pro 100 Ballbesitze).

Kommt nicht Tyreke Evans als Katalysator schleunigst von seiner Knie-OP zurück, kann Jrue Holiday nicht endlich soviele Minuten abreißen, wie er das als Starter muss, wird’s schnell ganz düster in N'awlins. Welch eine Verschwendung! Davis in diesem Team spielen zu sehen, ist momentan wie einen Bugatti Veyron in der Garage stehen zu haben – und dann damit nur Brötchen holen fahren.  


Wiederauferstehung
Daniel Schlechtriem @W14Pick ... Harden trifft schlecht, die Rockets verlieren. Harden trifft gut, die Rockets gewinnen. Damit ist Houstons Saisonstart im Prinzip erklärt. Ein klein wenig mehr in die Tiefe wollen wir dennoch gehen.

Spiele 1-3: 12-54 FG (22%), 3-32 Dreier (9%), 
Spiele 4-7: 45-97 FG (46%), 15-43 Dreier (35%)

Nach dem miserablen Auftakt und drei niederschmetternden Niederlagen mit je 20 Punkten Differenz begannen die ersten Abgesänge auf den Bärtigen. Zu viel gefeiert im Sommer, zu viel mit den Kardashians abgehangen (endet generell nicht so gut, fragt mal Lamar Odom), sich auf den Lorbeeren des Player's MVP ausgeruht und ohnehin war das ja letzte Saison eher Glück.

So weit die Vorwürfe. Houston stand bei 0-3, die bis dato ungeschlagenen und wiedererstarkten Oklahoma City Thunder kamen in die Stadt. Ein völlig verkorkster Auftakt in die neue Spielzeit drohte, in der letztlich nur Nuancen den Unterschied zwischen einzelne Platzierungen an der Spitze des Westens entscheiden und kein Team früh einer Hypothek hinterherhecheln möchte.

Es sind Situationen wie diese, in denen großkalibrige Spieler ihr wahres Gesicht (bzw. ihren Bart) zeigen. Harden lieferte gegen sein Ex-Team mit 37 Punkten das bis dato beste Saisonspiel ab, traf zwar nicht überragend, dafür aber die wichtigen und entscheidenden Würfe und stellte somit die Weichen zurück in die Erfolgsspur.

Vier Siege in Folge haben die Rockets seither eingefahren und auch wenn noch ordentlich Sand im Getriebe steckt – die Roten gaben beispielsweise gegen dezimierte Kings mehrfach eine zweistellige Führung aus der Hand – können die Fans im Toyota Center aufatmen. Der Bart ist so mächtig wie zuvor.


Nun müssen aber auch die anderen liefern. Die Offensive kommt komplett zum Erliegen, wenn Harden eine seiner wenigen Verschnaufpausen bekommt. Schon letztes Jahr führte die Nummer 13 die Rockets  mehr oder weniger im Alleingang zu Platz zwei im Westen und dem Southwest Division Title. Ewig geht das nicht gut. 

Hoffnung macht Dwight Howard, der gute Leistungen abliefert, dessen genauen Gesundheitszustand aber niemand richtig kennt. In Clint Capela steht zwar ein Backup bereit, der mit seinen erst 21 Jahren weitaus mehr aufs Parkett bringt als Vorgänger Joey Dorsey (keine allzu große Kunst, schon klar). Dennoch ist das geschaffene Niveau des Vorjahres, an dem sich in Houston nun jeder orientiert, nur mit einem gesunden Dwight erreichbar. 

Der Spielplan meint es gut mit Houston. Um es als Team dem besten Spieler gleich zu machen und endlich in Fahrt zu kommen, dazu gibt es nun Gelegenheit genug. Bis kurz vor Weihnachten heißen die namhaftesten Gegner Memphis und Washington. 


Nets could go 0-82
Pascal Gietler @PascalCTB ... Was aktuell in Brooklyn passiert, verstehen wohl die wenigsten. Während die komplette Liga den Kopf schüttelt, reibt sich Danny Ainge in Boston bereits die Hände wund, denn die Celtics könnten trotz Playoffs einen Top-3 Pick abstauben. Und das ist keinesfalls übertrieben. Der Saisonstart der Nets war in jeder Hinsicht katastrophal.

Leider sind wir in diesem Format an ein gewisses Zeichenlimit gebunden und dieses verbietet mit die Spielweise der Truppe aus dem Borough komplett gegen den Strich zu rasieren, aber eine Kategorie sticht bei all den miesen Dingen aus der Menge heraus: Shooting. Wir alle wussten, dass Jarrett Jack kein Distanzschütze ist, auch Rookie Rondae Hollis-Jefferson weiß nicht so recht, wo der Korb hängt. 

Brook Lopez soll trotz softem Touch und Fähigkeiten als abrollender Spieler in Pick & Roll-Situationen natürlich auch nicht als Spot-Up-Shoother fungieren, aber vom Rest hätte man zumindest erwarten können, dass der so eminent wichtige Distanzwurf probiert wird... mitnichten. Obwohl die Zone häufig und gut zugestellt wird, um Zonenpunkte zu sammeln, wird immer und immer und immer wieder der Spalding gedribbelt, um zum Drive anzusetzen. Das Resultat? Ineffiziente Mitteldistanzwürfe, Turnover, wilde Abschlüsse am Ring. (Hier weiterlesen...)


Steph Gonna Steph
Tiago Pereira @24Sekunden ... Curry ist in diesen Tagen in aller Munde. Nicht nur beim Asiaten um die Ecke, sondern auch in der NBA. Denn Steph Curry spielt in den ersten Partien der neuen Saison im feuerroten NBA Jam Modus. Den nackten Wahnsinn des vielleicht besten Spielers der NBA gibt es deshalb mundgerecht im folgenden #StatSalat. Achtung heiß!!

• Seit 1989 erzielte nur Michael Jordan in seinen ersten sechs Partien mehr Punkte (214) als Steph Curry (213).
• Steph Curry ist aktuell der zweitbeste Scoring Point Guard der Historie. Nur Nate „Tiny“ Archibald kommt auf einen höheren Saisonschnitt (34.0 PPG in der Saison 1972/73) als der amtierende MVP bisher (32.4 PPG)
• 12.3 Punkte im Schnitt erzielt der Warriors-Aufbau allein im dritten Viertel. Zum Vergleich: die Starting Point Guards Rajon Rondo (11.8), Tony Parker (11.3) Ty Lawson (10.9) und Goran Dragic (10.1) erzielen alle weniger... pro Partie!
• Saisonübergreifend hat Steph Curry in seinen letzten 37 regulären Partien (no Playoffs) 166 von 329 Dreier getroffen. Trefferquote von Downtown: 50.5%!!
• In 81 aufeinanderfolgenden Spielen hat Stephen Curry mindestens einen Dreier erzielt. Das ist die drittlängste Serie der NBA-Historie
• Wilt Chamberlain hält den höchsten PER-Wert der NBA-Geschichte mit 31.82 (erzielt in der Saison 1962/63). Steph Currys aktueller PER liegt bei 37.14



Wiederauferstehung, Pt. 2
Seb Dumitru @nbachefkoch ... Sieben. Latrine. Pistons. Zusammenhang? Ja. Das letzte Mal, dass die Pistons in der NBA relevant waren, duellierten sich Lakers und Celtics in den NBA-Finals, Greg Oden war der begehrteste Youngster der Liga und Andris Biedriņš führte alle qualifizierten Spieler bei der Trefferquote aus dem Feld an.

Detroit gewann damals zum vorerst letzten Mal mehr als die Hälfte seiner Partien, scheiterte im Conference Finale am späteren Champion aus der Teestadt. Seither wartet das Team aus der Motor City vergeblich auf eine Playoff-Teilnahme.

Das Warten könnte ein Ende haben, denn ein kleiner, brillanter Stratege hat aus den miefenden Haufen namens Pistons-Kader, den er 2014 von ex-GM Joe Dumars erbte, im Eiltempo einen respektablen Gegner geformt, der jeden Opponenten vor Probleme stellt. Es brauchte schon die amtierenden Champions und Eis-coolen Golden State Warriors, um den heißgelaufenen Pistons-Motor vorerst zu beruhigen.

Die von van Gundy im Sommer neu zusammengestellte erste Fünf klickt, lebt von der Pick & Roll Gefahr des jungen Duos Andre Drummond und Reggie Jackson. Die Schützen Kentavious Caldwell-Pope, Marcus Morris und Ersan Ilyasova haben durch ihre Präsenz außen ebenfalls großen Anteil am guten Start. Auch Rookie Stanley Johnson trägt durch seine Extraklasse in der Verteidigung entscheidend bei, hat durch seine Lockdown-Qualitäten im Halbfeld die Pistons-Defensive unter den zehn besten der Liga etabliert.


Es wird kein Durchmarsch in die Playoffs für dieses frühe Überraschungsteam, das seine Gegner bisher mit einer so noch nicht an den Tag gelegten Spielweise blitzte und sich künftig sicherlich besser ein- und aufgestellten Mannschaften gegenüber sehen wird.

Die Ersatzbank, eigentlich Garant für Konstanz und solide Siegesserien während der regulären Saison, ist katastrophal. Hier hatte van Gundy bisher einfach noch nicht die Zeit, nachzubessern - oder es fehlte ihm schlicht das Tradematerial.

Aber Detroit wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut. Die Pistons werden besser und stabiler auftreten als in der Vergangenheit, hart verteidigen und sich nach und nach eine echte Identität erspielen. Das ist der Verdienst von van Gundy, der diese junge Truppe nicht nur coacht, sondern im Alleingang die gesamte Franchise-Kultur nach seinen Vorstellungen gestalten darf.

Die Playoffs sind - vor allem nach diesem Start - noch realistischer als sie es vor der Saison schon waren. Wer hätte diesen Satz in den letzten Jahren gelesen, ohne dabei mindestens eine Augenbraue zu verziehen?