07 Februar 2018

7. Februar, 2018


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag bereits auf den 8. Februar – viel früher als bisher. Auf dem Weg dorthin wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler und Trade-Chips.

von JAN HUSMANN @JanOnOne

Die Los Angeles Lakers sind in einer verzwickten Situation. Die Franchise, die seit ihrem Move nach Los Angeles im Jahr 1960 so sehr die Reichen und Schönen repräsentiert wie keine andere Sport-Franchise der USA, befindet sich inmitten der längsten Durststrecke der Klubgeschichte.

Nach fünf Titeln in den ersten elf Jahren dieses Milleniums waren die folgenden Jahre von gescheiterten Versuchen geprägt, Kobe Bryant einen sechsten Titel zu ermöglichen und ihn so in die G.O.A.T-Konversation zu zwingen. Trades, die zugunsten des kurzfristigen Erfolgs getätigt wurden, schmerzen noch heute.

Denn nun ist Kobe Geschichte und die Lakers sind auf der Suche nach dem nächsten Superstar ihrer Geschichte. Wilt, Kareem, Magic, Shaq und eben Kobe. Die Fußstapfen in L.A. sind so groß wie kaum woanders. Und auch die Erwartungshaltung ist in der Stadt der Engel nur bedingt an die aktuelle Situation angepasst. Wenn dieses Jahr kein Titel geholt werden kann, dann muss das Team in die Position gebracht werden, nächstes Jahr im Rennen zu sein. So präsentiert sich zumindest ein Gros der Fans.


Vor nicht einmal einem Jahr kam es zu großen Veränderungen im Lakers Front Office. Magic Johnson und Rob Pelinka übernahmen, nachdem Mitch Kupchak freigestellt wurde. Die Zeiten in denen Luol Deng und Timofey Mozgov 136 Mio. $ in einem Sommer bekamen, sollten vorbei sein und eine schnelle Umkehr zum Erfolg geschafft werden.

Dass der Erfolg schneller kommen kann, als viele erwartet haben, liegt insbesondere an der nicht enden wollenden Anziehungskraft der Gold-Violetten auf die Stars der Liga. Im Sommer werden mit Paul George, DeMarcus Cousins und LeBron James drei Spieler zu Free Agents, die in den letzten Jahren immer wieder mit den Lakers in Verbindung gebracht wurden.

Doch während Cousins an einem Achillessehnenriss laboriert, hat George bereits positive Zeichen in Richtung Oklahoma City gegeben, bezüglich einer Rückkehr zu den Thunder im Sommer. LeBron James wird vermutet nur bei Teams unterschreiben, die ihm eine realistische und sofortige Chance auf weitere Titel bieten.

Daher soll nach Informationen von Adrian Wojnarowski der Fokus von Pelinka und Johnson kurz vor der Deadline doch eher auf den Sommer 2019 anstatt den kommenden gerichtet worden sein. Dann werden mit Klay Thompson, Kawhi Leonard und Jimmy Butler erneut All-NBA Talente auf den freien Markt gespült. Außerdem soll die Entwicklung von Kyle Kuzma, Lonzo Ball oder Brandon Ingram soweit fortgeschritten sein, dass die Lakers mit einem weiteren Superstar bereits als mögliche Titelkandidaten gelten.

Doch die großen Namen nach Los Angeles zu locken, ist nur der eine Teil des Problems. Der andere besteht darin, genug Cap Space für diese Stars zu schaffen. Da in den letzten Jahren unter Kupchak nicht gerade auf Cap Space Flexibilität geachtet wurde, sind Johnson und Pelinka nun damit beschäftigt, diese wiederherzustellen. Bereits vor der Saison musste mit D’Angelo Russell ein junges Talent abgegeben werden, um Timofey Mozgov und seinen Vertrag loszuwerden.

Vor der nahenden Deadline werden gleich mehrere Lakers-Namen im Trade Karussell gehandelt. Larry Nance, Luol Deng, Jordan Clarkson und Julius Randle sollen dabei auf der Abschussliste stehen. Auf die Beiden lohnt es sich besonders zu konzentrieren. Auch Deng soll die Lakers verlassen, doch bei ihm ist es wahrscheinlicher, dass die Lakers ihn nach der Saison einfach cutten und das übrige Gehalt auf mehrere Jahre ausgedehnt wird.

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Clarkson wurde 2014 mit dem 46. Pick gezogen und überzeugte zum Abschluss seiner Rookie Saison mit soliden Leistungen. Nach einer guten Folgesaison statteten die Lakers ihn mit einem 4-Jahres-Vertrag über 50 Mio. $ aus. Das Jahresgehalt von 12,5 Mio. $ ist kein ungewöhnlich hoher Preis für einen guten Point Guard, doch zu viel für ein Lakers Team, dass in andere Gewässern schwimmen will, dazu in Lonzo Ball seinen eigentlichen Starter auf der Position schon hat.

Mit 14,5 Punkten, 3,0 Rebounds und 3,3 Assists pro Spiel ist Clarkson ein solider sechster Mann und sollte Begehrlichkeiten wecken in vielen Front Offices in der Liga. Doch die Lakers wollen auslaufende oder am besten gar keine Verträge im Gegenzug zurückerhalten. Diese sind seit der Free Agency 2016 allerdings rar, da damals gefühlt jeder Rollenspieler einen langfristigen und teuren Vertrag erhalten hat.

Ein denkbarer Interessent könnten die Philadelphia 76ers sein, die während der anhaltenden Abwesenheit und generell fraglichen Situation rund um Markelle Fultz einen zusätzlichen Playmaker von der Guard Position gebrauchen können. Clarkson kann von der Bank kommen und die Zügel von Simmons in dessen Pausen in die Hand nehmen, oder aufgrund seines passablen Dreiers auch an Simmons' Seite spielen und mehr Flexibilität in die Rotation bringen.

Einer der Verträge von Amir Johnson oder Trevor Booker, die beide im Sommer auslaufen und in der Preiskategorie Clarksons liegen, sollte im Deal zurückkommen. Dazu noch zwei von den zehn (!) Zweitrunden-Picks in den nächsten beiden Drafts, die Philly gesammelt hat, und wir hätten einen möglichen Deal.

Randle hingegen ist ein anderer Fall. Aufgrund seines sehr günstigen und auslaufenden Vertrags, ist es kein Problem, den Power Forward bis zur Deadline loszuwerden. Seitdem er Ende Dezember zum Starter für die Lakers avancierte, liefert er pro Nacht 16,6 Punkte und 9,2 Rebounds. Fraglich ist nur, wie viel die Lakers für Randle verlangen.

Um sich in die Position für einen großen Namen im Jahr 2018 oder 2019 zu bringen, müssen sich die Lakers früher oder später von ihrem ehemaligen Lottery-Pick verabschieden. Da Randle im Sommer einen großen Deal suchen wird, wären die Lakers gut beraten, jetzt noch Kapital aus dem Big Man zu schlagen.

Möglich wäre es natürlich auch, die Situation mit Randle bis zum Sommer auszusitzen und zu schauen, wie viel der Markt beziehungsweise die Liga bereit ist, für einen zu kleinen Vierer zu bezahlen, der keine Dreier wirft und mit gutem Willen ein mittelmäßiger Verteidiger ist. Wenn dann ein Team bereit ist, Randle eine Summe nördlich von 15 Mio. $ im Jahr zu überweisen, lässt man ihn eben ziehen.


Mehrere Teams sollen wohl bereits Erstrunden-Picks angeboten haben - jedoch bisher nur im Paket mit langfristigen, teuren Verträgen, was dem exakten Gegenteil der Lakers-Pläne entspricht. Die New Orleans Pelicans und Milwaukee Bucks sollen unter den Bietern gewesen sein, doch die haben bereits andere Lösungen auf den großen Positionen mit Nikola Mirotic beziehungsweise Tyler Zeller gefunden.

Ein anderer Interessent könnten die Washington Wizards sein. Denkbar wäre ein Trade, in dem Kelly Oubre Jr. nach Los Angeles geht, zusammen mit einem der auslaufenden Minimum-Verträge von Sheldon Mack oder Mike Scott. Auch ein Deal mit Portland wäre denkbar, bei dem Noah Vonleh nach L.A. wechselt. Allerdings müsste Portland zusätzlich wohl bereit sein, entweder den eigenen Erstrunden-Pick oder Zach Collins abzugeben.

All die Gerüchte aus Los Angeles könnten auch nur Schall und Rauch sein. Da die Lakers nicht im Besitz ihres eigenen Erstrunden-Picks sind, gibt es keinen Grund, den jetzigen Kader zu schwächen, besonders jetzt da zehn der letzten 14 Spiele gewonnen wurden. Außerdem scheint es laut Wojnarowski möglich, dass L.A. im Sommer teure Verträge anderer Teams annimmt, wenn es auf diese Weise Draft Picks erhalten kann.