16 Januar 2018

16. Januar, 2018


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag bereits auf den 8. Februar - viel früher als bisher. Auf dem Weg dorthin wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler und Trade-Chips.

von STEFAN DUPICK @Hoopsgamede

In Memphis läuft dieser Tage nicht viel zusammen. Die Grizzlies waren in den vergangenen Jahren immer ein sicherer Kandidat für die Playoffs und haben es ihren Gegnern, speziell im heimischen FedEx Forum, mit ihrem unvergleichlichen Grit-and-Grind Stil immer richtig gegeben.

Seit diesem Sommer ist Grit-and-Grind jedoch endgültig Geschichte. In Zach Randolph und Tony Allen haben die letzten beiden Hustler das Team verlassen, die Grizzlies haben mit den Abgängen ihr Profil verloren. Und plötzlich hat Memphis 24 seiner letzten 31 Partien verloren, steht im Keller der Western Conference und somit auch vor einer grundlegenden Entscheidung: Was tun?

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Weitermachen und auf die Altstars Marc Gasol und Mike Conley setzen? Oder aber Trades forcieren, die aktuellen Stars in Assets umwandeln und den Neuaufbau forcieren? Die Entscheidung fürs Management der Grizzlies wird in den nächsten Wochen keine leichte, schließlich handelt es sich bei den Altstars Gasol und Conley um verdiente und hoch respektierte (Beinahe-)Stars.

Wie entwickeln sich die Machtverhältnisse in Memphis?
Derzeit werden die Entscheidungen in Memphis (noch) von Besitzer Robert Pera und General Manager Chris Wallace getroffen. Owner und GM stehen offiziell zu ihren Stars und wollen mit den verdienten Spielern weiterarbeiten. In Memphis tut sich derzeit jedoch sehr viel, die Minderheitseigner wackeln gehörig an Peras Stuhl und wollen einen Machtwechsel herbeiführen.


Sollte der tatsächlich stattfinden, könnten auch einer oder mehrere Trades blitzschnell in den Fokus rücken. Gasol selber äußerte sich zuletzt so, dass er gerne in Memphis bleiben würde, ihm die Franchise letztlich jedoch am Herzen liegt. Kern der Aussage war die Tatsache, dass ein Trade für ihn in Ordnung sei, wenn dieser Trade der Zukunft der Franchise diene.

Derzeit scheinen Trades von Conley und Gasol also unrealistisch zu sein. Allerdings ist die NBA eine schnelllebige Welt und dementsprechend kann sehr schnell wieder Bewegung in die Sache kommen, je näher die Trading-Deadline rückt.

Können Gasol & Conley Teams zu Contendern machen?
Die Stats der beiden Stars lesen sich nach wie vor gut. Während Marc Gasol 18,4 Punkte, 8,6 Rebounds und 4,0 Assists auflegt, liefert Conley vor seiner Verletzung 17,1 Punkte, 2,3 Rebounds und 4,1 Assists pro Abend. Sowohl bei Gasol als auch Conley ist jedoch ein Leistungsabfall zur Vorsaison zu erkennen. Hinzu kommt, dass Conley in dieser Saison nie richtig fit war und seit mittlerweile zwei Monaten verletzt aussitzt.

Während Conley im Oktober 30 Jahre alt  wurde, darf Marc Gasol in genau zwei Wochen bereits 33 Kerzen auf der Geburtstagstorte auspusten. Beide Spieler zählen also nicht mehr zu den Jungspunden in der Liga, können potentiellen Contendern aber mit ihrer Erfahrung helfen.


Trades dürften bei beiden Spielern also „Win Now Moves“ sein und weniger das Ziel verfolgen, eine Franchise um den jeweiligen Spieler aufzubauen. Da kommen dann die hohen Gehälter der beiden zum Tragen.

Gasol hält noch für zwei Jahre einen garantierten Vertrag und kann im Anschluss eine Spieler-Option für Jahr drei ziehen. Sein Gehalt liegt derzeit bei knapp 23 Mio. $, das ist marktgerecht. Bei Conley sieht das Ganze etwas komplizierter aus, denn der Point Guard steht noch vier Jahre unter Vertrag, verdient in der aktuellen Saison 28,5 Mio. $ und in seinem letzten Vertragsjahr fast 35 Mio. $ - eine Summe, die in dem Alter (er ist dann 33 Jahre alt) schwierig zu rechtfertigen sein dürfte.

Dennoch dürfte es für beide Spieler genügend Interessenten geben, falls Memphis zu verhandeln bereit ist. Während der Markt für den Spanier aufgrund seiner Fähigkeiten, seines Gehalts und seiner Vertragslaufzeit größer sein dürfte, werden auch für Conley einige Teams den Hut in den Ring schmeißen. Am Ende steht und fällt alles mit den jeweiligen Trade-Paketen, die Memphis den Rebuild erleichtern.

Wer sind die Interessenten?
Der Fokus in der Betrachtung der Interessierten liegt hier ganz klar auf Teams, die nur wenige Trades davon entfernt sind, zumindest um die Conference Finals mitzuspielen. Dadurch reduziert sich die Liste der potentiellen Kandidaten, denn Teams wie die LA Clippers oder Orlando Magic werden keine sportliche Rolle spielen.


Ausserdem werden Teams ausgeschlossen, die aus anderen Gründen keinen realistischen Trade zustande bekommen können. Dazu zählen u.a. die Oklahoma City Thunder, denn ein Gasol/Adams Tausch bringt kein Team wirklich weiter. Auch ein Trade mit den Portland Trail Blazers um Jusuf Nurkic scheint eher unrealistisch, da die Blazers zu viele teure Spieler involvieren wollen (Meyers Leonard, Maurice Harkless oder Evan Turner), die Memphis weder braucht noch bezahlen will.

Für Mike Conley stellt Denver den vielleicht realistischsten Kandidaten dar. Philadelphia und Detroit dürften ebenfalls interessiert sein, können (bzw. wollen) den Grizzlies jedoch kein Paket anbieten, welches dem Management in Memphis zusagt.

Wie könnten Trades aussehen?


Gasol als Win-Now-Move zu den Cavs
Memphis bekommt: Tristan Thompson, Cedi Osman, Brooklyns Erstrunden-Pick 2018
Cleveland bekommt: Marc Gasol
Gasol könnte an der Seite von LeBron und Kevin Love einen Run auf den Titel wagen. Gasol ist nach wie vor ein defensiver Anker und bringt viel Qualität nach Cleveland. Die Cavs wären mit diesem Move sofort der absolute Favorit im Osten, aber reicht das gegen die Warriors?
 Dass Cleveland mit dem Spanier in der Mitte offensiv wie defensiv variabler und respektabler wäre, ist nicht abzustreiten. Im Gegenzug bekommen die Grizzlies in Thompson einen soliden Center, mit Osman einen talentierten Youngster und als Kernstück des Deals den Draft-Pick der Nets, der bekanntlich für Kyrie Irving aus Boston kam. Fraglich ist natürlich, ob die Cavs bereit wären, den Pick zu traden.


Gasol komplettiert 'Big Three' in Milwaukee
Memphis bekommt: John Henson, Jabari Parker, Malcolm Brogdon

Milwaukee bekommt: Marc Gasol, Mario Chalmers
Eine Bucks Starting Five um Eric Bledsoe, Tony Snell, Khris Middleton, Giannis Antetokounmpo und Gasol klingt sehr verlockend. Allerdings müssten die Bucks davon überzeugt sein, dass sie sich vom verletzungsgebeutelten Jabari Parker trennen und ihm keine maximale Verlängerung anbieten wollen. Zudem würde der Verlust von Malcolm Brogdon, dem Rookie of the Year 2017, schmerzen. Gasol passt ausserdem weniger in die Altersstruktur des Bucks-Kaders als zum Beispiel DeAndre Jordan, der ebenfalls mit Milwaukee in Verbindung gebracht wird. 
Die Grizzlies bekommen im Gegenzug einen soliden Center in Henson, in Brogdon einen guten Rollenspieler und in Parker einen potentiellen, wenn auch verletzungsanfälligen Star.


Gasol als Schlüssel zum Raptors-Finale
Memphis bekommt: Jonas ValanciunasNorman Powell, Bruno Caboclo, Erstrundenpick 2019
Toronto bekommt: Marc Gasol, Mario Chalmers
Die Raptors scheiterten in den Playoffs zwei Mal in Folge an LeBron James. In diesem Jahr scheinen die Dinos bereit, es mit den Cavs aufzunehmen - Ujiri will die Chancen maximieren und geht 'all in'. Dazu schickt er drei seiner akribisch geförderten Youngster nach Memphis, garniert das Talent-Paket um Jonas Valanciunas und Norman Powell mit einem künftigen Erstrunder. Memphis erhält in Gasol und Chalmers zwei Veteranen mit Playoff- und Final-Erfahrung satt, die die zweitplatzierten Raptors endgültig zum grossen Favoriten im Osten machen.


Conley als fehlendes Puzzlestück zu den Nuggets
Memphis bekommt: Jamal Murray, Emmanuel Mudiay, Kenneth Faried und Darrell Arthur

Denver bekommt: Mike Conley, Mario Chalmers
Die Grizzlies könnten in Mudiay und Murray ihren Backcourt der Zukunft erhalten. Faried und Arthur dienen als Cap-Füller. Aus Sicht von Memphis könnte der Trade funktionieren, zumal die Nuggets nicht gewillt waren, Murray in einen potentiellen Deal für Irving zu involvieren.
 Genau da könnte auch eines der Probleme liegen: Wenn die Nuggets Murray nicht für Irving dealen wollten, wollen sie ihn dann für Conley abgeben? 
Eine Nuggets Starting Five aus Conley, Harris, Chandler, Millsap und Jokic sieht auf dem Papier sehr gut aus. Bleibt die Frage, ob die Nuggets wirklich so viel Geld für einen 30-jährigen Point Guard ausgeben wollen - und ob sie Conley als finales Puzzlestück eines Contender-Kaders in Colorado ansehen.

Just my two cents...
Wenn ich in Memphis etwas zu sagen hätte, würde ich versuchen, beide Spieler so schnell wie möglich zu traden. Conley und Gasol sind beide exzellente Spieler, aber leider auf der falschen Seite der 30. Für Gasol kann Memphis mit Sicherheit schon jetzt einen guten Gegenwert bekommen. Ein Conley-Trade dürfte hingegen schwieriger werden: der Point Guard ist im Gesamtpaket einfach zu teuer.

Letztlich glaube ich, dass Conley in Memphis bleiben wird. Gasol könnte durchaus kurz vor Ende der Deadline bei einem Contender landen. Letztlich hängt der Ausgang aber, wie immer, vom Gegenwert ab. Ein Szenario, in dem die Grizzlies im kommenden Draft zwei Top-Acht Picks (den eigenen und den der Brooklyn Nets) hätten, wäre mit Blick auf die Zukunft durchaus verlockend.