16 November 2015

16. November, 2015


Die NBA-Saison ist im vollen Gange. Die meisten Teams haben 10 Spiele absolviert, die erwarteten Machtverhältnisse pendeln sich langsam ein. Grund genug für uns, mal auf die Neuverpflichtungen dieser Offseason zu schauen. Wie spielen sie? Wer überzeugt am meisten? Wer bereitet seinem Trainer graue Haare? All das erfahrt ihr hier.

von MARC WUDI @MarcCTB

LaMarcus Aldridge
Ohne Frage: Die Spurs haben diese Offseason mal wieder den Vogel abgeschossen! Das ohnehin schon sehr gute Team um Tim Duncan, Kawhi Leonard und Coach Popovich überredete Blazers-Superstar LaMarcus Aldridge zu einem Wechsel nach Texas. In den nächsten vier Jahren verdient Aldridge 80 Millionen Dollar und soll das Erbe von Altmeister Tim Duncan antreten. Wie schlägt er sich bisher? 

Wie erwartet gingen ihm viele Spielanteile im uneigennützigen Spielsystem von Gregg Popovich verloren. Statt wie in den letzten Jahren in Portland nimmt Aldridge nicht mehr 20, sondern nur noch 13 Würfe pro Spiel. Auch läuft er nur noch 30 Minuten pro Abend auf. Dies macht sich auch in seinen individuellen Statistiken bemerkbar. 16 Punkte und 10 Rebounds sind immer zwar immer noch gute Stats, an seine Hochzeiten bei den Portland Trail Blazers kommen diese Nummern jedoch nicht heran. 


Schaden tut das den Spurs jedoch nicht. Mit einer Bilanz von 7-2 befinden Sie sich aktuell hinter den Golden State Warriors auf Rang zwei in der Western Conference. Und eigentlich war doch mit dem Wechsel sowieso klar: LaMarcus Aldridge gibt ab sofort einen Dreck auf Stats. Jetzt, im Alter von 30 Jahren, zählen für ihn nur noch Championships! So weit, so gut...

Greg Monroe
In Detroit von Stan van Gundy verschmäht, war klar, dass Greg Monroe sich in dieser Offseason einem neuen Team anschließen wird. Trotz zahlreicher und gut dotierter Angebote von den Los Angeles Lakers und New York Knicks entschied sich der Big Man am Ende, einen 3-Jahresvertrag über 50 Millionen Dollar bei den jungen Milwaukee Bucks zu unterschreiben.


Zur Freude der Bucks-Fans hat sich diese Verpflichtung bisher bezahlt gemacht. Hochmotiviert und endlich als "The Man" auf der großen Position legt Monroe ein Career-High nach dem anderen auf. Noch nie scorte er mehr (17.8 PPG), griff er mehr Abpraller (10.2 RPG), klaute er den Ball so oft (1.3 Steals), traf besser von der Freiwurflinie (78.9%) und spielte mehr Minuten (34 MPG) als in dieser Saison. Auch wenn der Start der Bucks (5-5) etwas schwächer war als erhofft: Bei Greg Monroe läuft!

Rajon Rondo
Nach zwei rastlosen Jahren in Boston und Dallas und einem für beide Seiten frustrierenden Intermezzo bei den Mavericks scheint sich der ehemalige All-Star Point Guard bei den Sacramento Kings endlich wieder wohl zu fühlen.

Nachdem die Kings von vielen Seiten für die Verpflichtung Rondos (ein Jahr, 10 Mio. $) harsch kritisiert worden waren, zeigt sich jetzt, dass sie vielleicht doch auf die richtige Karte gesetzt haben. Neben Demarcus Cousins und Rudy Gay lebt der viel kritisierte Rondo wieder so richtig auf.

12.5 Punkte, 7.1 Rebounds, 9.5 Assists, 2.1 Steals pro Spiel und drei Triple-Doubles in elf Partien erinnern wieder an den Celtics-Rondo, der neben Kevin Garnett, Paul Pierce und Ray Allen von Fans und Medien so geliebt wurde. Zwar haben die Kings erst vier ihrer elf Spiele gewonnen. Rondo kann man dafür aber keine Vorwürfe machen.


Monta Ellis
Der 30-Jährige erwischte bisher keinen guten Start. Als wichtigste Entlastung für Superstar Paul George für drei Jahre und 32 Millionen Dollar verpflichtet, hat Monta Ellis noch Probleme, sich in das Offensivsystem der Indiana Pacers zu integrieren. Deutlich machen dies vorallem seine Statistiken.

Sowohl im Scoring, bei den gespielten Minuten und Effizienzwerten legt Ellis die bisher schlechtesten Werte seit seiner Rookie-Saison auf. In 33.6 Minuten pro Abend kommt er nur auf 12.6 Punkte bei 39.8% aus dem Feld, 22.3% von der Dreierline und 74% von der Freiwurflinie. Für einen begnadeten Scorer wie Ellis, der defensiv versteckt werden muss, ist das zu wenig.

Zwar befinden sich die Indiana Pacers mit einer Bilanz von 6-4 in der oberen Hälfte der Tabelle, fraglich ist aber, ob Paul George nach seinem Beinbruch das Team wirklich über 82 Spiele alleine in die Playoffs tragen kann. Monta muss mehr liefern.

Wesley Matthews 
Nach sechs Jahren in Portland war es für den 29-jährigen Flügelspieler Zeit für einen Tapetenwechsel. Obwohl die Mavs unerwartet DeAndre Jordan nicht bekamen und Matthews von Mark Cuban die Möglichkeit erhielt, sich einem anderen Team anzuschließen, entschied er sich trotzdem für die Mavericks.

Über die nächsten vier Jahre erhält Matthews 70 Millionen Dollar von den Texanern. Nach seinem Achillesehnenriss im Januar hieß es eigentlich, dass Matthews bis Weihnachten ausfallen würde. Doch der Neuzugang präsentierte sich hochmotiviert, zerlegte seine Reha und debütierte für Dallas schon in der Preseason - Monate vor dem anvisierten Comeback-Zeitpunkt.

Natürlich ist er noch immer nicht bei 100%, was man auf dem Parkett immer wieder sieht, Matthews aber nicht negativ anrechnen darf. Er legt im Schnitt die schlechtesten Zahlen seit seiner Rookie Saison auf, aber mal ehrlich: Ist es nicht schön, ihn schon so früh wieder spielen zu sehen? Ein Urteil über Matthews' Leistung im Mavs-Trikot darf frühestens im neuen Jahr erlaubt sein. Bis dahin zählt nur, dass er gesund bleibt und sich langsam wieder in Richtung 33 Minuten pro Abend orientiert.

Ty Lawson
Nachdem Lawson erneut beim Fahren unter Alkoholeinfluss erwischt wurde, war es für ihn an der Zeit, sich aus der 'Mile High City' zu verabschieden. Er wurde nach Houston verfrachtet, wo er den Superstars James Harden und Dwight Howard dabei helfen soll, endlich die Meisterschaft zu gewinnen.

Bisher läuft es für ihn und die Rockets jedoch noch gar nicht. War er in Denver seit gefühlten Ewigkeiten der einzige Ballhandler, muss er sich das Spielgerät nun mit dem sehr balldominanten MVP-Kandidaten Harden teilen. Entsprechend schwach sind Lawsons Statistiken bisher: 9.1 Punkte, 3.6 Rebounds, 5.7 Assist und Effizienzwerte, über die sich sogar Spieler wie Brandon Jennings und Ricky Rubio lustig machen würden, sprechen nicht mehr für den Top-10 Point Guard, der er in Denver meist war.



Dementsprechend schwach stehen auch die Rockets mit einer Bilanz von 4-6 da. Zwar ist dies auch den Problemen von James Harden und den Verletzungen im Team zuzuschreiben, jedoch trägt auch Lawson bisher einen entscheidenden Teil zur Misere der Raketen bei.

Tyson Chandler
Nach einem erneuten einjährigen Intermezzo bei den Dallas Mavericks zog es Tyson Chandler im Sommer nach Phoenix. Viele Experten belächelten den ungewöhnlich hoch dotierten Vertrag, den der Defensive Player of the Year 2012 von den Sonnen angeboten bekam und letztlich annahm.

42 Millionen Dollar über drei Jahre für einen 33-jährigen, verletzungsanfälligen Center, der zudem in der Offensive auf Alley-Oops und Putbacks angewiesen ist? Klingt nicht nach einem guten Move. Auch wenn die pro-Spiel-Stats nicht danach aussehen (7 Punkte, 10 Rebounds, 1 Block) hat Chandler bisher einen wichtigen Einfluss auf die Suns.

Neben Eric Bledsoe ist er einer der wichtigsten Gründe für das gute Abschneiden der Wüstenteams zu diesem Zeitpunkt (6-4). Eines wird Chandler nie verlernen: Defense und Rebounding. Das, was den Suns schon länger gefehlt hat, bringt Chandler auch dieses Jahr auf den Tisch.


DeMarre Carroll
Nachdem er bei den Atlanta Hawks in den letztjährigen Playoffs zum produktivsten Spieler avancierte, wurde DeMarre Carroll in dieser Offseason von den Toronto Raptors für teures Geld nach Kanada geholt. In den nächsten vier Jahren überweisen ihm die Raptors 60 Millionen Dollar.

In Toronto erhofft man sich, durch Carroll das klaffende Loch auf der Small Forward Position stopfen zu können und endlich nicht mehr - wie in den letzten beiden Jahren - in der ersten Runde der Playoffs auszuscheiden. Carroll ist einer der besten Three-and-D Spieler der Liga und soll DeMar DeRozan sowohl offensiv als auch defensiv entlasten.

Bisher kommt Carroll mit der größeren Rolle in Toronto aber noch nicht zurecht. Zwar bekommt er mehr Würfe, trifft aber aus dem Feld und von der Freiwurflinie so schlecht wie nie zuvor. Obendrein plagt er sich mit einer schmerzhaften Fußverletzung herum, die ihn drei Spiele außer Gefecht setzte. Toronto kann Carrolls langsamen Start bisher verschmerzen und gewannen sieben seiner zehn Partien.

Mo Williams
Wohl der Steal dieser Offseason. Im Front Office reagierte man auf die Verletzung von Kyrie Irving, der wohl bis Weihnachten ausfallen wird, und verpflichtete Veteran-Point Guard Maurice 'Mo' Williams, der schon von 2008 bis 2011 neben LeBron James in 'The Land' auflief.

4.3 Millionen Dollar über zwei Jahre für einen abgezockten Guard, der wie kein Zweiter Backup seinen eigenen Wurf kreieren kann und zudem als einer der besten Freunde von Franchise-Player LeBron James gilt? Besser geht es doch nicht.


Williams startete bisher in allen zehn Spielen der Cavs und zahlt dieses Vertrauen sehr gut zurück. In 32 Minuten pro Spiel legt er 15.6 Punkte, 3.3 Rebounds, 5.1 Assists auf und trifft 48% seiner Feldwürfe. Neben LeBron James und Kevin Love ist Williams der Grund, warum die Cavs trotz des Ausfalls von Irving 8 ihrer 10 Spiele gewonnen haben. 

L.A. Clippers
Großoffensive war in der Offseason für die Clippers angesagt. Um endlich mal die zweite Runde der Playoffs zu überstehen, verstärkten die Clips ihre schwache Bank mit Paul 'The Truth' Pierce, Lance 'Born Ready' Stephenson und Josh 'J-Smoove' Smith. Was soll man sagen?

Bisher konnte keiner der drei Spieler die Erwartungen auch nur ansatzweise erfüllen. Lance und Pierce legen beide 5.6 Punkte pro Spiel auf, Josh Smith sogar nur 4.9 pro Abend. Keiner der drei trifft bisher über 38% aus Feld oder mehr als 33% von der Dreierline. Pierce spielt immerhin 22 Minuten, Lance 20, Josh Smith bekommt nur 14 Minuten pro Spiel.

Alle drei haben bisher auch einen negativen Impact auf die Clippers, die als Team besser spielen, wenn diese Typen auf der Bank sitzen. Zwar sind erst zehn Spiele absolviert, jedoch müssen Pierce, Stephenson und Smith sich anstrengen, um nicht alle drei als Flops der Offseason zu gelten und um die strauchelnden Clippers (6-4) wieder in die richtige Bahn zu leiten.