03 November 2015

2. November, 2015


Der Saisonstart hielt gleich mal drei Heimspiele für die Boston Celtics bereit. Das Ziel, zumindest zwei dieser drei Spiele erfolgreich zu bestreiten, wurde verfehlt.

von WOLFGANG STÖCKL @WStckl

Im Auftaktspiel genügte eine durchschnittliche Leistung, um gegen die Philadelphia 76ers sicher zu gewinnen. Probleme bereiteten nur der zunächst langsame Start in das Spiel und der Frontcourt der Sixers. Der Rookie Jahlil Okafor punktete vor allem gegen die Celtics-Starter Tyler Zeller und David Lee nach Belieben und wenn er mal was liegen lies, war Nerlens Noel zur Stelle. Zusammen kamen die beiden Talente auf 40 Punkte, 20 Rebounds, 4 Blocks und 4 Steals.

Nachdem Coach Brad Stevens in der Verteidigung umstellte und die körperlich stärkeren Jared Sullinger und Amir Johnson gegen die beiden jungen Sixers stellte, bekam Boston sie und das Spiel besser in den Griff. In der Offensive zeigte Isaiah Thomas warum er diese Saison ins Allstar Team kommen kann. 27 Punkte in 29 Minuten sind ein sehr ordentlicher Auftakt in die Saison. Insgesamt punkteten fünf Spieler zweistellig, 31 Assists bei 39 Körben zeugen von einer guten Mannschaftsleistung.

Mit den Toronto Raptors kam dann ein anderes Kaliber in den TD Garden. In der ersten Halbzeit neutralisierten sich beide Teams größtenteils. Die Raptors konnten sich mit vielen Freiwürfen, einigen Dreiern nach Ballverlusten und Offensivrebounds über Wasser halten, die Celtics vor allem mit Fastbreaks nach Fehlwürfen oder Ballverlusten der Raptors. Aus dem Halbfeld konnten beide fast nichts kreieren.

Nach der Pause setzten sich die Dinos dann im dritten und Anfang des vierten Viertels entscheidend ab, schlicht und einfach, indem sie vermeidbare Eigenfehler vermieden und die zahlreichen Ballverluste und Fehlwürfe der Kelten nutzten. Besonders gegen DeMarre Carroll und Terrence Ross fanden die Celtics kein Rezept.

Gleichzeitig schafften es DeMar DeRozan und Kyle Lowry immer wieder die teilweise überaggressive Verteidigung der Celtics-Guards gegen diese einzusetzen und kamen zusammen auf 20 Punkte allein von der Freiwurflinie. In der Offensive konnten sich die Celtics, abgesehen von Thomas, weiterhin kaum gute Würfe erarbeiten und so wuchs der Vorsprung der Raptors stetig, ein später Lauf war dann nur noch Ergebniskosmetik bei der ersten Saisonniederlage.

Die ersten drei Viertel gegen die San Antonio Spurs waren dann eine nahtlose Anknüpfung an die Leistung gegen Toronto. Die Spurs verhinderten die Fastbreaks der Kelten, so dass diese im Halbfeld agieren mussten. Dort waren sie komplett überfordert. Dazu hatte Thomas auch noch einen schlechten Tag. Die Folge waren wieder zahlreiche Ballverluste, schlechte Würfe, miese Quoten und hätten die Spurs nicht selbst einen richtig schwachen Tag in der Offensive erwischt, dann wäre Boston nach drei Vierteln meilenweit hinten gelegen.


Im vierten Abschnitt übernahmen dann endlich auch mal Spieler die Initiative, die nicht Thomas heißen. Sullinger, Avery Bradley und Marcus Smart sorgten für reichlich Punkte, so dass es am Ende nochmal knapp wurde. Die Spurs konterten den Run der Celtics aber, indem sie den Ball einfach ihren zwei besten Spielern in die Hand gaben. LaMarcus Aldridge und Kawhi Leonard steuerten das Spurs-Schiff dann relativ sicher nach Hause.

Läuft
Isaiah Thomas ist schon in guter Frühform, 22 Punkte und 6 Vorlagen im Schnitt bei einem True Shooting von 53% sind schon recht ordentlich, insbesondere da sein Jumper noch nicht fällt. Er wurde auch gleich zum Spieler der Woche im Osten gewählt.
Auch die Defensive funktioniert schon recht gut (Defensiv Rating 95,4; 42% FG und 22 erzwungene Ballverluste pro Spiel). 

Muss besser werden
Die Offensive der Celtics läuft überhaupt noch nicht rund (40% FG, 26% Dreier, Offensiv Rating 94,1). Außer Thomas ist bisher kein Spieler in der Lage, den Ball in die Hand zu nehmen und die gegnerische Defensive in Schwierigkeiten zu bringen.

Das Problem fängt bei der Startformation an. Schon letztes Jahr war diese äußerst unproduktiv und schickte die Bankspieler oft mit einem Rückstand ins Spiel. Geändert hat sich wenig, außer dass Brandon Bass gegen Lee getauscht wurde. Besonders Zeller und Lee sind bisher eine einzige Enttäuschung bisher. Offensiv bekommen beide fast überhaupt nichts auf die Kette (11-34 FG), hinten lassen sie sich in der Zone und beim Rebound viel zu oft abkochen. Dazu kommt das wackelige Shooting von Jae Crowder, Bradley und Smart. Heraus kommt dann eine erste Fünf, die bisher 28% aus dem Feld wirft.

Aktuell scheint Coach Stevens noch ziemlich im Dunkeln zu tappen, welche Spieler er fest in die Rotation einbauen will und durch wen die Offensive laufen soll. Wenn Thomas auf dem Feld steht, läuft alles über ihn. Er ist zwar, auch wenn man das weiß, schwer zu stoppen, aber es würde sicher nicht schaden und das Team weniger berechenbar machen, wenn I.T. auch mal off-the-Ball spielen würde.


Steht Thomas nicht auf dem Feld, hat man das Gefühl, dass keiner auf dem Feld weiß, wie der Angriff überhaupt laufen soll. Das Tempo stockt, es werden halbherzige Pick & Rolls ausgepackt von Spielern, die teilweise nicht dafür geeignet sind (z.B. Crowder oder Bradley). Dadurch entstehen Verlegenheitswürfe, so lassen sich auch die 16,7 Ballverluste erklären, die bisher pro Spiel verzeichnet werden. Wenn dann auch noch in allen Partien das Duell an den Brettern verloren wird, dann verwundert der leichte Fehlstart nicht. 

Ausblick
Coach Stevens muss baldmöglichst seine Rotation finden - und zwar keine elf Mann umfassende, sondern maximal neun bis zehn Spieler. Es macht insbesondere keinen Sinn, fünf Big Men Spielzeit zu geben und gleichzeitig noch zu versuchen, ein paar Minuten Small-Ball heraus zu quetschen. Das hilft weder den Spielern, noch dem Team.

Stevens muss auch identifizieren, wer im Team außer Thomas es wert ist, dass Spielzüge für ihn gelaufen werden. Die Schlussphase gegen die Spurs könnte hier Aufschluss geben. Da nahmen Smart, Bradley und Sullinger das Heft in die Hand. Jeder der drei ist in der Lage, eine Defensive zum Reagieren zu zwingen und damit Freiräume für die restlichen Spieler zu schaffen. Aber dazu müsste Stevens seine Free-Flow Offensive etwas einschränken und für diese Spieler mal die Spielzüge laufen lassen, die diesen auch liegen.

Das heißt Smart ins Pick & Roll und in den Post gegen körperlich schwächere Guards packen, Bradley muss für Catch & Shoot Situationen freigeblockt werden, Sullinger muss unter den Korb in den Post und nicht wie bisher oft als Blocksteller und im Pick &Pop am Perimeter vergeudet werden.

Die wieder mal miese Dreierquote (siehe letztes Jahr Platz 27) zeigt, dass der Mannschaft weiterhin Shooting fehlt. Mit James Young und den Rookies Terry Rozier und RJ Hunter hat Boston eigentlich drei Youngster, die das besser können als viele derzeitige Rotationsspieler. Es macht sicherlich mehr Sinn, einen von diesen Jungs Spielzeit zu geben, als das Feld zum Beispiel mit 20 Minuten Evan Turner zusätzlich eng zu machen.

Die ersten drei Spiele waren alles andere als optimal. Es gibt viel zu tun für Coach Stevens, um nicht gleich zu Beginn der Saison der Musik hinter zu laufen.