06 Februar 2018

6. Februar, 2018


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag bereits auf den 8. Februar – viel früher als bisher. Auf dem Weg dorthin wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler und Trade-Chips.

von CHRISTOPH LENZ @NBA_Kenner

Wie kam George Hill nach Sacramento?
Das “Schattenteam” aus jungen Talenten, das Masai Ujiri in Toronto langsam und stetig als gemischten Pool für Trade-Assets und möglichen Zukunftslösungen aufgebaut hat, ist in der NBA einzigartig.

Vielleicht war diese Vorgehensweise auch ein Vorbild für die Herangehensweise der Sacramento Kings in der Free Agency 2017. Allerdings hatten die nach dem Draft ein A-Team. das vor allem aus blutjungen und unerfahrenen Talenten bestand, dessen Grandseigneur Willie Cauley-Stein mit seiner Erfahrung aus knapp 24 Lenzen und mickrigen 141 NBA-Spielen (davon 60 Starts) war.


Die Marschroute in der Free Agency war also nun, mit dem reichlich vorhandenen finanziellen Spielraum ein B (oder A?) Team zu erschaffen, das den Kings eine gute NBA-Mentalität geben und gleichzeitig bei der spielerischen und mentalen Entwicklung der Youngster als Stütze fungieren kann. So begab es sich, dass an einem Tag im Juli die Herren George Hill, Zach Randolph und Vince Carter ihre Unterschriften unter üppig dotierte Arbeitspapiere der Franchise aus Nordkalifornien setzten.

Die aktuelle Situation
Zeitsprung: Etwa 5 Monate später, nach nicht einmal einer halben Saison, gibt es erste Berichte, dass George Hill unglücklich sei und ein möglicher Trade nicht seinem Gusto widersprechen würde. Seine Spielzeit ist etwas niedriger als bei vergangenen Stationen, wo er allerdings oft mit Verletzungen zu kämpfen hatte.

Seine Leistungen sind effizient, aber nicht gut genug, um die Kings auf irgendein relevantes Level zu heben oder gar an die Playoffs denken zu können. Genau diese Leistungen (fantastische Dreierquote, gute Assist/Turnover-Ratio) nützen einem Team wie Sacramento nur bedingt. Aufgrund seiner offenkundigen Unzufriedenheit ist Hill in Sachen Vorbildfunktion und als Leader vermutlich weniger nützlich als erhofft.

Welche spezifischen Erwartungen er an sein Engagement beim von Vlade Divac geführten Team hatte, als er seinen Vertrag über 57 Millionen Dollar für drei Saisons unterschrieb, bleibt wohl sein Geheimnis. Nun ist es wie es ist und genau dieser Vertrag dürfte mit Blick auf die Trade Deadline der größte Stolperstein sein, der einem möglichen Trade im Weg steht.


Denn das Modell “erfahrenes Schattenteam” dürfte in Sacramento als vorzeitig gescheitert anzusehen sein. Auch wenn es durchaus Interesse an George Hill geben dürfte (seine Leistungen waren auch angesichts dieser schwierigen Situation zwar nicht berauschend, aber in jedem Fall gut genug), muss sich ein Team finden, das den Kings entweder einen nützlichen jungen Spieler, oder auslaufende Verträge, oder schlechtere Verträge mit entsprechender Draft-Kompensation bieten kann. In einem Playoff-Team könnte er mit seinen Qualitäten für einen signifikanten und mancherorts dringend benötigten Schub sorgen.

Mögliche Trades

'Der Quarterback-Sneak'

Sacramento bekommt: Iman Shumpert, Channing Frye, 2nd Rd. Pick
Cleveland bekommt: George Hill

Ein so oder so ähnlicher Trade war laut ESPN’s Brian Windhorst bereits “an der 1-Yard Linie”. Seitdem gibt es berichte von dem ein oder anderen Stolperstein und es bleibt abzuwarten ob der Deal via “QB-Sneak” noch über die Linie gedrückt werden kann - oder letztlich knapp scheitert.
Sacramento bekäme hier Fryes auslaufenden Vertrag und Shumperts nicht guten, aber (in ihrer Situation) akzeptablen Vertrag, der eine Spieleroption über elf Millionen für 2018/19 beinhaltet, dazu einen Pick.

Für Cleveland könnte Hill ein wichtiger Baustein für eine bessere Saison nach der All-Star Pause sein. Einer der oben erwähnten Bausteine könnte sein, dass die Kings einen Rosterspot freimachen müssten und daher einen Zusatztrade (als Möglichkeit hierfür wurden bereits Skal Labissiere und Malachi Richardson genannt) einfädeln müssten.


'Am Ende landet er sowieso in Denver'

Sacramento bekommt: Emmanuel Mudiay, Kenneth Faried, 2nd Rd. Pick
Denver bekommt: George Hill

George Hill und die Denver Nuggets wurden an verschiedenen Punkten miteinander verknüpft, daher ist es beinahe verwunderlich, dass sie nach wie vor nicht zueinander gefunden haben. Dieser Trade würde zusammenbringen, was vielleicht ohnehin zusammengehört. Das Kalkül ist ähnlich wie beim Cleveland-Trade, der ja in dieser Form auf dem Tisch lag (oder liegt).

Faried plus Pick ist im Grunde genommen das Äquivalent zu Shumpert plus Pick, da “Manimal” einen ähnlichen Vertrag für das kommende Jahr besitzt. Statt einem auslaufenden Vertrag gibt es ein günstiges Talent dazu, auch wenn Mudiay und Fox erstmal nicht nach einer optimalen Kombination klingt ist das Worst-Case Szenario, dass man Mudiay nach anderthalb günstigen Jahren ersatzlos verliert.

'Trust the Process'

Sacramento bekommt: Amir Johnson, Jared Bayless, 2nd Rd. Pick
Philadelphia bekommt: George Hill

Bekanntes Schema seitens Sacramento, spannender wäre hier die Gegenseite. George Hill würde gut ins Roster und ins Konzept der Erben von Sam Hinkies Prozess passen. Die Chancen, nach einzigartigen Jahren wieder in die Playoffs zu kommen, würden mit Hill ohne Frage steigen.

Allerdings würden sich die Sixers damit der Möglichkeit berauben, im kommenden Sommer finanzielle Flexibilität zu haben. Vertrauen sie auf ihre Free Agent Lock Mechanismen (hier und da taucht Philadelphia sogar auf einer möglichen LeBron-Meeting-Liste auf) ist dieser Trade wohl keine Option. Sollten sie aber Nägel mit Köpfen machen wollen, ist Hill ihr Mann.

Der Blick in die Glaskugel
Obwohl der Cavs-Trade schon wie die sichere Wette aussah, ist zuletzt nur noch wenig in die Richtung zu hören gewesen. Ein Verbleib bei Sacramento scheint durchaus möglich, auch da Hill seit dem Bekanntwerden der Trade-Möglichkeiten nicht abgebaut hat, sondern im Prinzip genau wie zuvor weitermacht.

Sportlich wäre die Philadelphia-Variante äußerst interessant, wird aber an der Cap-Flexibilität der Sixers scheitern. Auch von konkretem Interesse aus Denver war bisher nichts zu hören, nichtsdestotrotz ist der Fit in meinen Augen zu gut und der Preis zu passend, dass sich da nicht noch etwas in diese Richtung entwickeln könnte. Hills Name bleibt unverändert weit oben auf der Liste potenzieller Wechselkandidaten.