07 Februar 2018

7. Februar, 2018


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag bereits auf den 8. Februar – viel früher als bisher. Auf dem Weg dorthin wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler und Trade-Chips.

von CHRISTOPH LENZ @NBA_Kenner

Seit dem Abgang von Dwight Howard liest sich der Anteil der gewonnenen Spiele der Orlando Magic wie eine sehr traurige Kinder-Achterbahn mit einem einzigen äußerst niedrigen Höhepunkt: 24.4%, 28.0%, 30.5%, 42.7%, 35.4%, 30.8%.

In den letzten fünfeinhalb Saisons (inklusive der aktuellen) holte das Team 33 Siege weniger als die Warriors in den letzten zweieinhalb. Im NBA-Sozialismus bedeutet das im gleichen Zeitraum auch Draft-Picks 2, 4, 12, 5, 11, 6. Von den Spielern, die mit diesen Picks ausgewählt wurden, hat es ein einziger geschafft, in der Saison 2017-18 unter den Top Acht Magic bei den Minuten pro Spiel zu landen.

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Der größte Erfolge der jüngeren Magic-Draftgeschichte: Zwei Spieler, die mit diesen Picks gedraftet wurden, konnten für Paul George eingetauscht werden! Der Haken an dieser Erfolgsstory ist, dass die Magic die beiden zuvor für sechs Monate Serge Ibaka abgegeben hatten und Paul George nun für OKC auf Korbjagd geht.

Am Beispiel dieses Teilbereichs der Magic-Entscheidungen in den vergangenen Jahren wird sehr schnell deutlich, dass in der Amtszeit von Ex-GM Rob Hennigan so einiges schief lief. Viel Hoffnung gründet auf dem Wechsel im Front Office, wo mittlerweile Jeff Weltmann, der seit vielen Jahren in der NBA arbeitet und zuletzt Hand in Hand mit Masai Ujiri in Toronto für einen der großen Aufschwünge der letzten Jahre sorgen konnte, das Sagen hat. Ihm zur Seite steht John Hammond, der zuvor die Milwaukee Bucks umkrempelte und Giannis Antetokounmpo draftete.

Wie so oft bei solchen Personalveränderungen erwarten Ligabeobachter in Folge dessen einen größeren Umbruch im Magic-Kader. Laut übereinstimmenden Medienberichten wird in Orlando das gesamte Spielerpersonal (je nach Report mit oder ohne Ausnahme von Aaron Gordon und Jonathan Isaac) auf dem Trade-Markt verfügbar gemacht.


Das bedeutet nicht, dass Sie jeden Spieler um jeden Preis abgeben werden. Im worst-case wird Weltman (in bekannter Ujiri-Manier) gerne jeden zusätzlichen Tag nutzen, um das vorhandene Material besser zu evaluieren. Nichtsdestotrotz ist die Ausgangslage der Magic offen genug, um in diverse Richtungen zu spekulieren und die Trade-Machine glühen zu lassen! Let’s go!

Mögliche Trades

'Minus mal minus...'
Denver bekommt: Elfrid Payton
Orlando bekommt: Emmanuel Mudiay, Malik Beasley

Die ersten Jahre von Mudiays NBA-Karriere verliefen noch holpriger als die von Elfrid Payton. Der ist mittlerweile immerhin eine ordentliche Option als Starter und weiß was er kann und was er nicht kann. Trifft seinen Dreier hochprozentig weil er nur die Würfe nimmt die er treffen kann und produziert eine gute Assist/Turnover-Ratio.

Nichtsdestotrotz ist er in Orlando nicht unumstritten und eine längerfristige Zusammenarbeit erscheint nicht allzu wahrscheinlich. Daher wäre die Variante Mudiay mit mehr Zeit zum Nachdenken verbunden, auch wenn er erst noch beweisen muss, dass er überhaupt auf dem Level von Payton agieren kann. Als kleinen Bonus gibt es mit Malik Beasley ein “kostenkontrolliertes Asset” dazu, der in Orlando auch zum zukünftigen Baustein werden kann.

Planen die Magic ohnehin nicht mit Payton wäre die Entscheidung mit Blick auf den kommenden Sommer “Nichts” versus “Ein Jahr Mudiay + Zwei Jahre Malik Beasley”. Denver könnte gleichzeitig mit zweifelsohne kurzfristig gestiegener Qualität in die Playoffs pushen und vielleicht bis zur Free Agency herausfinden ob Payton die so intensiv gesuchte Lösung auf der Eins sein könnte.


'Neustart unter Weltman'
Portland bekommt: Evan Fournier, Aaron Gordon
Orlando bekommt: CJ McCollum

Hier und da kam auch der Name von Aaron Gordon in Tradegerüchten rund um die Magic auf. Wenn sie ihn abgeben, dann nur für einen Premium-Gegenwert. Das Suchen nach Trades basierend auf der Idee das Backcourt-Tandem in Portland aufzubrechen ist mittlerweile eine alljährliche Tradition geworden.

Mit diesem Trade würde Lillard ein erstklassiger Werfer und besserer Verteidiger als McCollum zur Seite gestellt und gleichzeitig mit Aaron Gordon ein hochkarätiges Talent für den ausgedünnten Flügelpositionen nach Portland gebracht. Microsoft-Gründer Paul Allen müsste dann ab dem kommenden Sommer wenn Gordon als Restricted Free Agent gehalten werden soll noch tiefer in die Tasche greifen als ohnehin schon, aber immerhin täte er es für eine ausgewogene und zukunftsfähige Starting Five.

Orlandos neues Front Office hätte in McCollum einen eigenen Leuchtturm installiert und gleichzeitig die unangenehme Entscheidung ob Gordon einen Maximalvertrag wert ist abgegeben. McCollum dürfte in Orlando um den Scoring-Title mitkämpfen und zumindest eine neue Mentalität und ein neues Gesicht für die neue Ära in Florida einbringen.

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'Make Washington great again'
Washington bekommt: Nikola Vucevic, Elfrid Payton, Mo Speights, Mario Hezonja
Orlando bekommt: Marcin Gortat, Kelly Oubre, First Round Pick

Das größte Problem der Wizards ist die fehlende Qualität von der Bank. Hierfür könnte ein Vier für Zwei Paket etwas abhilfe schaffen. Vucevic ist zwar ein anderer Spielertyp als Gortat, aber sicher unterm Strich kein Downgrade, Kelly Oubre ist unter Wizards-Fans sehr beliebt, aber wenn wir ehrlich sind niemand der allzu schwer zu ersetzen ist.

Elfrid Payton könnte bis zu den Playoffs die Lücke, die der verletzte John Wall hinterlassen hat, füllen und das Team in der Bahn halten. Danach wäre er ein Top-Backup und im Sommer werden die Karten neu gemischt (auch John Wall könnte bis dahin zur Disposition stehen). Speight sund Hezonja sind keine Spieler die den Unterschied ausmachen, aber bieten den Wizards genau das was ihnen fehlt, echte NBA-Qualität von der Bank.

Orlando hat mit Oubre ein Talent das nicht aus der Zeit des letzten Front Office stammt und die schweren Jahre im Hinterkopf hat, dazu einen guten Draft-Pick und Marcin Gortat, der nächstes Jahr mit auslaufendem Vertrag ein interessantes Asset sein kann.


'Stan Van Gambly'
Detroit bekommt: Evan Fournier
Orlando bekommt: John Leuer, Luke Kennard, Reggie Bullock, Henry Ellenson

Es gibt zwei Arten von General Managern mit denen andere Front Offices gerne Geschäfte machen: Zum einen die “Personalunioner”, die gleichzeitig Coach und GM sind und deshalb häufig zu großen Fokus auf das “jetzt” legen und dabei die Zukunft aus dem Auge verlieren. Zum anderen die GMs, die unter Druck stehen und deshalb schnelle Erfolge brauchen und es riskieren müssen ausnahmsweise kurzfristig zu denken. Stan Van Gundy fällt als Detroits Coach/GM in beide Kategorien!

Der Blake Griffin Trade ist das beste Beispiel hierfür. Gut möglich, dass er da noch einen draufsetzen will und sich um die aktuell unterbesetzte Flügelposition kümmert. Fournier passt tatsächlich gut ins Team der Pistons, aber aufgrund der Situation in Detroit scheint die Gefahr eines zu hohen Preises absolut realistisch.

Orlando könnte hierdurch profitieren und neben einem größeren Contract, der aus Salary Cap Gründen dabei sein müsste aus dem Nachwuchs-Arsenal in Motor City schöpfen. Neben Kennard, Ellenson und Bullock könnte auch Stanley Johnson oder ein First Round Pick ab 2020 involviert werden.

'Entscheidungs-Outsourcing'
Phoenix bekommt: Elfrid Payton, Mario Hezonja, Khem Birch
Orlando bekommt: Tyson Chandler, First Round Pick (via Milwaukee)

Für die beiden Restricted Free Agents Elfrid Payton und Mario Hezonja allein bekommt Orlando keinen First Round Pick. Packt man sie für das richtige Team als Paket zusammen und nimmt im Gegenzug einen schlechteren Vertrag auf könnte aber durchaus etwas derartiges dabei herumkommen.

Zusätzlich könnte Tyson Chandler im nächsten Jahr als auslaufender Vertrag durchaus positiven Wert mit sich bringen. Um es finanziell passend zu machen und den Suns einen kleinen Entscheidungshelfer mitzugeben kommt Rookie Khem Birch dazu, der in seiner bisher sehr limitierten Rolle gute Eindrücke hinterlassen konnte.

Der Blick in die Glaskugel
Jede präzise Vorhersage über die Zukunft der Magic wäre für die kommenden Stunden nur äußerst schwierig und extrem unseriös zu treffen....Klingt nach einem Job für mich!

Wir werden diverse Gerüchte aus Orlando hören und auch von verschiedenen Gesprächen und andiskutierten Deals. Es wird einen Punkt geben an dem alle davon ausgehen, dass Orlando in der kommenden Woche völlig anders aussehen wird als das heute der Fall ist.

An dieser Stelle lehne ich mich hier aber aus dem Fenster und sage in Orlando passiert fast nix! Maximal Hezonja geht über die Ladentheke, der Rest wird bis zum Saisonende von Weltman & Co. zu Ende evaluiert.