09 November 2015

9. November, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(33-3, Round of 32 der March Madness)
Es ist immer extrem bitter für einen Topfavoriten, wenn er im März einen schlechten Tag erwischt und eine starke Saison ganz schnell im Boden versandet. Umso bitterer ist es, wenn bereits am Selection Sunday die einhellige Meinung herrscht, dass genau dieses Team der erste 1 Seed sein wird, der fällt.

Den Wildcats aus Philadelphia passierte dies zum zweiten Mal in Folge. Nach dem frühen Aus im März 2014 als 2 Seed gegen den späteren Champ UConn, war auch im letzten Frühling die Skepsis vieler Experten groß. Dem Team wurde die Toughness abgesprochen und die Abhängigkeit von der Dreierlinie angekreidet. Erschreckenderweise waren genau diese beiden Kernpunkte dafür verantwortlich, dass Villanova erneut das Sweet Sixteen verpasste.

Gegen NC State fielen die Dreier nicht in gewohnter Manier und an den Boards ließen sich die erfahrenen Veteranen von der Jungspunden des Wolfsrudels den Schneid abkaufen. Die Enttäuschung nach der Niederlage war riesig. Da konnten auch eine ungeschlagene Non-Conference Saison und ein dominanter Gewinn der Big East keinen Trost spenden.

Kader
Ryan Arcidiacono (Guard, 6’3’’, Senior)
Daniel Ochefu (Big, 6’11’, Senior)
Josh Hart (Wing, 6’5’’, Junior)
Kris Jenkins (Big, 6’6’’, Junior)
Darryl Reynolds (Big, 6’8’’, Junior)
Phil Booth (Guard, 6’3’’, Sophomore)
Mikal Bridges (Wing, 6’7’’, Freshman)
Jalen Brunson (Guard, 6’3’’, Freshman)
Tim Delaney (Big, 6’8’’, Freshman)
Donte DiVincenzo (Wing, 6’5’’, Freshman)

Gleich drei Starting Five Spieler aus dem Vorjahr fehlen Coach Jay Wright. Die Abgänge der beiden Seniors JayVaughn Pinkston und Darrun Hilliard waren eingeplant. Spielerisch war besonders Hilliard als Crunchtime Scorer und bester Punktesammler die tragende Säule des Teams und sein Abgang wiegt schwer. Dazu entschloss sich Dylan Ennis sein letztes College Jahr in Oregon zu verbringen.

Für Ersatz hat Jay Wright mit einer überdurchschnittlich guten Recruiting Class jedoch gesorgt. Jalen Brunson ist vielleicht die talentierteste Wildkatze seit Kyle Lowry noch das Zepter schwang. Tim Delaney und Donte DiVincenzo werden die Rotation ergänzen und je nach Leistung/Gesundheitszustand konstant Minuten sehen. Redshirt Freshman Mikal Bridges darf endlich spielen und wird sofort sein Talent zeigen.


Starting Backcourt
Jalen Brunson, Ryan Arcidiacono, Josh Hart

Jalen Brunson ist kein gewöhnlicher Freshman Guard. Für sein Alter ist er bereits ein unheimlich abgezockter Kerl, der in der Crunchtime oder kritischen Phasen zu Hochleistungen angetrieben wird und sich generell kaum Fehler leistet. Der Linkshänder mimte jüngst den Anführer der U19 Auswahl, die Weltmeister wurde. Dabei waren es nicht die kommenden Superstars Tatum oder Giles, die in der entscheidenden Phase die Zügel in die Hand nahmen, sondern zum Großteil Brunson. Der Aufbauspieler diktierte das Tempo und traf fast immer die richtige Entscheidung.

Die Fans der Wildcats werden viel Freude an ihm haben. Brunson ist ein kräftiger Aufbauspieler und vom physischen Standpunkt her bereit für die NCAA. Er kann kleinere oder schwächere Guards einfach neben sich herschieben, während er selber in seinem eigenen Tempo zum Korb zieht. Beim Abschluss in der Zone ist Brunson daher schon sehr treffsicher und stört sich auch nicht an Helpverteidigern, auch wenn er mit der Athletik der College Hilfen sicher erst klarkommen muss.

Brunson ist kein Sprungwunder, das über Ringniveau finisht, aber er weiß, wie er mit Touch und dem Ring als Blockschutz arbeiten kann. Brunsons größte Stärke ist das Pick & Roll. Er nutzt die Blöcke geschickt, wartet geduldig auf den Roller und passt seine Entscheidung den defensiven Lücken an. Auch sein Wurf ist solide. Gerade der Mitteldistanzwurf aus dem Linksdribbling ist nicht zu verhindern.

Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn Brunson schon als Freshman überwiegend den Spielaufbau anvertraut bekäme und Backcourt Kollege Arcidiacono wieder mehr seinem Naturell als Scorer nachkommen könnte. Auch defensiv ist Brunson ein stabilisierender Faktor. Mit einer bulligen Erscheinung hält er Guards vor sich. Auch in seitlichen Bewegungen ist er schneller, als er aussieht.

Ryan Arcidiacono war die letzten drei Jahre der Spielmacher für Jay Wright und entwickelt sich hervorragend in dieser Rolle. Als Freshman hatte er noch viele wilde Aktionen dabei und verzettelte sich oft in seiner Wurfauswahl, doch mittlerweile ist er zum geschickten Strategen herangereift. Er verliert selten den Ball, organisiert umso besser und hat auch ein Auge für den freien Mitspieler entwickelt.

Den deutlichsten Fortschritt konnte Arcidiacono bei seinen Drives erreichen. In Situationen, in denen er früher mit Sicherheit einen schwierigen Abschluss forciert hätte, blickt er mittlerweile nicht mehr den Korb und konzentriert sich stattdessen darauf den wartenden Schützen auf der Weakside mit einem präzisen Pass zu bedienen. Hin und wieder blitzt aber immer noch die Scorernatur des Guards auf. Besonders sein Sprungwurf ist aus allen Entfernungen zum Korb eine Waffe.

Daher ist es auch gut vorstellbar, dass Arcidiacono öfters abseits des Balls zu finden ist und seine Zähler als Spot-up-Shooter markieren wird. Defensiv wird Arcidiacono aufgrund seiner unscheinbaren Art oft unterschätzt, aber es gibt in der Big East wenige Verteidiger, die so fehlerfrei ihren Aufgaben nachgehen. Zudem hat der Guard schnelle Hände, die zwar nicht sonderlich oft direkt zu Steals führen, aber das Timing des Gegners stören oder einen schlechten Wurf verursachen.

Josh Hart gehört zu den effizientesten Scorern der NCAA. Obwohl er relativ selten den Ball in den Händen hält und dann auch meist nur für wenige Sekunden, war Hart in der vergangenen Saison der drittbeste Scorer des Teams. Grund dafür ist Harts exzellentes Spielverständnis. Es gibt vermutlich wenige Spieler, die dem Junior in Sachen Offball-Movement das Wasser reichen können. Hart ist immer in Bewegung und analysiert neue Spielsituationen blitzschnell.

Wendet ihm sein Gegenspieler auch nur eine Sekunde lang den Rücken zu, nutzt Hart das mit einem zielgerichteten Cut gnadenlos aus und dunkt den Ball durch die Reuse, ehe sein Gegenspieler sich wieder umgedreht hat. Gleichzeitig unterscheidet Hart aber sehr genau verschiedene Situationen. Ist die Zone übervölkert, schleicht Hart die Dreierlinie entlang und lauert auf den Kickout. Sein Dreier aus dem Catch-and-Shoot fällt sehr hochprozentig.

Große Qualität kann der Flügelspieler auch beim Fastbreak aufweisen. Seine Schnellangriffe schließt Hart schnörkellos ab. Er hat eine gewisse Vielfalt an nützlichen Moves auf Lager, um auch die letzten Verteidigungsversuche zu umkurven. Insgesamt ist Hart offensiv ein Spieler, den jedes Team herzlich gerne in seinen Reihen hat. Hart beansprucht nicht viele Touches und schafft dennoch bei fast jeder Ballberührung einen Vorteil für sein Team.

Dazu kommt, dass sich Hart auch in der Defense jedes Mal in den Dienst der Mannschaft stellt und eine hohe Intensität an den Tag legt. Das macht sich auch beim Rebound bemerkbar. Hart ist ein willensstarker Rebounder, der dank seiner Athletik und Länge viele Fehlwürfe einsammelt -  egal ob offensiv oder defensiv.

Starting Frontcourt
Kris Jenkins, Daniel Ochefu

Kris Jenkins ist eigentlich etwas zu klein für die Position des Power Forwards und ist auch kein sonderlich begnadeter Scorer. Dennoch wird Jenkins die erste Option für die Nachfolge Pinkstons sein. Denn Jenkins besitzt ein sicheres Händchen aus der Distanz und passt damit hervorragend in den schussstarken Kader der Wildcats.

Mit zwei gelernten Aufbauspielern an seiner Seite sollte er oft genug freie Wurfgelegenheiten erhalten. Nun liegt es an ihm, das Optimum herauszuholen. Den größten Sprung muss Jenkins jedoch als Rebounder hinlegen. Das Thema Rebounding könnte die Achillesferse des Teams werden und hier steht besonders Jenkins als zweiter nomineller Big Man in der Pflicht, größere Probleme zu verhindern.

Daniel Ochefu war in der letzten Saison der Spieler, der sich am meisten verbessern konnte. Vorher vor allem als Defensivanker und tougher Rebounder bekannt, zeigte Ochefu ungeahnte Qualitäten als Lowpostscorer. Zwar wirkten seine Bewegungen teilweise noch etwas hölzern, doch die investierte Arbeit zahlte sich definitiv aus.

Hatte Ochefu Größenvorteile, wurde er von seinen Teamkameraden oft im Lowpost angespielt und machte sich Situation zu Nutze. Sein Touch ist solide und sein Jumphook mit der rechten Hand weist eine hohe Erfolgsquote auf. Damit gibt er dem Team eine verlässliche Präsenz unter dem Korb, was das Team weniger ausrechenbar und damit hoffentlich weniger abhängig vom Dreier macht.

Dazu stellt der Center gute Blöcke und sollte hier mit Arcidiacono und auch Rookie Brunson harmonieren. Am wichtigsten ist jedoch, dass Ochefu weiterhin als Rimprotector die Zone sauber hält und auch beim Rebound konsequent zur Sache geht. Darauf ist das Team angewiesen und in der Big East gehört er sicher zu den furchteinflößendsten Verteidigern, auf die Angreifer treffen können.

Bank
Mikal Bridges, Phil Booth, Darryl Reynolds, Tim Delaney, Donte DiVincenzo

Phil Booth kommt aus Philadelphia und verkörpert den harten Stil, den Spieler aus dieser Ecke der USA normalerweise an den Tag legen. Booth ist ein Combo Guard, der nicht wählerisch ist, was seine Aufgaben angeht und jeder Arbeit pflichtgemäß nachgeht. Booth hat einen Riecher für das Sammeln von Punkten und einen kaum zu stoppenden Drang zum Ring. Mit seiner Athletik und seinem Willen kann sich der Guard ausgesprochen gut in der Zone durchsetzen. Zudem überraschte er als Freshman mit einer starken Dreierquote, die er erst noch bestätigen muss. Als Backup für beide Guard Positionen wird Booth ein guter Energizer sein.

Mikal Bridges hätte letzte Saison schon eine Rolle in der Rotation übernehmen sollen, allerdings musste er ein Redshirt Jahr einlegen. Nun ist Bridges aber in der Lage dem Team zu helfen. Besonders offensiv wird der Flügelspieler eine Unterstützung darstellen. Zwar wird Konstanz noch ein Problem für Bridges sein, aber seine Würfe sollten an guten Tagen fallen.

Auf Darryl Reynolds lastet der Druck, endlich den Durchbruch zu schaffen. Nach zwei verhaltenen Jahren als letzter Mann der Rotation ist Reynolds der einzig einsatzbereite Backup auf den großen Positionen. Reynolds wird also mehr Minuten sehen als in den Vorjahren. Oberste Priorität hat dabei, dass Reynolds am Brett Rebounds abgreift und harte Defense spielt. Die Größe und den Körper dazu bringt der Innenspieler mit.

Neben diesen drei regulären Mitgliedern der Rotation werden die Freshmen Tim Delaney und Donte DiVicenzo punktuell Akzente setzen. Allerdings könnte sich das im Fall von Delaney schwer gestalten. Denn der Freshman muss unter das Messer, um seine Hüftprobleme aus der Welt zu schaffen. Bereits zu Highschool Zeiten hatte Delaney oft Hüftschmerzen. Ob die Operation tatsächlich mit diesen Beschwerden zusammenhängt, ist nicht gewiss. Ebenso ist ein Einsatz in der kommenden Saison ungewiss. Ein Redshirt Jahr scheint wahrscheinlich. DiVincenzo ist hingegen topfit und kann neben seinem klangvollen Namen auch eine beachtliche Sprunghöhe vorweisen. 

Stil
Gerade die Offensive der Wildcats ist traditionell ein Augenschmaus für Liebhaber des gepflegten Teambasketballs. Wright lässt einen sehr europäischen Stiefel schustern, bei dem Drives oft nicht auf Scoring ausgelegt sind, sondern die Defense bewegen sollen, um dann im zweiten Versuch die orientierungslosen Verteidiger zu überrumpeln oder einfach direkt den freien Dreier zu verwandeln.

Auch das Pick & Roll findet seine Anwendung. Dass den Wildcats dieses Jahr sogar zwei gelernte Spielgestalter zur Verfügung stehen, sollte den offensiven Fluss in einen reißenden Strom verwandeln und somit weiterhin die Maßstäbe in der Big East setzen.

Auch defensiv sind die Spieler gut unterrichtet worden und nutzen ihre Grundlagen dazu, ihre Gegenspieler vor sich zu halten. Bei den wenigen individuellen Fehlern sind jedoch die Mitspieler sofort bereit, den Urheber der Aufregung auf dem Weg zum Korb zu stoppen, ehe Schlimmeres passieren kann.


NBA Kandidaten
Einen unbestrittenen Anwärter auf die NBA findet man im Kader der Wildcats nicht. Dafür fehlt entweder die individuelle Klasse oder die Athletik. Allerdings gibt es einige Spieler, die zur richtigen Stelle am richtigen Ort sein und die Gunst der Stunde nutzen könnten. Namentlich wären dies Daniel Ochefu als Defensivanker oder Josh Hart als 3-and-D-Spieler. Auch Jalen Brunson hat Außenseiterchancen. Die beiden Letztgenannten werden sich jedoch wohl nicht für den Draft 2016 anmelden.

BBL Kandidaten
Ochefu und Ryan Arcidiacono sind die beiden Seniors des Teams. Beide haben nur sehr geringe NBA Chancen und passen besser nach Europa. Besonders Ochefu als Rimprotector könnte in der BBL Akzente setzen und gleichzeitig ein passables Lowpostgame an den Tag legen. Guard Arcidiacono hätte da schon einen schwereren Stand und wäre als Rookie in der NBA wahrscheinlich überfordert. Doch mittelfristig könnte auch er mal BBL Luft schnuppern.

Prediction
Das Team ist nicht sonderlich tief besetzt und hat zwei Schlüsselspieler verloren, doch dank zweier sich gut ergänzender Ballhandler sollte die Offensive auch in diesem Jahr wieder florieren. Fehlende Toughness wurde als Hauptgrund für das frühe Ausscheiden der vergangenen Jahre ausgemacht. Ob sich in dieser Hinsicht am Brett, dort wo Härte am meisten gebraucht wird, etwas getan hat, wird sich zeigen müssen. Die Guards sind auf jeden Fall bereit für einen tiefen Run und werden ihre Mitspieler tragen. Der Big East Titel ist wieder höchst wahrscheinlich. Im März wird sich zeigen, wo das Team steht. Potential zur Final Four Teilnahme ist vorhanden.

Wichtige Spiele
Montag, 7.12. vs. Oklahoma
Samstag, 19.12. vs. Virginia
Sonntag, 10.01. vs. Butler
Samstag, 16.01. vs. Georgetown
Samstag, 20.02. vs. Butler
Samstag, 05.03. vs. Georgetown