13 November 2015

13. November, 2015


Nach einem durchwachsenen Start in die neue Spielzeit, bei dem das Team enorme Probleme hatte, in der Offensive zu punkten, standen die ersten Auswärtspartien der Saison an.

von WOLFGANG STÖCKL @WStckl

Der erste Gegner: Indiana. Keine leichte, aber eine machbare Aufgabe. Leider musste Marcus Smart kurz vor dem Spiel aufgrund einer bis dato nicht erklärbaren Zehenverletzung passen. Für ihn rückte Isaiah Thomas in die Startformation. Auch bei den Big Men nahm Coach Stevens Veränderungen vor.

Die bis dahin äußerst formschwachen Tyler Zeller und David Lee wurden durch Amir Johnson und Jared Sullinger ersetzt. Auch die neuen Besen kehrten zumindest in der ersten Halbzeit mehr schlecht als recht. Offensiv ging wenig zusammen. Dank einer starken Defensive konnte das Team noch im Spiel bleiben, im zweiten Durchgang fanden die Kelten dann ihre Form.

Die Entscheidung fiel in der letzten Minute. Der letzte Spielzug von Boston sollte über Thomas laufen, dieser wurde aber stark verteidigt und war gezwungen den Ball zu Avery Bradley zu passen. Der war kurz frei, stand aber mit einem Fuß auf der Dreierlinie und traf dann eine Fehlentscheidung, indem er zurückdribbelte, um den Dreier zum Sieg zu nehmen. Das kostete zu viel Zeit, so dass zwei Pacers die Lücke schließen und ihn entscheidend behindern konnten. Dadurch ging der Wurf mit der Schlusssirene klar daneben, das Spiel verloren.

Als nächstes stand wieder ein Heimspiel für die Celtics gegen Washington auf dem Programm. Diese hatten gerade gegen die San Antonio Spurs gewonnen, gingen voller Selbstbewusstsein in die Partie, Brad Stevens musste schnell die erste Auszeit nehmen. Die zeigte definitiv Wirkung. Den Rest des Viertels gewann Boston, angeführt von einem bärenstarken Jared Sullinger, deutlich 38-19.

Später übernahm dann die Bank der Kelten das Kommando. Evan Turner, Kelly Olynyk und Jonas Jerebko überrannten die Wizards förmlich und bauten den Vorsprung auf bis zu 30 Punkte aus. Insgesamt gewannen sie das Duell gegen die Bank der Wizards mit 58-33. Boston brachte das Spiel mit 118-98 sicher nach Hause.

Als nächstes stand eine Reise nach Milwaukee an. Auch dort gab den fast schon obligatorischen Fehlstart, 0-8 lagen die Celtics nach ein paar Minuten hinten, unter anderem auch weil Isaiah Thomas und Amir Johnson bei fast jeder Posession den Ball wegschmissen. Als Stevens beide rausnahm, spielten die Celtics wie aus einem Guss. Sie schafften es immer wieder die schwerfälligen Bucks zu Ballverlusten und schlechten Würfen zu zwingen und wandelten diese oft in schnelle Punkte um.

Es war wie schon gegen die Wizards die Bank, die ihren Gegenpart komplett zerstörte (50 Punkte, 21-34 FG) und auch den entscheidenden Lauf im dritten Viertel hinlegte. Rookie RJ Hunter zeigte mit 7 Punkten, 7 Rebounds und etlichen guten Defensivaktionen den ersten beachtlichen Auftritt seiner Profikarriere. Neben der starken Bank war die gute Teamdefensive, die die Bucks bei gerade mal 41% aus dem Feld hielt und 17 Ballverluste erzwang, ein Garant für den Erfolg. Am Ende stand ein ungefährdetes 99-83 zu Buche.


Das bisher letzte Spiel fand wieder im TD Garden statt und bot die Möglichkeit, sich bei den Pacers für die schmerzhafte Niederlage vor einer Woche in Indianapolis zu revanchieren. Das scheint den Celtics aber nicht so wichtig gewesen zu sein, denn sie starteten wieder einmal gemütlich, schmissen den Ball weg, im ersten Viertel insgesamt sechs Mal, die Pacers führten schnell mit acht. Angeführt vom abermals starken Turner (20 Punkte, 9-13 FG) konnten die Celtics bis zur Pause wieder herankommen.

Insgesamt war es ein zähes Ringen, mit vielen Fouls und Freiwürfen, ganz sicher kein Spiel für Basketballästheten. Boston traf überhaupt nichts von draußen (4-24 Dreier) und auch die Bank fand diesmal bis auf Lee (13 Punkte, 6 Rebounds) nicht ins Spiel. Das Spiel war vier Minuten vor Schluss beim Stand von 87-90 immer noch eng, aber dann kam die sowieso schon mäßige Offensive der Kelten völlig zum Erliegen. Am Ende stand eine verdiente 91-102 Niederlage und eine 3-4 Bilanz zum Ende von Woche zwei.

Läuft
Die Defensive ist immer noch der Erfolgsgarant für die Celtics und eine der wenigen Komponenten, auf die Verlass ist. Beim Defensiv-Rating steht Boston auf Platz fünf mit 95,3 DRtg, die bissige Verteidigung klaut elf Bälle pro Spiel und forciert 20 Ballverluste bei den Gegnern - beides Platz eins in der Liga.

Trainer Stevens hat wohl seine Rotation gefunden. Johnson, Sullinger, Crowder, Bradley, Thomas, Smart, Jerebko, Olynyk, Lee und Turner bilden den Kern. Im Bedarfsfall oder bei Verletzungen bekommen die Rookies Rozier und Hunter noch Spielzeit. Diese Stabilität sollte dem Team auf längere Sicht Sicherheit bringen. Der formschwache Tyler Zeller scheint zunächst keine Rolle mehr zu spielen.

Evan Turner spielt bisher eine gute Saison. 10,5 PPG, 4 RPG und 3 APG bei 48% FG, dazu solides Playmaking und gute Defensive... Eigentlich kann das nicht so bleiben, also genießen wir E.T., solange das Hoch anhält.

David Lee lebt – nachdem Lee als Starter ein paar ganz schwache Auftritte hinlegte, beförderte ihn Stevens schnell auf die Bank. Diese Rolle scheint ihm ganz gut zu liegen. Er punktet, reboundet und passt, wie man es von ihm aus früheren Jahren kannte. Er ist aktuell ein wichtiger Baustein der so erfolgreichen Celtics-Bank.

Muss besser werden
Das Shooting der Celtics ist ein Fiasko bisher. Das Team nimmt die sechstmeisten Würfe von der Dreierlinie, ist aber bei der Quote nur auf Platz 27 mit 28% (es gibt tatsächlich drei Teams, die es schaffen, noch mieser zu werfen).

Solange die Quote so bleibt, werden die Celtics sich offensiv weiter schwer tun, insbesondere da sie sich auch in den anderen Bereichen (Midrange, Paint, Restricted Area) jeweils im unteren Bereich der Tabelle bewegen.

Viel zu weit oben in der Liga ist das Team dagegen bei den Ballverlusten mit 17 im Schnitt. Gerade zu Beginn des Spiels wird der Ball oft munter weggeschmissen. Diese Ballverluste sind ein Grund für die langsamen Starts der Celtics, die auch ein Problem darstellen.

Isaiah Thomas hat seine gute Form aus den ersten Spielen nicht halten können und ist eingebrochen. Aufgrund von Smarts Verletzung bekam er noch mehr Spielzeit und noch häufiger den Ball. Dieser Verantwortung scheint er derzeit nicht gewachsen zu sein.

Er trifft schlechte Entscheidungen, nimmt miese Würfe und verliert oft den Ball. Seine Statistiken sehen in diesen Bereichen relativ schlecht aus (20,6 PPG, 5,6 APG, 3,0 Turnovers bei nur 37,5% FG und 26% Dreier). Immerhin kommt er weiterhin sehr oft an die Freiwurflinie, was seine Effizienz noch auf ein erträgliches Maß bringt, aber das sollte nicht der Anspruch an den besten Spieler des Teams sein.


Ausblick
In der zweiten Woche hat Boston seine zwei Gesichter gezeigt. Gegen Washington und Milwaukee war gut zu sehen, wie sich Brad Stevens das Spiel seiner Mannschaft vorstellt: Hohes Tempo, aggressive Defensive und schnelle Ballbewegung.

Beim Heimspiel gegen die Pacers hat das Team hingegen gezeigt, dass das Read & React System die Spieler noch überfordert. Sie treffen gerade in schwierigen Phasen falsche oder zu langsame Entscheidungen, die insgesamt unterdurchschnittlichen Quoten und vielen Ballverluste zeugen davon.

Stevens sollte in solchen Phasen das Spiel auch mal beruhigen und ein paar einfache Systeme laufen (z.B. Postups über Lee oder Sullinger). So richtig erkennbar ist auch weiterhin nicht, wer außer Thomas ein Fixpunkt in der Offensive sein soll oder kann. Auch hier würde es sicherlich helfen, wenn Stevens etwas mehr Struktur schafft.