03 Oktober 2017

2. Oktober, 2017


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2017/18 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 17. Oktober die kommende Saison. Heute: die Brooklyn Nets.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Flashback
20-62, keine Playoffs

Plus
D’Angelo Russell
DeMarre Carroll
Timofey Mozgov
Allen Crabbe
Jarrett Allen
Tyler Zeller

Minus
Brook Lopez
Randy Foye
K.J. McDaniels
Archie Goodwin
Andrew Nicholson
Justin Hamilton

Was ist Neu?
Kurz gesagt: Die Hoffnung! Nachdem die Nets in den letzten vier Spielzeiten am Ende stets weniger Siege als in der jeweiligen Vorsaison einfuhren, stehen dieses Jahr alle Zeichen auf Verbesserung. Mit Brook Lopez verlässt zwar der zuletzt beste Spieler die Franchise, aufgrund des Abwärtstrend war er aber auch ein Stück weit das Gesicht der schlechten Zeit und sein Abgang steht dadurch automatisch für einen Neuanfang.

In D’Angelo Russell holt das Front Office tatsächlich einen potentiellen Franchise Player mit Rookie-Vertrag nach Brooklyn. Angesichts der aussichtslosen Lage, was Assets (sowohl Spieler als auch Draft-Picks) angeht, ist das weit mehr als in dieser Phase der Entwicklung ohne Draft-Picks vorstellbar war.

Dafür mussten die Nets nur Timofey Mozgov mit aufnehmen. Dessen schlechter Vertrag tut aufgrund des limitierten Upsides nicht weiter weh und vielleicht kann er ja doch noch eine Rolle auf dem Court spielen und den Nets sogar helfen, respektable Leistungen zu zeigen.


Ähnliches gilt für DeMarre Carroll, den es gemeinsam mit einer Aufstockung der Asset-Basis (Picks in Runde eins und zwei des kommenden Draft) von Toronto gab. In Allen Crabbe kommt ein etwas zu gut bezahlter, aber fähiger Spieler im besten Alter in den New Yorker Bezirk.

Beste Addition
D'Angelo Russell ...  Dass ein Nummer zwei Pick noch vor Ablauf seines Rookie-Vertrags verfügbar wird klingt erstmal nach einer Ausnahmesituation. Allerdings haben von den acht Spielern, die zwischen Kevin Durant 2007 und Russell selbst 2015 an Nummer zwei ausgewählt wurden, nur drei ihren Rookie-Vertrag bei dem Team beendet, bei dem sie ihn unterschrieben hatten. Dabei handelt es sich allerdings um Spieler mit massiven Fehlstarts (u. a. Hasheem Thabeet) in ihre NBA-Karrieren.

Der 21-jährige Russell hingegen weist schon den fünftbesten Punkteschnitt aller Nummer zwei Picks aus den 2000ern auf, in Sachen Assists liegt er sogar auf Platz zwei. Einen so talentierten Spieler aufgrund der Umstände in Los Angeles (die mehr als einen eigenen Artikel füllen könnten) quasi umsonst zu bekommen ist pures Gold Wert. DLo hat die Chance, den Fans in Brooklyn wieder Freude zu bereiten und sich dadurch zum positiven Gesicht der Franchise zu machen.

The Planet
Jeremy Lin ... Linsanity hat in der Vorsaison verletzungsbedingt nicht einmal die Hälfte aller Spiele absolviert. Was er da allerdings zeigte, war vielversprechend, sowohl auf individueller Ebene als auch in Sachen Teamerfolg. Von den 30 Spielen, in denen er als Starter mehr als 15 Minuten auf dem Platz stand, gewann sein Team 13. Auf die Saison hochgerechnet wäre für die Nets dadurch mit 36 Siegen zumindest ein bisschen schnuppern an den Playoffs möglich gewesen.

Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter dem Zusammenspiel mit Neuzugang Russell, aber wenn die beiden eine Harmonie entwickeln, ist dieses Duo mittelfristig potenziell eine der besseren Guard-Kombinationen in der Eastern Conference.

These two. #NetsMediaDay

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Rising Star
Rondae Hollis-Jefferson ... Das Prädikat 'Star' kommt in der aktuellen Entwicklungsphase sicher noch zu früh, doch mit dem Fokus auf Hollis-Jeffersons Schokoladenseite, der Defensive, wird zumindest das Potenzial für diese Bezeichnung erkennbar. Nach dem verletzungsbedingt stark gekürzten Rookie-Jahr war die Tatsache, eine komplette Saison fit zu bleiben, der größte Fortschritt seiner Saison 2016-17.

Aber auch auf dem Feld präsentierte RHJ bemerkenswerte Fortschritte. Bei den Counting Stats war er von den nur drei Sophomores mit mehr als 1,0 Steals und 0,5 Blocks der jüngste. Und auch bei den fortgeschrittenen Metriken hinterließ der 22-jährige Flügelspieler einen bleibenden positiven Eindruck.

So erzielten die Gegner der Nets auf 100 Possessions gerechnet 2,2 Punkte weniger mit Hollis-Jefferson auf dem Feld als in den Minuten, die er auf der Bank verbrachte. Auch sein Defensivrating bleibt unter den Spielern seines Draft-Jahrgangs, die im Schnitt mehr als 20 Minuten pro Spiel auf dem Feld standen, einzig hinter Myles Turner zurück.

Gut möglich, dass Hollis-Jefferson also in absehbarer Zeit zumindest als Defensiv-Star gilt. Offensiv bleibt reichlich Luft nach oben, aber es ist fraglich ob er dieses Potenzial je realisieren kann.

Don’t Sleep! 
Caris LeVert ... Nachdem er erst im Dezember in seine Rookie-Saison starten konnte, war die Entwicklung beim auf mindestens drei Positionen flexibel einsetzbaren LeVert zu jeder Zeit spürbar. Schon seine Draft-Position, #20, war durch eine Verletzung aus College-Zeiten eher niedrig ausgefallen.

Year 2🙏🏿

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Doch seit der 23-Jährige wieder fit ist, beweist er, warum viele ihn als Sleeper auf der Rechnung hatten. Die kommende Saison wird seine erste mit einer richtigen Vorbereitung sein. Das, kombiniert mit der natürlichen Entwicklung in seinem Alter und Karriere-Stadium, lässt auf eine starke Saison des ehemaligen Teamkollegen von Moritz Wagner in Michigan hoffen.

Beste Fünf
Lin – Russell – Crabbe – Hollis-Jefferson – Mozgov

Good News
+ Es gibt wieder Hoffnung rund um einen jungen, talentierten Kern
+ Die gesamte Organisation wirkt professionell und zieht an einem Strang
+ Das Roster ist bis in die Tiefe ausgeglichen und eventuell kann sich jemand für Trades empfehlen
+ Auch dieses Jahr gehört ihnen der eigene Draft-Pick nicht, das heißt: Es muss nicht getankt werden und gute Leistungen dürfen mit Siegen belohnt werden

Bad News
- Auch dieses Jahr gehört den Nets der eigene Draft-Pick nicht, das heißt: Es kann nicht getankt werden
- Nach wie vor nicht gut genug um wirklich relevant um Positionskämpfe zu sein
- Wenig Capspace übrig um Gehälter und Assets in Dump-Trades aufzunehmen
- Lin und Booker können nach der Saison Free Agents werden und deshalb schon in absehbarer Zeit Trade-Entscheidungen anstehen

Was fehlt?
Erfahrung. Und das ist halb so wild! Letzte Saison stand hier noch 'ein Franchiseplayer für die Zukunft'. Dass der nun in Person von Russell im Boot ist, war nicht zu erwarten. Die nötige Erfahrung, die dem jungen Kern noch fehlt, kommt von alleine und dass sie frei aufspielen können, ohne an die Positionierung im Draft oder Playoff-Chancen nachdenken zu müssen, hilft sicher auch dabei, die Entwicklung vorantreiben zu können.

Squad

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Check 1,2
Dieses Team kann, wird und muss nicht an Ergebnissen gemessen werden. Viel wichtiger ist der Eindruck und die Weiterentwicklung der einzelnen Bestandteile und die Harmonien, die sich innerhalb des Kaders entwickeln können. Das wird zu vielen verschiedenen Lineups und dem Ausprobieren neuer Ideen durch Kenny Atkinson führen. Ein Saisonziel braucht in Brooklyn niemand, denn der Weg ist das Ziel.

Chef-Orakel
31-51