07 Februar 2018

7. Februar, 2018


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag bereits auf den 8. Februar – viel früher als bisher. Auf dem Weg dorthin wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler und Trade-Chips.

von CHRISTOPH LENZ @NBA_Kenner

In einer perfekten Welt hätte Tyreke Evans mit seiner unerwarteten und furiosen Bounceback-Saison großen Anteil an einem weiteren Kapitel im Grizzlies-Märchen. Doch die folgenschwere Verletzung von Mike Conley macht aus der “Grit & Grind Story” nach sieben Playoff-Jahren in Serie eher ein Drama.

Der Abstand zu den Playoff-Rängen ist so groß, dass selbst ein Gasol-Trade keine echte Überraschung mehr wäre, allerdings scheint Memphis in diesem Fall (noch) nicht wirklich bereit den Kurs zu wechseln.

Anders gestaltet sich die Lage der Dinge bei Evans. Der spielt plötzlich wieder wie in seiner Rookie of the Year Saison (zur Erinnerung: Diese Ehrung erreichte er in einem Jahrgang mit Stephen Curry und James Harden) und wird dadurch zum attraktiven Trade-Ziel für Contender und die, die es gerne wären.

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Das große Hemmnis einer möglichen Trade-Offensive sind die fehlenden Bird-Rechte, wodurch Memphis (oder jedes Team das für Evans tradet) in der kommenden Free Agency keine Vorteile bei einer etwaigen Weiterverpflichtung von Evans hat und ihn mit ligaweit rar gesätem Capspace unter Vertrag nehmen muss.

Daher stehen als Evans-Interessenten vor allem Teams im Fokus, die ihn für einen kurzzeitigen Playoff-Push brauchen können. Den Preis den Memphis dafür aufruft (First Round Draftpick) ist aktuell gemäß aller seriösen Quellen (z.B. Marc Stein und Adrian Wojnarowski) kein Team bereit zu zahlen. Dennoch rechnen alle Beobachter fest mit einem Trade, die spannende und entscheidende Frage ist nur ob sich der Preis ändert oder das Angebot der Nachfrager.

Mögliche Trades

'Ainge strikes again'
Boston bekommt: Tyreke Evans
Memphis bekommt: Shane Larkin, Abdel Nader, Zwei First Round Picks

Nachdem die Disabled Player Exception, die Boston nach der Verletzung von Hayward erhalten hatten, nun für Greg Monroe eingeplant ist, müssen die Celtics Spieler und Gehalt abgeben. Larkin und Nader dürften in diesem Szenario am wenigsten schmerzen. On Top gibt es zwei Second Rounder oder einen First Round Pick mit Top 29 Protection, der sich bei Nicht-Erfüllung in zwei Second Rounder umwandelt.

Während die Angebote, die Memphis erhält sich im Kern sehr ähneln dürften, muss Boston unter Danny Ainge in solchen Situationen immer sehr ernst genommen werden. Diese “Magie” war zuletzt im Fall von Greg Monroe zu bewundern, der von vielen bereits mehr oder weniger sicher in New Orleans unterschreiben sollte und am Ende scheinbar doch dem undefinierbaren Zauber verfallen ist.


'Playoff-Push Philadelphia'
Philadelphia bekommt:Tyreke Evans
Memphis bekommt: Furkan Korkmaz, Justin Anderson, Zwei Second Round Picks

Der Prozess ist beendet, das Urteil aber noch nicht gefällt. Das Team das Sam Hinkie in seiner Amtszeit aufgebaut hat wird seinen Höhepunkt erst in ein paar Jahren erreichen, aber bis dahin gilt es so viel Erfahrung wie möglich auf so hohem Level wie möglich zu sammeln. Deshalb werden die Sixers mit aller Macht versuchen in die Playoffs zu drängen, ein kurzes Upgrade ohne hohen Preis in Sachen Zukunfts-Assets oder Cap-Flexibilität kommt da gerade recht.

Evans könnte sich in diverse Lineup-Varianten nahtlos einfügen und eine wichtige Rolle im Konzept von Brett Brown einnehmen. Hier gibt Philadelphia zwei Second Rounder ab, eventuell im Deckmantel eines stark geschützten First Round Picks, der sich dann in zwei Second Rounder “verwandelt”.

'Die Hoffnung stirbt zuletzt'
Cleveland bekommt:Tyreke Evans
Memphis bekommt: Cedi Osman, Zwei Second Round Picks

Die Trade-Mechanismen funktionieren hier überall ähnlich, daher an dieser Stelle Fokus auf die Cavs: Dort wird im Moment jeder Mensch gebraucht, der einen Ball auf gutem NBA-Level dribbeln und passen kann. So wie Evans sich in Memphis präsentiert wäre er eine massive Verstärkung für Cleveland und könnte ihnen frischen Wind und neuen Mut einverleiben.

'Die Reichen werden reicher'
Golden State bekommt:Tyreke Evans
Memphis bekommt: Nick Young, 2018 First Round Pick

Diese Idee wird vielen nicht gefallen, aber Evans ist dieses Jahr genau das was sich die Warriors von Nick Young versprochen haben, ein exzellenter Dreierschütze und jemand der “auf Knopfdruck” heißlaufen kann. Genau das bringt Swaggy P den Warriors auch, doch wenn sie das mit dieser Version von Tyreke Evans upgraden könnten, wäre das wie ein Tausch eines stabilen Hyundai i30 mit einer Corvette Stingray.

Der (voraussichtlich) an Nummer 30 fällige Pick ist zwar ein Firstrounder und die Warriors geben diese Picks gewöhnlich eher ungern ab, aber in diesem Fall wäre es eine lohnenswerte Ausnahme. Memphis hätte den erhofften Pick und vielleicht ergibt sich ja mit Nick Young auch eine längerfristige gemeinsame Zukunft. Alternativ könnte Golden State auch Kevon Looney und Damian Jones als Trade-Masse nutzen.

Der Blick in die Glaskugel
So ungern diejenigen, die sich wegen der Warriors um die Balance in der Liga sorgen, es hören werden: ein Trade nach Golden State macht absolut Sinn. Einerseits für die Warriors, die aus den 2016 Finals gelernt haben, dass ein Titel nie eine Selbstverständlichkeit ist. Andererseits für Memphis, das bei den Warriors so leicht wie sonst nirgends an den letzten First Rounder kommen kann. Die Tour am ehesten vermasseln könnten Boston und Philadelphia.