07 Oktober 2017

7. Oktober, 2017


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2017/18 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 17. Oktober die kommende Saison. Heute: die Indiana Pacers.

von HARALD MAINKA

Flashback
40-42, Playoffs Runde eins (0-4 vs. Cleveland Cavaliers)

Plus
Victor Oladipo
Domantas Sabonis
Cory Joseph
Darren Collison
Bojan Bogdanović
T.J. Leaf

Minus
Paul George
Jeff Teague
C.J. Miles
Monta Ellis
Lavoy Allen

Was ist Neu?
In Indiana herrscht Aufbruchstimmung – der vermasselte Paul George-Trade hat die Altersbeschränkungen wieder aufgehoben. Die Pacers sind jugendfrei, namenlos. Kevin Pritchard fuhr rückwärts aus der Paul George-Sackgasse und nahm dafür Victor Oladipo, Domantas Sabonis und Sam Prestis Schwiegermutter im Kofferraum mit, ein indiskutabler Gegenwert für den Elite-Flügel. Mit Jeff Teague und C.J. Miles fuhren weitere 40% der Starting Five auf den Standstreifen, Cory Joseph aus Toronto und Distanzwerfer Bojan Bogdanović übernehmen. Die Scheinwerfer strahlen jetzt auf Myles Turner, dessen Leichtfüßigkeit und Länge den Weg zum Elite-Big ebnen.


Dennoch: Georges Können, seine Athletik, sein Glanz hinterlassen eine klaffende Lücke in einer notorisch durchschnittlichen Franchise. Pritchards Idee ist es, dass junge Spieler mit hoher Energie, viel Schweiß und guter Mentalität diesen Freiraum füllen. Die Pacers wollen wieder Indiana-Basketball spielen. Hoosier-Basketball!

Beste Addition
Victor Oladipo ...  Sein Jahressalär von 21 Mio. $ ist das Äquivalent zum Fahren ohne Führerschein. Oladipo gehörte im letzten Jahr zu den schlechtesten Startern auf Shooting Guard ligaweit – die Pacers setzen auf den Heimat-Effekt und auf das Potential, das Oladipo zu Magic-Zeiten im Zusammenspiel mit Nikola Vučević angedeutet hat. Trotz seiner Wurfprobleme stellt er Indianas zweitbeste Offensivoption dar und soll mit seiner Schnelligkeit das Pick & Roll mit Turner forcieren. Seine Vertragssituation verdammt Oladipo zum Funktionieren – einen weiteren Abnehmer werden die Pacers schwer finden.

The Planet
Myles Turner ... an der Entwicklung des 21-Jährigen hängen die Arbeitsplätze von Kevin Pritchard und Headcoach Nate McMillan. Turners All Around-Potential ist unbestritten, sein Wurf zeigte sich bereits in der vergangenen Saison deutlich verbessert. Knapp 30% seiner Wurfaktionen schloss er im Pick & Roll aus der Mitteldistanz ab und gehörte hier zu den gefährlichsten Blockstellern der Liga. Mit Oladipo genießt er nun absolute Narrenfreiheit in der Offensive. Wenn er es schafft, Indianas Defensive zu verankern, ist Turner ein 20/10-Kandidat.

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Rising Star
Glenn Robinson III. ... Der Sohn des ehemaligen NBA All-Stars Glenn Robinson machte in seinem dritten Jahr in der Liga einen entscheidenden Satz nach vorne und repräsentiert nach Georges Abgang die beste Three-and-D Option dieses Klubs. Besseres Rebounding, bessere Verteidigungsarbeit und effizienteres Scoring machen Robinson zum uneingeschränkten Starter auf der Drei – wenn er im Dezember von seiner Verletzung genesen zurück kehrt.

Don’t Sleep! 
Darren Collison/Cory Joseph ... Am Perimeter verteidigen beide Guards über Durchschnitt, bei eigenem Ballbesitz wird der Ball gepusht. Sowohl Joseph als auch Collison gehören nicht zum oberen Durchschnitt auf der Spielmacher-Position, sollen dank ihrer Spielintelligenz und Erfahrung jedoch Indianas neuen Weg ebnen helfen.

Beste Fünf
Collison – Oladipo – Robinson III. – Young – Turner

Good News
+ Die halbe Liga beneidet Indiana um Myles Turner
+ „We grow Basketball here“: mit frischem Branding sorgen die Pacers für ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Franchise und Fans
+ Die jahrelange große Erwartungshaltung ist einem Neustart gewichen, Georges Trade hat einen Schlußstrich unter Indianas Titelhoffnungen gezogen
+ Viele Spiele verlieren für einen hohen Draftpick? Nicht mit Indiana. Das Management hat eine gute Nase bei der Talentevaluierung

Bad News
- Wegen des George-Trades die Lachnummer der Liga
- Ein Team voller No-Names, keine Tiefe auf den großen Positionen
- Bis auf Turner keine Spieler mit attraktivem Trade-Wert, um auf diesem Wege das Team weiterzubringen
- Wer übernimmt in der Umkleide? Das Team hatte Mentalitätsprobleme, Führungsspieler fehlen


Was fehlt?
Die Antwort auf die Frage, ob Nate McMillan der richtige Trainer für diese Mannschaft ist. Der 53-Jährige wurde letztes Jahr auf Wunsch von Paul George als Cheftrainer verpflichtet und sollte das Team in Sachen Pace und Offensive voranbringen. Beides blieb aus, George ist jetzt weg und das Hauptargument für McMillan, Spieler wie Rashard Lewis und LaMarcus Aldridge entwickelt zu haben, ist der allgemeinen Resignation gewichen, keine Gewinnermentalität etabliert zu haben. Die Kritik zur mangelnden Einstellung seiner Spieler konnte er nicht abwiegeln, was ein gewichtiger Grund für den George-Trade darstellte. Und so scheint es, als dass die Pacers McMillan so lange gewähren lassen, bis der geeignete Trainerkandidat auf dem Markt auftaucht.

Check 1,2
Conference Finals-Contender? Das war einmal. Die Pacers haben die Seifenoper um Paul George hinter sich gelassen und fahren einem neuem Sonnenaufgang entgegen. Myles Turner ist der neue Franchise-Player. Indiana hofft, dass sich der Center schneller entwickelt als gedacht und das Team früher als später wieder zu den Topteams zählt. Turners Mitspieler bestehen aus einem Potpourri aus Wandervögeln, gescheiterten Veteranen und Youngstern, die den NBA-Durchschnitt abbilden. Entwickelt sich Oladipo zum Co-Star, haben die Pacers gar Chancen auf die Playoffs. Die Bulls, Knicks, Hawks, Nets und Magic sind auf keinen Fall oder zumindest nicht unbedingt besser als dieses Team – einer der Gründe, warum in Indiana niemand von einem richtigem Rebuild spricht. Auch wenn das alle sollten.

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