09 November 2015

9. November, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(30-5, Sweet Sixteen der March Madness)
Die Shockers zeigten auch im vergangenen Jahr trotz der Abgänge mehrerer wichtiger Leistungsträger, wie souverän sie mittlerweile sind und gewannen wieder ihre Conference in der Regular Season, heimsten 30 Siege ein und schlugen im zweiten Match der March Madness den innerstaatlichen Rivalen Kansas. Allerdings merkte man dem Team die fehlende Tiefe und Qualität auf den großen Positionen an. Denn ein Final Four Einzug schien nicht in Reichweite zu sein und auch in der Conference mühte sich das Team. Lange Zeit führten die UNI Panthers die Conference an, ehe ein später Heimsieg der Shockers wieder die alten Machtverhältnisse herstellte. Im Conference Tournament verlor das Team sogar gegen Illinois State. Ein überragender Fred VanVleet führte seine Shockers zu überzeugenden Siegen über Indiana und Kansas. Gegen Notre Dame war allerdings Schluss.

Kader
Ron Baker (Guard, 6’3’’, Senior)
Anton Grady (Big, 6’8’’, Senior)
Fred VanVleet (Guard, 6’0’’, Senior)
Bush Wamukota (Big, 6’11’’, Senior)
Evan Wessel (Wing, 6’4’’, Senior)
Zach Bush (Wing, 6’6’’, Junior)
Zach Brown (Wing, 6’6’’, Sophomore)
Conner Frankamp (Guard, 6’1’’, Sophomore)
Rashard Kelly (Big, 6’7’’, Sophomore)
Shaquille Morris (Big, 6’8’’, Sophomore)
Rauno Nurger (Big, 6’10’’, Sophomore)
Markis McDuffie (Wing, 6’8’’, Freshman)
Landry Shamet (Guard, 6’4’’, Freshman)

Zwei Starting Five Spieler verließen altersbedingt die Shockers. Tekele Cotton dürfte mittlerweile auch in Deutschland ein geläufiger Name sein, da die MHP Riesen Ludwigsburg seine erste Profistation sind. Er war der beste Verteidiger der Shockers und damit ein wichtiger Zuarbeiter für das Backcourt Duo Baker und VanVleet. Darius Carter war in der letzten Saison der einzige Big Man des Kaders, der einigermaßen verlässlich in der Zone punkten konnte. Aufgrund seiner geringen Größe beschränkte sich diese Eigenschaft jedoch auf die Conference Spiele.

Dafür kann Gregg Marshall einige neue Gesichter in seinen Reihen begrüßen. Anton Grady kommt als Graduate Senior von den Cleveland State Vikings und wird sofort starten. Die Freshmen Markis McDuffie und Landry Shamet sollte man ebenfalls im Auge behalten.

Die wichtigsten Nachrichten waren jedoch zweifelsohne der Verbleib des NBA fähigen Backcourts und des heiß umworbenen Erfolgstrainers Marshall. Mit den drei Erfolgsgaranten ist wieder viel möglich.

Starting Backcourt
Fred VanVleet, Ron Baker, Evan Wessel

Die Bezeichnung „Floor General“ wird häufig als Synonym für balldominante Guards, die ein Loch in den Boden dribbeln und den erhobenen Zeigefinger schwenken, missbraucht und entsprechend inflationär stößt der interessierte Leser auf diese Bezeichnung. Erst wenn man ein Spiel von Fred VanVleet beobachtet - möglichst noch ein bedeutendes Spiel, damit er auch in Höchstform ist – wird klar, wie wenig Aufbauspieler wirklich waschechte Floor Generals sind. 

VanVleet ist der Fixpunkt im Spiel der Shockers und agiert auf dem Spielfeld wie ein zweiter Coach, der selber ein Trikot trägt. VanVleet ist ein exzellenter Organisator und Anführer. Nach seinen Kommandos richten sich alle Mitspieler und anscheinend auch oft genug die Gegenspieler. Wie ein Schachspieler schiebt sich VanVleet die Figuren zurecht und wartet solange, bis ihm die Konstellation auf dem Spielfeld gefällt. Anschließend läuft er mit dem Big Man der Shockers das Pick & Roll und trifft daraus fast immer die richtige Entscheidung. Mit Augen im Hinterkopf überblickt er jederzeit, was alle anderen neun Akteure gerade machen und wählt die passende Option. 

Ob Skip-Pass auf die Weakside, Pocket Pass zum abrollenden Spieler oder eigener Abschluss aus der Mitteldistanz/in der Zone: VanVleet hat alles im Repertoire, was ihn auf College Ebene mit dem Prädikat „unstoppable“ zertifiziert. VanVleets Qualität im Pick & Roll alleine sorgt dafür, dass die Shockers auch bei missglückten Setplays am Ende noch einen vernünftigen Wurf bekommen. Verlass ist auf den Guard speziell in der Crunchtime. Ist seine Fehlerquote bis dahin sehr gering, tendiert sie in der spielentscheidenden Phase dem Nullpunkt entgegen. VanVleet kann sowohl den selbst kreierten Wurf aus allen Lagen treffen und nervenstark Freiwürfe versenken als auch den Mitspieler im richtigen Moment in Szene setzen. 

In den letzten drei Jahren vollbrachte VanVleet schon so manche Heldentat für die Shockers. Ein Aspekt der bei VanVleet zusätzlich häufig noch übersehen wird, ist seine starke Defense. Für College Verhältnisse ist VanVleet kräftig gebaut und lässt sich nicht so leicht aus dem Weg drängen. Zudem sind seine Hände immer aktiv und stören den Ballhandler. Dank seines tiefen Körperschwerpunkts ist auch seine laterale Schnelligkeit gut. VanVleet wird auch in diesem Jahr der Schlüssel zum Erfolg sein. Mit ihm als Taktgeber ist für die Shockers alles möglich.


Fast schon an der Hüfte zusammengewachsen ist VanVleet mit seinem Backcourt Partner Ron Baker. Seit zwei Jahren sind die beiden nebeneinander Starter und in dieser Spanne verloren die Shockers gerade mal sechs Partien. Baker entwickelte sich während seiner Jahre bei den Shockers vom Walk-On als Freshman zur zweiten Hälfte des besten Backcourt Duos der NCAA. 

Ähnlich wie sein kleinerer Kollege besticht Baker mit seiner Spielintelligenz und seiner guten Grundausbildung. Seine Spielweise ist abgesehen von seinen tiefen Dreiern nicht sonderlich spektakulär, aber gnadenlos effizient. Baker kann variabel mit dem Ball in der Hand die Offense initiieren oder sich abseits des Ball für den Catch-and-Shoot-Dreier positionieren. Sein Wurf ist nach wie vor seine größte Waffe. Ist der Pass ordentlich, sind die drei Punkte schon festgezurrt. Selbst den Wurf konnte Baker jedoch optimieren. Mittlerweile trifft er auch aus dem Dribbling seine Jumper und insgesamt ist sein Release schneller geworden, was ihm gerade gegen größere Gegenspieler eine Erleichterung verspricht. 

Als Ballhandler ist Baker nicht ganz so stark wie VanVleet, allerdings immer noch deutlich über dem Durchschnitt der NCAA Riege anzusiedeln. Er liest das Pick & Roll clever, spielt sehr uneigennützig und lässt sich nicht in Hektik versetzen. Dank seiner guten Physis und einiger go-to-Moves ist Baker auch in der Zone ein verlässlicher Finisher, der den Kontakt sucht und gerne Dreipunktspiele herausholt. In diesem Jahr liefert sich Baker zudem einen teaminternen Wettstreit um den Status als bester Verteidiger des Teams. Nach dem Abgang von Cotton hat Baker gute Chancen, diesen Rennen zu gewinnen. Er begeht selten Fehler, lässt sich nicht vom Angreifer täuschen und ist wegen seiner Kombination aus Schnelligkeit und Kraft im Eins-gegen-Eins kaum zu schlagen. Und von wegen wenig spektakulär: Hin und wieder lässt es Baker schon mal krachen.

Evan Wessel alias der „Bodyguard“, wie ihn seine Teamkollegen voller Anerkennung betiteln, sieht auf den ersten Blick nicht wie ein Starter eines Top10 Teams aus. Doch auch Wessel hat sich mit harter Arbeit in der Hierarchie hochgekämpft und passt perfekt zu den Shockers. Bereits Wessels Großvater war als Athlet für die Shockers aktiv. 

Wessel selber ist ein absoluter Glue Guy, der wichtig für die Atmosphäre im Lockerroom ist und mit seiner vorbildlichen Arbeitseinstellung für die nötige Intensität sorgt. Wessel ist sich für keine Aufgabe zu schade und hechtet jedem Ball hinterher. In der Defense kann er mehrere Positionen verteidigen. Da spielt es kaum eine Rolle, ob er im Lowpost einen Big Man bearbeitet oder am Perimeter einen Flügelspieler vor sich halten muss, solange dieser nicht zu schnell auf den Beinen unterwegs ist. 

In der letzten Saison entwickelte Wessel auch ein annehmbares Offensivspiel, weshalb er nun auch in der Lage ist, konstant 30 Minuten auf dem Feld zu stehen. Wessel versteht es gut, sich abseits des Balls zu bewegen und von den Pässen seiner Guards zu profitieren. Sein Dreier fällt mittlerweile gut und auch als Cutter stiehlt er sich immer wieder seinem Bewacher davon.

Starting Frontcourt
Shaquille Morris, Anton Grady

Als Redshirt Freshman sah Shaquille Morris bereits relativ viele Minuten. Daher dürfte er auch in dieser Saison wieder lange auf dem Parkett stehen. Ob er die Spiele schon beginnen darf, ist noch ungewiss, allerdings gehört er sicher zu den heißesten Kandidaten. Morris kann sich dank seines wuchtigen Körpers gut in der Zone durchsetzen. Er weiß genau, wie er seine Kilos als Wurfschirm nutzen kann, um nicht geblockt zu werden. 

Den größten Nachholbedarf hat Morris sicher noch in der Defense, wo er zu selten eine akzeptable Fußarbeit präsentiert und stattdessen sehr foulanfällig spielt. Diese Tatsache könnte Marshall davon abhalten, Morris starten zu lassen und ihn stattdessen als sechsten oder siebten Mann von der Bank zu bringen. Marshall legt größten Wert auf solide Defense. Zudem bevorzugt er als Vierer einen Spieler mit Dreier in petto. Dennoch sollte Morris als Rebounder und Finisher in der Zone wichtige Impulse geben können – egal ob als Starter oder Bankspieler.

Big Man Anton Grady könnte der entscheidende Faktor werden, wenn es um die Frage geht, wie weit die Shockers im März vorstoßen können. Ähnlich wie Vorgänger Carter bringt Grady vor allem die nötige Physis mit, um in der Zone den Ton anzugeben. Er ist kein sonderlich starker Athlet und finisht unter Ringniveau, weiß aber genau, wie er seine Kraft und Masse einsetzen muss. In dieser Hinsicht ist er sogar etwas stärker als Carter einzuschätzen. 

Außerdem zeigte Grady bei seinem alten College auch immer wieder, dass er den Mitteldistanzwurf treffen kann, wenn er offen stehen gelassen wird. In der Defense konzentriert sich Grady hauptsächlich auf den Rebound. Allerdings wird es interessant zu sehen sein, wie weit er im Pick & Roll ist. Kann er die saubere Verteidigung, die Marshall fordert, praktizieren und reicht seine Schnelligkeit dazu aus? Das wird sich zeigen müssen.

Bank
Zach Brown, Conner Frankamp, Rashard Kelly, Markis McDuffie, Bush Wamokota, Zach Bush, Rauno Nurger, Landry Shamet

Conner Frankamp darf ab Mitte Dezember auflaufen und wird sofort eine wichtige Rolle im Backcourt übernehmen. Frankamp hat einen der technisch hochwertigsten Dreipunktewürfe der NCAA. Bei Kansas fehlte ihm schlicht das Selbstvertrauen, um das auch mit einer entsprechenden Quote zu untermauern. Mit seinen Qualitäten wird Frankamp sich sofort im System der Shockers zurecht finden. Kehrt sein Wurfglück zurück, haben die Shockers einen extrem hochwertigen Backcourt.

Zach Brown wurde als Freshman schon häufig eingesetzt, wenn Marshall Athletik auf dem Flügel haben wollte. An beiden Enden des Feldes besitzt Brown großes Potential und könnte sich zu einem Nutznießer von Cottons Abgang mausern.

Markis McDuffie könnte trotz seiner Unerfahrenheit schon als regulärer Freshman den Sprung in die Rotation der Shockers schaffen. Der Linkshänder ist ein großes Talent und Marshall scheint an ihm viele Parallelen zum Ex-Shocker Cleanthony Early zu entdecken.

Rashard Kelly ist ein unkonventioneller Spielertyp, der beiden Forward Positionen bekleiden kann und vor allem als Energizer zu betrachten ist. Spielerisch kann er nichts besonders gut und begnügt sich daher mit der Rolle des Zuarbeiters.

Senior Bush Wamokota konnte das letzte Jahr nutzen, um sich in Wichita zu akklimatisieren. Nun soll er mehr Impulse liefern. Speziell defensiv wird Wamokota Verantwortung übernehmen müssen, wenn die Shockers auf einen Gegner mit dominantem Big Man treffen. Wamokota hält die Zone mit seiner Länge sauber.

Dazu kommen mit Zach Bush, Rauno Nurger und Landry Shamet drei Spieler, die nach Marshalls Ermessen auch Minuten erhalten werden. Besonders Nurger kann als Stretch Big Man für Entlastung und Spacing sorgen. 

Stil
Die Shockers legen ihr Schicksal in die Hände ihrer Guards und fährt damit in der Regel ganz gut. VanVleet und Baker kontrollieren das Geschehen, laufen im Setplay viele Pick & Rolls und leiten damit sehenswerte Spielzüge ein. Auch defensiv begeht das Team von Coach Marshall wenige Fehler. Die meisten Spieler sind gute Individualverteidiger und bündeln sich zu einem starken Kollektiv, das nur schwer zu knacken ist.


NBA Kandidaten
Auch wenn Fred VanVleet etwas klein für die moderne NBA mit ihren großgewachsenen, athletischen Guards ist, sprechen seine Qualitäten als Floor General für ein Engagement bei einem NBA Team. Es gibt keinen besseren Aufbauspieler in der gesamten NCAA in Bezug auf das Pick & Roll. Ron Baker bringt als Aufbau schon eine bessere Größe mit, ist allerdings auch eher ein Combo Guard. Vor allem sein Wurf ist sehr interessant für NBA Teams.

BBL Kandidaten
Sollte VanVleet aufgrund seiner Größe nicht den Sprung in die NBA schaffen, wird er in Europa schnell unterkommen. Er passt perfekt zum europäischen Stil und wird auch den meisten, eher sogar allen, BBL Teams auf die Sprünge helfen können.

Prediction
Allein die Tatsache, dass der Trainer und seine beiden Aufbauspieler des Vertrauens allesamt entschieden, trotz lukrativer anderer Optionen den Shockers die Treue zu halten, spricht für die Ambitionen des Teams. Die beiden Senior Guards wollen unbedingt ihre Final Four Erfahrung wiederholen und sich mit einer starken Spielzeit von der College Bühne verabschieden. Ob dies wirklich gelingt, hängt jedoch in erster Linie davon ab, ob die Shockers dieses Jahr unter dem Korb genug Qualität und Größe aufweisen können, um auch die Topteams mit einer tiefen Big Man Riege zu ärgern.

Wichtige Spiele
Mittwoch, 09.12. vs. UNLV
Samstag, 12.12. vs. Utah
Sonntag, 31.01. vs. Evansville
Samstag, 06.02. vs. Illinois State