09 November 2015

9. November, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(35-3, Elite Eight der March Madness)
Die Zags waren gerüstet für den großen Wurf. Selten war ein Team aus Spokane so tief und gleichzeitig qualitativ hochwertig besetzt, wie in der letzten Saison. Die ersten sechs Spieler der Rotation gehörten in dieser Kombination zur Elite des College Basketballs. Einzig eine Niederlage gegen Arizona war lange Zeit der kleine Fleck auf der ansonsten weißen Weste. Allerdings verloren die Zags ihr letztes Heimspiel der Saison gegen BYU, was die erste Heimniederlage seit Dezember 2012 bedeutete, und es kamen wieder die alljährlichen Zweifel an der Toughness der Zags auf. 

Doch mit jedem Sieg im NCAA Tournament verflüchtigten sich die Sorgen ein wenig mehr. Die Bulldogs stießen bis ins Elite Eight vor, wo sie auf den späteren Meister Duke trafen. Auch wenn sich das Endergebnis von 52:66 deutlich liest, war die Partie bis acht Minuten vor dem Ende ausgeglichen, ehe die Zags zwei leichte Korbleger verfehlten und Duke eiskalt konterte. Das Final Four war selten so nah gewesen für Mark Few und sein Team.

Kader
Kyle Dranginis (Wing, 6’5’’, Senior)
Przemek Karnowski (Big, 7’1’’, Senior)
Eric McClellan (Guard, 6’4’’, Senior)
Kyle Wiltjer (Big, 6’10’’, Senior)
Ryan Edwards (Big, 7’1’’, Sophomore)
Silas Melson (Guard, 6’4’’, Sophomore)
Domantas Sabonis (Big, 6’11’’, Sophomore)
Bryan Alberts (Wing, 6’5’’, Freshman)
Josh Perkins (Guard, 6’3’’, Freshman)

Das unzertrennliche und höchst erfolgreiche Guard Duo bestehend aus Kevin Pangos und Gary Bell Jr. ist nicht mehr zur Stelle in brenzligen Lagen. Dank der Verlässlichkeit des Gespanns gewannen die Zags in den vier Jahren mit den beiden als Taktgebern 122 von 142 Spielen. Kevin Pangos führt die schulinterne Liste bei den erfolgreichen Dreiern an und Gary Bell Jr. gehört sicherlich zu den besten Verteidigern, die je für Gonzaga aufliefen. 

Auch Byron Wesley war eine gute Ergänzung in der Starting Five und fügte sich sofort ins Team ein. Ohne die drei Starter im Backcourt sind viele Minuten freigeworden. Doch nur wenige werden auf die spärlichen Neuzugänge entfallen. Bryan Alberts ist der einzige Spieler, der im Vergleich zu letzter Saison in den Kader aufrücken und Minuten sehen wird.

Starting Backcourt
Josh Perkins, Sheldon McClellan, Kyle Dranginis

Nach auskuriertem Kieferbruch rückt Josh Perkins direkt in die Startformation auf. Kevin Pangos adäquat zu ersetzen, würde den wenigsten Aufbauspielern auf Anhieb gelingen. Insofern muss sich Perkins nicht allzu sehr unter Druck setzen lassen. Ähnlich wie Pangos ist er in der Lage, seine Würfe zu erarbeiten und als Scorer in Erscheinung zu treten. Daher ist es durchaus vorstellbar, dass er auch viel Zeit abseits des Balls verbringen wird. Zumal ihm mit McClellan ein weiterer fähiger Ballhandler zur Seite steht. 

So kann Perkins seinen sauberen Wurf viel gezielter einsetzen. In diesem Jahr gibt es weniger ausgewiesene Shooter im Kader als in der Vergangenheit, weshalb es umso wichtiger für das Spacing der Zags wäre, dass Perkins möglichst viele offene Dreier einnetzen kann. Das Spiel zu lenken wäre vermutlich noch zu viel verlangt vom Rookie, allerdings sollte er zumindest im Pick & Roll gute Entscheidungen treffen und sich insgesamt nicht so viele Fehler leisten.

Der bereits erwähnte Sheldon McClellan stieg mitten in der abgelaufenen Saison nach erhaltener Freigabe ein. Der Vanderbilt Transfer konnte sofort eine Backup Rolle hinter Bell Jr. erhaschen. Ähnlich wie dieser ist McClellan in erster Linie ein ausgezeichneter Verteidiger. Er bringt eine gute Länge mit und ist zeitgleich flink auf den Beinen unterwegs. Damit kann er alle drei Außenpositionen problemlos verteidigen und sollte ein guter Bell Ersatz werden. 

McClellan ist in der Offense ein passabler Ballhandler, der auch mal das Spielgerät über die Mittellinie tragen kann. Diese Aufgabe könnte er gerade bis zum Conference Beginn gegen stärkere Gegner häufiger mal übernehmen, um den jüngeren Guards im Team die Last von den Schultern zu nehmen. Er ist nicht der kreativste Kopf unter den Aufbauspielern, findet aber aus dem Pick & Roll heraus oft den Big Man und kann somit einen Angriff entscheidend beeinflussen.

Kyle Dranginis arbeitete sich über die Jahre stetig in der Hierarchie hoch und hat sich mittlerweile einen Platz in der Starting Five redlich verdient. Er ist mehr als nur eine Notlösung, die der fehlenden Kadertiefe geschuldet ist. Dranginis ist ein unspektakulärer, aber ungemein effektiver Verteidiger. Seine Grundlagen sind hervorragend, weshalb er selten von seinem Matchup geschlagen wird. Auf Fakes reagiert der Flügelspieler überhaupt nicht, ist aber gleichzeitig trotzdem sehr reaktionsschnell, wenn sein Kontrahent den ersten Schritt zum Korb aufsetzt. Auch als Teamverteidiger ist Dranginis sehr aktiv. 

In vielen Help-the-Helper Situationen bewahrt er sein Team vor leichten Punkten in der Zone. Davon profitieren besonders die Big Men, die leider nicht die schnellsten ihrer Gattung sind. In dem Wissen, das in ihrem Rücken ein wachsamer Dranginis Durchstecker abfälscht oder sogar abfängt, können die Bigs trotz ihrer Geschwindigkeitsnachteile unfallfrei helfen. Offensiv ist Dranginis’ größte Waffe sein sicherer Spot-up-Dreier. Er ist einer der wenigen Spieler des Kaders, die schon bewiesen haben, dass ihre Würfe konstant über eine Saison fallen können. Da die Offense der Zags von einer gewissen Ausgewogenheit aus Inside- und Outsidegame lebt, wird der Senior also auch im Angriff eine nicht zu unterschätzende Rolle einnehmen.


Starting Frontcourt
Kyle Wiltjer, Przemek Karnowski

Als Freshman gewann Kyle Wiltjer mit Kentucky die Meisterschaft, wurde jedoch anschließend nicht glücklich dort und explodierte förmlich nach seiner einjährigen Wechselpause in der letzten Saison. Es gibt sicher nicht viele Big Men in der NCAA, die ein derart variables Arsenal zum Knacken einer Defense besitzen wie der Kanadier. Vorrangig sticht sein hervorragender Distanzwurf hervor. Mit seiner Fähigkeit, auch aus sieben Metern locker den Wurf zu treffen, lockt er seine Gegenspieler aus ihrem gewohnten Terrain nach draußen und sorgt damit für eine Menge Platz in der Zone. 

Hat er sich erst mal warm geworfen und gehen seine Gegenspieler deshalb dazu über, panisch auf ihn heraus zu stürmen, setzt Wiltjer seine zweite Waffe ein. Er attackiert Closeouts dank seiner guten Auffassungsgabe und seines guardähnlichen Ballhandlings mit berechnender Akkuranz. Dabei erhöht er selber nicht das Tempo und verhindert unnötige Hast. 

Stattdessen zieht er höchst kontrolliert zum Korb. Versucht ein anderer Verteidiger zu helfen, kann Wiltjer einem Offensivfoul mit seinem Floater oder einem Eurostep Korbleger ausweichen. Auch der Durchstecker auf die Frontcourt Kollegen ist immer eine Option. Speziell mit Karnowski verschmilzt Wiltjer gerne zum Hybrid. Die beiden setzen sich gegenseitig mit High-Low-Anspielen oder Durchsteckern gekonnt in Szene und spielen ihre Gegner schwindelig. Das Postgame konnte Wiltjer bisher am meisten verbessern. 

Zum einen hat er nun die nötige Mentalität, um sich in Brettnähe mit Körperkontakt durchzusetzen. Zum anderen ist Wiltjer Fußarbeit stark verbessert und er kann sich mit verschiedenen Moves um seine Gegenspieler herumwinden. Defensiv ist er noch immer anfällig und stets gefährdet, in kurzer Zeit eine besorgniserregende Menge an Fouls zu verursachen, doch auch hier stellt er sich nun geschickter an und verhindert beispielsweise Handchecking ganz gut.

Przemek Karnowski geht nun schon ins letzte Jahr bei den Zags. Der schwergewichtige Hüne streifte sich im Spätsommer das Trikot der polnischen Nationalmannschaft über und knüpfte an seine gute EM Qualifikation aus dem Vorsommer an. Als Backup von Marcin Gortat erhielt er von dem NBA Veteranen viele Tipps und konnte zugleich auf höchstem Niveau Akzente setzen. Seit seiner ersten Saison hat sich aber insgesamt wenig am Spiel des Big Mans geändert. 

Er kann immer noch nicht über ein gefaltetes Blatt Papier springen, nutzt offensiv immer noch in 95 Prozent der Fälle seine linke Hand und auch seine Freiwurfquote ist weiterhin ausbaufähig. Dafür hat er jedoch seine Stärken bis an die Perfektion entwickelt und kann sich deshalb in der Zone mühelos durchsetzen. Karnowskis Dropsteps sind kaum zu verteidigen, obwohl jeder Gegner weiß, dass er nur die linke Hand benutzen will. Selbst wenn Karnowski nicht direkt einen guten Wurf hat, bleibt er ruhig und verwendet Finten oder Up-and-Under-Bewegungen. 

Sein Touch ist hervorragend und zudem hat er ein gutes Gespür für die Situation. Er kann genau einschätzen, in welchem Winkel er gerade zum Korb steht und ob er folglich lieber das Brett nutzen sollte oder nicht. Karnowskis Hände fangen jeden Ball und Durchstecker ohne großes Nachgreifen. Daher ist er auch ein guter Pick & Roll Partner für die Guards. Zumal er auch sehr solide Blöcke stellt. Zwischen seinen Frontcourt Kollegen und Karnowski haben sich ebenfalls in kürzester Zeit Synergien entwickelt. 

Das Trio kann einander vom Highpost perfekt in Szene setzen und umgekehrt genau einschätzen, wann und wohin der Pass kommt. Karnowski überrascht dabei seine Gegner immer mit einem Spielwitz, den sie ihrem Gegner wohl aufgrund seiner behäbigen Bewegungen nicht zutrauen.

Bank
Bryan Alberts, Silas Melson, Domantas Sabonis, Ryan Edwards

Die fehlende Tiefe des Kaders könnte der Neckbreaker für die ambitionierten Zags sein, wenn es im März gegen die großen Titelaspiranten geht. Gerade auf den kleinen Positionen fehlt die Erfahrung. 

Silas Melson rückte in der vergangenen Saison als Backup von Kevin Pangos auf, nachdem sich Perkins verletzt hatte. Melson verrichtete seine Sache auf dem Parkett ordentlich, wobei seine Minutenzahl hinter Pangos den Eindrücken nur wenig Aussagekraft verleiht. Im Zweifelsfall fiel Melson sogar aus der Rotation und McClellan übernahm zusätzlich seine Minuten. Immerhin konnte Melson im Sommer wichtige Erfahrungen im Trainingscamp der U19 Nationalmannschaft sammeln, auch wenn er den finalen Cut nicht überstand.

Bryan Alberts findet bei den wenigsten Previews Beachtung, obwohl Alberts eine durchaus wichtige Rolle in der Rotation einnehmen wird. Der Redshirt Freshman nutzte das vergangene Jahr zur Festigung seiner Skills. In seiner Premierensaison auf dem Court soll Alberts die Rolle eines 3-and-D-Spielers übernehmen. Besonders sein Dreier ist eine ernstzunehmende Waffe.

Domantas Sabonis würde wahrscheinlich in 345 von 351 Division I Teams starten, vielleicht sogar in noch mehr. Doch bei den Zags gibt es kein Vorbeikommen am Duo Wiltjer-Karnowski. Die beiden ergänzen sich hervorragend und sind offensiv die beste Frontcourt Kombination der NCAA. Sabonis gibt den Backup von beiden und harmoniert hervorragend mit den Startern, da er sehr variabel ist und sowohl inside (mit Wiltjer auf dem Feld) als auch outside (mit Karnowski auf dem Feld) agieren kann. In der Zone setzt sich Sabonis vehement durch. Er besticht durch Kraft, Fußarbeit und Touch. 

Dass Sabonis’ Feldwurfquote mit 66,8 Prozent höher als seine Freiwurfquote (66,4 Prozent) ist, spricht Bände und ist ein sensationeller Wert für einen so jungen Big Man. Zudem bringt er jede Menge Athletik auf das Spielfeld, wenn er für Wiltjer oder Karnowski ausgetauscht wird. Als Passgeber vom Highpost hat sich Sabonis in der Kürze der Zeit ebenfalls einen Namen gemacht. Die Nominierung in den EM Kader Litauens war die passende Belohnung für das starke letzte Jahr. Zwar sah er kaum Minuten, doch alleine die Erfahrung mit den erfahrenen Topspielern wird Sabonis weitergebracht haben.

Als Notnagel sitzt zu guter Letzt noch Ryan Edwards auf der Bank. Der Redshirt Sophomore bringt zumindest eine gute Größe mit und kann daher in der Defense ein paar Würfe stören. Er wird jedoch nur auf das Parkett geschickt, wenn das Big Man Trio sich in argen Foulproblemen befindet.

Stil
Die Bulldogs zählen unter Mark Few traditionell zu den besten Offensivteams der NCAA. Ihr Spacing, ihre Ballmovement und die Mischung aus Inside-Outside-Game ist faszinierend und einzigartig im College Basketball. Die Zags zelebrieren Teambasketball und jeder Zuschauer wird schnell gefallen an der flüssigen Offense finden. Nun wird sich in der anstehenden Spielzeit zeigen müssen, wie flüssig das Spiel sein kann, wenn es keinen klaren Anführer mehr auf der Aufbauposition gibt und auch das Shooting leicht abgenommen hat. Das gibt Teams die Chance, durch aggressive Perimeter Defense und geschicktes Doppeln, die Big Man Riege aus dem Spiel zu nehmen. Darauf sollten sich die Bulldogs einstellen.


NBA Kandidaten
Die besten Chancen hat wohl Domantas Sabonis. Der Litauer ist noch sehr jung, offensiv sehr vielseitig einsetzbar und auch athletisch genug, um in der NBA mithalten zu können. Seine Leistungen in der kommenden Saison könnten dazu führen, dass er sogar in der ersten Runde gezogen wird. Kyle Wiltjer und Przemek Karnowski sind offensiv ebenfalls für die NBA ausgerüstet, allerdings fehlt beiden die Athletik. Wiltjer hat als Stretch Big leicht bessere Chancen.

BBL Kandidaten
Wiltjer und Karnowski werden daher vermutlich im nächsten Sommer in Europa unterschreiben. Beide sind allerdings nur in Reichweite für international agierende Teams. In der BBL werden nur wenige Teams in der Lage sein, die beiden zu sich zu lotsen. Ob das dann jedoch auch zur spielerische Anforderung passt, wird sich zeigen müssen. Daher ist ein Engagement beider in der Bundesliga nicht sonderlich realistisch, aber immerhin möglich.

Prediction
Das Frontcourt Trio ist offensiv das Beste, was die NCAA zu bieten hat und ist dank guter Team-Defense auch in dieser Hinsicht weniger anfällig, als man vielleicht meinen könnte. Die entscheidende Komponente ist daher der Backcourt. Treffen die Guards ihre Jumper? Können sie das Setplay organisieren? Geben sie den Big Men genug Touches? Diese Aspekte werden darüber entscheiden, wie weit Gonzaga im März vorstoßen kann. Dass die Zags die Division wieder einmal dominieren werden, steht schon fast außer Frage. Auch auf die Premiere in Japan zum ersten Saisonspiel gegen Pittsburgh darf man gespannt sein.

Wichtige Spiele
Samstag, 05.12. vs. Arizona
Samstag, 12.12. vs. UCLA
Donnerstag, 21.01. vs. St. Mary’s
Samstag, 13.02. vs. SMU
Samstag, 27.02. vs. BYU