05 Oktober 2017

5. Oktober, 2017


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2017/18 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 17. Oktober die kommende Saison. Heute: die Atlanta Hawks.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch

Flashback
43-39, Playoffs Runde eins (2-4 vs. Washington Wizards)

Plus
Luke Babbitt
Marco Belinelli
Nicolas Brussino
John Collins
Dewayne Dedmon
Tyler Dorsey
Miles Plumlee

Minus
Paul Millsap
Dwight Howard
Tim Hardaway Jr
Thabo Sefolosha
Kris Humphries
Ryan Kelly
Jose Calderon
Mike Dunleavy

Was ist Neu?
Das Ticket in die Draft-Lotterie. Seit zehn Jahren haben die Atlanta Hawks ununterbrochen die Playoffs erreicht - die zweitlängste aktive Serie der NBA und mit Abstand längste in der Conference. Das nächstbeste Team ist Toronto, mit vier Teilnahmen in Folge. Eine elfte wird es nicht werden für die Hawks. Der halbe Kader spielt mittlerweile woanders. Vom rekordträchtigen 60-Siege Team aus der Saison 2014/15 sind nur noch Dennis Schröder, Kent Bazemore und Mike Muscala übrig geblieben. Nicht nur 60 Prozent der ersten Fünf, sondern auch das Management ist neu. Travis Schlenk hat nun die undankbare Aufgabe, eine der schwächsten Franchises wieder auf Kurs zu bringen.
Beste Addition
Marco Belinelli ...   Forza Italia! Marco Belinelli geht bereits in seine elfte NBA-Saison… beim achten Team. Der Shooting Guard kam zusammen mit Miles Plumlee aus Charlotte im Dwight Howard Trade. In Atlanta avanciert er zum wichtigsten Reservespieler von Coach Mike Budenholzer. Bereits fünf Mal punktete Belinelli im zweistelligen Bereich, jedoch nie nördlich der 11,8 PPG, die er 2011/12 für die damaligen New Orleans Hornets auflegte. Bei den Hawks sind genügend Würfe und Spielanteile frei, um sich als Kombo-Guard zu mindestens 14 oder 15 Zählern pro Abend zu ballern. Die Falken können jeden seiner Punkte gebrauchen.


The Planet
Dennis Schröder ... Der Braunschweiger muss erst beweisen, dass er als Planet und Franchise Player der Hawks der richtige Mann ist. Seine Breakout-Saison 2016/17 hat aber zurecht Lust auf mehr gemacht. Mehr Volumen und Effizienz als jemals zuvor deuteten wie seine Karrierehöchstwerte bereits an, wozu der erst 24 Jahre alte Blitz in der Lage sein könnte. Seine guten Werte aus der regulären Saison (17,9 PPG und 6,3 APG) schossen in sechs Playoff-Partien auf 24,7 Punkte und 7,7 Vorlagen im Schnitt. Knapp 20 und sieben pro Abend sind angesichts der vielen Abgänge und Schröders klarer Rolle als Fahrer des Hawks-Wagens mehr als realistisch.

Rising Star
Taurean Prince ... Analog zu Schröder verbesserte sich auch Taurean Prince in der Postseason enorm. Der Rookie blieb lange blass, ehe er nach der All-Star Pause besser mit der NBA-Spielweise und seiner Rolle zurecht kam. Im April kam der Flügelspieler auf 10,4 Punkte im Schnitt - Werte, die er in der Postseason bestätigen konnte. Prince ist bereits jetzt ein guter Verteidiger, der sich routinemässig um die besten Flügelangreifer des Gegners kümmern wird. Wenn er beweisen kann, dass seine späten Leistungen als Spot-Up Schütze und sogar Dribbler aus dem Pick-and-Roll kein Zufall waren, avanciert der 23-Jährige zum Schlüsselspieler.


Don’t Sleep! 
John Hollins ... Da die Hawks stinken werden wie ein tagealter Vogelkadaver in der Wüste, wird spätestens in Saisonhälfte zwei der Fokus auf dem absichtlichen Verlieren bei gleichzeitiger Entwicklung der Perspektivspieler liegen. Einer von ihnen ist besonders vielversprechend: Big Man John Collins. Der 2,08 Mann ist mit gigantischer Spannweite und überragender Athletik gesegnet. Best Case Vergleiche mit Antonio McDyess lassen Hawks-Fans bereits sabbernd auf eine Bestätigung seiner Summer League Leistungen warten.

Beste Fünf
Schröder – Bazemore – Prince – Ilyasova – Dedmon

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Good News
+ Dennis Schröder überzeugte in seinem ersten Jahr als Starter und hat künftig noch grüneres Licht als klarer Anführer dieses Klubs
+ Coach Budenholzer hat einen exzellenten Draht zu seinen Profis. Die Hawks spielten immer hart und engagiert
+ Keinerlei Erwartungen dank eines der miesesten Kader der NBA. Die Youngster werden Spielzeit bekommen (müssen)

Bad News
- Einer der miesesten Kader der NBA
- Im Frontcourt fehlt es an respektablen Big Men. Ilyasova ist die beste Option im Interieur. Nuff said.
- Katastrophaler Heimvorteil in der deprimierenden Philips Arena

Was fehlt?
Brauchbare Rotationsspieler. Dennis Schröder ist der einzige Profi im aktuellen Kader, der jemals in seiner Karriere die 15-Punkte-Marke geknackt hat. Und neben Neuzugang Dewayne Dedmon der einzige, der in der Vorsaison einen zumindest durchschnittlichen PER-Wert aufs Parkett brachte. Zu behaupten, die Hawks hätten nicht viele Spieler, auf die das Prädikat “künftiger Franchise Player” zuträfe, wäre in etwa so, als würde man sagen, die Hawks hätten nicht allzu grosse Chancen auf das Erreichen der 2018er Playoffs: völlig korrekt.

Check 1,2
Die Hawks werden sich mit Chicago um die meisten Ping-Pong Bälle vor der Draft-Lotterie im nächsten Juni streiten. Nach einer Dekade im Mittelmaß - mit Ausnahme eines einzigen Trips in die Conference Finals - will das neue Front Office den Weg über einen ehrlichen Rebuild gehen. Alle Stars sind längst weg; mit Youngstern und Durchschnittsprofis ist in dieser NBA nicht viel zu holen. Die Hoffnung ist, dass sich neben Dennis Schröder mindestens ein weiterer Projektspieler zur Franchise-Säule entwickeln kann. Ein Top-Fünf Pick würde Atlanta einen der Handvoll Teenager in 2018 zusichern, die einen Klub von Grund auf transformieren können.

Chef-Orakel
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