31 Oktober 2015

30. Oktober, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(27-9, Elite Eight der March Madness)
Das Erreichen des Elite Eight Spiels gegen Louisville, in dem sogar die Final Four Teilnahme zum greifen nah war, war schon eine kleine Sensation. Denn die ohnehin nicht tief besetzten Cardinals mussten ab Mitte Februar auf Starter Chris Jones verzichten, der von der Universität geflogen war. Doch als sich alle Beobachter anfingen zu fragen, ob Louisville sich wohl noch ins NCAA Tournament retten könne, zeigte die Mannschaft eine Reaktion. Sie rückte enger zusammen und gewann Spiele durch puren Willen. 

Das waren sicher keine Leckerbissen für die Zuschauer, doch die Emotionen und der Einsatz entschädigten zum Teil für die spielerisch nicht so hohe Qualität. Wayne Blackshear tauchte endlich aus seinem Dornröschenschlaf auf und zeigte plötzlich starke Leistungen. Harrell und Rozier kämpften bis zum Umfallen und die Freshmen Quentin Snider und Chinanu Onuaku übernahmen Verantwortung. So rangen die Cardinals ihre Gegner nieder und erreichten das Elite Eight.

Kader
Damion Lee (Wing, 6’6’’, Senior)
Trey Lewis (Guard, 6’2’’, Senior)
David Levitch (Guard, 6’3’’, Junior)
Mangok Mathiang (Big, 6’10’’, Junior)
Jaylen Johnson (Big, 6’9’’, Sophomore)
Anas Mahmoud (Big, 7’0’’, Sophomore)
Chinanu Onuaku (Big, 6’10’’, Sophomore)
Quentin Snider (Guard, 6’2’’, Sophomore)
Matz Stockman (Big, 7’0’’, Sophomore)
Deng Adel (Wing, 6’7’’, Freshman)
Donovan Mitchell (Guard, 6’3’’, Freshman)
Raymond Spalding (Big, 6’10’’, Freshman)

Wie zu erwarten meldeten sich Montrezl Harrell und Terry Rozier vorzeitig zum Draft an. Das Duo war die stützende Achse des Teams und in jeder Hinsicht waren sie die Anpeitscher für den Rest des Kaders. Zusammen mit Wayne Blackshear, der altersbedingt nicht mehr in Louisville weilt, übernahmen diese Akteure das Scoring zu einem überwältigenden Teil. Die Flügelspieler Shaqquan Aaron und Anton Gill entschieden sich im Sommer für einen Transfer und stehen demzufolge auch nicht mehr im Kader.

Allerdings zeigte Coach Rick Pitino wieder sein Anziehungskraft und sicherte sich zwei der besten verfügbaren Transfers des Sommers. Damion Lee kommt von der Drexel University und war in der vergangenen Saison ein Top10 Scorer der NCAA. Trey Lewis kommt von den Cleveland State Vikings und war dort der Leader des Teams. Beide Spieler sind als Graduate Seniors sofort zum Einsatz befähigt. Dazu gesellen sich drei talentierte Freshmen, die nun früher als geplant in die Bresche sprengen müssen.

Starting Backcourt
Quentin Snider, Trey Lewis, Damion Lee

Nach der Suspendierung von Chris Jones stand Quentin Snider ganz plötzlich im Rampenlicht. Der bis dahin blass gebliebene Backup Guard musste ab diesem Zeitpunkt aus heiterem Himmel in jedem Spiel 30 möglichst fehlerfreie Minuten abliefern, um den Cardinals noch eine Siegchance zu wahren. Der Freshman bewies starke Nerven und verrichtete seine Aufgaben unspektakulär, aber größtenteils auch fehlerfrei. Doch Snider übernahm nicht nur den Spielaufbau und lenkte seelenruhig die Geschicke, um Rozier den Rücken freizuhalten. Auf einmal strahlte Snider auch Korbgefahr aus. So konnte er fast einen zweistelligen Punkteschnitt in der Abwesenheit Jones’ aufweisen und versenkte während der letzten Saisonspiele immer wieder schwierige Würfe in entscheidenden Phasen und hielt sein Team damit auf Kurs. 

Genau diese Rolle wird Snider als Sophomore viel öfter übernehmen müssen. Snider hat genügend Scorer, um sich herum und für den Großteil der Spielminuten reicht es, wenn Snider im Hintergrund die Fäden zieht und dabei möglichst wenige Unzulänglichkeiten aufweist. Doch in den schwierigen Phasen einer Begegnung muss Snider aggressiver werden und auch mal selber als Vollstrecker aktiv werden. Gelingt ihm dies, wäre Louisville schon wesentlich schwieriger zu knacken. Zudem wäre Snider gut beraten, in der Verteidigung noch entschlossener zu Werke zu gehen.

Auf dem Papier ist Trey Lewis der Ersatz für Terry Rozier. Das stimmt zwar so und mag auch positionell gesehen der Fall sein, allerdings sind Lewis und Rozier zwei gänzlich unterschiedliche Spielertypen. Rozier setzte vor allem auf seine Athletik und seinen bulligen Körper, stoppte meist dennoch in der Mitteldistanz ab und nahm einen schlechten Wurf. Lewis tritt hingegen wesentlich besonnener auf, auch wenn er dafür körperlich nicht so stark wie Rozier ist. Bei den Vikings agierte Lewis sowohl mit dem Ball in der Hand als auch abseits des Balls und weiß dementsprechend auch, wie er sich jeweils zu verhalten hat, was Pitino eine gewisse Variation ermöglicht. 

Lewis ist ein exzellenter Schütze mit großer Reichweite und schnellem Release, sodass er auch gegen größere Gegenspieler konstant punkten kann. Hat er nicht den Ball in der Hand, ist er ständig in Bewegung, um einen guten Passwinkel für den ballführenden Spieler zu kreieren. Gleichzeitig sind seine Hände immer bereit für den Catch, damit er ohne lange Vorbereitungszeit direkt abdrücken kann. Mit dem Ball in der Hand versucht Lewis seinen Gegner schnell abzuschütteln, um aus dem Dribbling den Dreier nehmen zu können. Gelingt ihm dies nicht, gerät Lewis jedoch nicht in Hektik, sondern versucht den Korb zu attackieren und Lücken in die Verteidigung zu reißen. Zwar ist er kein allzu guter Finisher in der Zone, allerdings kann er durchaus mal einen Layup mit Kontakt abschließen. 

Seine große Stärke ist in solchen Momenten jedoch, dass er die Übersicht behält und bereit ist, den Kickout an die Dreierlinie zu spielen, anstatt einen schwierigen Wurf zu forcieren. Lewis wird sich zwar an das schnellere Tempo und die höhere Güte seiner Gegner gewöhnen müssen, doch zumindest offensiv sollte er direkt helfen können. Defensiv bringt Lewis durch sein hohes Spielverständnis ebenfalls die nötigen Attribute mit, um in der Matchup Zone und der Presse ein wichtiger Part zu sein. Wie schnell sich Lewis in diesem für ihn neuen System zurecht findet, wird entscheidend für den Teamerfolg sein. Denn Louisville ist dieses Jahr mehr denn je auf viele Steals und einfache Fastbreakpunkte angewiesen.

Damion Lee war in diesem Sommer vielleicht der begehrteste verfügbare Graduate Senior. Denn Lee ist ein hochtalentierter Scorer, der im Angriff sofort die Initiative übernehmen kann und einem Team ohne lange Eingewöhnungszeit direkt hilft. Genau das verlangt Pitino auch von seinem Neuzugang, denn Scoring wird das Hauptproblem für die Cardinals sein. Lee ist ein langer, athletischer Flügelspieler, der offensiv sehr variabel agieren kann und auf verschiedene Arten zu seinen Punkten gelangt. Viele Würfe braucht er dazu in der Regel nicht. 

Lee verfügt über einen soliden bis guten Schuss und bei Drexel wurden deshalb auch viele Blöcke abseits des Balls für ihn gestellt, damit er den Ball in einer guten Wurfposition fangen und direkt werfen kann. Lee versteht es prima, seine Füße beim Catch zu sortieren und direkt ausbalanciert zu sein. Dadurch vergeht nicht viel Zeit zwischen Ballerhalt und Abwurf. Lee ist jedoch kein reiner Catch-and-Shoot Spieler. Merkt er, dass ihm einen Gegenspieler eng auf den Fersen ist, nutzt er seinen schnellen ersten Schritt, um sich Platz zu verschaffen. Anschließend entscheidet er situativ über seine nächste Aktion. 

Vom Pull-up-Jumper, über den Floater bis hin zum harten Drive ans Brett ist alles drin. Auch wenn Lee wegen seiner drahtigen Statur nicht so aussieht, als könne er in der Zone abschließen, ist Lee dafür kräftig genug. Seine Körperkontrolle ist hervorragend. Hinzu kommt seine Cleverness, dank der er oft genug Kontakt schindet, um Freiwürfe zu bekommen. Einen Großteil seiner Punkte erzielt er dort. Lee kann auch als Ballhandler das Pick & Roll laufen und daraus gute Entscheidungen treffen. In solchen Momenten kann er sogar als Vorlagengeber in Erscheinung treten und mit präzisen Pässen für Abwechslung sorgen. 

Offensiv darf sich Lee bei den Cardinals austoben, da es außer ihm wenige Scorer im Team gibt. Aber auch defensiv sollte Lee gut zu Pitino passen. Wegen seiner langen Arme, seiner guten Übersicht und seiner Aggressivität sollte Lee in der Zone schnell heimisch werden. Für ihn bieten sich viele Möglichkeiten, Pässe abzufangen oder von hinten nach dem Ball zu schlagen. Da Lee auch ein sehr aktiver Rebounder ist, sollte er auch in diesem Bereich seine Unterstützung anbieten können. Insgesamt kann man sich sicher sein, dass Lee seine finale Saison nutzen wird, um NBA Scouts auf sich aufmerksam zu machen.


Starting Frontcourt
Chinanu Onuaku, Mangok Mathiang

Es wird extrem schwer Montrezl Harrell und seine an Wahnsinn grenzende Habgier nach Loseballs und Rebounds zu ersetzen, doch wenn es ein Spieler im Kader der Cardinals vollbringen kann, dann ist das Chinanu Onuaku. Bereits in seiner Freshman Saison gab es ein gutes Dutzend Szenen, in denen Onuaku seinem damaligen Frontcourt Partner zum Verwechseln ähnlich handelte. Mit purer Leidenschaft und einem erstaunlich weit entwickelten Körper für sein Alter erkämpfte sich Onuaku einen Platz in der Starting Five und die Anerkennung seiner Mitspieler. Neben seinem Rebounding ist Onuakus größte Stärke sein gutes Timing beim Blocken von Würfen. 

Er hat großes Potential als Rim-Protector, zumal er ein sehr kommunikativer Spieler ist und ständig mit seinen Nebenleuten in Kontakt tritt. Defensiv ist der Big Man daher jetzt schon nicht mehr wegzudenken. Problematisch wird es dann am offensiven Ende des Feldes. Onuaku als roh zu bezeichnen wäre noch euphemistisch ausgedrückt. Im Sommer beschloss er daher jetzt schon die weiße Fahne an der Freiwurflinie zu hissen und künftig nur noch Unterhandschleudern á la Rick Barry Richtung Korb zu schmeißen. Als er mit dem Team USA die U19 Weltmeisterschaft gewann, demonstrierte er diese Technik erstmals der Öffentlichkeit. Ansonsten ist Pitino sicher für jeden Putback und jeden verwerteten Durchstecker des Sophomores dankbar.

Der Australier Mangok Mathiang ist ebenfalls ein defensivorientierter Big Man, der allerdings offensiv mehr zu bieten hat als sein Frontcourt Partner. Mathiang ist weniger emotional und spektakulär unterwegs als Onuaku, aber mindestens genauso effektiv darin, die Offense des Gegners zu stoppen. Mathiang hat lange Arme und ein gutes Auge für Löcher in der Defense. Daher ist er als mittlerer Mann der 2-3-Matchup-Zone perfekt aufgehoben. Auch in Sachen Toughness konnte der Australier in der vergangenen Saison wesentliche Fortschritte machen. Offensiv kann er Pässe seiner Mitspieler in Punkte umwandeln oder auch Putbacks erkämpfen. Zudem netzt er ab und an auch mal einen Jumper aus der Mitteldistanz ein.

Bank
Deng Adel, Jaylen Johnson, David Levitch, Anas Mahmoud, Donovan Mitchell, Raymond Spalding, Matz Stockman

Im Backcourt ist die Personaldecke besonders dünn. Es gibt unter den Bankspielern keinen gelernten Aufbauspieler, weshalb sich die Starter Snider und Lewis gegenseitig Pausen geben müssen.

Donovan Mitchell ist einer der talentiertesten Freshmen der Class und gleichzeitig ein extrem harter Arbeiter, der perfekt zu Pitino passt. Mitchell ist vor allem physisch und athletisch schon sehr weit. Dazu kommt sein großer Ehrgeiz in der Defense. Er wird eine Schlüsselrolle in der Pressverteidigung einnehmen und gegnerische Guards über das Feld hetzen. Offensiv lebt er noch von seiner Athletik und soll zunächst seinen Jumper stabilisieren.

David Levitch wird von Pitino gerne mal für ein paar Minuten gebracht, wenn er mit der Leistung seiner Starter nicht zufrieden ist und diese an seiner Gefühlswelt teilhaben lassen möchte. Levitch ist ein solider Verteidiger und Schütze.

Deng Adel ist ein sehr vielseitiger Forward, der sich ähnlich wie Mitchell vor allem auf die Defense konzentrieren wird. Allerdings ist Deng offensiv ebenfalls schon eine brauchbare Option. Mit seiner Vielseitigkeit kann er die Positionen Zwei bis Vier bekleiden und vor allem seine Athletik immer wieder ausspielen. Er ist ein harter Arbeiter, der sich schnell verbessert.

Die Minutenverteilung unter den Körben ist noch recht undurchsichtig und kann sich auch im Verlauf der Saison relativ stark ändern.

Raymond Spalding gilt als großes Talent. Der Freshman soll erste Erfahrungen sammeln und mit seinen Blocks und Rebounds jetzt schon einen Teil zum Teamerfolg beitragen. Seine Athletik und sein Touch werden ihm auch offensiv kleine Erfolgserlebnisse bescheren.

Jaylen Johnson ist physisch weiter und gilt als exzellenter Rebounder. Zudem kennt er das System der Cardinals schon ein Jahr lang. Als Sophomore sollte Johnson regelmäßig Minuten sehen.

Anas Mahmoud ist ein weiteres Langzeitprojekt. Der Ägypter besitzt großes Potential, da er trotz seiner Größe extrem beweglich ist und sogar von der Dreierlinie treffen kann. Aber ihm fehlt schlicht die Muskelmasse, um sich durchsetzen zu können. Wie letzte Saison wird Pitino ihm jedoch viele Chancen einräumen und Zeit zur Entwicklung geben.

Matz Stockman ist ein kantiger Big Man, der die nötige Masse mitbringt, um unter dem Korb zu bestehen, allerdings hat er in der letzten Saison kaum Minuten gesehen und das wird sich auch in dieser Saison vermutlich nicht ändern.

Stil
Die Cardinals müssen versuchen, Gegner konstant unter der 60-Punkte-Grenze zu halten, wenn sie Erfolg haben wollen. Dass ihnen diese Aufgabe durchaus gelingen kann, bewiesen sie in den vergangenen Jahren sehr oft. Auch in dieser Saison wird die 2-3-Matchup-Zone mit vorangehender Presse viele Fehler und viel Hektik verursachen. Offensiv lässt Pitino gerne über die Highposts spielen und sorgt für viel Bewegung abseits des Balls. Gerade Lee wird offensiv glänzen und zum Topscorer avancieren. 


NBA Kandidaten
Damion Lee bringt alle Voraussetzungen mit, um in der NBA einen Platz im Stammkader eines Teams zu erhaschen. Er ist unglaublich vielseitig und braucht nicht viele Minuten oder Touches, um einem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. In der Offense ist er der perfekte Rollenspieler mit Scorergen, da er sich viel abseits des Balls bewegt und auch defensiv wird er solide agieren. Donovan Mitchell bringt ebenfalls NBA Talent mit, allerdings ist es vorstellbar, dass er zwecks Spielentwicklung ein zweites Jahr in Louisville bleibt.

BBL Kandidaten
Lewis ist der einzige in Frage kommende Spieler. Ob seine Spielstärke für die BBL ausreicht, wird sich nach seiner ersten Saison auf höherem Spielniveau erweisen. Die Anlagen zum BBL Spieler sind da.

Prediction
Wo andere frustriert das Handtuch werfen würden, scheint Pitino erst zu Hochleistungen motiviert zu sein. Wie er in den letzten Jahren immer wieder aus maximal durchschnittlichen Einzelspielern einen Meisterschaftsanwärter formen konnte, ist sensationell und der Hauptgrund, weshalb Anhänger der Cardinals auch in die kommende Saison mit einer gewissen Portion Optimismus gehen können. Zwar ist das Team auf dem Papier das schwächste seit Jahren und es wird viel von den beiden Transferneuzugängen abhängen, doch die Cardinals nicht als Sweet Sixteen Kandidaten auf dem Zettel zu haben, ist ein schwerer Fehler. Wie unbeschadet die Cardinals durch den Sexskandal kommen werden, ist noch nicht klar, allerdings kann dieses Damoklesschwert dafür sorgen, dass auch die Leistungen auf dem Feld oder an der Seitenlinie beeinflusst werden.

Wichtige Spiele
Mittwoch, 02.12. vs. Michigan State
Samstag, 26.12. vs. Kentucky
Mittwoch, 20.01. vs. Florida State
Samstag, 30.01. vs. Virginia
Montag, 01.02. vs. North Carolina
Samstag, 20.02. vs. Duke