06 Oktober 2017

6. Oktober, 2017


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2017/18 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 17. Oktober die kommende Saison. Heute: die Washington Wizards.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch

Flashback
49-33, Conference Semi-Finals (3-4 vs. Boston Celtics)

Plus
Tim Frazier
Jodie Meeks
Mike Scott

Minus
Bojan Bogdanovic
Trey Burke
Brandon Jennings

Was ist Neu?
Respekt. Nach dem Verpassen der Playoffs 2016 haben sich die Wizards als Pseudo-Contender in der Eastern Conference re-etabliert. Angeführt vom besten Backcourt an der rechten Küste stürmten die Hauptstädter zur ihrer besten Saison seit dem Titelgewinn 1979. Scott Brooks’ Coaching und gesunde Hauptdarsteller vermischten sich zu einer Einheit, die erst im siebten und entscheidenden Spiel der Conference Halbfinals scheiterte. Warum also etwas Gutes verändern? Zumal nur bei der Personalie Otto Porter Handlungsbedarf bestand. Der junge Flügelspieler erhielt einen neuen Vertrag, ebenso wie John Wall, der seinen um vier Jahre verlängert bekam. Washington bleibt ein unverändert gutes Team, das künftig auch im nationalen TV viel prominenter vertreten sein wird.

Beste Addition
Tim Frazier ... Der Kombo-Guard kam aus New Orleans, im Tausch für Washingtons Zweitrundenpick #52. Einst ungedraftet, hat sich Frazier zu einem veritablen NBA-Backup entwickelt, der im Vorjahr für die Pelicans sogar den Starter mimen musste. In 65 Partien kam er auf 7,1 Punkte und 5,2 Assists im Schnitt. Das mag niemanden vom Hocker reissen; für einen Klub, der in der Vergangenheit auf die planlosen Trey Burke und Brandon Jennings setzten musste, ist der stabile, sehr günstige Frazier eine willkommene Addition im Kampf um Heimvorteil

The Planet
John Wall ... Der beste Point Guard in der Conference, Hands down. Wall legte nicht nur durch die Bank weg neue Karrierebestwerte auf, sondern beendete seine siebte Profisaison mit mehr als 20 Punkten und zehn Assists im Schnitt. Nur zwei andere Spieler kamen auf diese Werte: Russell Westbrook und James Harden. Diese Gesellschaft illustriert eindrucksvoll, auf welchem Level der 26-jährigen Wizards-Motor mittlerweile angekommen ist. Nur Harden generierte mehr Punkte als Wall mit seinen Assists. Der Point Guard ist effizienter geworden und der klare Anführer seiner Mannschaft - auf und neben dem Parkett.

A post shared by Bradley Beal (@bradbeal3) on

Rising Star
Bradley Beal ... Wall ist längst als Superstar etabliert. Sein Backcourt-Partner Bradley Beal hatte stets das Zeug, in einem ähnlichen Atemzug genannt zu werden. Seit ihn das Team aus D.C. vor fünf Jahren mit dem dritten Pick selektierte, hatte der Off-Guard aber stets mit Verletzungen zu kämpfen. Nur ein einziges Mal in seinen ersten vier Saisons zu mehr als 63 Partien in der Lage, gingen Beals Leistungen in 2016/17 durch die Decke: 23,1 Punkte im Schnitt, 48 Prozent aus dem Feld und 40 Prozent von der Dreierlinie bedeuteten die beste Saison seiner Karriere bisher. Beals Stern ging auf. Die Wahl ins All-Star Team wäre verdient gewesen. Was damals nicht geklappt hat, wird 2018 Realität.

Don’t Sleep! 
Otto Porter Jr. ... Einer der am meisten verbesserten Spieler in der abgelaufenen Saison war der ehemalige dritte Pick im 2013er Draft. Über durchschnittlich 2,1 Punkte und 1,5 Rebounds als Rookie ging es auf zuletzt 13,4 und 6,4 im Schnitt. Am bemerkenswertesten war Porters Transformation zum Scharfschützen, der 43,4 Prozent seiner langen Bombem durch die Reuse schickte - die fünfbeste Quote ligaweit und drittbeste aller Shooter, die sich mindestens vier Mal pro Partie versuchten. Auch defensiv zählte Porter zu den Besten seines Teams. Ein veritabler Three-and-D Wing ist in der heutigen NBA viel Geld wert. Porter kann seinen 106 Millionen Dollar Deal in den nächsten vier Jahren rechtfertigen. Dazu muss er nur so weiter machen wie bisher.


Beste Fünf
Wall – Beal – Porter - Morris – Gortat

Good News
+ Bester Backcourt im Osten dank der individuellen Extraklasse von Wall und Beal, die obendrein perfekt miteinander harmonieren
+ Fleissigste Starting Five der NBA. Die Top-Fünf spielen seit Jahren zusammen, kennen sich mittlerweile in- und auswendig. Mehr Kontinuität geht kaum.
+ Brooks’s Coaching hat seine Spieler befähigt, ihr Potenzial auszuschöpfen

Bad News
- Die mit Abstand mieseste Bank der Liga verschenkte reihenweise Ws
- Schrott-Defense (im Vorjahr nur Rang 20)
- Die erste Fünf wird nicht noch einmal so gesund bleiben wie vergangene Saison (96 Prozent Anwesenheit)


Was fehlt?
Irgend etwas von der Bank. Das kann entweder Playmaking von Frazier und Donald Sloan sein, Dreier von Jodie Meeks, All-Around Beiträge von Kelly Oubre oder Tomas Satoransky auf dem Flügel, Stretch-Shooting von Jason Smith und Mike Scott, oder Defense von Ian Mahinmi. Quantitativ mit mehr Optionen gesegnet als 2016/17, hofft Coach Brooks, dass von der miesesten Ersatzgarnitur der Liga künftig auch qualitativ mehr kommen wird.

Check 1,2
Washington ist eines der besten Teams im Osten. Angeführt von Wall und Beal, wird dieser Klub wieder ein exzellentes Offensiv-Rating auflegen und mit 50 Siegen flirten. Die Entwicklung der Protagonisten ist lange nicht abgeschlossen: Beal und Porter sind erst 24 Jahre alt; auch Wall (27) hat seinen besten Basketball noch vor sich. Hält der dünne Frontcourt weiterhin Stand, und kommt künftig endlich etwas Brauchbares von der Bank, hat dieses ruppige, eingespielte old school Team sogar Aussenseiter-Chancen aufs Conference Finale.

Chef-Orakel
48-34