08 Januar 2018

8. Januar, 2018


Ob Bad Boys, Malice at the Palace oder die Championship 2004... Die Pistons haben im Palace of Auburn Hills große Geschichten geschrieben. So richtig heimisch wurden sie dort jedoch nie. Jetzt ist der Basketball wieder zurück im Herzen Motowns. Was machen die Pistons aus ihrem neuen Heimvorteil?

von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

14.437 Tage musste Clarence Brown auf diesen Moment warten. Der 60-jährige Sohn Detroits ist seit einer Ewigkeit Fan der Pistons. Doch bis Brown sein Team wieder in der größten Stadt Michigan sehen konnte, vergingen fast 40 Jahre.

Dem Michigan Chronicle erzählte er von seinen Besuchen in der Cobo Arena, die die Heimstätte der Pistons in den Siebzigern war. „Die Pistons-Spiele waren eine große Party. Eine Party wie bei einer Fashion Show - nur halt mit einem Basketballspiel dazu.“ Der Palace of Auburn Hills, wo sein Team die letzten 29 Jahre beheimatet war, konnte da nicht mithalten.

Die 40 Kilometer außerhalb der Stadt gelegene Provinz-Halle war für Prominente und Mode-Ikonen kein verlockendes Ziel. Mit dem Ende der Serie von sechs Conference-Finals-Teilnahmen in Folge sank auch die Bereitschaft des Durchschnittsfans, sich nach Auburn Hills aufzumachen.

2011/12 kamen nur noch 14.413 Zuschauer pro Spiel in die Halle. Selbst die historisch schlechten Charlotte Bobcats konnten durchschnittlich mehr Fans in die Halle locken. Am 18. Oktober vergangenen Jahres hatte der Spuck ein Ende. Die Pistons kehrten mit der Eröffnung der Little Caesars Arena zurück in ihre namensgebende Stadt.

WE'RE BACK! #DetroitBasketball

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Eine ausverkaufte Halle begrüßte Stan van Gundys Truppe zur Partie gegen Charlotte zurück in Motown. Der dreifache Champion siegte 102:90. Topscorer Tobias Harris war nach Spielende ganz aus dem Häuschen: „Ich kann den Fans nicht genug danken für ihre Unterstützung heute. Die Energie, die sie uns gegeben haben, war unglaublich.“

Damit war die Lobeshymne noch nicht vorbei. „Wir kamen in die Kabine und sprachen nur darüber, wann das nächste Heimspiel ist, weil wir sofort wieder dort raus wollten. Es dauerte fünf Tage. Genug Zeit, um dem Hype den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die 86:97-Niederlage sahen fast siebentausend Zuschauer weniger als den Season Opener.

Auf „mlive“ fragte Scott DeCamp: „Wer ist Schuld an den vielen freien Plätzen? Die Fans oder die Pistons?“ Einer der Kommentare unter dem Artikel lautete: „Mann, es sind die Pistons - die gewinnen nie.“

Zweifellos eine Übertreibung. Doch dass der Frust viele Anhänger tief sitzt, ist verständlich. Die enttäuschende 37-45-Bilanz im Vorjahr war nicht die beste Werbung für den Umzug. Ein schon üppig gefülltes Salary Cap hatte Stan van Gundy die Suche nach Verstärkungen im Sommer zudem nicht einfacher gemacht.


Nichtsdestotrotz stehen die Pistons kurz vor Saisonhalbzeit bei 21 Siegen und 17 Niederlagen und somit klar auf Playoff-Kurs. Damit kann aktuell keine der anderen großen Franchises in Detroit mithalten. Footballer und Baseballer verpassten die Postseason deutlich. Der Hallen-Nachbar „Red Wings“ steht in der Eastern Conference der NHL ebenfalls nur im unteren Mittelfeld.

Was macht die Spiele der Pistons also so unattraktiv? „Hack-a-Drummond“ war letzte Saison sicherlich einer der Gründe. Der Center soll der Franchise-Player der „Kolben“ sein, traf in seiner Karriere bisher aber maximal 42 Prozent seiner Freiwürfe. Heuer hat er diese Quote auf akzeptable 63 Prozent gesteigert. Damit macht Drummond sich weniger angreifbar.

Das ist nicht der einzige Fortschritt im Spiel des 24-Jährigen. Drummond ist zum Playmaker unter den Centern geworden. Mit 3,8 Assists ist Detroits Nummer Null der am drittbesten passende Pivot der Liga. Gleichzeitig stiegen seine Ballverluste nur leicht an.

Das Lob seines Coaches ist ihm daher sicher: „Seine Fortschritte beim Passen sind unglaublich“, sagte van Gundy Anfang Dezember. „Er weiß, wo seine Mitspieler stehen, spielt aber keine zu riskanten Pässe. Er setzt das um, was wir von ihm wollen und hilft dem Team somit zu gewinnen.“


Vorwürfe wurden Drummond auch immer wieder wegen seiner Defense gemacht. Am prominentesten Anfang der Saison von NBA-Chef-Trash-Talker Joel Embiid. Nachdem „The Process“ seinem Gegenüber 30 Punkte eingeschenkt hatte, verhöhnte er Drummond mit den Worten: „Hinten, spielt er absolut keine Verteidigung.

„Big Penguin“ nahm es locker und verwies mit einem Augenzwinkern auf das nächste Duell am 2. Dezember. Dort erzielte Embiid zwar erneut 25 Punkte, traf aber nur 7 seiner 21 Würfe und leistete sich sechs Ballverluste.

Sicherlich gab es in der Geschichte der NBA Spieler, die mit Drummonds Maßen - 2,11 Meter und 126 Kilogramm - vor dem eigenen Korb mehr dominierten. Auf der anderen Seite gibt es aber auch einige Statistiken, die dem Center deutlich mehr als „keine Verteidigung“ attestieren.

So führt der einmalige All-Star die NBA beim Defensive Rating, den Defensive Win Shares und dem Defensive Box Plus/Minus an. Als Team stellt Detroit eine Top-Ten Verteidigung. Die Probleme liegen also eher auf der anderen Seite des Feldes.


Wie schon im vergangenen Jahr sind die Pistons im unteren Tabellendrittel, wenn es um die Feldwurfquote geht. Doch die Ankunft von Luke Kennard (43 Prozent Dreier) und Avery Bradley (40 Prozent) hat immerhin Motowns Schwäche von der Dreierlinie entscheidend gemildert. Dort liegt das Team im NBA-Ranking aktuell auf Rang vier mit 38 Prozent Trefferquote.

Die größte Baustelle bleibt die Point Guard Position. Reggie Jackson lässt die Form aus Detroits letzter Playoff-Saison 2015/16 weiterhin vermissen. Nun fällt der 27-Jährige mit einer Verletzung am Fußgelenk bis zum All Star Break aus. Vertreter Ish Smith ist ein solider Back-Up, aber beim besten Willen kein Starter für ein Team mit Playoff-Ambitionen.

In der schwachen Eastern Conference wird Detroit wahrscheinlich trotzdem im Rennen um die Postseason bleiben. Aktuell ist sogar der Heimvorteil in der ersten Runde in Reichweite. Bis dahin sollten auch die Fans in der Little Caesars Arena wissen, was sie an ihrem Team haben.

Clarence Brown freut sich schon jetzt. Das letzte Playoff-Heimspiel in Detroit wird dann nämlich schon 14.975 Tage her sein.