12 November 2015

12. November, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(27-9, Round of 32 der March Madness)
Bereits die ersten Wochen der Saison verliefen schleppend und schienen die Ambitionen des Power House Kansas zu dämpfen. Besonders die Freshmen enttäuschten und durften in der ersten Wochen kaum (Oubre) oder gar nicht (Alexander) auf das Feld. Weder offensiv noch defensiv konnten Jayhawks das Vorjahresniveau erreichen. Zudem machte sich das Fehlen eines großen Innenspielers bemerkbar. 

Viele gute Angriffe blieben ungenutzt und Lücken in der Defense wurden selten von einem entschlossen helfenden Big Man bereinigt. Auch die Freshmen kamen kaum in Tritt und lediglich Oubre konnte partiell sein Talent andeuten. Immerhin Aufbauspieler Frank Mason III nutzte seine Chance und übernahm den Part des Anführers. Dennoch konnte er nicht verhindern, dass Kansas ausgerechnet gegen den kleineren Rivalen Wichita State in der zweiten Partie des NCAA Tournaments rausflog.

Kader
Perry Ellis (Big, 6’8’’, Senior)
Hunter Mickelson (Big, 6’10’’, Senior)
Jamari Traylor (Big, 6’8’’, Senior)
Brannen Greene (Wing, 6’7’’, Junior)
Landen Lucas (Big, 6’10’’, Junior)
Frank Mason III (Guard, 5’11’’, Junior)
Wayne Selden Jr. (Wing, 6’5’’, Junior)
Devonte’ Graham (Guard, 6’2’’, Sophomore)
Sviatoslav Mykhailiuk (Wing, 6’8’’, Sophomore)
Carlton Bragg Jr. (Big, 6’9’’, Freshman)
Cheick Diallo (Big, 6’9’’, Freshman)
Lagerald Vick (Wing, 6’5’’, Freshman)

Im Kern kann Bill Self wieder auf die gleichen Stützen setzen wie in der letzten Saison. Dadurch schicken die Jayhawks einen relativ erfahrenen Kader ins Rennen. Nur punktuell konnte Self Verstärkungen rekrutieren. Die beiden Innenspieler Cheick Diallo und Carlton Bragg Jr. sind hochtalentierte Athleten, die früher oder später in der NBA Station machen sollten. Lagerald Vick ist mittelfristig ein interessanter Zugang, der sein erstes Jahr vor allem im Kraftraum verbringen wird. Die beiden abgewanderten Kelly Oubre und Cliff Alexander hinterlassen keine allzu großen Lücken und werden sicherlich nur bedingt vermisst.



Starting Backcourt
Frank Mason III, Wayne Selden Jr., Brannen Greene

Ursprünglich war Frank Mason III nur als Beifang einer der stärksten Kansas Recruiting Klassen des letzten Jahrzehnts betrachtet worden. Doch nachdem die gleichaltrigen Kollegen Wiggins und Embiid nun in der NBA unter Vertrag stehen und Wayne Selden immer häufiger in die Schublade „ewiges Talent“ eingeordnet wird, bauen die Jayhawks auf Mason als Anführer. Schon in der letzten Saison durfte Mason als Sophomore regelmäßig 30 Minuten auf dem Parkett verbringen und war der Initiator der Offense. 

In dieser Rolle konnte der athletische Guard viele wichtige Lektionen lernen und ist jetzt bereit, das Verinnerlichte in die Praxis umzusetzen. Mason ist vorrangig ein Aufbauspieler mit einem starken Drang zum Korb. Auch wenn er relativ klein ist, kann er sich dank seiner Schnelligkeit und seines kräftigen Oberkörpers auch in der Zone durchsetzen. Bevorzugt attackiert er aus dem High Pick & Roll. Viele Verteidigungen sind dazu übergegangen, ihm die linke Hand anzubieten, um den Drive über die starke rechte Hand zu unterbinden. Doch das geht meist nach hinten los. 

Denn Mason ist sehr geschickt darin, seinen Körper zwischen Gegenspieler und Ball zu schieben. Besonders am Ring ist das Finish mit der linken Hand bei gleichzeitigem Absprung vom linken Bein kaum zu verteidigen und meist endet diese Situation mit einem Dreipunktespiel. Zudem konnte Mason auch als Schütze Fortschritte verzeichnen und trifft wesentlich besser aus dem Dribbling. Sollte Mason in der kommenden Spielzeit noch eine bessere Balance zwischen eigenem Abschluss und Kickout zum Mitspieler finden, muss er sicher zu den zehn besten Aufbauspielern der NCAA gezählt werden.

Wayne Selden Jr. ist erst Junior und dennoch scheint er gefühlsmäßig schon viel länger bei den Jayhawks zu spielen. Dieses Gefühl ist in der Collegewelt weit verbreitet und entsprechend werden an den vielseitigen Guard auch hohe Erwartungen für die anstehende Saison gestellt. Bereits letzte Saison sollte er zum Team MVP aufsteigen und seine Mannschaft souverän durch die Runden des Tournaments führen.

 Da ihm dies nicht gelang, musste der damalige Sophomore harsche Kritik einstecken. In Teilen war diese auch sicherlich nicht ganz unangebracht. Selden spielte inkonstant und fand in vielen Spielen keinen offensiven Rhythmus. Auch sein Wurf konnte nicht als stabil angesehen werden. Was jedoch viel zu schnell vergessen wird, ist die Tatsache, dass Selden in erster Linie ein starker Verteidiger und Teamplayer ist. Und diesen Part konnte der Wing auf ein neues Level hieven. 

Defensiv stoppt er regelmäßig den besten Backcourt Spieler des Gegners, während er offensiv oft das Pick & Roll als Ballhandler läuft und seine Mitspieler, speziell Ellis, geschickt mit Anspielen füttert. Gelingt es Selden in seinem dritten Jahr sein offensives Repertoire dahingehend auszuweiten, dass er seinen Gegenspieler im Eins-gegen-Eins schlagen kann, wäre das ein riesiger Schritt in seiner Entwicklung und würde die Jayhawks zu einem unberechenbaren Team werden lassen. 

Brannen Greene ist der dritte Junior im Bunde und wahrscheinlich neben Mason der Akteur im Kansas Kader, der sich zuletzt am deutlichsten steigern konnte. Aufgrund seiner Wurfstärke und seiner Länge spielte sich Greene zwischenzeitlich sogar auf den Radar einiger Draft Portale. In der Tat ist Greene ein prototypischer Kandidat für die Rolle des Three-and-D-Spielers. Auch bei Kansas wird Greene bereits so eingesetzt. 

Offensiv fackelt der Flügelspieler nicht lange, wenn er frei an der Dreierlinie steht. Sein Wurf ist extrem schnell und sehr sicher. Auch aus Screens kommend ordnet Greene seine Füße sehr schnell und verwandelt seine Jumper. In der Defense sind seine Größe und Länge die größten Trümpfe. Dazu ist Greene sehr beweglich, weshalb er auch Guards vor sich halten kann. Trotz aller Vorzüge muss Greene jedoch auf der Hut davor sein, dass ihm der Ukrainer Mykhailiuk nicht den Rang abläuft.

Starting Frontcourt
Perry Ellis, Cheick Diallo

Perry Ellis geht nun schon in seine finale Saison bei den Jayhawks und gehört fast schon zum festen Inventar des Allen Fieldhouse. Er ist die erste Anlaufstelle in der Offense und seine vielseitige Einsetzbarkeit wird von Self vehement genutzt. Daher ist es schon eine tradierte Routine, dass der erste Angriff eines Spiels über den Power Forward läuft. Meist erhält er dem Ball auf dem Highpost, von wo aus er den Großteil seiner Aktionen startet. Diese können eine ganze Bandbreite von Moves und Optionen abdecken, die in dieser ausgeformten Unberechenbarkeit außergewöhnlich sind. 

Ellis kann mit beiden Händen zum Korb ziehen, wobei er seine schwächere linke Hand sogar oft favorisiert. Dank seines schnellen ersten Schrittes, schlägt er die langsameren Gegenspieler mühelos. Seine wahre Qualität bei solchen Drives besteht darin, dass er die sich bietenden Gelegenheiten und Optionen in kürzester Zeit lesen und sich für die richtige Auswahl entscheiden kann. Ellis vermeidet Offensivfouls, wird selten abgeräumt und findet oft den freien Mitspieler. Damit ist er sozusagen ein zweiter Spielmacher auf dem Feld. 

Kleinere Gegenspieler vernascht der Power Forward im Lowpost, wo er sich dank guter Fußarbeit, hoher Spielintelligenz und vielen Fakes immer einen offenen Layup oder Jumphook erspielen kann. Dass er beide Hände zum Abschluss gleichstark nutzt, macht die Sache für die Verteidigung nicht gerade einfacher. Eine weitere gern genutzte Waffe ist das Pick & Pop zwischen Mason und Ellis. Ellis ist mittlerweile ein ordentlicher Schütze im Catch-and-Shoot. Gleichzeitig kann er auch hier wieder Closeouts attackieren oder seine Passqualitäten in High-Low-Situationen unter Beweis stellen. Ansonsten ist Ellis ein guter Rebounder und passabler Verteidiger, der allerdings immer Foulpfiffe gegen sich magisch herauf beschwört. Konstanz ist daher das Stichwort.

Bei Cheick Diallo zieht sich das Ringen um die Spielberechtigung in die Länge. Absolventen seiner Highschool hatten in der jüngeren Vergangenheit öfter Probleme, ihre akademischen Leistungen von der NCAA anrechnen zu lassen.  Diallo kommt ursprünglich aus Mali und wechselte 2012 an eine New Yorker Highschool, um seinem Traum von einer Profikarriere näher zu kommen. Während dieser letzten drei Jahren konnte sich der Big Man hervorragend weiterentwickeln und sollte sich spätestens mit der MVP Auszeichnung beim All American Game im Frühjahr einen Ruf als legitimer NBA Anwärter erspielt haben. 

Diallo ist ein herausragender Athlet. Coach Self zeigte sich beeindruckt von der Schnelligkeit und Sprungkraft seines Neuzugangs und kündigte bereits an, dass das Mannschaftsspiel mit Diallo schneller werde. Daher sollte der Freshman viele leichte Punkte in der Transition verbuchen können. Gleichzeitig investierte er über den Sommer viel Arbeit in seinen Wurf und hat dort mittlerweile einen soliden Stand erreicht. Auch defensiv wird Diallo seinen Einfluss auf das Spiel haben, da er mit seiner Spannweite und seinem exzellenten Timing viele Würfe blocken kann und auch als Rebounder in Erscheinung treten sollte. Diallo gibt Kansas damit eine Zonenpräsenz, die zuletzt schmerzlich vermisst wurde.

Bank
Carlton Bragg Jr., Devonte’ Graham, Landen Lucas, Sviatoslav Mykhailiuk, Jamari Traylor, Hunter Mickelson, Lagerald Vick

Devonte’ Graham würde bei vielen Colleges sicher starten und zu den besseren Spielern des Kaders zählen. Doch im tiefen Kansas Kader wird er um jede Minute auf dem Feld hart kämpfen müssen. In der Vorbereitung experimentierte Self auch mit einer Two-Guard-Lineup in der Starting Five. Dass das Praxis wird, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Ähnlich wie Mason ist Graham sehr schnell und kann Lücken in die Defense reißen. Da er körperlich noch nicht so weit ist, entscheidet er sich jedoch in der Regel für den Pass und nicht für den eigenen Abschluss. Kann er hier noch die Hektik aus seinen Entscheidungen verbannen und dafür mehr Präzision etablieren, wird Graham ein belebendes Element von der Bank darstellen.

Svi Mykhailiuk ist immer noch jünger also so mancher Freshman in der NCAA und geht dennoch schon ins zweite Jahr in Kansas. Während das erste Jahr vor allem der persönlichen Entwicklung dienen sollte und sich der Youngster erst einmal an das neue Umfeld gewöhnen musste, ist er nun bereit, größere Spielanteile zu sehen und sein Talent auf das Parkett zu bringen. Der Ukrainer hat einen wunderbaren Wurf und zeigt auch als Ballhandler Potential. Es wäre nicht verwunderlich, wenn er gegen Ende der Saison ein Teil der Startformation wäre.

Im Schatten von Diallo wird oft Freshman Kollege Carlton Bragg Jr. vollkommen außer Acht gelassen. Dabei ist der Big Man vielleicht aus NBA Perspektive gesehen der interessanteste Spieler im Kader der Jayhawks. Im Gedächtnis vieler Fans dürfte noch sein unglücklicher Versprecher bei der Pressekonferenz anlässlich seines Commitments haften geblieben sein. Damals sagte er Kentucky statt Kansas und sorgte für viel Verwirrung. Trotz dieser Startschwierigkeiten werden die Massen in Lawrence sicher schnell Gefallen am sprunggewaltigen Power Forward finden.

Jamari Traylor ist einer der Lieblinge von Coach Self. Auch wenn er noch immer kein sonderlich guter Basketballspieler ist, sind seine Einstellung und sein Engagement für seine Mitspieler oft eine Inspiration. Mit seiner Einwechselung steigt das Energielevel automatisch. Seine Hustleplays sichern den Jayhawks viele Ballbesitze. Seine fehlenden Zentimeter macht er durch Kraft und Athletik wett. Zudem hat er über die Jahre gelernt, wie er von Ellis profitieren und somit auch offensiv seine Nische finden kann.

Durch die Schwächen und Ausfälle von Alexander konnte Landen Lucas als Sophomore viele wichtige Minuten sehen, die sich für seine Entwicklung als förderlich erweisen werden. Lucas ist kein dominanter Innenspieler, aber in allen seinen Aktionen sehr solide unterwegs. Ihm unterlaufen selten Fehler und er konzentriert sich darauf die Dinge mit großer Sorgfalt zu verrichten, die er kann und seine Grenzen nicht künstlich erweitern zu wollen. In der Defense ist er im Pick & Roll und als Helpverteidiger eine Hilfe, auch wenn er seine Foulrate noch drosseln könnte. Offensiv zeigt er immer wieder einen guten Touch und weiche Hände. 

Hunter Mickelson wird auch in seinem letzten College Jahr nur in der erweiterten Rotation zu finden sein. Der ehemalige Transfer konnte letztes Jahr nicht die Akzente setzen, die sich Self vermutlich erhofft hatte. Mickelson ist aber ein Teamplayer, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt und in seinen Minuten das Maximum an Einsatz zeigt. Ihn als weiteren Big Man für Foulprobleme zur Hand zu haben, ist ein großer Luxus.

Lagerald Vick wird es angesichts des tiefen Kaders nicht in die reguläre Rotation schaffen. Für ihn geht es vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln und körperlich zuzulegen.

Stil
Coach Self hat bereits angekündigt, schneller spielen zu wollen als normalerweise üblich für seine Teams. Besonders die Starting Five ist für das schnelle Spiel hervorragend ausgelegt mit mehreren Athleten und fähigen Ballhandlern. 

Im Halbfeld gehören die Jayhawks unter Self traditionell zur Elite der NCAA. Sie agieren zielstrebig, finden eine gute Mischung aus Inside-Outside-Game und verfügen über gutes Spacing. Auch die Setplays sind immer auf den Punkt genau in ihrer Ausführung. Speziell nach Auszeiten oder zu Beginn einer Partie führen Selfs Instruktionen zu einfachen Punkte durch High-Lows oder Alley-Oop-Spielzüge.


NBA Kandidaten
Cheick Diallo ist ein Lottery Pick Anwärter. Seine Athletik passt hervorragend in die NBA und wenn er seinen Wurf tatsächlich stabilisiert, ist er sogar ein annehmbarer Power Foward. Brannen Greene und Svi Mykhailiuk könnten ebenfalls mit starken Leistungen das Interesse einiger NBA Clubs wecken. Mason ist wegen seiner geringen Größe ein Wackelkandidat. Je nach dem würde ihm ein viertes Collegejahr daher guttun. Perry Ellis fehlen leider Athletik und Masse.

BBL Kandidaten
Dafür sollte Ellis aber als Power Forward in Europa sehr erfolgreich sein können. Mit seiner Spielweise würde er offensiv hervorragend in das System einiger BBL Teams passen und ihnen qualitativ weiterhelfen.

Prediction
Das Team des letzten Jahres ist im Kern zusammengeblieben und wurde punktuell verstärkt. Besonders die Schwachstelle unter den Brettern sollte mit dem Erscheinen von Bragg und Diallo verschwinden. Kansas ist dadurch eines der spielerisch besten, athletischsten und tiefsten Teams der NCAA. Theoretisch kann Self mühelos zwölf Akteure einsetzen und den Gegnern damit den Zahn ziehen. Viel hängt vor allem von den drei etablierten Anführern ab. Selden und Ellis müssen konstant als Führungspersönlichkeiten erkenntlich sein und dementsprechend auftreten. Auch Mason hat die Aufgabe, das Team anzuleiten und die Kontrolle in der Offense zu bewahren. Das sah im Finale der Universiade gegen die deutsche A2-Nationalmannschaft bereits besser aus. Das Final Four sollte das Ziel sein und ist überaus realistisch. Auch der Titel ist in Reichweite.

Wichtige Spiele
Dienstag, 17.11. vs. Michigan State
Samstag, 02.01. vs. Baylor
Montag, 04.01. vs. Oklahoma
Samstag, 23.01. vs. Texas
Samstag, 30.01. vs. Kentucky
Dienstag, 09.02. vs. West Virginia
Samstag, 05.03. vs. Iowa State