13 November 2015

13. November, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(26-12, Sweet Sixteen der March Madness)
Auch wenn die Ambitionen des Saisonanfangs letztlich nicht in die Tat umgesetzt werden konnten, kann die vergangene Spielzeit sicherlich nicht als Misserfolg gewertet werden. Verletzungen plagten einige Spieler und dazu kam die Unerfahrenheit bei anderen. Resultat waren Formschwankungen und stark divergierende Spielausgänge. Auf vermeidbare Niederlagen folgten couragierte Kantersiege, auf welche wiederum inspirationslose Zittersiege folgten. So zog sich das Gefühl durch die Saison, dass UNC qualitativ überall mithalten konnte, aber darauf eben kein Verlass war. Dieses Bild übertrug sich auch in die heiße Phase der Saison. Im ACC Tournament schlug man erst Louisville und Virgnia, verlor aber gegen Notre Dame. Im NCAA Tournament bezwangen die Heels Harvard mit Hängen und Würgen, spielten gegen Arkansas ebenfalls nicht hochklassig, hatten aber Meisterschaftsanwärter Wisconsin am Rande einer Niederlage. Rückblickend ist das Sweet Sixteen damit ein absolut ordentliches Saisonergebnis, auch wenn der fade Beigeschmack bleibt.

Kader
Joel James (Big, 6’11’’, Senior)
Brice Johnson (Big, 6’10’’, Senior)
Marcus Paige (Guard, 6’2’’, Senior)
Nate Britt (Guard, 6’1’’, Junior)
Isaiah Hicks (Big, 6’9’’, Junior)
Kennedy Meeks (Big, 6’10’’, Junior)
Joel Berry II (Guard, 6’0’’, Sophomore)
Justin Jackson (Wing, 6’8’’, Sophomore)
Theo Pinson (Wing, 6’6’’, Sophomore)
Luke Maye (Big, 6’7’’, Freshman)
Kenny Williams (Guard, 6’4’’, Freshman)

Fast alle Spieler kehren bei den Tar Heels zurück, weshalb Williams auf einen sehr eingespielten und erfahrenen Kader zurückgreifen kann. Als Seniors verließen die Bigs Jackson Simmons und Desmond Hubert den Campus. Beide kamen eigentlich nur dann in die Partie, wenn Williams das Energielevel seiner regulären Big Men missfiel und er ihnen eine Botschaft senden wollte. Schon schwerer wiegt der vorzeitige Abgang von J.P. Tokoto, der eigentlich noch ein Jahr hätte spielen dürfen, aber sich lieber für den Draft anmeldete. Der Allrounder ist aber durch Paige und Jackson sicher zu ersetzen. Entsprechend wenige Neuankömmlinge kann Williams begrüßen. Luke Maye war lange Zeit der einzige Scholarship Freshman, ehe sich Kenny Williams nach Shaka Smarts Abgang von der VCU umentschied und den Tar Heels seine Zusage gab.


Starting Backcourt
Joel Berry II, Marcus Paige

Nach dem Abgang von Tokoto ist ein Starterspot im Backcourt freigeworden. Da sich bereits im vergangenen Jahr die Variante mit Paige als Scorer auf der Zwei und einem Aufbauspieler als Passgeber bewährte, sollte Williams diese Aufstellung dieses Jahr öfter auf das Feld schicken. Nutznießer hier könnte Joel Berry II werden. Auch wenn seine Freshman Saison relativ unspektakulär verlief und er teilweise durch kleinere Verletzungen gebremst wurde, konnte der bullige Guard seine Stärken andeuten.

Er ist ein klassischer Spielmacher, der die Offense strukturiert und seine Nebenleute auf ihre Spots verweist. Seine Pässe sind nicht sonderlich auffällig, dennoch immens wichtig. Dank hoher Akkuranz bei seinen Pässen kann er Shooter zielgenau bedienen – eine Fähigkeit die an der Seite von Paige sehr nützlich ist. Auch im Pick & Roll trifft Berry solide Entscheidung, auch wenn er noch keine Gefahr als Punktesammler ausstrahlt.

Die zweite große Stärke Berrys ist seine harte Verteidigung. Im Eins-gegen-Eins wird es kaum einen Gegner geben, der an diesem Terrier vorbeikommt. Ein tiefer Körperschwerpunkt, kräftiger Oberkörper und eine gute Fußarbeit statten Berry perfekt zur Verteidigung von Ballhandlern aus. Wie viele Minuten Berry sieht und ob er wirklich starten wird, hängen von seiner Dreierquote und seiner Lernkurve ab. Immerhin ist er noch nicht erfahren und sein Wurf muss erst noch auf seine Tauglichkeit geprüft werden.

Betrachtet man nur nüchtern die Zahlen, erlebte Marcus Paige eine Stagnation in seiner Entwicklung. Er scorte weniger und schoss schlechter aus dem Feld und schien auch auf dem Feld augenscheinlich die erwünschte Konstanz vermissen zu lassen. Allerdings würde bei einer solchen Betrachtung die irrwitzige Krankenakte Paiges außen vor gelassen. Das ganze Jahr über quälte er sich mit Plantar Fasciitis durch die Trainingseinheiten und Spiele und wurde mehrfach am Tag behandelt, um die Schmerzen erträglich zu halten.

Nach der Saison wurden ihm Knochensplitter am Knöchel entfernt, um die Fußhaltung zu korrigieren und damit den Fersenschmerzen zu entgehen. Diese Maßnahme scheint sich gelohnt zu haben. Denn Coach Williams zeigte sich begeistert von den ersten Trainingseindrücken seines Guards. Sollte Paige wirklich zu seiner alten Fitness und Explosivität wiederfinden, ist Paige legitimer Anwärter auf die Auszeichnung zum Spieler des Jahres.

Gleichbedeutend damit wären auch die ernsthaften Ansprüche auf die Meisterschaft, die wohl nur über einen gesunden Paige zu erreichen ist. Der Linkshänder ist ein tödlicher Scorer, der seine Heels schon durch so manche Crunchtime siegreich geführt  hat. Mit seinen verrückten Dreiern und seinem starken Zug zum Korb ist er vielleicht das härteste Matchup, auf das ein Verteidiger in der NCAA treffen kann. 

Dass er im vergangenen Jahr trotz Verletzung und wenig Spacing derart oft erfolgreich zum Korb ziehen konnte, spricht Bände. Gleichzeitig trifft Paige aus dem Pick & Roll heraus exzellente Entscheidungen und bedient oft seine Big Men. Zudem ist Paige auch in der Defense sehr bissig und kann mit seinen schnellen Händen viele Ballverluste produzieren. Sollte neben Paige tatsächlich ein zweiter Aufbauspieler starten, könnte sich Paige noch mehr auf sein Scoring konzentrieren und die Belastung seines Fußes besser dosieren.

Extrem unglücklich ist, dass sich Paige knapp zehn Tage vor dem ersten Saisonspiel die rechte Hand brach und nun erneut verletzt drei bis vier Wochen ausfallen wird.

Starting Frontcourt
Justin Jackson, Brice Johnson, Kennedy Meeks

Justin Jackson war die positive Erscheinung der letzten Saison. Zwar hatten ihm viele Scouts und College Experten bereits im Vorhinein eine solide Saison prognostiziert, doch dass er es so konstant seine Leistungen bestätigen konnte, überraschte dann doch die meisten Beobachter. Jackson ist ein groß gewachsener Small Forward, der als Rollenspieler perfekt zu den anderen Startern und offensiven Leistungsträgern passt. Jackson braucht nicht den Ball in der Hand zu haben, um mit Effizienz zu bestechen.

Er ist ein cleverer Bursche, der sich abseits des Balls gut bewegt und damit viele Punkte durch Cuts erzielt. Auch sein Spot-up-Wurf ist sehr sicher und eine willkommende Abwechslung zu dem, was die meisten anderen Tar Heels der jüngeren Vergangenheit auf dieser Position zu bieten hatten. Allerdings besteht bei Jackson auch das Potential, das er mal mehr als nur ein Komparse in der Offense werden kann. In den spärlichen Fällen, in denen Jackson als Ballhandler im Pick & Roll eingesetzt wurde, lieferte er erfreuliche Aktionen und glänzte sowohl als Passgeber als auch beim Abschluss durch seinen extrem sicheren Floater.

Mit seiner Athletik und Schnelligkeit passt Jackson zudem er hervorragend in die tempogeladene Offense der Heels und rennt sich regelmäßig die Lunge aus dem Leib. Die wichtigste Entwicklung, die nun in seinem Sophomore Jahr erfolgen muss, besteht darin, dass er körperlich zulegt und damit Kontakt beim Drive nicht mehr aus dem Weg geht. Als Finisher in der Zone ist Jackson immer noch zu schwach.

Brice Johnson ist die zweite Scoring Option für die Tar Heels und der beste Pick & Roll Partner für Paige. Die Zimmerkollegen haben über die Jahre ein blindes Verständnis für einander entwickelt und wissen mittlerweile genau, wo der jeweils andere den Ball haben will und wann er sich an dieser Stelle positionieren wird. Johnson seinerseits liebt den rechten Lowpost. Bekommt er dort den Ball zuckt er meist einmal kurz mit der Schulter zur Mitte, um sich anschließend blitzschnell in die andere Richtung zu drehen und von dort aus mit der rechten Hand seinen Jumphook einzunetzen.

Alternativ versucht sich Johnson auch gerne an Turnaround-Jumpern. Zudem ist Johnson in der Motion Offense der Tar Heels oft der Profiteur von Backscreens und kann entweder per Layup oder bevorzugt als Alley-Oop einfache Punkte erzielen. Des Weiteren attackiert kaum ein Power Forward so hart das Brett bei einem Wurfversuch des Mitspielers, wie es Johnson macht. Dadurch sind auch Putbacks keine Seltenheit für den athletischen Forward mit den extrem langen Arme und dem explosiven Absprung.

Letztgenannte Attribute helfen ihm auch als Verteidiger. Er ist immer in der Lage, von der Helpside kommend einen Wurfversuch mit einem Block in die dritte Zuschauerreihe zu befördern. Seine Schnelligkeit, gerade bei lateralen Bewegungen, erlauben es Johnson zudem, bei der Pick & Roll Verteidigung hart zu hedgen oder sogar komplett zu switchen, ohne dadurch einen Nachteil zu verursachen. Dafür ist er im Lowpost anfällig, weil ihm die Masse fehlt und er sich daher oft nur mit Fouls helfen kann.

Kennedy Meeks passt hervorragend zur Spielweise der Tar Heels. Gerade für erfolgreiche Schnellangriffe ist er ein integraler Bestandteil des Teams. Das hört sich zunächst merkwürdig an, wenn man sich die massige Statur des Big Mans vor Augen führt. Doch mit seinen schnellen Outletpässen, die in Kevin Love Manier die Flügelspieler auf die Reise schicken, gibt er gegnerischen Teams keine Gelegenheit, zurück zu laufen und leichte Zähler zu verhindern. Verteilt Meeks keine Touchdown Pässe, ist er im Halfcourt mindestens genauso wertvoll.

Das High-Low zwischen Johnson und ihm funktioniert blendend und auch hier überzeugt Meeks mit einem guten Gespür für richtige Passwinkel und viel Gefühl im Handgelenk. Ist er selber der Abnehmer eines Lobanspiels, macht sich Meeks seine gute Fußarbeit und seine Masse zu Nutze, um seinen Gegenspieler zu pinnen und den Pass direkt verwerten zu können. Beim Abschluss zeichnet sich der Innenspieler durch hervorragenden Touch und viel Oberkörperkraft aus. Auch härtere Fouls können ihn nicht davon abhalten, den Ball durch das Netz rauschen zu lassen.

Da Meeks über den Sommer weiter abgespeckt hat (von 290 Pfund als Freshman über 270 als Sophomore auf nun 260) sollte Meeks konditionell noch mehr Minuten gehen können und sich defensiv weniger Fouls aufgrund seiner langsamen Bewegungen leisten.

Bank
Nate Britt, Isaiah Hicks, Joel James, Theo Pinson, Luke Maye, Kenny Williams

Dritter nomineller Point Guard des Teams ist Nate Britt. Der Linkshänder wechselte vor seiner Sophomore Saison erfolgreich seine Wurfhand. Technisch sieht der Wurf deutlich besser aus und auch die ersten Resultate waren schon erkennbar. Seine drei Freshman Treffer aus der Distanz übertrumpfte der Guard vergangenes Jahr mit 26 Erfolgen deutlich (bei 36 Prozent).

Britt ist außerdem ein starker Verteidiger, der das Tempo anziehen kann. Das interne Duell mit Berry um den Starterposten neben Paige ist sehr ausgeglichen und wer letztlich die Oberhand behalten wird, ist nicht abzusehen.

Von Theo Pinson erwartet der Trainerstab eine deutliche Leistungssteigerung. Der athletische Flügelspieler bringt alle Anlagen mit, um wichtige Impulse in einer Partie liefern zu können. Als Freshman hatte Pinson kaum Gelegenheit, diese zu zeigen. Ein starker Tokoto und ein gebrochener Knochen im Fuß beschränkten seine Einsatzzeiten. Fit und mit weniger Konkurrenz vor sich sollte Pinson als Sophomore eine deutlich größere Rolle einnehmen.

Isaiah Hicks war bereits letzte Saison der sechste Mann des Teams und konnte dank seiner Athletik immer wieder die Anspiele seiner Mitspieler mit Autorität verwerten. In der Zone ist er kaum zu halten und lässt sich auch von Fouls nicht aus der Bahn werfen. Zudem konnte er seinen Mitteldistanzwurf verbessern. Als Rebounder ist Hicks ebenfalls eine große Unterstützung.

Joel James ist kein filigraner Basketballer, aber dafür ein umso härterer Arbeiter, der besonders defensiv eine wichtige Präsenz darstellt und hier eine Leidenschaft an den Tag legt, die dem Rest der Big Man Riege leider fehlt. 

Die Freshmen Maye und Williams werden ebenfalls ihre Chancen erhalten, da Williams gerne die Tiefe seines Kaders nutzt. Zudem bringen beide Qualitäten als Schützen mit, womit eine der größten Schwachstellen der Tar Heels behoben werden könnte. 

Stil
Die Heels wollen rennen. Je höher das Tempo und je mehr Punkte auf der Anzeige aufleuchten, desto eher entspricht das Spiel den Vorstellungen Williams’. Bei UNC stehen konsequent mindestens vier Spieler auf dem Feld, die über die Schnelligkeit von Guards verfügen und damit aggressiv den Fastbreak laufen können. Dazu kommen die guten Passqualitäten, die sich durch den gesamten Kader hindurchziehen. Ein Spiel Carolina Blauen verspricht daher immer ein Spektakel mit vielen Highlights zu werden.

Im Halbfeld läuft UNC viele Screen-the-Screener-Sets und versucht die Big Men in gute Position zu bringen. High-Lows, Crossscreens und Backscreens sind daher an der Tagesordnung. Funktioniert davon nichts, wird Paige in ein Pick & Roll verfrachtet.


NBA Kandidaten
Marcus Paige hat die nötige Schnelligkeit und das Scorergen für die NBA. Allerdings ist er körperlich zu schwach, um eine große Rolle einzunehmen. Brice Johnson und Justin Jackson sind aufgrund ihrer Länge und Athletik ebenfalls interessante Spieler für NBA Clubs. Bei Jackson gilt es jedoch noch die Entwicklung in der kommenden Saison abzuwarten. Dass er sich bereits 2016 für den Draft anmeldet, ist keinesfalls sicher.

BBL Kandidate
Im nächsten Sommer wird wohl kein Spieler vom Chapel Hill in der BBL landen, aber für den folgenden Sommer lohnt sich ein Blick auf Kennedy Meeks. Meeks ist ein Borderlinie NBA Spieler, dem in letzter Instanz wohl die Größe und die Athletik fehlen, um wirklich in der besten Liga der Welt zu landen. In der BBL könnte er mit der Mischung aus Kraft und Spielintelligenz jedoch gut mitmischen.

Prediction
Bereits letztes Jahr galten die Tar Heels als Final Four Anwärter. Letztlich verhinderten nur Verletzungen und Unerfahrenheit ein besseres Abschneiden. Da das Team fast unverändert, dafür aber gesund, in die nächste Saison geht, gilt es auch dieses Mal als heißer Kandidat für eine Final Four Teilnahme. Die eingespielte Starting Five bringt Tiefe und Qualität mit. Dazu hat das Team in Paige einen der besten Crunchtime Spieler der NCAA in seinen Reihen. Ein fortbestehendes Hindernis ist allerdings auch in der Saison 15/16 die schwache Ausbeute aus der Distanz. Fällt der Dreier nicht, wird es für die Heels schwer, ihr Insidespiel aufzuziehen. 

Wichtige Spiele
Dienstag, 01.12. vs. Maryland
Samstag, 12.12. vs. Texas
Samstag, 19.12. vs. UCLA
Samstag, 16.01. vs. NC State
Montag, 01.02. vs. Louisville
Mittwoch, 17.02. vs. Duke
Samstag, 05.03. vs. Duke