15 Februar 2018

15. Februar, 2018


Das All-Star Wochenede steht an und bevor die Elite der Liga in Los Angeles zum Stelldichein bittet, diskutiert die #NBACHEF Redaktion: Wer sind die persönlichen Favoriten in Ost und West? Wer wurde übergangen? Wer hat mit dem Prädikat All-Star so überhaupt nichts zu tun? Und was bringt das neue Voting System?

von NBACHEFSQUAD

Das neue Voting-System

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Der neue Modus bringt auf jeden Fall kurzfristig etwas Leben in die Bude. Ob das aber wirklich nachhaltig ist, wenn die Spiele weiter 180-170 ausgehen, ist sehr fragwürdig. Dollar als Anreiz für mehr Ernsthaftigkeit halte ich nicht für sinnvoll. Die All-Stars sind reich genug. Dann lieber ein Duell um den Heimvorteil der Conferences in den Finals wie im Baseball. Unfair fände ich das ganze übrigens nicht. Die Bilanzen des Ost- und West-Champions sind aufgrund des verschiedenen Spielplans kaum vergleichbar. Auch ein 3x3-Turnier der Divisions wie in der NHL fände ich interessant.

Stefan Dupick @hoopsgamede: Immer mal was neues! Eigentlich eine ganz coole Sache, aber dann sollte es richtig gemacht und medial ausgeschlachtet werden. LeBron und Steph wählen live im TV, am besten bei „Inside the NBA“, dann können Shaq und Chuck direkt ihren Senf dazu geben.


Philipp Landsgesell @Phillyland: Wirklich viel sollte sich auch in diesem Jahr nicht ändern. Lustloses Gezocke und die letzten Minuten werden hoffentlich sehenswert. Die Änderungen zeigen aber, dass die Liga gewillt ist, etwas zu ändern und das ist grundsätzlich gut. Aus Rivalitätsgründen, hätte mich eine Liveübertragung des Drafts sehr gefreut und hätte das All-Star Game aus dem Schlafmodus der letzten Jahre herausholen können. Der zusätzliche finanzielle Anreiz wird keinen Unterschied machen. 40 Minuten zocken, acht Minuten ernst.

Jan Husmann @JanOnOne: Klassischer Fall von „Gute Idee schlecht umgesetzt“. Dass der Draft nicht übertragen wurde ist schade und wäre für die NBA auch eine riesige Marketingmöglichkeit gewesen. Dazu kommt das Problem, dass durch die ernannten Reservisten die Teams ungleichmäßig geschwächt werden. Meine Lösung: Den Draft direkt vor dem Spiel durchführen. Dann steigt sicherlich die Ernsthaftigkeit im Spiel auch mehr, als wenn das Preisgeld für die Multimillionäre um 50 000 $ erhöht wird.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Gut gemeint, aber auf Dauer schadet es eher, als dass es diese Zirkusveranstaltung voranbringt. Mit dem Streetball Pick-Up werden nur die Eitelkeiten der Beteiligten bedient. Die vielen sehr guten Spieler haben ohnehin besseres verdient, als Teil eines „Team LeBron“ oder „Team Steph“ zu sein. Ausgeglichenere oder abwechslungsreichere Matchups ergeben sich nicht, der leicht erhöhte finanzielle Anreiz wird auch nicht für mehr Defensivarbeit sorgen – denn wer will sich schon bei so einem Schaukampf verletzen, zwei Monate vor Beginn der Playoffs? Für dieses Jahr ist es OK, lass Dir aber bald schon was anderes einfallen, Adam!


Meine Starter im Osten

Lagenstein: Giannis, LeBron, Irving, DeRozan, Embiid. Sorry, hier wähle ich die gleiche und damit langweilige Auswahl wie die Fans. Diskutabel wäre vielleicht die Hereinnahme von Victor Oladipo. Aber wer sollte für den Pacer raus? Irving und DeRozan liefern ähnliche Leistungen und haben ihre Teams zu weitaus mehr Siegen geführt.

Dupick: Im Osten sehe ich Irving und DeRozan im Backcourt. Irving zeigt bei den Celtics, dass er ein Team führen kann und DeRozan ist durch den Dreier ein noch besserer Offensivspieler geworden (im Westen wäre er kein Starter!). Den Frontcourt besetzen LeBron, Giannis und Embiid. LeBron ist und bleibt der King und zeigt zuletzt mal wieder, was er drauf hat. Giannis hat im Laufe der Saison etwas nachgelassen, spielt aber noch immer eine herausragende Saison. Gleiches gilt für Embiid.

Landsgesell: Joel Embiid, LeBron James, Giannis Antetokounmpo, Kyrie Irving und DeMar DeRozan.

Husmann: Kyrie Irving, DeMar DeRozan, LeBron James, Giannis Antetokounmpo, Al Horford. Aus meiner Sicht ist in der NBA die Hauptaufgabe Spiele zu gewinnen. Daher zählt für mich der Einfluss auf Teamsiege mehr als rohe statistische Zahlen. Daher habe ich mich für Al Horford als zweiten Celtic über Joel Embiid entschieden und DeMar DeRozan über Victor Oladipo. Die nachlassende Dominanz der Celtics in den letzten Wochen, sowie der Lauf von Embiid machen den Pick noch schwieriger. Doch da das Voting ja bereits vor einigen Wochen abgeschlossen war, ändere ich meine Picks auch nicht mehr. Kyrie, LeBron und Giannis stehen für mich nicht zur Debatte.

Schlechtriem: Im Backcourt Irving und DeRozan, kurz und knapp weil sie die wichtigsten Spieler der beiden besten Teams des Osten sind. Im Frontcourt führt weiter kein Weg an LeBron vorbei, ebenso wenig an Antetokounmpo. Auch beim letzten freien Platz gibt’s nichts zu diskutieren: Willkommen in der Riege der All-Stars, Joel Embiid!



Meine Starter im Westen

Lagenstein: Harden, Westbrook, Davis, Durant, Butler. Hier bringe ich mal etwas Abwechslung rein. Westbrook ersetzt Steph Curry. Die Wurfquoten mögen es nicht rechtfertigen. Aber ohne Ende Dreier vom Parkplatz will ich beim All-Star Game auch nicht sehen. Dann lieber ein paar kraftvolle Jams vom amtierenden MVP. Jimmy Butler bekommt vor Paul George den Vorzug, weil er die Wolves zum ersten Mal seit 14 Jahren in die Playoffs führen wird. Das muss honoriert werden und die Verletzung von DeMarcus Cousins macht es möglich.

Dupick: Im Westen müssen Curry und Harden im Backcourt starten. Auch im Frontcourt würde ich die Wahl der Fans bestätigen! Durant ist ein Nobrainer und Davis und Cousins haben es sich einfach verdient. Das Twin Tower Experiment in New Orleans ist einfach spannend zu beobachten und beide bringen unfassbare Zahlen auf die Box Scores (Anm.: Nach der traurigen Verletzung von Boogie würde ich hier Jimmy Butler nach nominieren, vorausgesetzt er geht als Small Forward durch, Butler ist derzeit der wichtigste Spieler in Minneapolis).

Landsgesell: DeMarcus Cousins, Anthony Davis, Kevin Durant, James Harden und Stephen Curry.

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Husmann: Steph Curry, James Harden, Jimmy Butler, Kevin Durant, Anthony Davis. Auch wenn Butler nominell ein Guard sein mag, schiebe ich ihn in den Frontcourt. Nach Cousins Verletzung war er aus meiner Sicht der logische Pick. Es wäre einfach nicht richtig einen Towns zum Starter zu machen, wenn ein besserer Spieler aus seinem Team auf der Bank sitzt. Zudem spielt Butler oft auch den Small Forward neben Jamal Crawford und Jeff Teague in Minnesota.

Schlechtriem: Curry und Harden sind aus den gleichen Gründen gesetzt wie ihre Äquivalente des Ostens. An Durant führt ebenfalls kein Weg vorbei. Die restlichen beiden Plätze haben das meiste Diskussionspotential in diesem Jahr. Zwei Pelikane sind einer zu viel, hier entscheide ich mich für Anthony Davis. Im Dezember hätte ich den letzten Platz noch an den wiederauferstandenen LaMarcus Aldridge vergeben, im neuen Jahr sind die Spurs mit ihm als erste Option aber zu unbeständig, daher startet Jimmy Butler.


Der All-Star Snub 2018

Lagenstein: Devin Booker ist nur aus einem Grund kein All-Star – weil er bei einem Team spielt, was seit Jahren im Niemandsland der NBA rumdümpelt. Die Scoring-Fähigkeiten des 21-Jährigen sind definitiv elitär genug für das Showspiel der Ligabesten.

Dupick: Chris Paul ist ein Abo-All-Star und sollte dies auch weiterhin sein. Paul ist nach wie vor einer der besten Point Guards der Liga und spielt auch in dieser Saison wieder sehr gut! Im Osten könnte ich mir Ben Simmons vorstellen. Es kommt selten genug vor, dass ein Rookie nominiert wird, Simmons hätte es sich in der ersten Saisonhälfte jedoch verdient.

Landsgesell: Ben Simmons. Wobei der All-Star Snub ein Segen für ihn sein könnte, um im Sommer an seinem wackeligen Wurf weiter zu arbeiten. Dass Simmons derart einschlägt und in die Konversation um das All-Star Game überhaupt in Frage kommt, ist schon Erfolg genug.

Husmann: Mein All-Star Snub ist Ben Simmons. Es war vertretbar, dass er es nicht in den ursprünglichen Zwölferkader geschafft hat, aber sowohl Goran Dragic, als auch Kemba Walker statt Ben Simmons als Ersatz zu wählen ist dann nicht mehr logisch. Als Rookie solche Zahlen auf das Parkett zu legen und ein großen Anteil an einem Playoff-Team zu haben ist historisch und hätte aus meiner Sicht belohnt werden müssen. Besonders im schwachen Osten.


Schlechtriem: Lou Williams hat die Clippers im Alleingang am Leben gehalten und für einen Bankspieler teils erstaunliche Zahlen aufgelegt. Das ist umso bemerkenswerter, als dass sein Team ihn zeitweise ins Schaufenster gestellt hat, zeitweise wegen Verletzungen eine bessere G-League Mannschaft aufs Feld geschickt... und weil es eben die Clippers sind.


Das All-NBA Anti-All-Star Lineup

Lagenstein: Wann stören schlechte Leistungen am meisten? Wenn sie noch teuer bezahlt werden müssen. Mein Lineup kann in Sachen Effizienz also sicher noch unterboten werden, dafür blockieren die Herren Joakim Noah, Chandler Parsons, Tristan Thompson, Ricky Rubio und J.R. Smith auf schmerzende Weise das Salary Cap ihrer Teams. Thompson und Smith sind wohl nur deshalb nicht Clevelands „Wir-Verscherbeln-Alles-Tag“ zum Opfer gefallen, weil sie wirklich niemand haben will. Rubio ist in Utah nicht mal mehr bei den Assists elitär. Noah sollte mit seinem Vater Tennis spielen und Parsons weiter an seiner Bewerbung für die nächste Bachelor-Staffel arbeiten. Auf dem NBA-Parkett haben sie nichts mehr zu suchen.


Dupick: Zeit für Enttäuschungen. Wer konnte die hohen Erwartungen in dieser Saison noch nicht erfüllen? Hier meine Starting Five der Enttäuschungen: Den Backcourt teilen sich Isaiah Thomas und Markelle Fultz. IT war in der Vorsaison noch in der MVP-Konversation, in der aktuellen Saison ist der Point Guard ein Schatten seiner selbst. Fultz kam als Rookie mit Vorschusslorbeeren in die Liga und wird derzeit als einer der größten Busts der Geschichte gehandelt. Dafür ist es natürlich noch etwas früh, aber es sieht aktuell nicht gut aus. Im Frontcourt der größten Enttäuschungen tummeln sich drei Big Men: Nerlens Noel sollte in dieser Saison zeigen, dass er einen dicken Vertrag in der Liga verdient, dies stellte er zu keinem Zeitpunkt unter Beweis... zu dieser Personalie ist jedes weitere Wort verschwendet. Neben Noel läuft ein weiterer Ex-Sixer auf, Jahlil Okafor kann auch in Brooklyn nicht zeigen, dass er einen Platz in dieser Liga verdient. Die aktuelle Version von Okafor hat nichts mit dem versierten Offensivspieler zu tun, den wir zu College-Zeiten sahen. Last but not least habe ich mich für Tristan Thompson entschieden. Thompson steht an dieser Stelle sinnbildlich für die überbezahlten Altstars der Cavs. Hier hätten auch Wade oder Smith oder Rose stehen können, aber Thompson hat in meinen Augen einen leichten Gewichtsvorteil und sich seinen Platz verdient.

Landsgesell: Die Starting Five der Sacramento Kings. Ernsthaft: Backcourt – Isaiah Thomas und Derrick Rose. Frontcourt – Joakim Noah, Luol Deng, Jahlil Okafor.

Husmann: Derrick Rose, Isaiah Thomas, Ben McLemore, Ian Mahinmi, Ömer Asik. Rose und Thomas waren zwei Totalausfälle bei den Cavs. Nicht zuletzt wegen ihnen gab es ständig Unruhen im Locker Room. McLemore hat nach enttäuschenden vier Jahren in Sacramento eine zweite Chance in Memphis bekommen und ist noch schwächer als zuvor. Mahinmi und Asik haben die schlechtesten Verträge in der Liga. Asik spielte gerade einmal 14 Spiele in dieser Saison, bevor er nach Chicago verschifft wurde. Mahinmis Performance ist weniger dramatisch, jedoch in keinem Fall 16 Mio. $ pro Jahr wert.

Schlechtriem: Das Anti-All-Star Lineup wird auch dieses Jahr angeführt von Jahlil Okafor, dessen Net Ratings seine letzten Anhänger an der NBA-Tauglichkeit zweifeln lassen müssen. Okafor bekommt Gesellschaft von Bismack Biyombo, der sich nicht mehr schmutzig macht, seit er seinen dicken Vertrag unterzeichnet hat und nachts immerhin auf einem großen Geldberg schläft. Auf dem Flügel Nic Batum, der für Maximalkohle Minimalleistung bringt, wenn er mal nicht verletzt fehlt, flankiert vom einst als potentiellen No. 1 Pick gehandelten Shabazz Muhammad, der im Contract Year Career Lows in allen relevanten Kategorien auflegt und schon mal seinen Abgang nach Übersee planen darf. Den Aufbau übernimmt Dennis Schröder: Erstens aus polemischen Gründen, zweitens weil er dieses Jahr einen riesigen Rückschritt gemacht hat, anstatt sich bei den Hawks als Franchise Player der Zukunft zu empfehlen.