11 November 2015

11. November, 2015


von PASCAL GIETLER @PascalCTB

Was aktuell in Brooklyn passiert, verstehen wohl die wenigsten. Während die komplette Liga den Kopf schüttelt, reibt sich Danny Ainge in Boston bereits die Hände wund, denn die Celtics könnten trotz Playoffs einen Top-3 Pick abstauben. Und das ist keinesfalls übertrieben. Der Saisonstart der Nets war in jeder Hinsicht katastrophal. 

Leider sind wir in diesem Format an ein gewisses Zeichenlimit gebunden und dieses verbietet mit die Spielweise der Truppe aus dem Borough komplett gegen den Strich zu rasieren, aber eine Kategorie sticht bei all den miesen Dingen aus der Menge heraus: Shooting. Wir alle wussten, dass Jarrett Jack kein Distanzschütze ist, auch Rookie Rondae Hollis-Jefferson weiß nicht so recht, wo der Korb hängt. 

Brook Lopez soll trotz softem Touch und Fähigkeiten als abrollender Spieler in Pick & Roll-Situationen natürlich auch nicht als Spot-Up-Shoother fungieren, aber vom Rest hätte man zumindest erwarten können, dass der so eminent wichtige Distanzwurf probiert wird... mitnichten. Obwohl die Zone häufig und gut zugestellt wird, um Zonenpunkte zu sammeln, wird immer und immer und immer wieder der Spalding gedribbelt, um zum Drive anzusetzen. Das Resultat? Ineffiziente Mitteldistanzwürfe, Turnover, wilde Abschlüsse am Ring. 


Besonders komisch ist diese Entwicklung bei Thaddeus Young, den Brooklyn eigentlich als Art „Stretch-Vierer“ von den Minnesota Timberwolves verpflichtete. Eigentlich konnte man erwarten, dass Young diese Rolle weiterhin übernimmt, um den drivestarken Point Guards Jarrett Jack und Shane Larkin Freiräume zu ermöglichen. Doch in den ersten sieben Spielen hat sich der Forward vermehrt im Post zu Hause gefühlt, nahm insgesamt gerade mal fünf Dreier. 

Zum Vergleich: Im letzten Jahr waren es in 28 Spielen noch 50 Dreier, von denen er immerhin 38% traf - eine gute Quote, die sicherlich der kleinen Sample Size geschuldet gewesen ist, aber damit kann man in der Theorie sehr gut arbeiten. Das „Packing the Paint“-Prinzip scheint von Coach Lionel Hollins gefordert zu sein und. In bestimmten Matchups kann Young sicherlich auch Schaden anrichten, doch gegen Spieler wie Zach Randolph oder einen der Spurs-Frontcourtler sollte man vielleicht den Gameplan etwas modifizieren. 

Über die taktische Marschrichtung und den Einsatz von Thaddeus Young darf sicherlich diskutiert und verschiedene Meinungen stehen gelassen werden, doch das ändert nichts an der indiskutablen Leistung der Rotationsflügelspieler Bojan Bogdanovic, Joe Johnson und Wayne Ellinton. Keiner der ausgewiesenen Shooter konnte in den ersten sieben Spielen auch nur im Ansatz auf einem durchschnittlichen Niveau performen. 


Bojan Bogdanovic verleiht der zweiten Garde zwar einen gewissen Scoringpunch, jedoch trifft er nur 33% von der Dreierlinie. Wayne Ellington durfte sogar in zwei Spielen starten, doch trotz seiner sehr guten Karrierebilanz (38% Dreier) konnte er den Nets nicht weiterhelfen, traf unterirdische 26,7% in den ersten sieben Partien. 

Die größte Enttäuschung sind jedoch die überbezahlten sterblichen Überreste von Joe Johnson, der mit den Jahren immer passiver geworden ist - miese Wurfauswahl, Minusfaktor in der Defensive und keinerlei Bedrohung mehr von jenseits der Dreierlinie. Der Teilnehmer des Dreipunktewettbewerbs 2014 ist aktuell wohl der mieseste Starter bei den Nets: 32,9% aus dem Feld, 17,4% Dreier, gerade mal 10 Punkte pro Spiel. 

Vor der Saison war klar, dass die Nets neben Brook Lopez besonders auf Joe Johnson angewiesen sein werden. Gerüchten zufolge hatte man die Hoffnung, dass der Buyout von Deron Williams ein paar Prozentpunkte extra aus Joe Johnson herausholen könnte, da "Iso-Joe" spätestens seit der letzten Saison auf keinen grünen Zweig mehr mit D-Will gekommen war... wie sehr man sich manchmal täuschen kann.




Die Nets sind nach den Minnesota Timberwolves das Team, das die wenigsten Dreier pro Spiel nimmt, liegen souverän auf dem letzten Platz in der NBA, was die verwandelten Dreier angeht. Lächerlich wenige 3,6 Nets-Dreier finden im Schnitt den Weg durch die Reuse - dies entspricht einer Punktausbeute von 10,8 pro Spiel. Das sind Zahlen, die Steph Curry übermüdet auf einem Bein auflegt. 

Die Nets müssen auf diesen Trend dringend und schnell reagieren, zumal Franchise-Player Brook Lopez am Samstag verletzungsbedingt das Parkett verlassen musste. Es ist der Fuß, ja, wieder der rechte Fuß. Ohne Brook Lopez wären die Nets mit ihrer antiquierten Spielweise vollends verloren. Wobei... Dies sind sie vermutlich auch, wenn Lopez fit bleiben würde.