29 Januar 2018

29. Januar, 2018


Die Euroleague bleibt spannend. Wir bringen euch gebündelte News, Highlights und Wissenswertes aus der europäischen Königsklasse - heute zu Spieltag 20.

von FELIX STEINER @uncle_drew1

Im Fokus: Fenerbahçe Istanbul
Für den eingefleischten Fenerbahçe Anhänger ist der Juli im vergangenen Sommer ein beschwerlicher Monat. Nicht weil der Basketball am Bosporus sowieso ruht, nach zwei Monaten die Wehmut an den triumphalen Euroleague-Titel endgültig zu schmerzen beginnt. Es ist die einkehrende Ohnmacht, seine Helden und Publikumslieblinge des Meisterteams von Bord gehen zu sehen.


Sacramento Kings GM Vlade Divac lotste seinen serbischen Kompatrioten Bogdan Bogdanovic endgültig nach Kalifornien, während Finals MVP Ekpe Udoh seine neue Heimat unter den Brettern der Utah Jazz fand. Veteran Pero Antic schloss sich zum Ende seiner Karriere Crvena Zvezda Belgrad an. Eine für die Türken besorgniserregende Lücke, die zwischen Realität und dem Traum an einer Titelverteidigung klaffte.

Der Champion war in weiser Erwartung auf einen Mini-Rebuild jedoch bereits vorbereitet, fand in dem ehemaligen Bamberger Duo Brad Wanamaker (kam vom Stadtrivalen Darüşşafaka Istanbul) und Nicolo Melli, sowie ex-NBA Profi Jason Thompson prominenten Ersatz. Die leisen Zweifel aber blieben, und waren auch sechs Monate später nicht ganz verstummt.

Wir schreiben den 15. Spieltag gegen Real Madrid, der Videowürfel in der Ülker Sports Arena zeigte 77:79 bei noch fünf Sekunden auf der Uhr, als sich auch der letzte der 16.000 vor erdrückender Spannung aus seinem Sitz gehievt hatte.  Schicksal und Spalding lagen in den Händen von Wanamaker. Beide Abschlüsse des Amerikaners missglückten und sorgten für enttäuschte Mienen im weiten Rund.


Istanbul stellte mit der Niederlage auf neun Siege und sechs Niederlagen, fiel in der Tabelle hinter Kaunas und seinen eigenen Ansprüchen auf einen ernüchternden 5. Platz zurück. Es sind die Momente in denen die Wehmut wieder erbarmungslos anklopft, die Sehnsucht an die Bogis und Ekpes dieser Welt pocht – und im selben Augenblick ein Deja-Vu die Gemüter wieder beruhigt.

Denn auch im fulminanten Titeljahr standen die Türken nach Woche 15 von Verletzungen geplagt mit einem 9-6 Rekord nur auf Rang sechs. Es folgten fünf Siege in den nächsten sechs Partien und die Rückkehr zu alter Stärke, die am Ende im siegreichen Finale ihren krönenden Höhepunkt fand.

Mit dem beeindruckenden 86:82 Heimsieg gegen den FC Barcelona Lassa am Freitag schließt sich der Kreis, es war der fünfte Sieg in Folge der Türken, die Rückkehr auf Rang zwei! Auch für Brad Wanamaker, der mit 24 Punkten, 7 Assists und 5 Rebounds seinen MVP-Titel aus der Vorwoche verteidigte und seine Vorgänger weiter sukzessive vergessen macht.


MVP20: Wanamaker
Nicht auszuschließen, dass er seine überragende Performance mit Geburtstagskind Nicolo Melli gebührend feierte. Der 26-jährige vielseitige Italiener ist wie Wanamaker im Spiel von Trainer Zeljko Obradovic längst nicht mehr wegzudenken, machte sich mit Saisonbestleistung von 24 Punkten selbst das größte Geschenk. Barcelona suchte sein Heil von draußen oder inside über Ante Tomic.


Besonders gefiel Aufbauspieler Thomas Heurtel, der mit seinem Dreier ins Gesicht von Center-Riese Jan Vesely spät nochmal auf 82:79 verkürzte. 21 Punkte des Franzosen, dazu 20 Zähler von Tomic und starke 50 Prozent Dreierquote der Katalanen reichten am Ende trotzdem nicht zum Sieg.

Der Champion hat sich beeindruckend zurückgemeldet und ist Verfolger Nummer eins von Ligaprimus CSKA Moskau. Wehmut und Zweifel gehören in Istanbul der Vergangenheit an – es wird wieder gefeiert, während Trainerlegende Obradovic in aller Ruhe seine Puzzleteile für eine Titelverteidigung zurechtlegt.


Panathinaikos Superfoods Athen – Zalgiris Kaunas
Die Phrase, dass 4,7 Sekunden im Basketball eine Ewigkeit sein können, wurde sicher schon unzählige Male gedroschen. Nick Calathes reichten sie aber tatsächlich, um sich am eigenen Korb den Ball abzuholen, schnurgerade das Feld herunter zu dribbeln, um anschließend über links mit der rechten Hand abzuschließen.


Läuft sein Verteidiger dabei brav nebenher, ist die Chance groß, dass der Ball gleichzeitig den Weg in den Korb findet. Wie im Spiel gegen Vasilije Micic und Zalgiris Kaunas, als der Grieche mit seinem Buzzerbeater zum 94:93 in Verlängerung zum Matchwinner avancierte und die OAKA erneut zu einem absoluten Tollhaus verwandelte.

Kurz zuvor gelang seinem starken slowenischen Gegenüber Kevin Pangos der vermeintliche Gamewinner. Kaunas Playmaker wurde zum tragischen Held – auch den fragwürdigen Entscheidungen der schwachen Schiedsrichter geschuldet. Sein letzter Drive gegen James Gist in der regulären Spielzeit war nur einer der vielen Aufreger des Abends.

Ohne den verletzten Kapitän Paulius Jankunas übernahmen Antanas Kavaliauskas (21 Punkte) und Aaron White (17) die Verantwortung im Spiel der Litauer, die zwischenzeitlich 20 Punkte Rückstand egalisierten um in Overtime trotz sieben Zähler Führung knapp an der Überraschung vorbei zu rauschen.

In einem heißen Duell blieben auch nach Spielende die Gemüter erhitzt, einige Rechnungen weiter offen. Diese können bei einem Blick auf die Tabelle eventuell schon in den Playoffs wieder beglichen werden. Panathinaikos liegt als Vierter nur einen Sieg vor Zalgiris, die sich nach Woche 20 auf einem aussichtsreichen sechsten Rang einordnen.


Round-Up
Woche 20 hatte gewiss alles zu bieten - auch den höchsten Score der Euroleague in mehr als fünf Jahren. Mit 102:111 siegte Maccabi FOX Tel Aviv bei Armani Olimpia Mailand, verbesserte sich auf elf Siege und neun Niederlagen und festigte damit Rang acht.

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Erster Verfolger im Kampf um den begehrten Playoff-Platz ist seit Freitag Baskonia Vitoria Gasteiz. Die Mannen um Johannes Voigtmann (9 Punkte) schockten 2,2 Sekunden vor Schluss Unicaja Malaga. Janis Timma, selbst Topscorer der Basken mit 17 Zählern, sorgte mit seinem Lay-Up zum umjubelten 83:85 für den Auswärtssieg.

Ein begeisterndes Finish legte auch der serbische Vertreter Crvena Zvezda Belgrad im Heimspiel gegen Olympiacos Piräus hin. Backup Pointguard Dylan Ennis erwischte eine Galavorstellung, die Zvezda zu 32 Punkten im Schlussviertel explodieren lies. 21 Zähler des Kanadiers bedeuteten gleichzeitig Karrierebestwert!

Der deutsche Vertreter Brose Bamberg ging bei CSKA Moskau erneut leer aus. Den Russen reichte zum 81:72 Sieg der Schongang und 20 Punkte von Ausnahmespieler Nando De Colo. Während CSKA mit 16 Siegen das Feld weiter anführt, beginnen in Bamberg die letzten Playoff Hoffnungen arg zu bröckeln. Vier Siege fehlen bereits auf Platz acht - mit Ausblick auf die nächsten Gegner Panathinaikos Superfoods Athen und Fenerbahçe Istanbul ein hartes Unterfangen.


Besser läuft es bei Tibor Pleiss. Starke 15 Punkte und 9 Rebounds steuerte der Deutsche zu Valencias 85:83 Heimsieg über Khimki Moskau bei. Er bestätigte damit seine aktuell bestechende Form sowie die 20 Punkte-Performance aus der Vorwoche gegen Kaunas.

Weiter zielsicher in Richtung NBA steuert ,,Wunderkind“ Luka Doncic. Er ragte beim 87:68 Heimsieg von Real Madrid über Anadolu Efes Istanbul mit 17 Punkten, 6 Rebounds und 5 Assists zum wiederholten Male heraus.