13 November 2015

13. November, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(28-7, Round of 32 der March Madness)
Zu Beginn der Saison war Mark Turgeon einer der heißesten Kandidaten der NCAA für einen Rauswurf. Das Vorjahr war enttäuschend verlaufen, über den Sommer hatten viele wichtige Spieler die Uni verlassen. Der Erfolgsdruck war enorm. Gleichzeitig erwartete aber niemand ernsthaft eine starke Saison der Terps, da sie auf viele Freshmen setzen mussten und zu allem Überfluss aus der zwar starken, aber im Mittelfeld schwächer besetzten ACC in die traditionell hart umkämpfte Big Ten wechselten. 

Umso größer war das Erstaunen, als die Schildkröten angeführt von Freshman Playmaker Melo Trimble den Turbo zündeten, begeisternden Basketball zelebrierten und damit auch noch sehr erfolgreich waren. Hinter Wisconsin etablierten sie sich als zweitstärkste Kraft der Conference und verwiesen damit die bewährten Power Houses Michigan, Michigan State und Ohio State auf die nachfolgenden Plätze. Im NCAA Tournament wäre sicher noch mehr möglich gewesen, wenn sich Trimble nicht ausgerechnet im Spiel gegen die 40 Minuten Presse West Virginias verletzungsbedingt gefehlt hätte. Ohne gelernten Aufbauspieler mussten sich die Terps dem Druck der Defense beugen und schieden frühzeitig aus dem Turnier aus.

Kader
Jake Layman (Wing, 6’9’’, Senior)
Rasheed Sulaimon (Guard/Wing, 6’4’’, Senior)
Robert Carter (Big, 6’9’’, Junior)
Damonte Dodd (Big, 6’11’’, Junior)
Jaylen Brantley (Guard, 5’11’’, Sophomore)
Michal Cekovsky (Big, 7’1’’, Sophomore)
Jared Nickens (Wing, 6’7’’, Sophomore)
Melo Trimble (Guard, 6’3’’, Sophomore)
Dion Wiley (Guard/Wing, 6’4’’, Sophomore)
Ivan Bender (Big, 6’9’’, Freshman)
Diamond Stone (Big, 6’11’’, Freshman)

Einige wichtige Spieler verließen die Terrapins altersbedingt. Dez Wells war in der letzten Saison einer der besten Allrounder NCAA und damit eine wichtige Unterstützung für Aufbau Trimble, da er diesen in der Spielorganisation entlasten konnte. Auch die wichtigen Würfe in der Crunchtime entfielen zur Hälfte auf den bulligen Flügelspieler. Evan Smotrycz war der Stretch Vierer des Teams und sorgte für gutes Spacing. Zudem hatte seine Präsenz auf dem Feld eine beruhigende Wirkung auf die Freshmen. Jon Graham (Energizer) und Richaud Pack (Shooter) waren exzellente Rollenspieler.

Allerdings konnte Turgeon für Verstärkung sorgen, weshalb sich der Kader auf dem Papier sogar stärker liest als zuvor. Robert Carter kam letzten Sommer als Transfer von der Georgia Tech und ist einer der Sleeper des kommenden Collegejahres. Rasheed Sulaimon bringt aus seinen Duke Zeiten jede Menge Erfahrung mit und ist als Graduate Senior direkt spielberechtigt. 

Bei Diamond Stone galt die Zusage für Wisconsin lange Zeit eigentlich nur als Formsache, ehe er sich im Frühjahr dann doch völlig überraschend für Maryland entschied. Ivan Bender ist ein weiterer Sleeper. Nach zwei Kreuzbandrissen im linken Knie wird er jedoch erst langsam an das Niveau herangeführt. Jaylen Brantley kommt vom Junior College und läuft bereits als Sophomore in der Division I auf.


Starting Backcourt
Melo Trimble, Rasheed Sulaimon

Auch wenn andere Freshmen die begehrten Picks des Sommers waren und die großen Schlagzeilen erhielten: Melo Trimbles Freshman Saison war sensationell und die wahrscheinlich positivste Überraschung der NCAA. Während vor der Saison noch vereinzelte Mutmaßungen über solide Stats und einen möglichst fehlerfreien Ballvortrag schnell abgewiegelt wurden, übertraf Trimble alle Erwartungen und etablierte sich als einer der besten Freshmen des Landes. 

Offensiv schulterte er die Terrapins von der ersten Sekunde an und ließ auch mit steigender Minutenzahl und stärker werdenden Gegnern nicht nach. Besonders durch sein effizientes Scoring bestach der Guard. Trimble findet eine exakt ausgewogene Balance aus Sprungwürfen und konsequenten Penetrations. Sein Dreier ist sehr sicher und gerade aus dem Dribbling steigt der Guard blitzschnell hoch. Technisch ist sein Wurf bereits ungemein sauber und er steht förmlich in der Luft beim Abwurf. 

Gleichzeitig weiß Trimble aber genau, wann sein Verteidiger oder der Verteidiger des Blockstellers im Pick & Roll ungünstig steht und er das zu seinem Vorteil nutzen kann. Der kompakte Guard schützt den Ball mit seinem Körper vor den langen Armen seiner Gegner und kreiert gleichzeitig geschickt Kontakt, weshalb er Schiedsrichtern regelmäßig einen Pfiff entlockt. In der letzten Saison rangierte Trimble auf Platz drei der gesamten NCAA in verwandelten Freiwürfen. 

Bei all seiner offensiven Scoring Power deutet Trimble aber auch immer an, dass er ein gutes Auge für den Mitspieler besitzt. Einzig seine Ballverluste muss er noch ein wenig konsolidieren. Auch defensiv gibt es noch Raum für Verbesserung, wobei hier immer im Hinterkopf behalten werden sollte, wie viel Energie der Aufbauspieler für seine Aktionen im Angriff aufwenden muss.

Rasheed Sulaimon will in seinem letzten Jahr am College endlich wieder angreifen. Nach einer starken Freshman Saison ging es für den talentierten Scorer stetig bergab. Seine Einsatzzeiten und seine Ausbeute sinken kontinuierlich während der Sophomore und Junior Jahre bei Duke. Zu allem Überfluss wurde er als erster Spieler der Coach K Ära aus dem Team geworfen und hält damit einen unrühmlichen Rekord. Doch bei all dem Frust der vergangenen Jahre ist Sulaimon immer noch ein hochtalentierter Scorer, der einem Team wie Maryland verlässlich helfen kann. 

Gerade in der Offense von Turgeon sollte der Shooting Guard aufblühen und sich wieder seinem Freshman Schnitt annähern und diesen sogar übertreffen. Die größte Waffe des gebürtigen Texaners ist sein starker Wurf. Egal ob als Spot-up oder aus dem Dribbling: Der Wurf ist technisch sauber und fällt sehr sicher. Zudem kann Sulaimon auch als Playmaker Aufgaben übernehmen und somit Trimble überlassen. Sein Ballhandling ist akzeptabel und sein Decisionmaking im Pick & Roll überdurchschnittlich gut. In der Verteidigung agiert Sulaimon ebenfalls sehr zuverlässig und erlaubt sich selten Fehler.

Starting Frontcourt
Jake Layman, Robert Carter, Diamond Stone

Jake Layman war in den vergangenen vier Jahren eine der wenigen Konstanten des Teams und konnte sich für diese Verlässlichkeit mit seiner starken Entwicklung selber belohnen. Layman ist ein athletischer Swingman, der je nach Bedarf die Positionen Drei und Vier abdecken kann und mit seiner Variabilität ein wichtiges Puzzleteil in der Offense der Terrapins ist. Fast immer sorgt der Senior für ein Missmatch. Läuft er als Small Forward auf, ist er oft ein gutes Stück größer und länger als sein Gegenspieler. 

Für diesen Fall gibt es spezielle Sets im Playbook, dank derer Layman gute Lowpost Position erhält und seine Qualitäten mit dem Rücken zum Korb demonstrieren kann. Ist Layman der Vierer nutzt er seinen guten Distanzwurf als Druckmittel und versenkt entweder gegen tief absinkende Gegenspieler den Wurf oder attackiert Closeouts übereifriger Kontrahenten. Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Laymans Offense ist der Fastbreak. Wie kaum ein anderer Spieler sprintet der Forward die Außenlinie entlang und explodiert mit dem Ball in der Hand. Seine Finishes sorgen für viel Tumult unter den Zuschauern und reißen seine Mitspieler mit. 

Layman kann aber auch mit Finesse abschließen und Eurosteps oder Jumppenetrations dazu nutzen, Fouls zu ziehen. In der Verteidigung ist Layman ebenfalls sehr variabel. Er kann die Positionen Zwei bis Vier verteidigen und entsprechend schnell in der Pick & Roll Bekämpfung schalten. Mit ihm als Verteidiger des Blockstellers sind auch Switches kein Problem.

Robert Carter gehört zu den größten Sleepern der NCAA. Der Georgia Tech Transfer setzte das letzte Jahr aufgrund der geltenden Wechselregularien aus und nutzte die Zeit zur körperlichen Ertüchtigung. Vor seinem Wechsel hatte Carter mit leichtem Übergewicht zu kämpfen und konnte daher nur eingeschränkt auf dem Feld seinen Aufgaben nachgehen. Mittlerweile ist Carter in annähernder Topform und damit kaum aus der Zone herauszuhalten. 

Das wiederum ist schlecht für jeden Gegner, weil Carter alle Anspiele, die er in der Zone fängt zu schätzungsweise 95 Prozent verwertet. Er ist sehr geschickt darin, die richtigen Winkel um Korb und zum Brett zu kreieren, weshalb er den Ring als Blockschutz nutzt, viele Fouls zieht oder einfach blitzartig das Leder durch die Reuse stopft. In erster Linie ist Carter daher ideal als abrollender Big Man oder Abnehmer von Durchsteckern. Doch auch als Postscorer besitzt Carter Potential und kann sich vor allem wegen seiner Power gute Würfe erarbeiten. In der Offense der Terps sollte Carter aufblühen und ein schwieriges Matchup für die Gegner darstellen.

Was für die bisherigen vier Starter gilt, ist auch die größte Stärke von Freshman Diamond Stone: Er stellt eine große Bedrohung für den gegnerischen Korb dar. Stone ist zwar etwas launenhaft und ihm wird eine laxe Arbeitsmoral nachgesagt, doch wenn der Big Man fit und motiviert ist, gibt es keinen talentierteren Offensivspieler unter den Centerspielern der Freshman Class. Wie dominant Stone als Scorer sein kann, deutete er bei der U17 WM im Sommer 2014 an, als er die Go-to-Option im Setplay der USA war. 

Stone kann physisch schwächere Spieler einfach aus dem Weg rammen und mit energiegeladenen Dunks die Korbanlage in Shaq Manier zum Wackeln bringen. Gleichzeitig ist seine Fußarbeit jedoch schon sehr ausgereift und er kann sich mit intelligenten Bewegungen den Gegner aus der Bahn tanzen. Stone ist auch deshalb so unberechenbar, weil er beide Hände gerne benutzt und extrem gut die Winkel liest. Oft schafft er es mit dem letzten Schritt doch noch einen scheinbar verkorksten Move zu retten. Vom Highpost aus kann Stone den Ball aufsetzen und zum Korb ziehen. Mindestens genauso gut fallen jedoch auch seine Elbow Jumper. 

Zudem ist er ein talentierter Passgeber und bedient Cutter oder Schützen auf der Weakside präzise. Seine Screens im Pick & Roll sind ebenfalls sehr solide und aufgrund seiner weichen Hände fängt er auch bei größerem Verkehr in der Zone so gut wie jeden Pass. In der Verteidigung gönnt sich der Big Man hingegen noch zu gerne Auszeiten, die postwendend mit zwei Punkten bestraft werden. Wichtig wird also sein, dass Stone mental die Herausforderungen auf dem Feld annimmt und sich an beiden Enden des Feldes nicht zu dämlichen Aktionen hinreißen lässt.


Bank
Jaylen Brantley, Michal Cekovsky, Damonte Dodd, Jared Nickens, Dion Wiley, Ivan Bender

Zwar verfügen die Terrapins dieses Jahr über einen nominellen Backup für Trimble, doch ob Jaylen Brantley schon bereit für eine wichtige Rolle bei einem Championship Contender ist, lässt sich kaum vorhersagen. 

Dion Wiley ist ein talentierter Scorer, der notfalls den Ball nach vorne bringen kann, sich auf dem Flügel jedoch deutlich wohler fühlt. Er attackiert ohne Rücksicht auf Verluste den Korb und kann seinen wuchtigen Körper beim Aufprall mit einem Verteidiger genug kontrollieren, um sich das Dreipunktespiel abzuholen. Allerdings wäre hin und wieder ein Kickout angebracht. Nachdem er in der letzten Preseason Woche an seinem verletzten Meniskus operiert wurde, steht noch nicht fest, wann er auf das Parkett zurückkehren wird. 

Jared Nickens ist der beste Schütze des Teams und kann sowohl als reiner Spot-up-Shooter als auch aus der Bewegung heraus seine Distanzwürfe versenken. Oft wird er entlang der Baseline um Screens herumgeschickt. Selbst wenn er nicht selber den Pass bekommt, beschäftigt er mit seiner potentiellen Gefährdung des Korbes genug Verteidiger, um seinen Blockstellern oder Aufbau Trimble eine freie Bahn zu verschaffen. Auch defensiv ist Nickens ein sehr solider Vertreter.

Damonte Dodd war der defensive Anker im vergangenen Jahr und wird diese Rolle auch dieses Jahr wieder übernehmen. Während die Starter ihre Stärken vorwiegend im Angriff aufweisen können, kann sich Dodd an deren Seite um die Sauberkeit der eigenen Zone kümmern und seinen Nebenleute Rüffel verpassen, wenn diese schlafen oder nicht engagiert genug zu Werke gehen. 

Allerdings ist es nicht so, dass Dodd als Offensivspieler nicht zu gebrauchen wäre. Eher das Gegenteil ist der Fall. Er stellt gute Screens und ist ein exzellenter Finisher, der auch über einen soliden rechten Jumphook verfügt. Je nach dem wie sich Carter und Stone defensiv anstellen, könnte Turgeon auch dazu übergehen, Dodd anstelle eines der beiden starten zu lassen.

Michal Cekovsky wird sporadisch während einer Partie Minuten sehen, um den Startern Pausen zu verschaffen oder bei Foulproblemen in Aktion zu treten. Der Slowake bringt eine gute Größe, ein gewisses Bewegungstalent und vielversprechenden Touch mit, muss für mehr Minuten aber noch körperlich zulegen.

Der Bosnier Ivan Bender, älterer Bruder vom gehypten Dragan, wird versuchen, sich im Laufe der Saison seine Minuten zu verdienen. Auch wenn der Frontcourt des Teams tief besetzt ist, kann er dank seiner vielseitigen offensiven Spielweise durchaus eine gute Ergänzung darstellen. Allerdings hat die langsame Rehabilitierung vom zweiten Kreuzbandriss Vorrang.

Stil
Die Halbfeldoffense der Terrapins gehört zum besten, was die NCAA zu bieten hat, auch wenn Turgeon dafür oft nicht die Anerkennung erhält, die er eigentlich verdient hätte. Alle fünf Spieler auf dem Feld bewegen sich sehr zielstrebig und wissen genau, wo sie zu stehen haben oder welche Aktion als nächstes folgen soll. 

Die Ausstiege sind gut gewählt und können je nach Tagesform Innenspieler und Guard gleichermaßen begünstigen. Das Spacing ist hervorragend und der ballführende Spieler hat oft mehrere Anspielstationen zur Auswahl. Angesichts der Länge im Team wäre es nicht verwunderlich, wenn die Terrapins in diesem Jahr auch vermehrt Zonenverteidigung praktizieren würden.


NBA Kandidaten
Der Kader der Terps wimmelt vor potentiellen Lottery Picks, die mit ihrer Leistung in der kommenden Saison die letzten Zweifel bei GMs bereinigen könnten. Diamond Stone muss beweisen, dass er die richtige Einstellung mitbringt und sein Potential voll entfalten kann. Melo Trimble wird sich den kritischen Blicken der Scouts hinsichtlich seiner Führungsqualitäten und seiner Konstanz stellen. Gelingt ihm die Bestätigung seiner Freshman Leistungen, werden sich NBA Teams um ihn bemühen. Dazu können Jake Layman, Robert Carter und Rasheed Sulaimon die große Bühne nutzen, um ihre jeweiligen Stärken im richtigen Licht erstrahlen zu lassen. 

BBL Kandidaten
Layman und Sulaimon werden höchstwahrscheinlich in der NBA landen. Der Rest bleibt entweder am College oder verlässt es nur, um sich für den Draft anzumelden. Mittelfristig sind Namen wie Dodd oder Nickens aber sicher interessant.

Prediction
Der Frontcourt ist in seiner Zusammensetzung der wahrscheinlich stärkste der NCAA, wenn alle Rädchen ineinander greifen. Die Vielseitigkeit, die Größe, die Offensivqualität und die Tiefe suchen im Optimalfall ihresgleichen. Dazu gesellt sich ein wurfstarker Backcourt, der in Person von Trimble einen Denker beinhaltet, der beide Teile zusammenführen soll. Dass er als Anführer bestehen kann, deutete er als Freshman an und muss es nun bestätigen. Auf dem Papier ist Maryland daher das stärkste Team der NCAA. Letzte Fragezeichen ranken sich um die Einstellung Stones, die Wettbewerbstauglichkeit Carters und die Leadership Rolle Trimbles. Kann Turgeon hier hinter jeweils einen Harken setzen, sind die Terps gerüstet für den Titel.

Wichtige Spiele
Dienstag, 17.11. vs. Georgetown
Dienstag, 01.12. vs. North Carolina
Dienstag, 08.12. vs. UConn
Samstag, 16.01. vs. Ohio State
Samstag, 06.02. vs. Purdue
Samstag, 13.02. vs. Wisconsin
Sonntag, 21.02. vs. Michigan