31 März 2018

30. März, 2018


von AXEL BABST @CoachBabst

Michigan Wolverines

Die Offense von John Beilein gehört seit Jahren zu den ausgereifteren Angriffssystemen der ganzen NCAA. Beilein legt großen Wert auf die exakte Ausübung von Details, weswegen seine Spieler gut ausgebildet werden. Alle Spieler auf dem Feld können passen, zum Korb penetrieren und einen offenen Wurf versenken. Durch gutes Spacing und Read-and-React-Sets werden die vorhandenen Grundlagen optimal ausgenutzt.

Mit Moritz Wagner als Stretch Fünfer eröffnen sich den Wolverines offensiv zusätzliche Möglichkeiten, die diese geschickt zu nutzen wissen. Wagner wird oft in ein Two-Men-Game auf einer Spielfeldseite verwickelt, indem er direkte oder indirekte Blöcke stellt. Als der vermeintlich harmlose Blocksteller wird er von der Defense überraschend oft vernachlässigt, weswegen er hieraus regelmäßig scoren kann. Gegen Houston kam so ein erfolgreicher Dreier trotz Foul zustande und gegen Florida State konnte Wagner gegen den deutlich langsameren Center der Seminoles zwei Freiwürfe ziehen:


Diese Beispiele deuten an, welches Mismatch Potenzial der Berliner in der NCAA mit sich bringt. Viele Bigs sind die Verteidigung am Perimeter nicht gewohnt; zu langsam oder zu undiszipliniert.

Gegnerische Teams gehen daher öfter mal dazu über, alle direkten Blöcke zu switchen, um die eigenen Centerspieler vor dem Eins-gegen-Eins mit Wagner an der Dreierlinie zu schützen. Auch gegen die vielen Pick & Pops in der Offense der Big Ten Tournament Champs erweist sich diese Strategie durchaus als sinnvoll.

Im Laufe des Tournaments switchten Houston, Texas A&M und Florida State allesamt sehr viel. Während Houston die Wolverines in der zweiten Runde damit noch auf dem falschen Fuß erwischte, konnten Beilein und sein Coachingstaff das Team zum zweiten Wochenende wesentlich besser darauf vorbereiten.


Gegen Texas A&M versuchten die Wolverines das Switchen besonders über die Außenpositionen zu bestrafen, wo die Bigs Tyler Davis und Robert Williams viel zu oft die Michigan Guards verteidigen mussten. Zwei mögliche Wege sind im nachfolgenden Video dargestellt.

Zum einen besteht die Möglichkeit - wie in den ersten beiden Szenen - durch einen Doppelpass das Eins-gegen-Eins zu suchen, wobei der Sinn der Passerei darin besteht, dass der Guard etwaige Penetrations durch Fakes vorbereiten oder den Big schlicht unvorbereitet antreffen kann.

In der ersten Situation kann sich Jordan Poole durch einen Jabstep den nötigen Platz verschaffen. In der zweiten Situation ist Williams als Bewacher von Zavier Simpson soweit abgesunken, dass der Aufbauspieler problemlos werfen kann.

Als zweite Variante präsentieren die Wolverines ein zweites Pick & Pop, das sich an den ersten Block anschließt und somit beide Bigs involviert, denen in dem Moment die Routine einer solchen Situation fehlt, um eine angemessene Lösung für Duncan Robinson und seinen Drive zu finden.


Sehr selten wurde hingegen die andere Seite des Mismatches gesucht. Wagner erhielt kaum den Ball gegen seine kleineren Gegenspieler im Postup, obwohl er dort durchaus gute Moves besitzt und öfter mal gute Position hatte.

Viel zu oft wurde dieser Vorteil jedoch entweder nicht erkannt oder ungenutzt verstrichen gelassen. Auch wenn Texas A&M und Florida State insgesamt die athletischeren Teams waren, hätte eine Insidepräsenz durch Wagner den Guards nur noch bessere Optionen zum Drive eröffnet. Gegen Loyola würde es sich für Michigan anbieten, im Falle von Mismatches den Ball auch mal tief an den Zonenrand zu geben.


Eventuell mit Ausnahme des Texas A&M Spiels war es jedoch ganz eindeutig die Defense, die Michigan den Weg zum Final Four bereitete. Eine Tatsache, die in dieser Saison nicht überraschen sollte, da die Wolverines nach KenPom die viertbeste Defense der NCAA stellen. Allerdings war das in der Vergangenheit beileibe nicht der Fall. Selbst im Jahr des Finaleinzugs 2013 kamen sie nicht über Platz 37 hinaus, der bereits ein Ausreißer aus der Spannweite von 69 bis 100 nach oben war.
 
Hauptgrund für den rasanten Umschwung ist der neue Assistant Coach Luke Yaklich, der die Rolle des Defensivkoordinators übernommen hat. Beilein suchte im vergangenen Sommer gezielt nach einem solchen und wurde auf den damaligen Illinois State Assistant Yaklich aufmerksam gemacht. Dank Yaklich haben die Wolverines auch nun defensiv einen klaren Gameplan und zeigen Ehrgeiz bei dessen Umsetzung.

Auf Spielerseite ist vor allem Aufbauspieler Simpson zu erwähnen. Der kleine Guard ist der beste Eins-gegen-Eins-Verteidiger des Teams und akzeptierte den Weckruf zu Saisonbeginn, als er seinen Startplatz an Freshman Eli Brooks verlor, der mittlerweile komplett aus der Rotation gefallen ist.

Simpson ist schnell, hat eine kräftige Statur und ein exzellentes Gespür dafür, wann er seine Hände für den Steal nutzen kann.


Neben der besseren Defense auf den Guardposition ist die Verteidigung des Pick & Rolls in dieser Saison auf einem exzellenten Niveau. Das liegt vor allem an den Bigs, die sich in dieser Saison wesentlich besser in solchen Spielsituationen verhalten.

Die Abstände und Positionierung sind wesentlich besser. Wagner und Co. konnten ihre Fußarbeit verbessern, nutzen aber auch gleichzeitig aktiv ihre Hände und Arme, um Pässe zu erschweren. Während in den vergangenen Jahren immer wieder unnötige Fouls der Bigs angehäuft wurden und die gegnerischen Guards viel zu oft überstürzte Verteidiungsversuche splitten durften, können die Innenspieler in dieser Saison den direkten Weg zum Korb verbarrikadieren.

Gerade Florida State hatte unglaubliche Probleme, überhaupt den Weg in die Zone zu finden, da die Ballhandler öfter von zwei oder teilweise sogar einem dritten Verteidiger umschwärmt wurden.


Doch nicht nur am Ball haben sich Michigan und die Bigs deutlich verbessert. Auch der Blocksteller, der in der Vergangenheit oft genug leichtes Spiel hatte, wird in dieser Saison bei seinen Bewegungen entscheidend gestört.

In der ersten Szene des nachfolgenden Videos kümmern sich sowohl Wagner als auch Isaiah Livers, der Power Forward, um den Blocksteller bei dessen Roll und lassen den Ballhandler eine Entscheidung treffen. Dieser ist verunsichert und heraus kommt ein schwacher Abschluss.

Anschließend wird Florida States Big Man Kabengele von Charles Matthews so entscheidend und hart gebumpt, dass er seinen Roll für einen kurzen Moment unterbrechen muss und daher den Pass nicht erreichen kann.

Auch gegen 2,24m Center Koumadje bumpt Livers geschickt, weswegen der Riese seinen Roll ein deutliches Stück vom Korb entfernt abbricht und entsprechend weit außerhalb der Zone sein Postup gegen Wagner beginnt. Michigan versteht es clever, in dieser Situation nicht zu doppeln und den offensivschwachen FSU Big zum Abschluss zu zwingen.


Aus all diesen Situationen wären im Vorjahr wahrscheinlich zwei Punkte für den Gegner entstanden. Gegen Loyola und Kansas, die jeweils viel über ihre Fünfer spielen, sind diese neugewonnenen Qualitäten von entscheidender Bedeutung. Gerade Loyolas Spielweise sollte Michigan eher entgegenkommen. Bei einem Finale gegen Villanova wäre die Pick & Pop Defense wichtiger.

Loyola Ramblers

Die Ramblers sind die Cinderella Story des diesjährigen NCAA Tournaments. Ausgerechnet in der South Region, die im Vorhinein als die ausgeglichenste Region des Turniers eingeschätzt wurde, konnten sich die Ramblers durchsetzen und einen grandiosen Lauf hinlegen, wobei sie am ersten Wochenende jeweils in den Schlusssekunden gewannen, das Elite Eight erst mit einem Dagger Dreier im letzten Angriff festzurren konnten und dort gegen Kansas State schließlich das Geschehen dominierten.


Loyola ist das Team, das offensiv die größte taktische Disziplin aller teilnehmenden Teams zeigt und dadurch vollkommen zurecht im Final Four steht. Obwohl die einzelnen Spieler vielleicht nicht über das größte individuelle Talent verfügen, schaffen sie es durch gute Grundlagen, sehenswertes Teamspiel und eine erstklassige taktische Ausrichtung, ihre Gegner oft zu einer Spielweise zu zwingen, die diese gar nicht mitgehen wollen. In den Angriffen wird die komplette Angriffszeit von 30 Sekunden ausgereizt, um die Defense viel zu bewegen und den bestmöglichen Wurf zu kreieren.

Zu Beginn einer Partie möchten die Ramblers gerne den Ball ans Brett bekommen. Auf den ersten Blick eine etwas verwunderliche Strategie, da sie "nur" über einen Freshman Big in Cameron Krutwig als Starter und einen Backup Big in Person von Aundre Jackson mit deutlich unter zwei Metern Körpergröße verfügen. Doch die beiden überzeugen durch gute Fundamentals. Besonders die Positionierung vor Ballerhalt und die Fußarbeit sind meisterhaft.

Die Mitspieler der beiden Bigs sind zudem überaus geduldig und geben ihren Innenspielern genügend Zeit, um sich eine gute Position zu verschaffen. Gelingt der Entrypass nicht direkt, wandert der Ball über mehrere Stationen entlang der Dreierlinie, bis sich schließlich die entscheidende Lücke auftut.


Grundsätzlich gehört die Offense der Ramblers zu den besten des NCAA Tournaments, weil das Design und die Ausführung der Setplays intelligent ist und bezogen auf das Timing der Perfektion nahe kommt.

Im ersten Beispielplay des folgenden Clips wird zunächst ein Guard im Lowpost gesucht. Das Ziel des Plays besteht jedoch weniger darin, dass der Guard im Eins-gegen-Eins sein Glück versucht, sondern die Aufmerksamkeit der Defense auf sich zieht und einen besseren Passwinkel hat. Im Anschluss an den Pass stellt Center Krutwig einen Downscreen für Aufbauspieler und Schütze Clayton Custer. Die Defense will diese Aktion switchen, gerät jedoch in Konfusion und in der Ecke auf der Weakside steht Scharfschütze Ben Richardson komplett alleine.

Solche Plays sind typisch für die Offense von Porter Moser. Moser ist sehr kreativ und schafft es immer, der Defense in seinen Gedankengängen einen Schritt voraus zu sein.

Aus Auszeiten bekommen die MVC Champs fasst immer den Abschluss, den sie haben möchten. Ein Beispiel dafür ist das zweite Set des unten angefügten Videos. Die komplette linke Spielfeldhälfte ist mit Ausnahme von Marques Townes und dessen Gegenspieler verwaist. Die Defense ist aggressiv unterwegs und versucht einen vermeintlichen Dribble Handoff zu verhindern, worauf Townes jedoch vorbereitet ist und den Backdoorcut läuft.


Doch die Spieler sind keineswegs darauf angewiesen, dass die Optionen in den Sets unbedingt gelingen müssen. Der Basketballsachverstand und die Skills des Teams sorgen dafür, dass auch eine 5 Out Offense wunderbar gelingen kann. In einer solchen Formation mit fünf Guards sorgten die Ramblers für den besten Angriff des gesamten Tournaments. Diverse Penetrations, Kickouts, Shotfakes und Extrapässe gipfeln im folgenden Clip in einem Dreier mit Ablauf der Wurfuhr.


Offensiv sollte sich der 11 Seed also keinerlei Gedanken machen müssen. Im Halbfeld werden die Ramblers ihre Abschlüsse erhalten, da es sehr schwierig ist, sich innerhalb einer knappen Woche auf das vielschichtige Playbook vorzubereiten - wenngleich Michigan Assistant Coach Yaklich den Vorteil genießt, zuvor schon einige Jahre in der gleichen Conference gegen Loyola gecoacht zu haben.

Die Frage wird jedoch sein, wie gut Loyola sich defensiv gegen die anderen drei Final Four Teams schlagen kann. Im bisherigen Turnierverlauf hatten sie das Glück auf Teams zu treffen, die entweder nicht viele Pick & Rolls/Pops laufen oder darin noch so unerfahren sind, dass die Ramblers nicht allzu viele Punkte abgeben mussten.

Mit Center Krutwig könnte es jedoch bei gutem Spacing und einem fähigen Ballhandler zu vielen kniffligen Situationen im Pick & Roll kommen. Zumal die anderen drei Vertreter sehr viele direkte Blöcke stellen und sich diese mögliche Schwachstelle kaum entgehen lassen werden.

Loyola läuft Gefahr, viele Penetrations abzugeben und dadurch gutes Ballmovement der Gegner zuzulassen (wie in der ersten Szene des Zusammenschnitts). Ist der Ballhandler aggressiv und die Teamdefense nicht auf den Punkt zur Stelle, können Splits zu einfachen Punkten führen (Szene zwei).


Gegen Kansas State, ein Team mit sehr hohem Pick & Roll Anteil, konnten die Ramblers noch viele brenzlige Situationen über ihre Teamdefense lösen, weil K-State einfach die Schützen fehlen und immer Hilfen gegeben werden konnten. Gerade gegen Michigan, das reich an treffsicheren Schützen ist, können viele Hilfen jedoch fatal für das eigene Team enden.

Michigan nutzt jedoch weniger Pick & Rolls und dafür deutlich mehr Pick & Pops mit Wagner und Robinson als Blocksteller. Auch hier offenbarten die Ramblers bisher Schwächen und es wird spannend zu beobachten sein, wie geschickt sich das Team aus Chicago anstellen wird.

Bei Switches fehlte oft die Präzision in der Kommunikation und Umsetzung, weswegen entweder offene Würfe für die Blocksteller oder eine freie Bahn zum Drive das Resultat waren. Die beiden Bigs switchen zwar nicht, fühlen sich dennoch sichtlich unwohl am Perimeter zu verteidigen. Hier wird die Defense gegen Michigans Wagner von entscheidender Bedeutung sein.


Für Loyola wird es essentiell sein, das Spieltempo zu kontrollieren. Minimieren sie die Ballbesitze der Partie, bleiben sie im Halbfeld ihrer Linie treu und können defensiv Ballscreens verteidigen, kann die Cinderella Story ihre Fortsetzung finden.

Kansas Jayhawks

Das Zittern um Udoka Azubuike war groß. Der Big Man verpasste zwar das Big12 Tournament und dennoch konnte Kansas als Sieger hervorgehen, doch allen Beteiligten war anzumerken, dass eine Teilnahme Azubuikes am NCAA Tournament den Stresslevel deutlich senken konnte.

Gegen Seton Hall in der zweiten Runde war der Nigerianer bereits ein Garant für den zweistelligen Vorsprung, den Kansas in der Crunchtime dann über die Zeit rettete. Am zweiten Wochenende gegen Clemson und vor allem Duke war Doke derjenige, der den Jayhawks eine Insidepräsenz sicherte und durch seine Tips am offensiven Brett mehrere zweite Chancen erwirkte.


Allerdings waren dem Big Man seine konditionellen Rückstände nach der längeren Pause wegen seiner Innenbandüberdehnung im Knie deutlich anzumerken. Mehrfach musste der Kansas Center am Ende der typischen vier Minuten langen Segmente des College Basketballs ordentlich durchschnauben und schließlich ausgewechselt werden.

Gerade offensiv kann Azubuike jedoch ein Spiel bestimmen. Denn in Brettnähe finisht er überaus hochprozentig, versucht alles zu dunken und beschäftigt mindestens zwei Verteidiger im Normalfall. Damit verschafft er den Jayhawks eine Präsenz am Brett und eröffnet seinen Guards am Perimeter mehr Freiräume.


Die eigentlichen Hauptakteure für Kansas sind unangefochten Devonte' Graham und Sviatoslav Mykhailiuk. Graham ist der Senior Point Guard, der sich über die Jahre von Frank Masons Sidekick und dem Defensivspezialisten des Backcourts zu einem der wichtigsten Two-Way-Player der NCAA entwickelt hat. Graham trifft seine Dreier, hat sich als Playmaker im Pick & Roll enorm verbessert und organisiert die Setoffense seiner Mannschaft.

"Svi" konnte sich ähnlich rasant im Laufe seiner vier Jahre entwickeln. Mit 17 Jahren bestritt der Ukrainer sein erstes Spiel und hat sich seitdem vom eindimensionalen Shooter zum besten Passgeber, einem vielseitigen Verteidiger auf College Ebene und dem Closer des Teams entwickelt.

Neben den drei bisher genannten ist Malik Newman derjenige, der sich im Laufe der Saison von allen Rotationsspielern am meisten verbessern konnte. Einst ein Top15 Rekrut und Freshman bei Mississippi State, der in seinen Bewegungen überaus elegant über das Feld flanierte, aber eine verhängnisvolle Zuneigung zum Midrange Pullup entwickelt hatte, ist Newman nun ein Dreierschütze mit potenziell gefährlichem Drive zum Korb. Gegen Duke erzielte er 32 Punkte - darunter alle 13 Zähler von Kansas in der Verlängerung.


Kansas ist bedingt durch die dünne Rotation, innerhalb der maximal sieben Spieler nennenswerte Minuten sehen, einerseits auf Topleistungen der Einzelkönner angewiesen. Mindestens genauso ausschlaggebend für den Teamerfolg ist jedoch auch, dass sich die Jayhawks möglichst viele einfache Punkte ergaunern können.

Dafür ist in erster Linie Bill Self verantwortlich, der zu den besten Taktikern und Offensivcoaches der NCAA gehört. Binnen zwei Saisons konnte der Erfolgscoach die Umstellung auf eine 4 Out Offense vollziehen und direkt wieder den Goldstatus seines Playbooks bestätigen. Jüngst erlangte er zurecht Anerkennung für seine ATOs: Seine Setplays aus Auszeiten heraus.


Doch bei all der erfreulichen offensiven Entwicklung weiß Coach Self auch, dass sein Team noch Schwachpunkte hat, die spätestens jetzt im Final Four zum Problem werden könnten. Self nannte beispielsweise die Pick & Roll Defense, die tatsächlich noch nicht auf einem soliden Niveau anzusiedeln ist.

Azubuike ist ein Center alter Schule, der sich mit jedem Meter weiter weg vom Korb sichtlich schwerer tut. Kansas hatte Glück, dass gerade Duke nicht mehr Kapital aus der wilden Positionierung und der fehlenden Geschwindigkeit des Bigs schlug. Sein Backup Silvio de Sousa ist ein Freshman, der erst im Laufe der Saison zum Team stieß und durch seine inkonstante Minutenverteilung schlicht noch nicht die notwendige Reife und das entsprechende Timing besitzt, um das Pick & Roll dauerhaft ordentlich zu verteidigen.

Zumindest müssen die beiden es allerdings schaffen, dass sie direkte Durchbrüche der Ballhandler zum Korb (wie in den ersten beiden Szenen) verhindern.


Kansas wird in dieser Hinsicht Villanova wenig entgegenzusetzen haben. Kaum ein Team läuft Pick & Rolls so oft und so geschickt wie die Wildcats und entsprechend viel Arbeit wird auf die Bigs zukommen. Die Jayhawks müssen versuchen, Azubuikes Physis am Brett auszuspielen und generell offensiv mit höchster Effizienz zu agieren. Gegen Michigan könnte es in einem möglichen Finale aufgrund der Pick & Pop Qualitäten Wagners ebenfalls knapp werden.

Villanova Wildcats

Viel souveräner hätte sich der Favorit auf den Titel nicht durch das Bracket ins Final Four bugsieren können. Auf zwei deutliche Siege am ersten Wochenende folgten zwei überzeugende Auftritte gegen West Virginia und Texas Tech. Die beiden Vertreter aus der Big12 gehören wegen ihres jeweiligen Spielstils zu den unangenehmeren Gegnern, auf die ein Team im Laufe des NCAA Tournaments treffen kann.


Besonders ein Spieler konnte nochmal seine eigene Kampagne fortführen, ohne den Eindruck dabei zu erwecken, dass ihm diese persönliche Agenda überhaupt etwas bedeuten würde. Jalen Brunson ist der absolut verdiente "Player of the Year". Gegen West Virginia übernahm er das Ruder, als Nova Mitte der zweiten Halbzeit mit sechs Punkten zurücklag und daraus einen zweistelligen Vorsprung verwandelte.

Brunson ist zwar nicht sonderlich athletisch, doch überaus kräftig, weshalb er in Kombination mit seinem Touch am Brett gegen größere Gegenspieler finishen kann. Dazu kommt sein gefährlicher Distanzwurf. Auch im Lowpost fühlt sich der Aufbauspieler pudelwohl und ist effizienter als die meisten Bigs der NCAA.


Ein weiterer Spieler, der neben Brunson von entscheidender Bedeutung für den Teamerfolg ist, ist Omari Spellman. Der Redshirt Freshman, der noch bis zur letzten Spielzeit mit Gewichtsproblemen und akademischen Versäumnissen zu kämpfen hatte, hat sich in dieser Saison neu erfunden.

Gegen West Virginia sorgte er mit einem Block und einem anschließenden Putback Dunk in einer zusammenhängenden Sequenz für den entscheidenden Momentum Swing des Spiels. Zudem ist Spellman für seine Größe und massige Erscheinung äußert explosiv und kann auch mal zum Drive von der Dreierlinie ansetzen.


Die größte Stärke von Villanova liegt darin, dass Brunson und Spellman auch für ihre Position und Rolle ungewöhnliche Aufgaben übernehmen. Brunson wird vorzugsweise auch als Passstation eingesetzt aus dem Lowpost eingesetzt. Dahingegen ist Spellman öfter an der Dreierlinie als im Lowpost zu finden. Das Zusammenspiel der beiden ist exzellent.


Neben Brunsons Postups laufen die Wildcats jede Menge Pick & Pops mit Brunson als Ballhandler. Durch ihr gutes Spacing und die Wurfqualitäten der einzelnen Spieler, sind in der Regel fünf Schützen um die Dreierlinie verteilt und Brunson wird die Aufgabe zuteil, Lücken zu reißen und den richtigen Kickoutpass zu spielen.

Diese Aufgabe löst Brunson exzellent und Jay Wright findet immer wieder geschickt Wege, um seinem Aufbauspieler einen Vorteil zu verschaffen oder die Defense anderweitig für einen kurzen Moment auf dem falschen Fuß zu erwischen.


Es ist bezeichnet, dass Nova die beste Offensive der NCAA stellt und dabei kaum auf Setplays zurückgreift, sondern die eigene Wurstärke durch Prinzipien und Mismatches zur Geltung bringt.

Abgesehen von der phänomenalen Offense der Wildcats, kommt aber auch die Defensive nicht zu kurz. Wie immer versucht Nova auch an diesem Ende des Spielfeldes spielbestimmend und tonangebend aufzutreten.

Mit ihrer 1-2-2-Zonenpresse wollen die Wildcats nicht unbedingt sofort einen Steal erzwingen. Viel eher geht es darum, dass der Gegner weniger Angriffszeit im Halbfeld übrig hat oder mal zu einer schlechten Entscheidung gezwungen wird (so wie im Clip).


Auch sonst ist Villanova ein unangenehmer Gegner, da sie den positionslosen Basketball perfektionieren, indem sie fast alle Screens switchen. Dadurch wird eine vermeintliche Schwäche (fehlende Rimprotection durch einen dominanten Innenspieler) zu einer Stärke, da jeder Spieler ähnlich gut am Perimeter oder eben am Brett verteidigen kann.

Zudem sind die Wildcats in der Regel so gut im Teamverbund unterwegs, dass mögliche Mismatches durch die Switches kaum ausgespielt werden können, weil Pässe erschwert werden und jeder sein Matchup soweit kontrolliert, dass zumindest nicht die erste Option für die Offense gelingt.

Nichtsdestotrotz birgt diese Spielweise das Risiko, durch Missverständnisse oder fehlende Kommunikation auch mal Layups abzuschenken. Das passiert jedoch nur sehr selten und ist eher Ausnahme als Regel.


Villanova ist das Team, das als Favorit ins Final Four geht. Spielweise, Erfahrung und die Tatsache, dass Nova in kompletter Besetzung immer noch ungeschlagen ist, sorgen für diesen gerechtfertigten Status.

Das Aufeinandertreffen gegen Kansas verspricht hochklassigen und modernen Basketball, das direkte Duell der zwei vielleicht besten Point Guards der NCAA und eine Schachpartie von der Seitenlinie. Auch gegen Michigan oder Loyola hätte Villanova in einem möglichen Finale die Nase vorn und könnte gut auf die jeweilige Spielweise antworten.