16 Februar 2018

16. Februar, 2018


Die Euroleague bleibt spannend. Wir bringen euch gebündelte News, Highlights und Wissenswertes aus der europäischen Königsklasse - heute zu Spieltag 22.

von FELIX STEINER @uncle_drew1

Real Madrid – Olympiacos Piräus
Madrids personifizierter und zugleich letzter Strohhalm trägt einen Namen: Luka Doncic. Dessen Faible für Karten- und Videospiele sind die letzten Züge eines 18-Jährigen, der sein Team Abend für Abend auf den Schultern trägt.

Sloweniens Rising Star spulte gegen Olympiacos erneut über 30 Minuten ab (gefühlte 29 mit Ball), kumulierte 33 Punkte bei nur einem Ballverlust. Dumm nur, dass sich neben amerikanischen Couchpotatos im Tanking Modus auch die ersten Mitspieler von dessen Darbietungen bestens unterhalten fühlen – und ihren Job dabei gänzlich vergessen.


Fabien Causeur, Facundo Campazzo und Jaycee Carroll lösten in allen acht Versuchen von Downtown nichts als Fahrkarten. Das mag hin und wieder funktionieren, wenn Doncic brilliert, ist aber gegen Europas Schwergewichte wie Olympiacos Piräus zu wenig. Einzig Power Forward Trey Thompkins punktete bei der 79:80 Niederlage mit 20 Zählern (5/6 Dreier) für Real zusätzlich zweistellig.

Und der Rest? Madrids Rehazentrum verzeichnete in den letzten Wochen Besucherzahlen, auf die jede Trainingshalle neidisch wäre. Zu den Dauergästen Sergio Llull (Kreuzbandrisse gehören verboten!), Gustavo Ayon und Ognjen Kuzmic gesellte sich vor dem Spiel auch noch Rudy Fernandez. Immerhin hat mit Anthony Randolph der erste das Sanatorium wieder verlassen – und sollte dem Spiel der Los Blancos unter den Brettern bald wieder mehr Stabilität geben.

Ist Real mit gesundem Kader vielleicht der Geheimfavorit auf Europas Krone? Spätestens die Playoffs werden erste Aufschlüsse geben. Bis April ist noch hin – Zeit genug um sich zurückzulehnen und Doncic Abschiedstournee in Richtung NBA zu genießen.

Mit der Niederlage fiel Real in diesem Jahr zum ersten Mal wieder aus den Top Vier und sehnt die spielfreie Woche mehr als herbei. Nach Barcelona stehen Anfang März die richtungsweisenden Heimspiele gegen Fenerbahce Istanbul und Panathinaikos Athen an.


Olympiakos!
War Olympiacos Piräus letzte Woche Winner-Winner-Chicken-Dinner des Spieltages, wage ich den Griechen bereits heute zu einem Platz unter den besten vier Teams der regulären Saison zu gratulieren! Denn Piräus ist mit dem Sieg bei Real neuer Verfolger Nummer eins von CSKA Moskau. Janis Strelnieks‘ Floater traf kurz vor Schluss erst den Ring, dann mitten ins Herz der Spanier.

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Die Rotweißen haben damit beide Duelle gegen die Mitkonkurrenten Madrid (92:83, 79:80) sowie Fenerbahce Istanbul (83:90, 95:70) für sich entschieden. Unter den letzten acht Partien befinden sich fünf Heimspiele, dazu fünf Gegner die außerhalb der Playoff-Platzierungen agieren. Das dürfte reichen, um sich ganz weit oben zu halten.


Panathinaikos
Es muss schon etwas wirklich Verrücktes passieren, sich eines Vergleiches der Cleveland Cavaliers und Panathinaikos Athen anzumaßen. Das PAO-Besitzer Dimitris Giannakopoulos LeBrons Namensvetter Mike James zurück nach Athen beförderte, ist die eine Geschichte. Die andere, den Laden innerhalb einer Woche genauso komplett auf den Kopf zu stellen wie die Cavaliers zur Trading-Deadline.

Giannakopoulos fühlt sich und Verein von Euroleague betrogen, stellte kürzlich Spielszenen auf Instagram frei zur Schau. (Immer diese bösen Schiedsrichter!) Sein Niveau gleicht damit in etwa dem Heulkrampf eines trotzigen Kindes, dessen Schaufel im Sandkasten entrissen wurde. Die eigenen Fans per Handyvoting über den Verbleib in der Euroleague entscheiden zu lassen, war nur einer der wahnwitzigen Höhepunkt einer turbulenten Woche. Die Liga hatte genug gesehen, setzte den Griechen anstatt auf stille Treppe lieber für ein Jahr komplett vor die Tür: sicher ist sicher!


Dorthin verbannten auch die Orlando Magic Adreian Payne. Der ehemalige Michigan State Spartan partizipierte in den sexuellen Übergriffen von East Lansing vergangener Collegetage – und sollte damit eigentlich für immer ausgezaubert haben. Giannakopoulos reservierte für Payne aber sowohl Platz im Flieger sowie für zwei Spielzeiten in der Rotation der ,,Greens“ – ein klassischer Fall von Cypress Hills ,,Insane in the Brain“.

Vier Tage später fand Athens verlorener Sohn Mike James den Weg zurück an die Akropolis. James NBA-Träume nehmen damit nach Stationen bei den Phoenix Suns und New Orleans Pelicans vorerst ein Ende. Der Guard zierte bereits in der Saison 2016/17 Europas Highlight-Videos, avancierte mit durchschnittlich 13,1 Punkten in 25 Partien zum Topscorer in grün.

Sportlich sind die Ergänzungen um Payne und James vielversprechend und umstritten zugleich. Trainer Xavi Pascual wird zwei schwierige Charaktere in ein erfolgreiches System integrieren müssen, die Spielminuten sind neu zu verteilen. Können beide Allüren und Altlasten ablegen, erfährt Panathinaikos einen entscheidenden Push in Richtung Final Four.

Pascual ist der Ruhepol in einem aufgewühlten Umfeld. Der Spanier führte sein Team am letzten Donnerstag unbeirrt zum 80:76 Sieg über Baskonia Vitoria Gasteiz und zurück auf Rang vier – ohne James, ohne Payne... und allem Theater um Giannakopoulous zum Trotz. 


Guess Who's Back?
„Zum Ende meiner Karriere nehme ich nicht jeden Job. Ich möchte einen der genau passt, ein Projekt mit dem ich mich identifizieren kann.“

Wie Svetislav Pesic‘ Jobwunsch aus dem September vergangenen Jahres mit seinem Amtsantritt bei einem der leblosesten Teams der aktuellen Euroleague-Saison zusammenfällt, mag sein eigenes Geheimnis bleiben. Doch der ex-Bayern Coach ist zurück an der Seitenlinie, hat letzte Woche die Regie beim FC Barcelona Lassa übernommen.


Im Kopf des Serben schwirren vor Amtsantritt (Vertrag bis Saisonende) sicher größere Visionen als die des Feuerwehrmannes. 2003 griff er mit den Katalanen nach dem Triple aus Meisterschaft, spanischem Pokal sowie Euroleague. Von den Triumphen alter Tage ist die Mannschaft ungefähr so weit entfernt wie Pesic vom Ruhepuls.

Die Saison ist in Europa als Tabellenvorletzter (7-15 Bilanz) längst gelaufen. Doch der ex-Bayern Dompteur polarisiert und wird den Rot-Blauen kurzfristig sicher wieder etwas Leben und Stabilität einhauchen. Ob das Projekt ,,Blaugrana“ für Pesic zu einer erneuten Erfolgsgeschichte wird, ist natürlich offen. Der Auftakt war in seinem ersten Spiel an der Seitenlinie mit einem 90:58 Heimsieg in der spanischen Liga gegen Bilbao mehr als vielversprechend.


Roundup
Wir schließen Woche 22 mit dem Ausrufezeichen von Khimki Moskau. Die Russen sorgten mit dem 84:74 Auswärtserfolg für die verdiente Überraschung bei Zalgiris Kaunas. Beste Scorer bei Khimki waren Alexey Shved und Anthony Gill mit 20 Punkten, sowie Tyler Honeycutt mit 17 Zählern.

Kevin Pangos ließ auf Seiten der Litauer drei wichtige Dreier in der Crunchtime liegen. Zalgiris musste nach sieben Heimsiegen in Folge wieder die erste Niederlage in der heimischen Zalgirio Arena hinnehmen.

Damit schließt Khimki in der Tabelle mit 13 Siegen und neun Niederlagen zu Kaunas auf, ist durch Siege in beiden direkten Duellen sogar im Vorteil. Beide Teams haben aktuell drei Siege Vorsprung auf Rang 9.