09 Januar 2018

9. Januar, 2018


Das neue Jahr ist da und somit der geeignete Zeitpunkt für den Blick zurück und voraus. Wer setzte 2017 seine Duftmarke und wer wird es 2018 tun? Was sollte sich in der NBA ändern? Die #NBACHEF-Redaktion schwelgt in Erinnerungen, wagt Prognosen und verkündet die Wünsche für das nächste Basketballjahr.

von NBACHEFSQUAD

Das NBA-Jahr 2017 bleibt in Erinnerung für... 

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: ... die Saison mit den bislang meisten deutschen Spielern. Dirks Karriere mag sich dem Ende zuneigen, um Basketball Straight Outta Germany müssen wir uns trotzdem keine Sorgen machen. Die Bilanz der Atlanta Hawks ist mies, doch als Starter hat sich Dennis Schröder in der Liga längst etabliert. Dass Maxi Kleber auch immer wieder in der ersten Fünf steht, ist genauso erfreulich wie überraschend. Paul Zipser und Daniel Theis geben ihren Mannschaften wichtige Minuten von der Bank. Weiter so!

Christoph Lenz @NBAKenner: ... die Fortsetzung einer noch nie dagewesenen Final-Dynastie. Das erste „Threematch“ in der Ligahistorie wurde zwar vor Saisonbeginn von den meisten erwartet, dass es aber tatsächlich so kam ist dann doch historisch. Die aktuelle Diskussion wird von Begriffen wie 'Langeweile' und 'Vorhersehbarkeit' geprägt, was aber in Jahren und Jahrzehnten im Rückblick hängen bleiben wird, ist vermutlich eher die Dominanz und Großartigkeit dieser beiden Teams sowie der Besonderheit der Ära LeBron, insbesondere da dieses Kapitel NBA-Geschichte noch nicht abgeschlossen ist.

Marc Lange @godzfave44: Auf das ganze Jahr betrachtet kommen mir als erstes die Warriors bzw. Kevin Durant in den Sinn. Sein Wechsel, das Unverständnis aus Oklahoma, fragwürdige Twitter-Accounts und schließlich die errungene Meisterschaft – das NBA Jahr 2017 drehte sich vor allem um den neuen Hauptakteur bei Golden State. Ob die Erinnerung an KD und seine damalige Entscheidung in den kommenden Jahren weiterhin eine eher negative sein wird, steht jedoch noch in den Sternen.

Kevin & Larry at the Taj Mahal 🏆 #DurantInIndia

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Jan Wiesinger @WiesiG: ... hoffentlich nicht nur für unterdurchschnittliche Playoffs. Auch wenn es nicht immer zwangsläufig acht Erstrundenserien geben muss, die über sieben Spiele gehen, wünscht sich der geneigte NBA-Zuschauer doch ein wenig mehr Spannung in der K.O.-Runde. Insbesondere im Westen war die Dominanz der Warriors einfach zu klar. Die Off-Season 2017 könnte allerdings dazu beigetragen haben, dass sich die 12-0-Vorstellung der Warriors in der Westrunde nicht wiederholen wird. Die Superstar-Konzentration hat sich vielerorts deutlich erhöht. Houston und OKC haben aufgerüstet und die Spurs spielen immer ihre Rolle, wenn die wichtigsten Spieler fit bleiben.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Weniger für das Sportliche, denn die Playoffs waren eintönig, vorhersehbar und daher auch ziemlich schnell wieder vergessen. Ergo war es das Jahr der WTF-Trades: DeMarcus Cousins, Jimmy Butler, Chris Paul, Paul George, Kyrie Irving, Isaiah Thomas und Carmelo Anthony wurden allesamt getradet. Diese Fülle an Hochkarätern, die innerhalb weniger Monate über die metaphorische Ladentheke gingen, sucht in der NBA-Geschichte ihresgleichen.


2018 wird ein gutes Jahr für... 

Lagenstein: ... welche Franchise sich auch immer die Dienste von LeBron James im Sommer sichert. Wechsel zu den Lakers, Rockets oder Philly, ja vielleicht sogar eine Verlängerung bei den Cavs. Wie auch immer sich der viermalige MVP entscheidet, im dortigen Front Office dürfen die Sektflaschen geköpft werden. Auch wenn LeBrons Dauerkarte auf die Finals dieses Jahr enden sollte, 27,5 Punkte, 8,1 Rebounds und 9,1 Assists von einem 33-Jährigen stehen jeder Franchise gut zu Gesicht.

Lenz: ... Teams im Tanking-Modus, denn zum letzten Mal werden ihre (fehlenden) Bemühungen mit signifikant höheren Chancen auf die Spitzenplätze im NBA-Draft belohnt. Gepaart mit den hohen Erwartungen an den kommenden Rookie-Jahrgang und den schon jetzt zahlreichen Teams, die sich am Bodensatz der Liga tummeln, wird das „Race to the Bottom“ zum vermutlich letzten Mal die andersartige Faszination in dieser extremen Form mit sich bringen. Die letzten Monate der Saison, die Draft-Lottery und der gesamte Draft-Prozess werden für diese Teams zur aufregendsten Zeit der Saison und im Vergleich zu 2019 wesentlich planbarer und für Teams und Fans auch hoffnungsvoller.

Lange: ... The Process! Joel Embiid und Ben Simmons haben den 76ers endlich wieder Leben eingehaucht. Mit einer momentanen Bilanz von 19 Siegen und ebenso vielen Niederlagen hat Philly das Tal der Bedeutungslosigkeit langsam verlassen. Auch eine Playoffteilnahme scheint auf einmal keine reine Zukunftsmusik mehr zu sein. Zudem waren viele knapp verlorene Partien gegen Favoriten dabei, die für berechtigte Euphorie in der Stadt der brüderlichen Liebe sorgen. Wenn Embiid & Anhang in der Crunchtime noch ein wenig abgezockter werden, könnte es 2018 zum ersten Mal seit sechs langen (langen, langen...) Jahren wieder Postseason-Basketball in Philadelphia geben.

Wiesinger: ... Rookies. Ben Simmons, Donovan Mitchell, Dennis Smith Jr., Lauri Markkanen, Jayson Tatum und viele andere. Die Neulinge machen in dieser Saison eine Menge Spaß und wirbeln die Liga durcheinander. Nach der eher durchwachsenen Performance des 2016er-Jahrgangs im letzten Jahr (Teilzeitarbeiter Joel Embiid ausgenommen) zeigen die Neuprofis, dass Rookies in der Liga bereits schnell große Verantwortung übernehmen können. Ich freue mich auf die weitere Entwicklung der Jungs, die teilweise nicht mal ihren 20. Geburtstag gefeiert haben.


Schlechtriem: ... die Deutschen in der NBA. Daniel Theis und Maxi Kleber haben sich bei ihren Teams erstaunlich schnell akklimatisiert, Dennis Schröder arbeitet unbeschwert an seiner Rolle als Franchise Player und an seinem Four-on-one-Punch, Paul Zipser kriegt langsam wieder die Kurve, ebenso Isaiah Hartenstein in der G-League. Und Dirk Nowitzki wird im Oktober Geschichte schreiben, wenn er seine 21. Saison beginnt. Dazu hat Basketball-Deutschland noch den ein oder anderen Rohdiamanten in der Tasche. The krauts are coming!


2018 wird ein schlechtes Jahr für... 

Lagenstein: ... Mittelklasse-Spieler, die diesen Sommer Free Agent werden. Der Salary Cap wird wohl nur um ein, zwei Millionen steigen. Ordentlich abkassiert haben die Profis, die direkt bei Inkrafttreten des neuen TV-Deals 2016 einen Kontrakt unterschrieben. Dumm nur, dass diese dicken Verträge vielen GMs jetzt die Hände binden und der eine oder andere Rollenspieler so manche Million auf seinem neuen Arbeitspapier vergeblich suchen wird.

Lenz: ... Ligabeobachter, die keine Freunde von Free Agency Spekulationen, dem Deuten von Tweets, Aussagen und Gesten sowie der ESPN Trade Machine sind. Nach einer der intensivsten und spektakulärsten Offseasons in der Geschichte der Liga wird all das im Jahr der LeBron Free Agency nicht zurückgefahren werden. Beginnend mit der Trade Deadline im Februar, mit dem Höhepunkt in der ersten Juliwoche wird über Cap Space für hypothetische Super-Teams und mögliche On-Court wie Off-Court Sympathien gesprochen, geschrieben und gelesen werden. Ein potentieller Free Agent, über den bisher noch wenig gesprochen wird, der aber die gesamte Konversation verändern könnte, ist Kevin Durant.

Lange: ... die Orlando Magic. Nach einem überraschend guten Start in die Saison ist das Team aus Florida in den letzten Wochen komplett eingebrochen. Nur eines der letzten zehn Spiele wurde gewonnen. Es wirkt leider auch nicht so, als ob sich daran in den kommenden Monaten noch viel ändern wird. Die Talente in den eigenen Reihen haben immer noch Probleme, auf einem konstantem Level zu produzieren und die wenigen, soliden Veteranen können auch nicht mehr, als ihren Teil beizutragen. Es riecht ganz stark nach der roten Laterne in Orlando.

Wiesinger: ... die meisten der deutschen Spieler in der NBA. Nowitzki und Kleber hängen mit Dallas ebenso am Tabellenende fest wie Zipser mit Chicago und Schröder mit Atlanta. Nur bei Daniel Theis, der sich in Boston in einer wichtigen Rolle von der Bank eingefunden hat, läuft es mit seinem Team in Richtung Playoffs. Schlecht ist natürlich nur auf die sportliche Perspektive ihrer Teams bezogen. Denn trotz alledem: So viele Spieler mit Einsatzzeiten hatte Deutschland in der besten Basketballiga der Welt selten. Und bis auf Grandseigneur Nowitzki haben die Jungs ihre beste Zeit als Profi noch vor sich.

Schlechtriem: ... die Cleveland Cavaliers. Die klaffende Lücke zu den Warriors haben sie nicht geschlossen, stattdessen gibt es dieses Jahr dank den Boston Celtics keinen Freifahrtschein mehr in die Finals. Der zweite große Abgang von LeBron James nimmt immer konkretere Formen an, der Draft Pick der Brooklyn Nets erweist sich als nicht so verheißend wie erhofft... ein Mal noch sind die Kavaliere die Favoriten im Osten, anschließend droht jedoch die Rückkehr in die Bedeutungslosigkeit.



Der Neujahrsvorsatz der NBA

Lagenstein: Da diese häufig die gleichen sind und eh nie eingehalten werden, fordere ich einfach mal wieder die Verkürzung und Reduzierung von Timeouts. Kein Coach der Welt braucht siebenmal pro Spiel 150 Sekunden, um sein Team anzusprechen. Warum die inzwischen abgeschafften 20 Sekunden-Auszeiten eine Minute dauerten, habe ich auch nie verstanden. Es gibt nicht viele Regeln, die im FIBA-Basketball besser sind, doch fünfmal eine Minute wären ein Segen für die NBA – auch wenn das auf Kosten der Auftrittszeit aufblasbarerer Maskottchen gehen würde.

Lenz: Der Weg, den die NBA eingeschlagen hat und aktuell geht ist ein guter Weg! Sie sind kommerziell erfolgreich, bestimmen die Konversation vor allem bei den Jüngeren und sorgen für Highlight-Spiele und jede Menge Gesprächsstoff um die Geschehnisse auf und neben dem Parkett. Immer wieder gibt es trotzdem Rufe im Sinne von „früher war alles besser“ und damit verbundenen Forderungen nach Regeländerungen. Die NBA sollte sich davon nicht beirren lassen und den erfolgreichen Weg weitergehen, hier und da zukunftsgerichtete Anpassungen vornehmen, aber vor allem so bleiben wie sie ist!

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Lange: Es wäre wundervoll, wenn sich die Schiedsrichter der besten Basketballliga der Welt zukünftig dem Niveau der Spieler anpassen. Selten ist mir eine Saison mit so vielen krassen Fehlentscheidungen aufgefallen. Und wir haben noch nicht einmal die Hälfte hinter uns. Ein guter Vorsatz wäre es daher, öfter den Videobeweis zu nutzen – speziell bei entscheidenden Situationen. Die Entschuldigungen der Refs im Nachhinein haben nämlich leider so viel Wert wie DeAndre Jordan an der Dreipunktelinie.

Wiesinger: „Im neuen Jahr werde ich Traveling härter bestrafen.“ Quatsch, Neujahrsvorsätze sind ohnehin immer viel zu schnell vergessen. Stattdessen muss sich die NBA den wirklichen Problemen stellen, die das neue CBA mit sich bringt. Wenn sich nämlich die Superstars in wenigen Teams zusammenrotten und das auch noch finanziell problemlos realisierbar ist, stehen viele andere Teams an anderer Stelle ohne Topspieler da. Die NBA sollte diese Entwicklung in den nächsten Jahren genauestens beobachten und gegebenenfalls ihre Regularien anpassen.

Schlechtriem: Referees! Reißt! Euch! Zusammen! Schon klar, über die Refs zu schimpfen ist abgeschmackt und so alt wie das Spiel selbst, dennoch unterbieten sich die Zebras dieses Jahr in bedenklicher Art und Weise immer weiter. Allein in der Weihnachtszeit wurden mindestens drei Highlight-Spiele durch indiskutable (No-)Calls in den entscheidenden Phasen kontaminiert. Der Name Tim Donaghy ist noch nicht verblasst, umso wichtiger daher, dass die Liga endlich aktiv wird. Der halbgare Videobeweis sorgt nicht für mehr Gerechtigkeit, weil er in manchen Fällen angewendet wird, in anderen aber eben nicht und die gezogene Linie daher willkürlich erscheint. Wie schmachvoll muss es für einen professionellen Schiri sein, am Monitor nachzuprüfen, welcher Spieler den Ball zuletzt berührt hat, um dann vor Augen geführt zu bekommen was bereits jeder in der Halle und vor dem Fernseher weiß – dass er ein glasklares Foul nicht geahndet hat?


Mein Neujahrswunsch 

Lagenstein: Bitte, bitte, bitte mehr Spannung in den Playoffs. Ja, gerade in den Finals wurde teils atemberaubender Basketball aufs Hardwood gelegt. Wenn Bill Russell sagt, dass die beiden besten Wörter in der NBA „Game Seven“ sind, stimme ich ihm dort aber vollends zu und hoffe, dass 2018 wieder Serien bei auslaufender Spielzeit mit dem letzten Wurf entschieden werden. Wenn dann erneut die Warriors oben stehen sollten, mussten sie für ihren dritten Titel in vier Jahren immerhin ordentlich schwitzen.


Lenz: Die verrückteste Liga der Welt soll weiter für Schlagzeilen sorgen, sowohl durch furiose Playoff-Spiele, wilde Rekorde und herausragende Teams, als auch durch wahnwitzige Unterhaltung und ständig neue Top-Themen durch Gerüchte, Teamwechsel und phantastischen Storylines. Liebe NBA, immer immer weiter so!

Lange: Ein Wunsch, den ich schon seit mehreren Jahren habe: Gestaltet die reguläre Saison kürzer! 66 Spiele reichen vollkommen. Das derzeitige 82-Spiele-Konzept sorgt nicht für die gewünschte Attraktivität – weder beim Zuschauer, noch bei den Spielern selbst. Vielmehr riskiert die Liga, dass sich mancher Superstar in einem eher unwichtigen Spiel verletzt und dann fehlt, wenn ihn jeder sehen will: in den Playoffs. Hoffentlich schiebt NBA-Chef (darf man das hier überhaupt so sagen?) Adam Silver diese Reform nicht noch ein weiteres Jahr vor sich her.

Wiesinger: ... ist ziemlich unrealistisch. Ich wünsche mir, dass alle wichtigen Spieler in der entscheidenden Phase der Saison und den Playoffs gesund bleiben. Und alle anderen idealerweise auch, denn Abrisse der Achillesszene oder der Kreuzbänder sind niemals eine gute Sache. Wenn alle Teams in ihrer stärksten Formation antreten können, werden wir ein Feuerwerk des sportlichen Kräftemessens sehen. Die besten Fünfer-Teams der Welt, Mann gegen Mann, keine Ausreden oder Entschuldigungen. Mal sehen, ob das Verletzungspech in dieser Saison zumindest ein bisschen weniger Einfluss haben kann als noch in den letzten Jahren.

Schlechtriem: Spannendere Playoffs inklusive Finals ohne die Cavaliers und Warriors. Dazu muss zugegebenermaßen sehr, sehr viel zusammenkommen, andererseits kann bis Juni auch noch sehr, sehr viel passieren. Zumindest haben die Herausforderer mobilisiert – die Warriors werden nach aktuellem Stand gegen die Rockets und/oder Spurs nicht so einfaches Spiel haben wie im Vorjahr, ebenso die Cavaliers gegen die Celtics und/oder Raptors.