10 Februar 2018

9. Februar, 2018


Der Deadline-Day 2018 ist Geschichte und wird vor allem wegen der Abrissbirne in Cleveland in Erinnerung bleiben. Aber auch darüber hinaus lieferte uns die NBA eine aufsehenerregende und abwechslungsreiche Trading Season. Das #NBACHEF Roundup fasst für euch das Geschehen rund um die Trade Deadline zusammen und nennt Gewinner und Verlierer.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Zahlen, bitte

  • Am Tag der Deadline gingen zwölf Trades über die Bühne, 19 Teams waren involviert
  • Nur zwei der zwölf Trades beinhalteten mehr als zwei Teams
  • Rechnet man die zehn Tage vor der Deadline dazu, waren es insgesamt 16 Deals und 22 Teams. Nicht ganz überraschend waren die Cleveland Cavaliers mit drei Trades am aktivsten – die Chicago Bulls und Detroit Pistons fädelten ebenfalls drei Deals ein, die aber vergleichsweise wesentlich weniger signifikant waren
  • An keinem Trade innerhalb der zehn Tage um die Deadline beteiligt waren die Philadelphia 76ers, Indiana Pacers, Oklahoma City Thunder, Minnesota Timberwolves, San Antonio Spurs, Boston Celtics, Houston Rockets und Golden State Warriors
  • Der voluminöseste Vertrag, der um die Deadline herum bewegt wurde, ist der mit 29,7 Mio. $ dotierte von Blake Griffin, mit 20,0 Mio. $ belegt George Hill in dieser Kategorie den zweiten Platz
  • Der Deal um Griffin involvierte mit auch die meisten Spieler mit deren sechs – gleichauf mit dem Three Team Deal zwischen den Cavaliers, Jazz und Kings
  • Insgesamt gingen innerhalb der zehn Tage um die Deadline 38 Spieler über die Ladentheke, deren Gesamtverdienst allein in dieser Spielzeit bei etwas über 209 Mio. $ liegt
  • Willie Reed, Rashad Vaughn und Brice Johnson wurden rund um die Deadline jeweils gleich zwei Mal getradet
  • Auch einige Draft Picks wechselten ihre Besitzer: Insgesamt 13 Picks, davon drei First Rounder wurden getauscht


Die Verlierer

#3: L.A. Clippers
Chris Paul und Blake Griffin sind weg, die Clippers stehen vor einer neuen Ära. Allerdings wissen sie auch nach der Deadline noch immer nicht, wo es eigentlich hingehen soll. Ein Team um Lou Williams, Tobias Harris, Danilo Gallinari und Miloš Teodosić wird sicherlich um die Playoffs mitspielen, um viel mehr aber nicht. Das war allerdings bereits der Status Quo mit Paul und Griffin. Nun droht der Abgang von DeAndre Jordan und Avery Bradley im Sommer, L.A. hat sich zwar via Trade Draft Picks gesichert, jedoch keine aussichtsreichen Lottery Picks. Hochkarätige Additionen in der Free Agency sind nicht zu erwarten. Den Clippers drohen Jahre der Mittelmäßigkeit.


#2: Orlando Magic
Der ganze Kader sollte raus, ein völliger Neuanstrich à la Cavaliers stattdessen kommen. Unterm Strich steht jedoch nur ein einziger, ziemlich mieser Deal aus Sicht der Magic: Elfrid Payton bringt einen Second Round Pick im Schlussverkauf – herzlich wenig für den zehnten Pick des 2014 Drafts. Kein Paycut, keine Verjüngung, keine signifikanten Draft Picks für ihr durchaus brauchbares Talent. Die Verträge von Mario Hezonja und ihrem besten Spieler Aaron Gordon (Restricted) laufen im Sommer aus. Bis dahin sollte die neue Führung der Magic einen Plan für die Zukunft bereitliegen haben.

#1: Memphis Grizzlies
Die Entlassung von Coach David Fizdale im November war schon ein starkes Stück. Zur Deadline als de facto Rebuild-Team sämtliche Gespräche um den 33 Jahre alten, verletzungsanfälligen Franchise Player kategorisch abzublocken zeugt von noch größerem Unvermögen. Darüber hinaus den bereits aus dem Team genommenen Tyreke Evans trotz einer Reihe von Angeboten nicht zu traden, setzt dem ganzen vollends die Krone auf. Einige der Angebote aus der Liga sind bekannt:

  • Die Wizards boten zwei Second Round Picks
  • Die Nuggets offerierten ebenfalls zwei Second Round Picks oder Point Guard Emmanuel Mudiay plus einen Second Round Pick respektive einen auslaufenden Vertrag und mehrere Second Round Picks
  • Das Angebot der Celtics beinhaltete zwei Second Round Picks plus Guerschon Yabusele

Evans sitzt auf einem Einjahresvertrag und ist mit seinen 28 Jahren ohnehin kein Teil der mittelfristigen Zukunft in Memphis. Unter diesen Umständen einen Trade zu verweigern, weil sie vergeblich auf einen Erstrunden-Pick bestehen oder – im Falle der Verhandlungen mit den Philadelphia 76ers – auf einen illusorischen Gegenwert (Dario Šarić), ist nur der nächste Schritt der Selbstsabotage, die die Grizzlies seit Monaten betreiben. Herzlichen Glückwunsch nach Memphis, sie sind nicht nur der größte Verlierer der Deadline, sondern auch die am schlechtesten geführte Franchise 2017/18.


Die Gewinner

#3: Detroit Pistons
„[E]s gewinnt immer das Team den Trade, das den besten Spieler des Trades bekommt.“ – steht im Fazit des Trades um Blake Griffin. Bisher bewahrheitet sich dies, Detroit hat die ersten fünf Spiele mit dem Rotschopf in ihren Reihen gewonnen und meldet sich im Playoff-Rennen zurück. Ein Spieler von Griffins Talent mit Langzeitvertrag (Player Option 2021) wird nur sehr selten verfügbar, die Pistons haben die Chance genutzt und am Deadline-Day selbst mit zwei kleinen, kostengünstigen Deals um Jameer Nelson und James Ennis die eigene Tiefe verstärkt.

#2: Cleveland Cavaliers
„Wir wollten keinen langsamen Tod sterben“ gab Clevelands neuer GM Koby Altman nach seiner aberwitzigen ersten Deadline zur Protokoll. Altman musste handeln und hat seine Feuertaufe mit Bravour bestanden. Aus einem überalterten, müden und zerstrittenen Team wird eine jüngere, hungrige und athletische Truppe. George Hill, Jordan Clarkson, Larry Nance Jr. und Rodney Hood werden sicherlich nicht die miserable Defensive merklich stabilisieren, geben den Cavs aber die dringend benötigte Generalüberholung und frische Ambitionen auf den vierten Einzug in die Finals in Folge, der mit der bisherigen Mannschaft aussichtslos gewesen wäre. Der dafür bezahlte Preis – der auslaufende Vertrag des in Cleveland unglücklich agierenden Isaiah Thomas, dazu die entbehrlichen Channing Frye, Dwyane Wade, Iman Shumpert und Derrick Rose sowie der ebenfalls hinter den Erwartungen zurückgebliebene Jae Crowder – bleibt verhältnismäßig niedrig.


#1: Los Angeles Lakers
Die Meldung vom Dienstag, nach der die Lakers sich aus der Free Agency 2018 bereits verabschiedet hätten und für den Sommer 2019 planten, darf als gezielt lancierte Falschmeldung interpretiert werden, um die eigene Verhandlungsposition zur Deadline zu verbessern. Der Plan ist voll aufgegangen: Lila-Gold hat seinen Wunsch erfüllt bekommen. Jordan Clarkson und Larry Nance Jr. sind aus den Büchern, die Verträge von Isaiah Thomas und Channing Frye laufen aus, zudem landet ein weiterer Erstrunden-Pick in Tinseltown. Das Führungsduo Magic Johnson und Rob Pelinka greift im Sommer auf weit über 60 Mio. $ Cap Space zurück – das sind zwei Maximalverträge. Mit dieser Flexibilität kann kein anderes Team mithalten, was die Lakers zu einem der Favoriten auf namhafte Free Agents wie Paul George, DeMarcus Cousins und LeBron James macht. Sollten Magic und Pelinka 2018 kein Superteam zusammenstellen, haben sie immer noch eine Armada aus vielversprechenden jungen Spieler und können 2019 einen neuen Anlauf starten, wenn die Verträge von Kawhi Leonard, Klay Thompson und Jimmy Butler auslaufen.



Das „WAS?! Die haben keinen Trade gemacht?“ – Ranking

#3: Oklahoma City Thunder
OKCs Angebot war zugegebenermaßen dürftig, dennoch hatten die Thunder infolge von Andre Robersons schwerer Verletzung eigentlich dringenden Handlungsbedarf. Die sportliche Führung weigerte sich, ihren einzig wertvollen Trade-Chip, Rookie Terrance Ferguson, auf den Tisch zu legen und pokert damit hoch. Denn der Erfolg in den Playoffs wird die Entscheidung von Paul George maßgeblich entscheiden, ob er sich im Sommer dauerhaft an OKC bindet. Der Kader ist qualitativ ohnehin schon zu dünn besetzt, jetzt bedarf es dringend an Erfolgen im Buyout Markt.

#2: Milwaukee Bucks
Rashad Vaugh/Tyler Zeller zählt nicht. Die Bucks brauchen dringend einen Center, stehen nach der Deadline aber weiter ohne da. Kein DeAndre Jordan, kein Robin Lopez, nicht mal Dewayne Dedmon. Auf den Buyout Markt zu spekulieren ist ein gewaltiges Risiko, denn die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht. Ohne echten Ringbeschützer bleibt die Zone der Hirsche (27. in Rebound Rate) weiter Freiwild, ein weiteres frühes Playoff-Aus droht.

#1: Atlanta Hawks
Auch hier: Die Mini-Deals um Sheldon Mac und Luke Babbitt/Okaro White zählen nicht. Atlanta steckt tief im Rebuild und hatte in Marco Belinelli, Ersan Ilyasova und Dewayne Dedmon jede Menge Handelsware, selbst Kent Bazemore und Dennis Schröder waren nicht unantastbar. Dass Hawks GM Travis Schlenk dafür nicht wenigstens einen Second Round Pick oder einen jungen, formbaren Spieler nach Atlanta geholt hat, verwundert sehr. Mit Belinelli einigten sich die Hawks bereits auf eine Vertragsauflösung, weitere Buyouts kämen nicht überraschend.


Buyouts

Die „Deadline nach der Deadline“ endet am 1. März. Spieler, die bis dahin aus ihren Verträgen gekauft worden sind, dürfen in den Playoffs für ein anderes Team antreten. In diesem Jahr wird der Buyout Markt namhafter und damit aggressiver denn je. Einige Teams haben infolge des „Summer of Mozgov“ 2016 eine gewaltige Payroll und müssen Geld sparen. Andererseits wollen wie jedes Jahr zahlreiche Veteranen nicht schon im April in Urlaub fahren und daher bei einem Playoff-Team oder gar Contender anheuern.

Hoch im Kurs stehen in diesem Jahr:

Derrick Rose: Das Stelldichein in Cleveland endete jäh, der ehemalige MVP wurde von den Cavs zur Trade-Masse degradiert und zu den Utah Jazz geschickt. Die haben keine Verwendung für Rose und geben ihn frei. Eine Wiedervereinigung mit Tom Thibodeau bei den Minnesota Timberwolves bahnt sich an.


Joakim Noah: Der nächste unglückliche Ex-Bull, den es zurück zu Thibodeau verschlagen könnte. Aufgrund seines überzogenen Vertrages war Noah zur Deadline nicht vermittelbar, weil er bereits aus dem Team genommen wurde ist ein Buyout unausweichlich. Neben den Timberwolves sind auch die Thunder daran interessiert, den einstigen Defensive Player of the Year zu verpflichten.

Marco Belinelli: Eigentlich ein sicherer Trade-Kandidat (s.o.), stattdessen nun der fixe Buyout von den Atlanta Hawks. Die Odyssee des Italieners seit dem Abschied aus San Antonio 2015 geht ununterbrochen weiter, die Hawks waren Belinellis drittes Team in drei Jahren. Ein viertes kommt nun hinzu. Als erfahrener Shooter hat der 31-Jährige aber die Qual der Wahl: Eine handvoll Teams, darunter die Golden State Warriors, Boston Celtics, Toronto Raptors, Cleveland Cavaliers und Oklahoma City Thunder sind interessiert, auch eine Rückkehr zu den San Antonio Spurs sollte nicht ausgeschlossen werden.

Tony Allen: Der langjährige Grizzly wurde im Zuge des Mirotić-Trades von den Pelicans zu den Bulls geschickt. Die wiederum bauen ein frisches, junges Team auf und haben daher kein Bedarf an den Diensten des 36-Jährigen. Allen hat diese Saison erst 22 Partien absolviert, neben seiner Championship-Erfahrung aber immer noch eine ordentliche Portion Defensivstärke und Härte im Tank. Das macht ihn zum Kandidaten bei den Thunder, da er die Aufgaben des verletzten Roberson eins zu eins übernehmen würde. Die Houston Rockets sind ebenfalls interessiert.

Brandan Wright: Infolge des halbgaren Rebuilds in Memphis wurde dem Center zuletzt immer öfter die Spielzeit verweigert. Wright hat sich mit den Grizzlies bereits geeinigt und wird zu den Houston Rockets wechseln, dort für mehr Tiefe auf den großen Positionen sorgen. Der 30-Jährige darf sich in Texas auf Alley-Op Zuspiele von Chris Paul und James Harden freuen.

Joe Johnson: Iso-Joe wird im Juni 37 Jahre alt und hat entsprechend nicht mehr viele Spielzeiten vor sich. Deshalb, und weil die Jazz vermehrt auf Jugend setzen, die bekannte Kombination aus Trade + Buyout. Die Sacramento Kings, zu denen Johnson getradet wurde, legen dem siebenfachen All-Star keine Steine in den Weg. Auch ihn zieht es zu den Houston Rockets und zu Mike D'Antoni, unter dem er bereits bei den Phoenix Suns gespielt hat.


Shabazz Muhammad: Shabazz hat sich im Sommer gründlich verzockt, als er auf einen hochdotierten Vertrag spekulierte, sich am Ende aber mit zusammengekniffenem Schwanz gezwungen sah, das Qualifying Offer der Timberwolves anzunehmen. In der laufenden Saison hat Muhammad bei den Wölfen keine Rolle mehr gespielt, daher will er nicht erst bis zur nächsten Free Agency warten, sondern sich jetzt wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit spielen. Minnesota wird ihm diesen Wunsch mutmaßlich nicht verwehren, ob der 25-Jährige allerdings überhaupt einen Interessenten findet, steht in den Sternen.

Kenneth Faried: Einst als „Manimal“ gefeiert ist Faried heute nur noch eine Randfigur, die kaum noch in die moderne NBA passt. Der Rastamann will unbedingt einen Neuanfang, den ihm die Nuggets gerne via Trade gegeben hätten. Weil es offensichtlich an ansprechenden Angeboten mangelte, ist ein Buyout wahrscheinlich geworden. Faried passt aufgrund seiner Spielweise nur zu einem schnellen und athletischen Team wie den Indiana Pacers oder Brooklyn Nets.

Andrew Bogut: Der Australier gewann 2015 mit den Warriors die Championship, danach ging es steil bergab: 2016 musste er für Kevin Durant weichen, die Engagements bei den Mavericks, Cavaliers und zuletzt Lakers waren nicht von Glück geprägt. Los Angeles entließ den Center schon vor Wochen, zu diesem Zeitpunkt wollte sich aber im Hinblick auf die Deadline kein Team auf ihn festlegen. Nun sind einige Fragen beantwortet und manch eine Franchise braucht die Größe, Erfahrung und Härte, die Bogut immer noch mitbringt. Eine Rückkehr zu den Milwaukee Bucks, die den 33-Jährigen 2005 an erster Stelle drafteten, ist denkbar.

Weitere ernsthafte Kandidaten auf einen Buyout sind: Ersan Ilyasova (Hawks), Corey Brewer (Lakers), Arron Afflalo und Mo Speights (beide Magic). Darüber hinaus sind zusätzliche, durchaus prominentere Namen zu erwarten.

Ebenfalls bereits aus ihren Verträgen herausgekauft, aber nicht zwingend in Erwartung eines Deals bis zum März sind: Georgios Papagiannis (Kings), A.J. Hammons (Heat), Johnny O'Bryant (Knicks), Willie Reed (Bulls), Okaro White und Sheldon Mac (beide Hawks).