02 Oktober 2017

2. Oktober, 2017


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2017/18 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 17. Oktober die kommende Saison. Heute: die New York Knicks.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Flashback
31-51, keine Playoffs

Plus
Tim Hardaway Jr.
Enes Kanter
Doug McDermott
Ramon Sessions
Michael Beasley
Jarrett Jack

Minus
Carmelo Anthony
Derrick Rose
Justin Holiday
Sasha Vujačić
Maurice Ndour
Marshall Plumlee

Was ist Neu?
Das Melo-Drama hat kurz vor Trainigsauftakt sein Ende gefunden und die Knicks den einst als Heilsbringer geholten Carmelo Anthony zu den Oklahoma City Thunder transferiert. Nach einer weiteren durchwachsenen Spielzeit der Knickerbockers musste der zehnfache All-Star als Sündenbock herhalten und wurde öffentlich zur Tauschware degradiert. Entsprechend bescheiden das Paket für den 33-Jährigen: Enes „can't play“ Kanter und Doug McDermott spielen von nun an im Madison Square Garden, obendrauf gibt's einen 2nd Round Pick. Die Richtung der Franchise ist damit klar: Rebuild.


Teampräsident Phil Jackson wurde vom Hof gejagt, in gewohnt-seriösem Knicks-Timing drei Tage vor Beginn der Free Agency. Der „Zen-Master“ hat die Wende im Madison Square Garden nicht herbeigeführt, eher auf Namen (Derrick Rose, Joakim Noah, Brandon Jennings, Arron Afflalo, ...) statt auf reelle Qualität und homogene Kaderplanung gesetzt.

Dass die Knicks auch ohne Jackson die Knicks bleiben demonstriert der unverständliche 71 Mio. $ schwere Vertrag für Tim Hardaway Jr., der sein Können bei den Atlanta Hawks bestenfalls gelegentlich aufblitzen ließ und den die New Yorker erst vor zwei Jahren im Austausch für ein Butterbrot (Jerian Grant) wegschickten.


Die weiteren Additionen sind marginal: Michael Beasley („I am literally Carmelo“) macht – wie in seiner gesamten NBA-Karriere – das Team nicht unbedingt schlechter, aber eben auch nicht besser. Der sportliche Wert der Veteranen Ramon Sessions und Jarrett Jack hält sich in Grenzen, sie sind vor allem als Mentoren für Rookie Frank Ntilikina gefragt.

Beste Addition
Frank Ntilikina ...  Der Franzose mit ruandischen Wurzeln ist New Yorks Hoffnung auf der Point Guard Position. Ntilikina lebt im Gegensatz zu vielen jungen Aufbauspielern weniger von seiner Athletik, sondern kommt über Spielgefühl und Basketball-IQ. Auch seine Defense ist bereits ansehnlich, weswegen gewogene Vergleiche in ihm einen jungen George Hill sehen.


Damit wäre er wie geschaffen für die von Phil Jackson propagierten Triangle Offense – weshalb die Knicks auch sofort den Abzug zogen, als der 19-Jährige im Draft an achter Stelle noch verfügbar war. Aber auch jenseits von Dreiecken wird der aus Straßburg gekommene Aufbauspieler in Coach Jeff Hornaceks System mittelfristig seinen Weg finden. Gemeinsam mit Kristaps Porzingis und Willy Hernangómez bildet Ntilikina eine europäische Front, die die Knicks in eine bessere Zukunft führen soll.

The Planet
Kristaps Porzingis ... Die Akquisition des lettischen Einhorns im Draft 2015 bleibt Jacksons bester Schachzug als starker Mann in New York und beschert den Kniehosenträgern einen legitimen Franchise Player. In seiner Sophomore-Season hat der erst 22-jährige Porzingis mit durchschnittlich 18,1 Punkten, 7,2 Rebounds und 2,0 Blocks ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Zurecht baut die neue sportliche Führung voll und ganz auf den Center-Forward und wird das Team auf den 2,21 Meter großen Wehrturm zuschneiden. Auf absehbare Zeit stehen und fallen die Knicks mit Porzingis.

Rising Star
Tim Hardaway Jr. ... Der Rückkehrer steht anstelle der Newcomer Ron Baker und Willy Hernangómez in dieser Kategorie, weil er wegen seines exorbitanten Vertrags eine ordentliche Portion Bringschuld mit aus Atlanta im Gepäck hat. Bei den Hawks legte der 25-Jährige vergangene Saison Karrierebestwerte in Punkten (14,5), Rebounds (2,8), Assists (2,3) und Field Goal Percentage (45,5%) sowie ein solides Net Rating von 3,1 auf. Dennoch schaffte er es nicht, die Zweifel an seiner Konstanz, Inselbegabung (Shooting) sowie seiner Bereitschaft und Befähigung zur Verteidigungsarbeit auszuräumen. Nichtsdestotrotz ist der Sohn des fünffachen All-Stars Tim Hardaway die Hoffnung der Knicks in der anstehenden Spielzeit.

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Don’t Sleep! 
Enes Kanter ... Ja, der gebürtige Türke bleibt ein defensiver Totalausfall und genügt höheren Ansprüchen, zuletzt den Western Conference Playoffs, nicht. Allerdings war er im Schnitt mit 14,3 Punkten und 6,7 Rebounds in etwas über 21 Minuten einer der wichtigsten Wegbereiter in Russell Westbrooks nicht für möglich gehaltener Triple-Double-Saison. Kanter ist im Mai erst 25 Jahre alt geworden, hat also noch Platz nach oben und findet in New York Entwicklungsspielraum vor, der in Oklahoma City nicht gegeben war. Anders als mit Steven Adams lassen sich Kanters Defizite an der Seite von Porzingis kaschieren, ohne dabei Einbußen am offensiven Ende auf sich zu nehmen. Somit werden die Knicks von nun an wortwörtlich mit Größe punkten.


Beste Fünf
Ntilikina – Hardaway Jr. – Lee – Hernangómez – Porzingis

Good News
+ Das Melo-Drama ist gelöst und die Franchise kann in die Zukunft blicken
+ Kristaps Porzingis ist trotz seiner verfrühten Abreise zu Saisonende gewillt und motiviert, die Knicks zurück in die Erfolgsspur zu führen
+ Dank der Demission von Phil Jackson muss sich Coach Hornacek nicht mehr antiquierte Vorträge über die Triangle Offense anhören und darf endlich einen modernen Spielstil implementieren
+ Der neue General Manager Scott Perry brachte in seiner kurzen Amtszeit bei den Sacramento Kings eine andere Chaos-Franchise auf den rechten Weg zurück

Bad News
- Mit 70 Mio. $ garantierten Gehältern im nächsten Sommer plus Player Optionen von Kanter, Baker und Kyle O'Quinn bleibt in naher Zukunft wenig Handlungsspielraum
- Trotz vorsätzlicher Verschlechterung: Die Mediocrity-Treadmill – zu mies für die Playoffs, zu gut für einen Top-Pick – droht
- Jacksons Vermächtnis: Joakim Noah verdient in den nächsten drei Spielzeiten noch rund 56 Mio. $. Wofür? – fragt sich das geneigte MSG-Publikum zurecht...
- Ex-Knick Charles Oakley hat nach dem Zusammenstoß mit der Security im Frühjahr Klage gegen Teambesitzer James Dolan eingereicht und sorgt für weitere Unruhe


Was fehlt?
Fast alles. Mit Ausnahme von Porzingis tummelt sich auf sämtlichen Positionen maximal Mittelmaß – von Bank und Tiefe ganz zu Schweigen. Die neue sportliche Führung hat alle Hände voll zu tun, die vielen Fehler der Vergangenheit zu bereinigen und wird weitere Lottery Picks brauchen, um den zweifachen Champion (zuletzt 1973) wieder zu einer schlagkräftigen Truppe zu formen. Auch Coach Hornacek ist nicht unumstritten, bei einer weiteren Saison zum Vergessen wird er spätestens im April vom traditionell kritisch-ungeduldigen New Yorker Publikum lautstark hinterfragt werden.

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Check 1,2
Für Knicks-Verhältnisse ist Realität und Bescheidenheit eingekehrt. Von einem Superteam spricht im Madison Square Garden keiner mehr, dass diese Mannschaft nicht einmal im dürftigen Osten kompetitiv sein wird, wissen selbst die größten Optimisten. Das Traurige an der Sache: Weil gleich drei Playoff-Teams der letzten Spielzeit den Reset-Knopf kräftig durchgedrückt haben, ist ein Platz unter den besten Acht für diese mäßigen Knicks nicht völlig undenkbar. Viel mehr muss über die Eastern Conference nicht gesagt werden.

Chef-Orakel
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