15 März 2018

15. März, 2018


Das NCAA Tournament-Feld 2018 ist gesetzt. Ab heute starten 64 Mannschaften in die amüsanteste Basketball-Competition der Welt. Wir haben für euch alle Teams durchgecheckt, verraten euch wen und was es warum zu beachten gilt... und helfen euch nebenbei, eure Brackets wie ein Boss auszufüllen. Mehr March Madness geht nicht!

von AXEL BABST @CoachBabst

Alabama Crimson Tide

MVP: Collin Sexton, Guard, 6'3'', Freshman
Sinnbildlich für den gesamten Saisonverlauf können sich Mannschaft und Trainer bei Collin Sexton für die zwei Siege im SEC Tournament bedanken, die wahrscheinlich auf der Zielgeraden noch eine Tournament Teilnahme ermöglichten. Gerade im Spiel gegen Texas A&M sorgte Sexton für nicht enden wollenden Jubel, als er bei einem Coast-to-Coast-Korbleger innerhalb von vier Sekunden über den gesamten Court flitzte, einen hohen Floater ansetzte und der Ball mit der Schlusssirene durch die Reuse fiel. Sexton ist ein dynamischer und elektrisierender Guard, der er ein junges Alabama Team schultern muss und gerade im Angriff viel Verantwortung trägt (19 Punkte und 3,5 Assists pro Spiel).

X-Faktor: John Petty, Guard, 6'5'', Freshman
Der Hauptgrund für das lange Zittern gegen Ende der Saison und die große Erleichterung nach dem SEC Tournament liegt sicherlich in der Jugend und Unerfahrenheit der Crimson Tide. Diese Attribute haben wiederum zur Folge, dass Alabama einfach keinerlei Konstanz entwickeln konnte. Ein Abziehbild dieser Teamsaison ist die Spielzeit von John Petty. Der Backcourt Partner von Sexton hatte in dieser Saison Spiele, in denen er nahezu nicht zu stoppen war. Gegen Auburn versenkte er acht und gegen Alabama A&M sogar zehn Dreier in einem Spiel. In echten Auswärtsspielen erzielt er jedoch über die Saison gesehen nur 5,5 Punkte pro Spiel und liegt bei einer Dreierquote von 3/18. Auf neutralem Boden sind seine Bilanz immerhin etwas besser aus (10,9 Punkte pro Spiel und 44 Prozent Dreier).

Style: Der NBA Einfluss bei Alabama ist unverkennbar. Avery Johnson ist sehr akribisch darin, einen Gameplan für den jeweiligen Gegner zu entwickeln und schaut sich von Spiel zu Spiel an, wo sein Team Vorteile haben könnte und wie er diese ausspielen kann. Natürlich ist das Spiel größtenteils auf Sexton ausgerichtet und entsprechend Pick & Roll lastig. Aber auch andere Jungs werden gezielt involviert, wenn die Gelegenheit günstig ist.

NBA & BBL Kandidaten: Collin Sexton ist der Name der am häufigsten fällt, wenn es um die NBA geht. Der Point Guard wird neben seiner Athletik und seinem unglaublich schnellen ersten Schritt für seinen ehrgeizigen Charakter gelobt. Ein Pick zwischen Top10 und Mitte der ersten Runde ist wahrscheinlich. Langfristig verfügt aber vielleicht ein anderer Freshman über das größte Potenzial: Herb Jones. Körperlich muss Jones aber noch zulegen und wird nächstes Jahr als Sophomore sein Breakout-Jahr feiern.

Fun/Quick Facts: Die Saison der Crimson Tide war wie bereits erwähnt alles andere als konstant und konnte erst spät den Weg in eine erfolgreiche Richtung einschlagen. Die längste Siegesserie fuhren die Crimson Tide direkt zu Saisonbeginn mit fünf Siegen in Serie ein. Die schlechteste Saisonphase mit ebenso vielen Niederlagen setzte es in der Endphase der SEC Saison.

Tournament: Die Teilnahme am Tournament ist zunächst ein Erfolg für das Programm und das junge Team. Nach der Verletzung von Riley Norris steht kein einziger Senior in der Rotation. Die Schwankungen während der Saison waren extrem und angesichts der Schwäche in fremden Hallen ist es nicht ausgeschlossen, dass Alabama per Blowout nach Hause geschickt wird. Doch das Team hat auch Talent und dürfte nach den zwei Siegen im SEC Tournament euphorisiert an die Sache herangehen. Der Druck auf den Schultern ist verschwunden und vielleicht löst sich die Verspannung im einen oder anderen Handgelenk wieder etwas.

Arizona Wildcats

MVP: DeAndre Ayton, Big, 7'1'', Freshman
Wenn Highschool Spieler ans College kommen und unter den Top10 ihres Jahrgangs in den einschlägigen Rankings anzutreffen sind, treten damit automatisch ein unfassbarer Hype und unendliche Vorschusslorbeeren auf den Plan. Bei DeAndre Ayton war dies nicht anders. Allerdings: Während bei den meisten Freshmen im Laufe der Saison Schwächen immer offensichtlicher werden und die Aussagen, die vor der Saison getätigt wurden, mehr und mehr an Wert verlieren, trat bei Ayton eher ein gegenteiliger Verlauf ein. Der Gigant ist nicht nur mindestens so gut wie angekündigt, scheinbar wöchentlich treten neue Fähigkeiten ans Tageslicht und Schwächen werden monatlich beseitigt. Dass seine Stats (20,3 Punkte und 11,5 Rebounds pro Spiel) nicht noch imposanter sind, liegt einzig und allein an seinen Mitspielern, die nicht in der Lage sind, ihm ordentlich und oft genug den Ball zu servieren. Mit 23 Double Doubles führt er das Teilnehmerfeld an. In den letzten beiden Conference Tournament Spiele sorgte er mit jeweils 32 Punkten für klare Verhältnisse

X-Faktor: Parker Jackson-Cartwright, Guard, 5'10'', Senior
Eigentlich müssten an dieser Stelle etwa 15 verschiedene Faktoren aufgelistet werden, die maßgeblichen Anteil am Tournament Verlauf der U of A haben werden. Aus Platzgründen und weil im Tournament Tagesform und Guardplay für Contender entscheidende Faktoren sind, fällt die Auswahl zunächst auf Parker Jackson-Cartwright. Wäre der Aufbauspieler nur einen halb Kopf größer, könnte er als perfekter Point Guard für dieses Team idealisiert werden: gut im Pick & Roll, uneigennützig und mit einem ordentlichen Wurf ausgestattet (42 Prozent Dreierquote), kontrolliert er das Spielgeschehen. Durch seine geringe Körpergröße ist er defensiv allerdings eine Schwachstelle und hat gegen Pressverteidigungen Probleme. Hoffnung geben seine guten Conference Tournament Leistungen.

Style: Ein Problem, das sich durch die Saison zog, war die Tatsache, dass die Spieler nicht der Philosophie von ihrem Coach Sean Miller folgen konnten. Miller liebt defensivorientierte Schlachten mit grenzenloser Intensität. Entsprechend gehörten die Wildcats in den vergangenen Saisons immer zu den defensivstärksten Teams der NCAA. In dieser Saison erreichen sie je nach bevorzugter Metrik gerade so die Top100. Ein Sinnbild für die Identitätskrise des Programms. Ausgerechnet im PAC-12 Tournament steigerten sich die Wildcats für drei Spiele. Dafür sind sie offensiv das vielleicht talentierteste Arizona Team der letzten zwei Dekaden. 

NBA & BBL Kandidaten:
Welches Team auch immer im Juni an erster Stelle auswählen darf, sollte sich ganz genau überlegen, ob DeAndre Ayton oder Luka Doncic die bessere Karriere mit der höheren Wahrscheinlichkeit zum Franchise Player hat. Ayton ist eine physische Ausnahmeerscheinung: Trotz seiner immensen Größe von 7'1'' ist Ayton leichtfüßig und überaus koordiniert unterwegs. Ayton lässt Rebounds spektakulär aussehen. Hinzu kommt, dass Fußarbeit, Postups, Touch und Spielverständnis schon jetzt NBA reif sind. Selbst einen NBA Dreier könnte der Riese noch entwickeln. Defensiv gönnt sich Ayton zwar noch Pausen, aber wenn er fokussiert ist, kann er auch hier einen Mehrwert auf NBA Level darstellen.

Fun/Quick Facts: Eines der wenigen positiven Ereignisse der vergangenen Wochen in Tucson war, als Dusan Ristic mit einem Sieg über Stanford seinen 111. Sieg als Wildkatze feiern konnte und damit den Sonnenplatz der Alltime Siegesliste in Beschlag nehmen konnte. 

Tournament: Alles oder nichts. Das ist das Motto für Arizona, Sean Miller und die Spieler. Mit der FBI Untersuchung im Nacken, den (zugegebenermaßen zunehmend zweifelhaften) Anschuldigungen gegenüber Coach Miller um einen Deal mit Ayton während dessen Recruiting  und der ohnehin lang anhaltenden Durststrecke ohne Final Four Teilnahme, war der Druck nie größer. Ehrlich gesagt möchte kein NCAA Offizieller Arizona momentan im Final Four oder als Meister sehen, weil das ein überaus schlechtes Licht auf den College Basketball werfen könnte. Für das Programm geht es hingegen um viel: Nach dem letzten Heimspiel kündigte Miller an, dass Ayton, Allonzo Trier und Rawle Alkins nicht mehr nach Tucson zurückkehren. Da für die kommende Freshman Class kein einziger Rekrut bei seiner Zusage nach den FBI Ermittlungen blieb, ist die Personaldecke für nächstes Jahr dünn. Wenn Miller etwas reißen will, dann dieses Jahr. Doch ob Defense, Spielintelligenz und Guardplay dafür ausreichen, darf bezweifelt werden.

Arizona State Sun Devils

MVP: Tra Holder, Guard, 6'1'', Senior
Den spitzesten Dreizack von allen Sun Devils hält Tra Holder in den Händen. Mit seiner Schnelligkeit durchstößt er jede Defense in Windeseile und lässt seine Drives derart mühelos erscheinen, dass die direkten Verteidiger nur einen mitleiderregenden Eindruck hinterlassen. Holder ist trotz seiner geringen Körperhöhe ein exzellenter Finisher in der Zone, da er es gemeistert hat, Kontakt zu seinem Vorteil zu nutzen. Pro Spiel zieht Holder über sechs Freiwürfe und nicht selten gehören Bonuswürfe nach erfolgreichem Dreipunktspiel dazu. Holders Spielweise strotzt allerdings immer noch nicht vor Effizienz.

X-Faktor: Romello White, Big, 6'8'', Freshman
Zumindest zwei Big Men haben die Sun Devils dieses Jahr u.a. in Person von Romello White. Auf Dauer ist das zwar immer noch nicht ausreichend, doch zumindest phasenweise kann die dünne Frontcourtrotation funktionieren. Auf Freshman White lastet somit viel Druck. Er muss den Ring beschützen, Rebounds holen, gute Screens stellen und Anspiele seiner Guards verwerten. All das muss er so bewerkstelligen, dass er trotzdem nicht zu viele Fouls begeht und mindestens 30 Minuten auf dem Feld stehen kann - keine einfache Aufgabe für einen unerfahrenen Big Man und im Tournament wahrscheinlich die Achillesferse der Sun Devils.

Style: Mit schnellem Spiel, vielen Ballhandlern und noch mehr Schützen sucht Bobby Hurleys Team sein Heil in der Flucht nach vorne. Mit schön anzusehendem Offensivbasketball versuchen die Running Hurleys so viele einfache Punkte in Transition wie nur irgend möglich zu erlaufen. Gelingt das nicht, nutzen sie im Setplay Pick & Roll Sets, um den Zug in die Zone zu ermöglichen und ihr Drive & Kick Game aufzubauen. Die Sun Devils ziehen als Team viele Fouls (fünfthöchste Quote der Tournament Teams beim Verhältnis von Freiwürfen und Würfen aus dem Feld). Durch ihre schwache Defense sind die Sun Devils darauf angewiesen, mehr Punkte zu erzielen, als sie hinten reinbekommen.

NBA & BBL Kandidaten: Ein offensichtliches NBA Talent steckt nicht im Kader der Universitätsmannschaft aus Tempe. Tra Holder sollte jedoch mindestens in Europa ein passendes Team für sich finden. Mit seiner Spielweise würde er auch dem einen oder anderen BBL Team gut zu Gesicht stehen. In abgespeckter Form gilt das auch für seinen Backcourt Partner Shannon Evans. Evans ist allerdings einen Tick langsamer und nicht ganz so explosiv beim Finish am Korb.

Fun/Quick Facts: Durch ihren starken Auftakt waren sie eines von nur drei Teams, das bis zum 30. Dezember ungeschlagen mit 12-0 Siegen in die Saison startete. An diesem Tag verloren alle drei ungeschlagenen Teams innerhalb weniger Stunden, Arizona State hatte dabei das Nachsehen bei Arizona und war am längsten ungeschlagen in dieser Saison.

Tournament: Die Teilnahme am NCAA Tournament ist zunächst ein erheblicher Erfolg für Arizona State und Bobby Hurley. In seinem dritten Jahr hat Hurley eine klare Spielkultur entwickelt und sich für die kommenden Jahre einige Talente sichern können. Im Tournament können die Sun Devils wieder ohne Druck antreten. Nach dem furiosen Saisonstart durchliefen sie einen Rollenwechsel von den Jägern zu den Gejagten. Nach den wechselhaften Auftritten in der PAC-12 haben die Sun Devils den Favoritenstatus im Tournament erfolgreich zur Seite geschoben und können nun wieder lockerer den Finger am Abzug halten. Trifft ASU von der Dreierlinie, wird das Spiel für jeden Gegner zum Ritt auf der Rasierklinge wie der Sieg gegen Kansas im Allen Fieldhouse eindrucksvoll unterstrich.

Arkansas Razorbacks

MVP: Daryl Macon, Guard, 6'3'', Senior
Einer der beiden Gründe dafür, weshalb die Arkansas Razorbacks das erste Mal seit 2006 bis 2008 in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tournaments vertreten sind, hört auf den Namen Daryl Macon. Zusammen mit Jaylen Barford, dem anderen Hauptgrund und seinem Backcourt Partner, stieß der Guard vor der letzten Saison zu den Razorbacks und sorgte auf Anhieb für Scoring Exzesse. Macon kann ein Spiel im Alleingang entscheiden. Wenn er seinen ersten Dreier trifft, ist das meist ein Alarmsignal für den Gegner. Neben seiner Schussstärke konnte Macon in dieser Saison seine Wurfauswahl deutlich verbessern, auch wenn diese immer noch nicht das Gelbe vom Ei ist.

X-Faktor: Daniel Gafford, Big, 6'11'', Freshman
Der aus dem Staat Arkansas stammende Freshman kann das entscheidende Puzzleteil sein, wenn es für Arkansas in einem Erstrundenmatchup gegen einen ebenbürtigen Gegner geht. Besonders in der Verteidigung ist der Big Man ein Differencemaker. Gafford ist ein elitärer Ringbeschützer (2,1 Blocks pro Spiel), der eine exzellente Kombination aus Spannweite, explosiver Athletik und richtigem Timing in sich vereint. Besonders faszinierend ist, wie schnell Gafford sich vom Boden abdrückt und direkt ein Etage über dem verdutzten Verteidiger auf den Wurfversuch wartet. Gafford handelt sich immer wieder Foulprobleme ein, weswegen er nur limitiert spielt. Kann er 25 Minuten oder mehr spielen, ist Arkansas ein anderes Team.

Style: Mike Anderson hat das Motto "fastest 40 Minutes of Basketball" bei den Razorbacks etabliert. Auch wenn die Wurfauswahl und die Ballverlustzahlen darunter leiden, nimmt Anderson Fehler in Kauf, solange seine Mannen das Tempo des Spiels hochhalten und ihre Gegner in Grund und Boden rennen. Viele Wechsel und eine tiefe Rotation sorgen dafür, dass den Razorbacks selbst nicht die Puste ausgeht.

NBA & BBL Kandidaten: Daniel Gafford ist ein interessanter NBA Prospect. Auch wenn die Liga dazu tendiert, Bigs immer mehr zu verschmähen und lieber Allrounder und Spielstärke mit Länge sucht, hat Gafford zumindest eine ganz klare Nische, die er bedienen kann. Gafford ist ein Shotblocker mit NBA reifer Athletik und einer Mobilität, die ihm theoretisch auch die Bewachung des Perimeters gegen Guards ermöglichen sollte. Praktisch fehlen ihm noch Spielverständnis und Erfahrung, um das jetzt schon zu leisten. Offensiv ist er noch roh, aber nicht untalentiert und von Touch befreit. Einen Jumpshot hat er allerdings (noch) nicht.

Fun/Quick Facts: Trotz der hohen Pace (ca. 72), die zu den schnellsten aller Tournament Teams gehört, leisten sich die Razorbacks eine der geringsten Turnover Percentages der gesamten NCAA (rangiert in den Top25). Sieben Seniors verabschiedete Mike Anderson im letzten Heimspiel - eine beachtliche Zahl im heutigen College Basketball. Während ihrer Senior Night durchbrachen sowohl Daryl Macon als auch Jaylen Barford die Marke der 1.000 College Karrierepunkte - nach gerade mal zwei Jahren.

Tournament: Arkansas' Spielweise macht das Team extrem gefährlich. Letztes Jahr hätten sie fast den späteren Champ North Carolina in der zweiten Runde aus dem Tournament geschmissen. Das diesjährige Team ist noch besser besetzt und erfahrener. Wenn Gafford einigermaßen seine Fouls kontrollieren kann und der Backcourt Feuerwerke entzündet, ist das zweite Wochenende drin. Treten diese Fälle nicht ein, kann aber auch das Erstrundenaus winken. Besonders Macon fühlt sich auf heimischem Parkett wohler als in der Fremde.

Auburn Tigers

MVP: Bryce Brown, Guard, 6'3'', Junior
Auf der Suche nach den Gründen für die erfolgreiche Saison der Tigers kommen schnell Attribute wie Selbstbewusstsein, Schussstärke und Intensität ans Tageslicht. Gerade die ersten beiden Eigenschaften personifiziert Bryce Brown in Perfektion. Brown ist ein Combo Guard, der für Auburn in der Regel den Korkenzieher spielt. Browns wilde Dreier, die seinen Verteidigern gegenüber vollkommen respektlos sind, da er sie auch aus acht Metern mit Hand im Gesicht trifft, waren im Laufe der Saison oft die Initialzündung für einen spielentscheidenden Run. Nach einer Knöchelverletzung im Februar, ist er mittlerweile wieder voll im Saft.

X-Faktor: Chuma Okeke, Big, 6'8'', Freshman
Gegen South Carolina landete Big Man Anfernee McLemore böse, zog sich bei der Aktion schwere Verletzungen und musste unter Schock vom Spielfeld transportiert werden(Schienbeinbruch, mehrfache Bänderrisse, ausgerenkter Knöchel) zu. McLemore war bis dahin der Stretch Fünfer, der hinten den Ring beschützte (2,7 Blocks pro Spiel) und vorne Dreier einnetzte (39 Prozent). Seit McLemores Ausfall muss nun Chuma Okeke in die Bresche springen. Der Freshman ist zwar nicht ganz so dominant als Rimprotector, kann jedoch ebenfalls Dreier einnetzen und ermöglicht Auburn damit, dem eigenen Spiel treu zu bleiben. Ob der Freshman seine Leistungen auf großer Bühne bestätigen kann, wird für den Tournament Verlauf von entscheidender Bedeutung sein.

Style: Wenn Bruce Pearl ein College Team coacht, ist davon auszugehen, dass offensiv viel Spektakel geboten wird und tatsächlich führt Auburn die SEC im Scoring an. Die Tigers spielen schnell, zielstrebig und mit jeder Menge Selbstbewusstsein. Kein Wurf ist zu schwer, kein Hindernis zu hoch und kein Rückstand zu groß. Dieses Mindset führt zu wilden Dreierorgien, spektakulären Posterdunks und Monsterblocks und war der Grundstein für so manchen Comebacksieg. Mit Ausnahme von Backup Big Man Horace Spencer können alle Spieler schießen.

NBA & BBL Kandidaten: Mustapha Heron kam mit der Reputation von der High School, ein möglicher One-and-Done-Spieler sein zu können. Mittlerweile ist der Hype um den Linkshänder verflogen, doch die Tür zur NBA öffnet sich langsam wieder. Heron bringt den perfekten Körper samt Athletik für den prototypischen NBA Wing mit. Sein Spiel erinnert ein wenig an einen physischeren, dafür weniger spielintelligenten Rodney Hood. Des Weiteren sollte Austin Wiley nicht in Vergessenheit geraten. Im Zuge des FBI Skandals wurde er suspendiert und bestritt diese Saison keine einzige Partie. Zwar ist sein Spielertyp nicht gerade gefragt in der NBA, doch Talent hat Wiley in jedem Fall.

Fun/Quick Facts: Zum ersten Mal seit 2003 sind die Tigers für das NCAA Tournament qualifiziert und zum ersten Mal seit 1999 konnte Auburn die SEC in der Regular Season gewinnen. In vielen Spielen in dieser Saison konnte Auburn einen zweistelligen Rückstand aufholen. Gegen Georgia lagen die Tigers beispielsweise noch mit 14 Punkten zurück, gewannen am Ende trotzdem 79:65.

Tournament: Auburns spielerische Leistungen und Errungenschaften bis zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits aller Ehren wert. Nach der Verwicklung in die FBI Ermittlungen und der Suspendierung von Austin Wiley rechnete niemand damit, dass Auburn die SEC gewinnen würde. Und es ist nicht anzunehmen, dass das Team von Bruce Pearl jetzt schon satt genug und am Ziel ihrer Reise angekommen ist. Zwar hängt viel davon ab, wie gut die Tigers ihre Dreier treffen und wie die unerfahrene Mannschaft mit der Atmosphäre des Tournament umgeht, doch bislang gaben die Spieler keinerlei Anlass für Sorgenfalten. Je schwieriger die Bedingungen wurden, desto eindrucksvoller fiel die Antwort aus.

Bucknell Bison

MVP: Zach Thomas, Big, 6'7'', Senior
Auf der wichtigsten Position für Mid-Major-Teams verfügen die Bison über einen der besten Spieler seiner Zunft. Zach Thomas ist ein äußerst vielseitiger Spieler, der seine 20,3 Punkte auf sehr unterschiedliche Arten erzielt. Augenscheinlich ist seine größte Stärke das Ziehen von Fouls und Freiwürfen. 300 Mal durfte Thomas dort schon antreten und führt mit diesem sagenhaften Wert die gesamte NCAA an. Zusätzlich trifft er fast zwei Dreier pro Spiel (bei einer Quote von etwas weniger als 38 Prozent). Grundsätzlich ist er ein Allrounder, der auf Conference Level alle Dinge übernimmt, die anfallen.

X-Faktor: Stephen Brown, Guard, 5'11'', Senior
Der Aufbauspieler der Bison ist einer der schnellsten Spieler des NCAA Tournaments. Diese Eigenschaft ist deswegen so gefährlich, weil Brown sich seine Schnelligkeit zu Nutze macht und mit seinen Verteidigern Katz und Maus spielt. Während viele andere schnelle Spieler einfach Anlauf nehmen und wie wild am Gegner vorbeirennen, baut Brown immer wieder Tempowechsel und Hesitations ein, bis seine Bewacher nicht mehr wissen, wo vorne und hinten ist. Für das Tournament wird entscheidend sein, dass Brown in bester Form ist. Dann kann Bucknell jedem Team gefährlich werden. Wenn Brown seine Dreier trifft und am Korb gegen Länge finishen kann, wird es knifflig für den Gegner.

Style: Spacing ist das oberste Gebot in der Offense. Während ein Big am Zonenrand positioniert ist oder gerade einen Block am Ball stellt, sind alle anderen Spieler entlang der Dreierlinie verteilt. Die Bison finden eine gute Mischung aus Drive der Guards, Postups der Bigs und Pick & Roll, das meist durch clevere Sets vorbereitet wird. Wann immer es geht, wollen die Bison schnell umschalten, auch wenn sie im Tournament vermutlich eher für Entschleunigung sorgen möchten.

NBA & BBL Kandidaten: Zach Thomas kann ein guter europäischer Power Forward werden, da seine Spielanlage perfekt zum europäischen Stil passt. Fast noch größer ist das Potenzial seines Frontcourt Kollegen Nana Foulland. Foulland hat guten Touch, ist ein guter Pick & Roll Spieler, beschützt den Ring und kommuniziert in der Teamdefense.

Fun/Quick Facts: Im Viertelfinale der Patriot League brach sich Thomas die Nase. Für das Halbfinale wurde ihm eine Maske angefertigt, die er im Finale ebenfalls trug, nach der ersten Auszeit aber direkt ablegte. Vor allem dank Thomas werfen die Bison die zweitmeisten Freiwürfe aller NCAA Teams in dieser Saison.

Tournament: Bereits im letzten Jahr hatte sie in Runde eins West Virginia sehr nah an einer Niederlage. Das Team ist zum Großteil zusammengeblieben und verfügt über einige Spieler, die ohne Probleme auch in den besten Conferences der NCAA eine Rolle übernehmen könnten. Besonders Zach Thomas und Stephen Brown müssen ihre beste Form beweisen, damit der Upset möglich wird. Grundsätzlich ist die Guardrotation eventuell der Knackpunkt, da abseits von Brown höchstens Shooting zu erwarten ist.

Buffalo Bulls

MVP: Wes Clark, Guard, 6'0'', Senior
Wes Clark ist als Aufbauspieler der Bulls der Taktgeber für eine der besten Offensiven der gesamten NCAA. Er kontrolliert das Tempo einer Partie hervorragend. Wann immer die Bulls in die Halbfeldoffense gezwungen werden, ist Clark die Schaltzentrale. Er läuft viele Pick & Rolls und behält die Übersicht. Mit seinen Pässen beschert er den vielen Scorern des Teams die notwendigen Würfe (5,3 Assists pro Spiel). Der Missouri Transfer kann aber auch selber ordentlich Punkte auf das Scoreboard zaubern. Gerade aus der Distanz ist der kleine Guard gefährlich. Durch seine Mischung aus Scoring, Kontrolle und Spielübersicht ist Clark der Spieler, der für die Bulls nicht zu ersetzen ist und ein gutes Spiel haben muss.

X-Faktor: Jeremy Harris, Big, 6'7'', Junior
Im Spielsystem der Bulls ist Jeremy Harris die entscheidende Personalie. Knapp zwei Meter groß, läuft Harris nominell als Power Forward auf. Doch in Wahrheit schlummert in dem Linkshänder ein vierter Guard, der das Spiel mit seinem exzellenten Wurf (43 Prozent bei über zweieinhalb Treffern im Schnitt) und seinen Drives gegen Closeouts in die Breite ziehen kann. Von Harris' offensiver Performance wird abhängen, wie gut sich Buffalo im Aufeinandertreffen mit dem riesigen Arizona Frontcourt schlagen kann. Denn nur wenn er DeAndre Ayton effektiv vom Brett weglocken und gegen ihn zum Korb ziehen kann, haben die Bulls eine Chance auf den Upset.

Style: Bulls wollen laufen. Schon in den vergangenen Jahren waren sie immer bestrebt, ein hohes Tempo zu gehen und Spiele über gute Offensivleistungen zu gewinnen. Doch in dieser Spielzeit konnten sie das Schema nochmals auf ein höheres Level hieven. 84,8 Punkte erzielen die Bulls im Schnitt, was nochmals sieben Punkte über dem letztjährigen Durchschnitt liegt. Die Pace ist die viertschnellste aller Tournament Teams. Im Halbfeld agieren die Bulls de facto mit vier Guards und ziehen das Spielfeld in die Breite.

NBA & BBL Kandidaten: Als einziger Senior des Teams ist Wes Clark ein möglicher Kandidat für europäische Clubs der zweiten Reihe.

Fun/Quick Facts: Hinter den Bulls liegt die erfolgreichste Saison der Programmhistorie. Nie zuvor konnten sie in der Division I 26 Siege einfahren. Zudem ist für Coach Nate Oats bereits die zweite Teilnahme am NCAA Tournament nach 2016. Diese Zahl in drei Jahren zu erreichen ist auch deswegen so beachtlich, weil Buffalo ansonsten nur 2015 unter Bobby Hurley, mit Oats als Assistant Coach, ein weiteres Mal im März tanzen durfte.

Tournament: Buffalo ist einer der gefährlichsten Mid-Majors des Teilnehmerfeldes. Durch ihre Offense können die Bulls viele Favoriten auf dem falschen Fuß erwischen. Das Scoring ist auf viele Schultern verteilt und der Kader ist insgesamt tief besetzt. Nick Perkins kommt als zweitbester Scorer von der Bank. Dass die Bulls in der ersten Runde auf Arizona treffen, ist auf dem Papier Pech, da die Wildcats wahrscheinlich auch eine Seedline höher vertretbar gewesen wären, doch Buffalo ist keineswegs chancenlos. Auf Perkins und Harris wird es ankommen für die Bulls. Denn beide Linkshänder sind in der Lage, Arizonas Frontcourts zu ärgern. Harris muss sein Perimeter Game aufziehen und Perkins Wege finden, mit der Größe der Wildcats klarzukommen.

Butler Bulldogs

MVP: Kelan Martin, Wing, 6'6'', Senior
In dieser Saison ist Kelan Martin endgültig zum unangefochtenen Anführer der Bulldogs aufgestiegen. In der Offensive lastete schon in den vorangegangenen Jahren ein gehöriger Anteil der Verantwortung auf seinen Schultern. In der aktuellen Spielzeit ist Martin die Schaltzentrale (20,8 Punkte pro Spiel), die ein Gegner lahmlegen muss, um Butlers Offense zum Erliegen zu bringen. Allerdings ist Martin zu gut, um sich einfach ausschalten zu lassen. Die Frage ist nicht, ob Martin scort, sondern wie effizient er agiert. Besonders Martins Dreier hat sich nochmals verbessert. Der Wurf wirkt in seiner Mechanik besser und die Häufigkeit der Treffer ist sprunghaft angestiegen.

X-Faktor: Paul Jorgensen, Guard, 6'2'', Junior
Neben Martin und Kamar Baldwin brauchen die Bulldogs einen dritten Scorer, um in der Offense nicht zu ausrechenbar zu werden und zu viel Druck auf die eigene Verteidigungsleistung aufzubauen. Der Akteur, der am wahrscheinlichsten für Entlastung sorgen könnte, ist Junior Paul Jorgensen. Der ehemalige George Washington Guard spielt in seinem ersten Jahr für die Bulldogs und konnte immer mal wieder durch solide Leistungen zweistellige Punkteausbeuten aufweisen. Allerdings lässt der Guard jedwede Konstanz vermissen und war speziell innerhalb der Conference Saison sehr schwankend in seinen Leistungen.

Style: In seinem ersten Jahr übernahm LaVall Jordan noch keine allzu großen Veränderungen und profitiert bisher von den Strukturen, die ihm seiner Vorgänger Chris Holtmann überließ. Die Offense ist in der Regel darauf ausgerichtet, Kelan Martin in günstige Situationen zur Isolation zu bringen oder Kamar Baldwin mit einem Big Man ins Pick & Roll zu involvieren. Die beiden regeln im Normalfall den Rest.

NBA & BBL Kandidaten: Kelan Martin hat sich zu einem legitimen NBA Anwärter entwickelt. Sein Scoringtalent war nie hinterfragt worden, allerdings kamen immer wieder Zweifel auf, in welcher Form er seine Spürnase für Punkte in der NBA anbringen kann. Durch seinen verbesserten Dreier kann er nun zumindest als Schütze eingesetzt werden. Ob er auf NBA Niveau weiterhin seine Würfe mit zum Teil hohem Schwierigkeitsgrad versenken kann, muss jedoch weiter kritisch beäugt werden. Tyler Wideman könnte eventuell eine Karriere in Europa anstreben. Der Big Man ist ein Kraftpaket, das hart verteidigt und reboundet und offensiv finisht, was in seine Hände gerät.

Fun/Quick Facts: Coach LaVall Jordan war einst selbst Spieler für die Butler Bulldogs und war 2001 Teil des Teams, das den ersten Tournament Sieg des Programms seit fast 40 Jahren einfuhr. Jordan wäre 2013 schon fast zum Headcoach ernannt worden, als Brad Stevens Butler verließ und der Headcoach der Boston Celtics wurde.

Tournament: Siege wie der über Villanova verdeutlichen, zu welchen Leistungen das Team im Stande ist, wenn die Maschine wie geölt läuft. Besonders offensiv müssen Kelan Martin und Kamar Baldwin gute Leistungen erbringen, damit die Bulldogs im Tournament zumindest ein Spiel gewinnen können. Ein großer Vorteil der Bulldogs besteht darin, dass die Rolle relativ klar verteilt sind und über die Saison auch eigentlich jeder Spieler in seine entsprechende Rolle reingewachsen ist. Allerdings bleibt die Frage, ob Jorgensen als dritter Scorer liefern kann.

Cal State Fullerton Titans

MVP: Kyle Allman, Guard, 6'3'', Junior
Als Topscorer der Titans legt Kyle Allman pro Begegnung 19,4 Punkte auf. Allman ist athletisch und hat einen guten Zug zum Korb. Seine langen Arme helfen ihm beim Finish und er setzt seinen Körper geschickt gegen helfende Verteidiger ein. Trotz seiner eher schmächtigen Statur netzt Allman über 50 Prozent seiner Zweierversuche ein. Auch aus der Distanz erzeugt der Junior Gefahr. 43 Prozent beträgt die Dreierquote des Außenspielers. Durch seine Scoring Fähigkeiten zieht Allman eine Menge Aufmerksamkeit auf sich und schafft somit Freiräume für seine Nebenleute.

X-Faktor: Jackson Rowe, Big, 6'7'', Sophomore
Jackson Rowe ist ein Power Forward, der offensiv in erster Linie von den Durchsteckern und diversen anderen Zuspielen seiner Guards profitiert. Er bewegt sich ordentlich ohne Ball und kann mit dem Spielgerät in den Händen ebenfalls etwas anfangen. Dank seines kräftigen Körpers ist er ein ordentlicher Finisher. Gleichzeitig ist seine Dreierquote auch die zweitbeste des Teams (41 Prozent). Entscheidend wird jedoch sein, dass Rowe seinem Team am Brett eine gewisse Präsenz verleiht. Als Rebounder und Shotblocker muss er Gegenwehr leisten und sich mit einem scheinbar übermächtigen Frontcourt auseinandersetzen.

Style: Besonders Scoring Guard Allman soll im Angriff in gute Position gebracht werden. Viele indirekte Blöcke bereiten anschließende Pick & Roll Situationen vor, aus denen heraus die Guards Penetrations und Ballmovement initiieren können. Allerdings nutzen auch die vielen Baseline Cuts und Flarescreens wenig, wenn die Mannschaft keine Gefahr von außen ausstrahlt. Nach Kentucky und Montana weißt Cal State Fullerton die drittgeringste Dreierrate aller Tournament Teams mit 28,8 Prozent auf.

NBA & BBL Kandidaten: Kein Spieler des Kaders kommt in der nächsten Spielzeit für ein BBL oder europäisches Team in Betracht.

Fun/Quick Facts: Dedrique Taylor konnte seine erste Tournament Teilnahme als Headcoach sichern. Tournament Erfahrung besitzt Taylor allerdings schon. Als Assistant Coach war er lange Jahre unter Herb Sendek bei den Arizona State Sun Devils tätig. In dieser Funktion betreute er unter anderem auch James Harden.

Tournament: Realistisch betrachtet ist die Qualifikation zum NCAA Tournament bereits ein riesiger Erfolg für die Titans. Gegen Purdue werden sie nicht nur aufgrund ihres Seedings als absoluter Underdog in die Partie gehen. Gerade im Frontcourt können die Titans wenig aufbieten, um Riese Isaac Haas zu stoppen. Außerdem wird die fehlende Gefahr außerhalb der Dreierlinie dafür sorgen, dass Purdues Defense in der Zone noch weniger zulässt, als ohnehin schon zu vermuten wäre.

Cincinnati Bearcats

MVP: Jacob Evans, Wing, 6'6'', Junior
Die Diskussion um den besten Two-Way-Player der NCAA dreht sich in der Regel schnell im Kreis, da buchstäblich kein Weg an Mikal Bridges vorbeiführt. Dennoch sollte der Name Jacob Evans in diesem Zusammenhang zumindest seine Erwähnung finden. Evans ist ein extrem vielseitig veranlagter Spieler, der im Angriff immer dann das Ruder übernimmt, wenn mal eine Durststrecke droht (12,9 Punkte und 3,2 Assists pro Spiel). Dabei agiert Evans in der Regel noch äußerst effizient und überdreht nicht. Genau dieser Spieler hat Cincy in den vergangenen fünf, sechs Jahren öfter mal gefehlt. Nicht zu unterschätzen ist außerdem Evans' überaus solide Defense.

X-Faktor: Gary Clark, Big, 6'7'', Senior
Gäbe es in der NCAA eine statistische Kategorie, die erfassen würde, wie oft einzelne Spieler in einer Saison auf dem Boden liegen, weil sie um Loseballs kämpfen, Offensivfouls annehmen oder beim Rebound ihren Körper opfern, würde Gary Clark in dieser Rangliste mit hoher Wahrscheinlichkeit einen der obersten Plätze einnehmen. Trotz seiner relativ geringen Körpergröße ist Clark bei jedem Rebound mit mindestens einer Fingerkuppe am Ball und erarbeitet seinem Team dadurch viele zweite Chancen. In der Defense ist Clark ebenfalls ein ständiger Aktivposten und sammelt Deflections ohne Ende. Offensiv ist die Evolution seines Dreier die erfreulichste Entwicklung und ein wahrer Gamechanger (43,3 Prozent). Mit Clark auf dem Feld ist Cincinnati jedem durchschnittlichen NCAA Team haushoch überlegen und jedem Topteam mindestens ebenbürtig.

Style: Mick Cronin hat ein Defensivsystem entwickelt, das Regeln, Spielfeldgegebenheiten und die zu erwartenden Fähigkeiten eines guten NCAA Spieler in einem perfekten Zusammenspiel untergräbt. Die Bearcats spielen eine Matchup-Zone, die im Prinzip nicht zu kopieren ist. Fünf Spieler, die alle eine ähnliche Länge und Athletik mitbringen, verhindern offene Dreier, können dabei aber auch schnell genug rotieren, um Penetrations zu verhindern oder durch gute Rimprotection lächerlich wirken zu lassen. 70 Punkte gegen Cincy zu erzielen, kommt 90 in einem normalen NCAA Spiel gleich. Der Angriff, der über Jahre die Problemzone darstellte, ist durch besseres Spacing, mehr Gefahr von der Dreierlinie und höherem individuellen Talentlevel zumindest auf einem Niveau angelangt, das konstant für Punkte sorgen kann.

NBA & BBL Kandidaten: Eine knifflige Entscheidung könnte Jacob Evans erwarten. Spieler seiner Art liegen in der NBA gerade hoch im Kurs und ein Team kann nie genug solcher Spielertypen in seinem Kader ansammeln. Allerdings ist die Frage, ob sich Evans schon ein Standing wie ein Josh Hart im vergangenen Sommer erarbeitet hat und mindestens in der ersten Runde gedraftet wird. Theoretisch könnte er noch für sein Senior Jahr am College bleiben. Für die NBA könnte Gary Clark ein wenig zu klein geraten sein. Doch in einer Liga wie der BBL, wäre Clark in naher Zukunft bestens aufgehoben sein. Kyle Washington dürfte es ebenfalls nach Europa ziehen. Der Linkshänder ist offensiv mit einem ordentlichen Repertoire ausgestattet und genießt zudem zurecht den Ruf eines exzellenten Rebounders.

Fun/Quick Facts: Coach Mick Cronin führt das Umdenken in seiner Offensivstrategie auf ein Gespräch mit Notre Dame Coach Mike Brey, der seit Jahren für seine Pick & Roll gesteuerte Offense große Anerkennung erfährt, zurück. Seit diesem Austausch im Sommer 2016 ist das Spacing der Bearcats deutlich besser. Cronin vollzog den Wechsel von der Basis einer 3-Out-2-In-Aufstellung in eine 4-Out-Offense.

Tournament: Nie waren die Bearcats gefährlicher als in diesem Jahr. Zwar will traditionell niemand gerne gegen Cincys Defense antreten, doch in der Vergangenheit konnten gegnerische Teams zumindest darauf setzen, dass eine gute eigene Verteidigungsleistung zu Fastbreaks und Transitionpunkten führen könnte. Die Erfolgsaussichten einer solchen Strategie scheinen in diesem Jahr rapide gesunken zu sein. Wie gut Cincy wirklich ist, wird das erste Tournament Wochenende zeigen.

Charleston Cougars

MVP: Joe Chealey, Guard, 6'3'', Senior
Die Wahl eines MVPs fällt bei Charleston zwischen den beiden Backcourt Stars Joe Chealy und Grant Riller äußerst schwer. Am Ende bekommt jedoch Chealey den Zuschlag. Erstens ist er Senior und in seinem fünften Amtsjahr bei den Cougars. Zweitens geht die Tournament Teilnahme zum Großteil auf seine Kappe. Im entscheidenden Finalspiel der CAA sorgte Chealey dafür, dass sich der 1 Seed gegen Northeastern noch in die Verlängerung retten und dort dann das Spiel gewinnen konnte. Chealey erzielte die letzten zehn Punkte seines Teams in der regulären Spielzeit. Chealy ist der Teamallrounder (18,5 Punkte, 4,7 Rebounds und 3,6 Assists pro Spiel) und Anführer, wenn es darauf ankommt.

X-Faktor: Jarrell Brantley, Big, 6'7'', Junior
Jarrell Brantley ist der typischer Vierer, den ein Mid-Major-Team braucht, wenn es in der ersten Runde einen Upset gegen den großen Favoriten erreichen will. Brantley verfügt über eine enorm beeindruckende Statur. Auf seine knapp zwei Meter Körpergröße bringt er fast 115 Kilo Muskelmasse. Kombiniert mit seiner guten Fußarbeit kann er im Lowpost im Eins-gegen-Eins selbst für High-Major-Verteidiger zum Problem werden. Fast noch wichtiger ist jedoch sein Perimeter Game. Brantley besitzt Guard Skills. Er kann Dreier aus sieben Metern treffen oder Closeouts mit einem harten Dribbling attackieren und per Finish vollenden. Diese Vielseitigkeit macht ihn zu einem potenziellen Mismatch.

Style: Die Cougars sind ein Team, das sich über gutes Spacing und eine variable Offense definiert. Die Hydra hat pro Spiel mindestens drei Köpfe, regelmäßig wachsen ihr aber auch ein vierter oder fünfter, wenn die anderen Guards des Teams die Freiräume für sich nutzen. Meistens übernehmen Chealey und Riller das Ballhandling im Side Pick & Roll, während alle anderen in regelmäßigem Abstand um die Dreierlinie verteilt sind. Immer wieder streuen die Cougars aber auch gezielte Setplays nach Unterbrechungen oder Auszeiten ein. Besonders Backscreensets, um den Ball in Brettnähe zu bringen, erfreuen sich hoher Beliebtheit.

NBA & BBL Kandidaten: Joe Chealey könnte den Weg nach Europa einschlagen. Ob er direkt in den höheren Ligen einsteigt, wird vermutlich der Sommer zeigen.

Fun/Quick Facts: In seinem vierten Jahr in Charleston konnte Coach Earl Grant erstmals die Tournament Teilnahme perfekt machen. In jedem Jahr gewannen die Cougars mehr Spiele und konnten sich als Team verbessern. Grant war vor seiner Zeit als Headcoach Assistant Coach von Gregg Marshall (Winthrop, Wichita State) und Brad Brownell (Clemson). Für das College ist es die erste Teilnahme seit 1999.

Tournament: Beim Ausfüllen des Brackets dürften die Cougars ein beliebter Upset Pick der ersten Runde werden. Die Zutaten dafür sind gegeben: mindestens zwei spielstarke Ballhandler im Backcourt, ein variabler Power Forward mit der Physis eines High-Major-Spielers und zwei Bigs, die zumindest defensiv Widerstand leisten können. Auch von der Bank können Impulse kommen. Dazu treffen sie mit Auburn auf ein Team, das durch Verletzungen geschwächt ist und nicht unbedingt über den Talentpool anderer 4 Seeds verfügt. Der Auftritt im SEC Tournament gegen Alabama war auch eher enttäuschend.

Clemson Tigers

MVP: Gabe DeVoe, Guard, 6'3'', Senior
Eigentlich sollte an dieser Stelle der Name Donte Grantham auftauchen. Doch nachdem der Senior einen guten Saisonstart nach einer verkorksten Juniorsaison feiern konnte, riss sich der Forward zur Saisonmitte das Kreuzband. Seit dem Ausfall des Stretch Vierers ist Gabe DeVoe in die Bresche gesprungen und hatte in so manch knappem Spiel entscheidenden Anteil am Sieg. Auch wenn er nicht der Topscorer des Teams ist, ist DeVoe dennoch derjenige, der die wichtigen Würfe oder Plays in einem Spiel auflegt. Der Guard verfügt über einen exzellenten Wurf, hat aber auch zusehends sein Ballhandling verbessert und ist mittlerweile sehr geschickt darin, Closeouts zu attackieren.

X-Faktor: Elijah Thomas, Big, 6'9'', Junior
Ein Großteil der Clemson Offense ist so strukturiert, dass am Ende eines Angriffs Elijah Thomas als Rollman im Pick & Roll oder zum Eins-gegen-Eins im Lowpost den Ball erhalten soll. Dabei schlägt sich der ehemalige Texas A&M Aggie auch meistens ganz ordentlich. Zwar lässt er immer wieder vermeintlich leichte Korbleger liegen, doch zumindest erarbeitet er sich zweite und dritte Chancen, die er spätestens zu Punkten ummünzt. Durch seine Aktivität am Brett, haben die vielen Schützen und Scorer vom Perimeter mehr Platz und weniger Ärgernisse von der Defense zu erwarten. Problematisch ist jedoch, dass Thomas sich oft in Foulproblemen verzettelt und nicht immer das größte Geschick beweist. Ohne Thomas auf dem Feld ist Clemsons Offense deutlich geschwächt.

Style: Traditionell setzt Coach Brad Brownell auf eine betonmischende Defensive, die dem Gegner Penetrations wegnimmt und nur wenige einfache Punkte gestattet. Dieses Jahr fehlt ein wenig die Defensivstärke im Eins-gegen-Eins am Perimeter und die Länge im Frontcourt um den Ring bei Fehlern der Guards zu beschützen. Dennoch spielt das Team mit jeder Menge Energie in der Verteidigung und funktioniert gut als Einheit. In der Offense lässt Brownell seit Jahren gute Sets laufen, allerdings fehlten bisweilen das nötige Talent und die Genauigkeit für Erfolgserlebnisse. In diesem Jahr ist in diesen Bereichen eine klare Steigerung zu erkennen.

NBA & BBL Kandidaten: Donte Grantham wird zwar nicht mitwirken können, doch nach erfolgreicher Reha sollte der schlaksige Forward eine Rolle als 3-and-D-Tweener in der NBA einnehmen können. Gelingt dies nicht, sollte Grantham aber auf jeden Fall in Europa unterkommen. Gabe DeVoe könnte ebenfalls eine Anstellung in einer europäischen Liga finden. Der Guard sticht auf den ersten Blick zwar nicht heraus, doch was er fabriziert, hat Hand und Fuß.

Fun/Quick Facts: Die Tigers konnten in dieser Saison die beste Saison unter dem Regiment von Coach Brownell verzeichnen. Seit dessen Antrittsjahr 2010/2011 konnte sich Clemson erstmals für das Tournament qualifizieren. Von den ersten sieben Spielern der Rotation, begannen lediglich zwei ihre College Karriere in Clemson: Gabe DeVoe und Freshman Aamir Simms. Alle anderen kamen per Transfer aus allen Conferences und über alle Levels verstreut.

Tournament: Die Teilnahme dürfte Coach Brownell zunächst einen etwas tieferen Sitz im Sessel verschafft haben. Bereits in der Offseason im vergangenen Sommer gab es Gespräche, ob Brownell nach sechs Tournament-losen Saisons noch der richtige Mann wäre. Ein Sieg im Tournament würde die Saison für Coach und Mannschaft krönen. Allerdings wirken die Tigers ein wenig wie der klassische 5 Seed, der in der ersten Runde rausfliegt. Der Trend ging während der Saison eher nach unten und viele knappe Spiele zeigen, dass Clemson in der Regel kein Team ist, dass seine Gegner dominiert.

Creighton Blue Jays

MVP: Marcus Foster, Guard, 6'3'', Senior
Creighton gehört zu den besten Offensivteams der ganzen NCAA und Marcus Foster ist individuell der beste Spieler dieses formidablen Angriffs. Der bullige Combo Guard ist ein typischer Scorer, der wenig Platz für seine Würfe braucht, auch im Eins-gegen-Eins kreieren kann, falls die Setoffense zum Erliegen kommt, und in kürzester Zeit Spiele durch seine Punktausbrüche entscheiden kann. 20,3 Punkte im Schnitt legt Foster auf. Obwohl seine Verantwortung für den Angriff exorbitant hoch ist (Usage Rate von 30 Prozent), schafft er es dennoch ein effizienter Scorer zu sein (49 Prozent aus dem Feld, 42 Prozent Dreierquote). Einziger Wermutstropfen ist seine Abhängigkeit vom Jumpshot. Foster zieht nur selten Fouls und muss sich viele Punkte hart erarbeiten.

X-Faktor: Khyri Thomas, Guard, 6'3'', Junior
In dieser Saison musste Khyri Thomas den Sprung vom Rollenspieler zur zweiten Option in der Offense vollziehen. Da er in seinen ersten beiden Jahren vorrangig seiner Defense wegen zum Einsatz kam und in dieser Hinsicht selbst NBA Scouts von seinen Fähigkeiten als Stopper beeindrucken konnte, war die Skepsis vor der Saison nicht gerade klein. Doch wenige Monate später steht den Blue Jays mit Thomas nun einer der besten Two-Way-Player der gesamten NCAA zur Verfügung. Am einen Ende des Feldes kümmert sich Thomas immer noch um den besten Außenspieler des Gegners und offensiv erzielt er über 15 Punkte pro Spiel und verteilt die zweitmeisten Assists des Teams.

Style: Greg McDermott ist einer der besten Offensivtaktiker der gesamten NCAA. Es macht unglaublich viel Spaß, den Blue Jays beim Basketballspielen zuzusehen. Creighton spielt mit einer guten Geschwindigkeit in allen Aktionen und nutzt gerade in der Transition viel freie Offense und schnelle direkte Blöcke, um sofort einen Vorteil zu generieren. Klappt dies nicht, sind die Sets enorm clever aufgebaut und führen den Gegner durch Screen-the-Screener, Misdirection und viele indirekte Blöcke ganz schnell in die Irre.

NBA & BBL Kandidaten: Khyri Thomas ist aus NBA Perspektive der interessanteste Prospect. Selbst in der NBA sollte er als Verteidiger drei Positionen verteidigen können. Zwar ist er nicht sonderlich groß, besitzt dafür jedoch lange Arme, gute Instinkte und einen kräftigen Körper mit tiefem Schwerpunkt. Durch seine offensive Steigerung ist er auch hier längst keine Schwächung mehr. Marcus Foster wird sein Glück wahrscheinlich ebenfalls in der NBA probieren. Langfristig ist er wahrscheinlich eher ein typischer Scorer für europäische Teams.

Fun/Quick Facts: Die Schwachstelle in der Bilanz der Blue Jays, die zwar nicht wirklich die Teilnahme in Gefahr bringen konnte, wohl aber das Seeding beeinflusst hat, waren die fehlenden Siege auf fremdem Parkett. Tatsächlich steht nur ein einziger Auswärtssieg gegen ein anderes Tournament Team zu Buche. Im November gewannen die Blue Jays auf neutralem Boden gegen UCLA ein Offensivfestival. Marcus Foster dürfte sich über das Matchup gegen Kansas State besonders freuen. Dort startete er seine Karriere, verließ das College und den Coach jedoch im Zwist.

Tournament: Seit der Verletzung von Martin Krampelj, einem slowenischen Big Man, der sich das Kreuzband riss, sind die Blue Jays im Schlingerkurs unterwegs. Zwar aktivierten sie den überaus talentierten australischen Freshman Jacob Epperson, doch für den lautete der Plan eigentlich, zu redshirten, um körperlich besser in Schuss zu kommen. Im Frontcourt ist Creighton daher unterbesetzt. Zwar ist das Team von McDermott nicht darauf angewiesen, einen dominanten Innenspieler zu haben, doch für die vielen Pick & Rolls und indirekten Blöcke würde es helfen, einen Big zu haben, der sich ähnlich geschickt wie Krampelj verhält. Der Backcourt und speziell Foster können den Blue Jays ein Spiel gewinnen, doch zu mehr fehlen in diesem Jahr die Erfahrung und Physis auf entscheidenden Positionen. Nichtsdestotrotz wäre ein Zweirundenmatchup zwischen Creighton und Virginia sehr interessant zu beobachten, sollten die Blue Jays heißlaufen.

Davidson Wildcats

MVP: Peyton Aldridge, Big, 6'7'', Senior
Auf Mid-Major-Level gibt es kaum einen Spieler, der so wichtig für den Teamerfolg ist wie Peyton Aldridge für die Wildcats. Der Senior vereint alle Eigenschaften, die für den Davidson Basketball unter Bob McKillop stehen. Aldridge ist nominell ein Power Forward, hat aber gerade am College eigentlich keine Position, die ihm fest zugewiesen werden könnte. Aldridge ist ein guter Schütze aus der Distanz (39 Prozent bei über zwei Treffern pro Spiel), kann gegen kleinere Gegenspieler ins Postup gehen, wo er seine gute Fußarbeit nutzt und seinen Gegnern keine Chance lässt. Als Passgeber liest er das Spiel besser als so mancher Aufbauspieler (2,5 Assists pro Spiel). Auch abseits des Balls bewegt sich Aldridge intelligent und weiß genau, wie er Fehler seines Verteidigers eiskalt bestraft. Die Vielseitigkeit in der Entstehungsweise seiner 21,5 Punkte pro Partie ist beeindruckend. Nicht zu vernachlässigen sind seine clevere Defense und seine Reboundarbeit.

X-Faktor: Jon Axel Gudmundsson, Guard, 6'4'', Sophomore
Der Isländer ist der Schlüsselspieler für die Wildcats. Auch wenn diese bedingt durch ihre Spielweise weit weniger von einem dominanten Guard abhängig sind als viele anderen College Teams, ist es stets von Vorteil, wenn der Sophomore ein gutes Spiel abliefert. Durch seine Größe und Übersicht schafft er es oft genug, seine Gegenspieler so zu schlagen, dass eine Hilfe kommen muss. Bleibt die aus, scort Gudmundsson. Kommt ein zweiter Verteidiger herangerauscht, behält der Guard die Übersicht und spielt einen guten Kickoutpass. Als einziger Aufbauspieler des Kaders muss Gudmundsson viele Minuten gehen, Fouls vermeiden und relativ fehlerfrei agieren.

Style: Es gibt kaum Teams in der NCAA, die so selbstlos, routiniert und teamorientiert den Ball bewegen und sich eine derart hohe Wurfqualität sichern. Alle Spieler auf dem Feld können passen, haben gute Fundamentals und können Dreier treffen. In Kombination mit den vielen indirekten Blöcken und den vielen Read-and-React-Prinzipien ist es für den Gegner unmöglich, sich perfekt auf Davidson einzustellen. Es liegt mehr an den Wildcats, gute Entscheidungen zu treffen, nicht zu viel zu werfen und gut auf den Ball aufzupassen.

NBA & BBL Kandidaten: Peyton Aldridge passt perfekt nach Europa. Für die NBA fehlen ihm Athletik und Größe, doch in Europa wäre er bestens aufgehoben. Als Lightversion von Berlins Luke Sikma, die sich in ihrer intelligenten und vielseitigen Spielweise ähneln, könnte er sicher viele Teams bereichern.

Fun/Quick Facts: Im Februar und März verloren die Wildcats bisher lediglich zwei Spiele. Beides waren Auswärtsspiele gegen die anderen beiden Tournament Teams der Atlantic-10 Conference. Zu Silvester lag das Team noch bei einer Bilanz von 5-7 und verlor u.a. mit 16 Punkten gegen Appalachian State.

Tournament: Die Wildcats sind eines der heißesten Teams der NCAA. Zuletzt gewannen sie elf der letzten 13 Spiele. Was bei vielen Teams bereits ein Alarmsignal für den Gegner sein sollte, verstärkt sich für Davidson nochmals deutlich. Denn das Team von McKillop lebt davon, dass alle Spieler ein blindes Verständnis füreinander entwickeln, ihre Würfe treffen und ein gutes Gefühl bekommen. Ist dies der Fall, braucht sich Davidson vor keinem Team der NCAA zu verstecken. Mit Kentucky, das defensiv unfassbar undiszipliniert ist, treffen die Bidstealer vermutlich genau auf den richtigen Gegner. Die A-10-Champs haben alle Zutaten, um die jungen Kentucky Spieler schlecht aussehen zu lassen und bei Coach Cal Tobsuchtsanfälle auszulösen.

Duke Blue Devils

MVP: Grayson Allen, Guard, 6'5'', Senior
Ein denkwürdigeres Finale einer vierjährigen College Karriere als einen Sieg über Erzrivalen North Carolina vor den Augen der Cameron Crazies gibt es für den durchschnittlichen Duke Absolventen kaum. Doch Grayson Allen war und ist kein durchschnittlicher Blue Devil. Die Senior Saison des vielleicht polarisierendsten Spielers seit J.J. Redick war ähnlich wie seine vierjährige Karriere eine Spielzeit mit Höhen und Tiefen. Nach 37 Punkten gegen Michigan State folgten zahlreiche blasse Auftritte, ehe die Formkurve im letzten Saisonmonat wieder nach oben zeigte. Will Duke die Meisterschaft gewinnen, braucht es einen Allen in bester March Madness Form.

X-Faktor: Marvin Bagley III, Big, 6'11'', Freshman
Genau diese braucht Duke auch von Marvin Bagley III. Nachdem der Freshman durch sein Reclassifying vor der Saison von vielen Draft Experten zum sicheren ersten Pick des kommenden Sommers auserkoren wurde, folgte eine Saison, die zwar rein statistisch beeindruckend und überaus produktiv ausfiel. Allerdings kamen auch berechtigte Zweifel an Bagley auf. Defensiv ist er einfach in vielen Bereichen unterdurchschnittlich einzustufen. Er liefert keine richtige Rimprotection und hatte größte Probleme in der Pick & Roll Defense. Dass Duke größtenteils Zone spielt, ist auch Bagleys fehlendem Defensivvermögen geschuldet. Tritt Bagley mit der Energie der zweiten Halbzeit gegen UNC im finalen Spiel der regulären Saison auf, ist Duke ein ganz anderes Team.

Style: Wie in der jüngeren Vergangenheit häufiger der Fall, sah sich Coach K im Laufe der Saison immer mal wieder gezwungen, Veränderungen vorzunehmen. Offensiv kehrten die Blue Devils nach einigen Jahren in der 4-Out-Offense wieder zu klassischeren Sets früherer Tage zurück, die auf zwei dominante Innenspieler ausgerichtet sind. In der Defense versuchen die Blue Devils ihre Schwächen vermehrt in ihrer 2-3-Zone zu verstecken.

NBA & BBL Kandidaten: Marvin Bagley III ist eine konstante Double Double Maschine und nach wie vor derjenige, dessen Name am häufigsten in Zusammenhang mit dem Draft genannt wird. Aufmerksame Beobachter stellen sich aber mittlerweile die Frage, ob er überhaupt der interessanteste Prospect des Teams ist. Denn mit Wendell Carter Jr. steht neben ihm ein weiterer kräftiger Big Man zur Seite, der wesentlich vielseitiger zu seinen Punkten kommt und am defensiven Ende weniger anfällig zu sein scheint. Gary Trent Jr. könnte als Shooter gegen Ende der ersten Runde gedraftet werden. Ob er jedoch noch mehr Dimensionen als seinen Wurf entwickeln kann, ist zunächst zu bezweifeln. Grayson Allen wird versuchen, in einem NBA Team unterzukommen. Eventuell wird es ihm guttun, nicht mehr im Zentrum des Interesses zu stehen und sich auf seine Dreier zu konzentrieren. Eine Karriere in Europa ist auch nicht auszuschließen. Trevon Duvals Kurs hat deutlich gelitten. Wie sein Sommer verläuft, wird spannend zu beobachten sein. Als Point Guard ohne Wurf hat er einen schweren Stand.

Fun/Quick Facts: Marvin Bagley III spielte mit DeAndre Ayton eine Zeit lang zusammen in einem High School Team in Phoenix. Im Februar verpasste er Bagley vier Spiele wegen einer nicht näher beschriebenen Knieverletzung. Zuletzt zeigte er sich allerdings wieder in bester Form und erweckte nicht den Eindruck, eingeschränkt zu sein.

Tournament: Als Duke vor drei Jahren Meister wurde mit einem Team, das zu einem erheblichen Teil aus Freshmen bestand, war auch die Defense über weite Strecken der Saison das meistdiskutierte Problem. Im Tournament steigerten sich die Blue Devils von Runde zu Runde. Viele Anhänger in Durham hoffen auf einen ähnlichen Verlauf. In der Tat fühlen sich die Blue Devils zunehmend wohler in ihrer 2-3-Zone und bereiten Gegnern ob der aufgebotenen Länge Probleme. Sobald ein Team jedoch die Schwachstellen identifiziert und auskosten kann, indem der Gegner einen fähigen Spieler auf dem Highpost als Playmaker postiert und gezielt Bagleys Seite überlagert, könnte es für Duke brenzlig werden.

Florida Gators

MVP: Chris Chiozza, Guard, 6'0'', Senior
Unter den besten Floor Generals der NCAA rangiert Chris Chiozza sicherlich in der Top5. Es gibt wenig Aufbauspieler, die so tonangebend die Strippen im Angriff ihrer Mannschaft ziehen wie der wieselflinke Chiozza. Dass er tatsächlich die angegebenen 6'0'' ausfüllt, darf ruhig bezweifelt wird, was jedoch seine Reboundstärke nur noch beeindruckender erscheinen lässt. Chiozza zeichnet sich für alle Aufgaben mit Ausnahme vielleicht des eigenen Ringschutzes verantwortlich, die während eines Spiels anfallen. Im Pick & Roll ist Chiozza kaum zu kontrollieren und dribbelt den helfenden Bigs gerne mal einen Knoten in die Beine. Dank seiner Schnelligkeit kommt der Guard mehr oder weniger nach Belieben in die gegnerische Zone, wodurch er genügend Aufmerksamkeit auf sich zieht, um die Schützen um sich herum in Szene setzen zu können. Notfalls tritt Chiozza selbst als Scorer in Erscheinung.

X-Faktor: Jalen Hudson, Wing, 6'5'', Junior
Der Topscorer der Gators kommt in der Regel von der Bank. Erst im vorletzten Spiel der regulären SEC Saison wurde er in die Starting Five beordert. Hudson ist im Normalfall der beste Dreierschütze der Gators. Er kann problemlos auch mal fünf Dreier in einer Halbzeit einstreuen. Der Virginia Tech Transfer muss aber mehr Konstanz beweist. Immer wieder hat er Halbzeiten oder ganze Spiele, in denen er kaum in Erscheinung tritt und nur ab und zu einen Dreier mit geringer Erfolgsaussicht in Richtung des Korbes wirft. Für die Gators ist es jedoch wichtig, dass sie eine gute Balance aus Dreier und Abschluss am Ring finden. Gelingt es Hudson die Balance zwischen die beiden Varianten auszutarieren, ist Floridas Offense direkt gefährlicher.

Style: Schnelle Abschlüsse und einfache Punkte im Fastbreak aus einer strukturierten Defense heraus sind das oberste Ziel von Mike White. Chiozza kann selbst nach erzielten Punkten des Gegners so schnell den Turbo zünden, das aus dem Nichts Überzahlsituationen entstehen. Haben die Gators keine Überzahl, bewegen sie den Ball geduldig entlang der Dreierlinie oder versuchen durch ein Pick & Roll eine Lücke zu reißen, die sie attackieren können. Grundsätzlich leben die Gators ein wenig von ihrem Wurfglück und müssen darauf bauen, dass ihre Außenspieler Chiozza, Hudson und KeyVaughn Allen Lösungen finden.

NBA & BBL Kandidaten: Chris Chiozza kann am College zwar fehlende Zentimeter durch Speed und Herz wettmachen, doch ob das auch für die NBA ausreichend ist, wird sich erst herausstellen müssen. In Europa wäre der quirlige Guard ein Nachtmahr für jeden Gegenspieler. Egor Koulechov wird ebenfalls in Europa einen Arbeitgeber finden. Sein russischer Pass könnte ihn beispielsweise für spanische Teams interessant machen.

Fun/Quick Facts: Derzeit spielt Florida mit einem traditionellen Big Man in Person von Kevarrius Hayes. Der eigentliche Starter John Egbunu ist genauso die ganze Saison verletzt ausgefallen wie Freshman Isaiah Stokes. Letzterer ist der jüngere Bruder von Jarnell Stokes, der bei Tennessee ein wandelndes Double Double darstellte. Gorjok Gak bekommt auch Minuten, hat allerdings noch nicht die physischen Voraussetzungen, um dauerhaft für Entlastung zu sorgen.

Tournament: Durch die Verletzungsmisere auf den großen Positionen, ist nicht nur die Rotation stark verdünnt, auch die Spielweise der Gators verliert stark an Variabilität. Wie gut die Gators sein können, wenn nur die vorhandenen Spieler eine bestechende Form erreichen, wurde bereits zu einem relativ frühen Zeitpunkt der Saison offensichtlich, als sie Duke im Rahmen des "PK80" eigentlich schon in die Knie gezwungen hatten, am Ende jedoch den Vorsprung aus der Hand gaben. Seit der Niederlage gegen Loyola ist die öffentliche Faszination um Florida ein wenig verpufft, doch ein Run bis ins zweite Wochenende - oder je nach Matchup darüber hinaus - haben die Gators immer noch in sich.

Florida State Seminoles

MVP: Phil Cofer, Big, 6'8'', Senior
Vom Rollenspieler und einem Power Forward, bei dem die Betonung stets auf "Power" lag, hat sich Cofer in seinem Seniorjahr zu einer Stütze der Offensivbemühungen entwickelt. Dieser Verlauf ist natürlich auch dem Personalwechsel der vergangenen Offseason geschuldet, dennoch ist es absolut bemerkenswert, wie ein Spieler, der in seinen ersten drei Spielzeiten insgesamt 12 Dreier versenkte, nun in einer einzigen Saison 45 bei ansprechender Quote (39,5 Prozent) im Korb unterbringt. Auch sonst hat sich Cofers Umgang mit dem Ball deutlich verbessert. Sein Perimeter Game und seine Drives zum Korb häufen sich zunehmend und wirken selbstbewusster, auch wenn die Resultate noch sehr wechselhaft sind.

X-Faktor: Terance Mann, Wing, 6'6'', Junior
Ähnlich wie bei Cofer hat die neue Rolle und der Zuwachs an Verantwortung bei Terance Mann dazu geführt, dass sich seine statistischen Werte weit beeindruckender als im Vorjahr lesen. Nach wie vor ist Mann ein Spieler, der extrem von seiner Energie lebt und durch Hustle und Loseballverwicklungen zu gefallen weiß. Dadurch setzt er auch bei seinen Mitspielern neue Kräfte frei und pusht sie zu Bestleistungen. Allerdings fehlen Mann immer noch die spielerischen Mittel, um ein Spiel gänzlich an sich reißen zu können. Der Dreier ist nach wie vor die große Schwachstelle. Nicht mal ein Viertel aller Versuche finden ihr Ziel.

Style: Wie schon im Vorjahr will sich Coach Leonard Hamilton die Tiefe seines Kaders zu Nutze machen. In der Regel sehen zehn Akteure ihre Minuten und können je nach Leistung darauf hoffen, längere Strecken auf dem Feld zu stehen. Die Seminoles pressen und wollen das Spiel schnell machen. Dabei können sie viel Druck auf den Ballhandler ausüben, weil sie über diverse Shotblocker in Ringnähe verfügen. In der Offense bieten sich den Spielern relativ viele Freiheiten. Das kann dazu führen, dass gutes Ballmovement entsteht und die Seminoles schwer auszurechnen sind. Möglich ist aber auch viel Chaos, bei dem niemand so recht in der Verantwortung steht.

NBA & BBL Kandidaten: Phil Cofer und Braian Angola sind die beiden Seniors des Teams. Cofer ist durch seinen Dreier deutlich interessanter als Rollenspieler für NBA Teams geworden, doch eine Karriere in Europa ist wahrscheinlicher. Dorthin könnte es auch Angola verschlagen. Der Kolumbianer ist ein talentierter, aber inkonstanter Scorer.

Fun/Quick Facts: Den ältesten Teilnehmer des NCAA Tournaments stellen dieses Jahr die Seminoles. Mit 26 Jahren ist Brandon Allen beispielsweise mehr als stolze acht Jahre älter als ein Jaren Jackson Jr. von Michigan State.

Tournament: Die Seminoles sind unberechenbar. Nach einem ordentlichen Start in den ersten Part der Saison außerhalb der eigenen Conference und einem Sieg gegen North Carolina früh in der ACC Saison ging die Leistungskurve nach unten. Hatten die Seminoles in der vergangenen Saison vielleicht zu viele Köche, fehlt in dieser Saison einfach der eine dominante Spieler, der in der entscheidenden Phase eines Spiels oder nach minutenlangem Leerlauf einfach mal das Nudelholz schwingt und für klare Verhältnisse sorgt. Spätestens in der zweiten Runde gegen Xavier (da gab es in jüngerer Vergangenheit schon mal ein deutliches Aufeinandertreffen zwischen den beiden) wird Schluss sein.

Georgia State Panthers

MVP: D'Marcus Simonds, Guard, 6'3'', Sophomore
Im gesamten Teilnehmerfeld dürfte es wenige Spieler geben, deren Leistungen so eng mit dem Teamerfolg verknüpft sind wie D'Marcus Simonds. Simonds ist ein enorm bulliger Guard mit langen Armen und ordentlicher Athletik. Während die meisten Spieler ihren Gegenspieler über ihren schnellen ersten Schritt schlagen, ist bei Simonds der zweite Schritt die entscheidende Komponente beim Drive. Mit dem ersten Schritt bringt er seinen Verteidiger aus der Balance. Beim zweiten nutzt er die fehlende Stabilität, um seine eigene innere Schulter in den Verteidiger zu rammen und mit dem Ball vorbeizuwehen. Neben seinen 21,1 Punkten pro Spiel überzeugt Simonds auch als Rebounder (5,8) und Assistgeber (4,5). Simonds fehlt nur noch ein konstanter Wurf aus der Distanz.

X-Faktor: Devin Mitchell, Guard, 6'4'', Junior
In den wenigen Minuten, die Simonds auf der Bank sitzt, um eine Verschnaufpause zu erhalten, liegt es meist an Devin Mitchell eine wenig die Verantwortung zu übernehmen. In erster Linie ist der drahtige Guard ein exzellenter Schütze. Er trifft pro Spiel doppelt so viele Dreier (2,9) wie Zweier (1,4) bei nahezu identischer Quote (45,1 Prozent). Mitchell lebt ein wenig von seinem Wurf, kann aber auch mal das eine oder andere Dribbling Richtung Korb wagen und per Floater abschließen. Die größte Gefahr stellt Mitchell beim Catch-and-Shoot dar, wenn er auf einen Pass von Simonds wartet.

Style: Die Panthers sind unter ihrem Coach Ron Hunter für ihre Matchup-Zone bekannt. Je nach Spielphase und Gegner beginnen die Panthers ihre Verteidigung mit einer 2-2-1-Zonenpresse, aus der heraus sie in eine 2-3-Grundaufstellung zurückfallen. Anschließend orientieren sie sich zu möglichen Gegenspielern, switchen aber auch kunterbunt durch und versuchen besonders den Weg in die Zone zu versperren. Offensiv ist Simonds der unangefochtene Leader, über den fast jeder Angriff läuft und der meist aus dem High Pick & Roll Lücken reißt.

NBA & BBL Kandidaten: D'Marcus Simonds könnte der nächste NBA Spieler aus der Sun Belt nach R.J. Hunter und Elfrid Payton sein. Simonds ähnelt dabei eher Payton, wobei er mehr als Scorer in Erscheinung tritt und der Wurf nicht ganz so furchtbar aussieht. Ob sich der Sophomore jetzt schon zum Draft anmeldet, wird spannend zu beobachten sein.

Fun/Quick Facts: Drei Jahre liegt die letzte Tournament Teilnahme mittlerweile zurück. Damals errangen die Panthers den Status als Fanliebling, nachdem sich Coach Ron Hunter beim Jubel über den Finalsieg der Conference die Achillessehne riss, gegen Baylor auf einem Scooter coachte und dann nach dem Siegwurf seines Sohnes zum Upset auch noch vom Stuhl kippte.

Tournament: Die Matchup-Zone der Panthers ist eine fiese Angelegenheit und würde für 95 Prozent aller Gegner eine heikle Nummer werden, weil sie so etwas nicht gewohnt sind und sich erst dagegen zurecht finden müssten. Dieser Fakt und ein guter aufgelegter D'Marcus Simonds würden gemeinsam ein gewisses Upset Potenzial garantieren. Das ganze hört sich aber nur im Konjunktiv vielversprechend an. Denn als Gegner erwartet Georgia State ausgerechnet Cincinnati, die ihrerseits eine Matchup-Zone spielen, was den Überraschungseffekt gehörig senkt und Simonds' Dominanz einschränkt.

Gonzaga Bulldogs

MVP: Killian Tillie, Big, 6'10'', Sophomore
"Der beste Spieler, über den niemand redet." - so könnte etwa eine Kurzbeschreibung zu Killian Tillie lauten. Selbst ein Run bis ins Finale in der Vorsaison konnte nicht dazu beitragen, dass den Gonzaga Bulldogs die Aufmerksamkeit zuteil wird, die verdient hätten. Denn abseits der großen Schlagzeilen hat sich Killian Tillie vom Backup Power Forward zu einem der besten Power Forwards der ganzen NCAA gemausert. Anders als noch im Vorjahr muss er sich nicht hinter erfahreneren Bigs mit wenigen Minuten begnügen, sondern ist mittlerweile die erste Option im Angriff. Sein Dreier fällt in dieser Saison erschreckend konstant (ca. 45 Prozent). Zuletzt traf Tillie schnöde 13/14 Dreier im WCC Tournament. Auch als Ballhandler beim Attackieren von Closeouts entwickelt Tillie Freude.

X-Faktor: Rui Hachimura, Wing, 6'8'', Sophomore
Dass Rui Hachimura einen riesigen Entwicklungssprung hinlegen würde, stand eigentlich zu keinem Zeitpunkt zur Debatte. Die Frage lautete viel mehr: Wie groß wird dieser Sprung sein? Und daran anschließend: Wie lange dürfen die Zags ihrem Japaner noch zujubeln? Die erfreuliche Antwort für die Anhängerschaft in Spokane lautet, dass Hachimura zwar einen ordentlich Satz hingelegt hat, der NBA aber noch mindestens ein Jahr den Rücken zuwenden dürfte. Dafür fällt der Dreier noch nicht gut genug, auch wenn der Wurf technisch deutlich besser aussieht und aus der Mitteldistanz schon regelmäßig fällt. Dennoch überpowert er mit seiner Athletik seine Matchups und ist in der WCC nicht zu stoppen. Selbst die besten Athleten der großen Unis werden Probleme mit der Dynamik des Japaners bekommen. Als sechster Mann bringt er viel Energie von der Bank und wird oft schon in den ersten Angriffen nach seiner Einwechslung gezielt gesucht.

Style: Wie immer gehören die Zags zu den besten Offensivteams der NCAA. Eine europäische Spielweise mit vielen Pick & Rolls, cleveren Misdirection Sets und genügend Postups bei gutem Spacing sichern eine gute Balance zwischen Abschlüssen am Korb und jenseits der Dreierlinie. In der Defense können sich die Zags auf die Rimprotection der athletischen Bigs verlassen und entsprechend viel Druck auf den ballführenden Spieler ausüben, ohne Angst haben zu müssen, dass einfache Punkte zustande kommen, wenn die Guards geschlagen werden.

NBA & BBL Kandidaten: Auch wenn der kommende Draft mit Big Men überladen ist und in der NBA das Dinosauriersterben in vollem Gange ist, sollte Killian Tillie ziemlich ernsthaft über eine Draftanmeldung nachdenken. Denn im Gegensatz zu vielen anderen großen Spieler verfügt der Franzose über Guard ähnliche Skills und bringt dazu Eigenschaften, die ein Big Man, der künftig in der NBA spielen will, mitbringen sollte: Er trifft Dreier, beschützt den Ring ordentlich und kann als Blocksteller im Pick & Pop/Roll Switches bestrafen und proaktiv Entscheidungen treffen. Für Johnathan Williams, einem reboundstarken Big mit Stretch Potenzial und gehobener Athletik, sowie Silas Melson, einem verteidigungsstarken Allrounder auf den Guardpositionen, wird der Weg wohl nach Europa führen.

Fun/Quick Facts: Rui Hachimura spielte als Freshman wenig. Das lag allerdings weniger am spielerischen Vermögen als an seinen begrenzten Englischkenntnissen. Diese sind in der Zwischenzeit wesentlich ausgereift. Die Dominanz der Zags in ihrer Conference ist in den vergangenen Jahren stetig größer geworden - trotz der ebenso positiven Entwicklung von Rivale St. Mary's. Entsprechend gab es wohl schon Gesprächen zwischen Offiziellen der Universität und der Mountain West Conference über einen Wechsel in die stärkere Conference. Es wird spannend zu beobachten, ob und wann ein solcher Wechsel in die Tat umgesetzt wird.

Tournament: Die alljährliche Frage für die Zags lautet: Wie gut konnte die schwache WCC das Team auf die kommenden Aufgaben der March Madness vorbereiten? Nach dem Run des letzten Jahres sollten die Zweifel geringer ausfallen als in den Vorjahren, dennoch sind sie nicht unberechtigt. Immerhin können viele Spieler des vergangenen Jahres auf die erlebten Erfahrungen zurückblicken und somit bestens vorbereitet in den März starten. Das diesjährige Team ist vielleicht nicht ganz so tief und qualitativ hochwertig besetzt wie in 2017, doch das ändert nichts an der Tatsache, das in den Zags eine Menge Potenzial schlummert.

Houston Cougars

MVP: Rob Gray Jr., Guard, 6'2'', Senior
Rob Gray Jr. ist der Topscorer und Anführer der Cougars. Im Schnitt erzielt der explosive Guard 18,5 Punkte pro Begegnung, wobei er diese größtenteils über seinen Drang zu Korb und Zone erzielt. Gray ist schnell, hat ein gutes Ballhandling und kann auch aus dem Pick & Roll heraus den freien Weg zum Korb identifizieren. Mit seinen Drives schafft er Freiräume für Mitspieler und setzt diese gekonnt in Szene (4,5 Assists pro Spiel). Einzig sein Dreier schwankt noch und ist sehr von der Tagesform abhängig. Kein Gegner sollte allerdings den Fehler begehen, ihn in der Schlussphase zu frei stehen zu lassen - unabhängig von seiner vorherigen Quote. Wofür Gray oft nicht genug Lob erhält, ist seine Hartnäckigkeit in der Verteidigung. Auch hier gehört er zu den besten Verteidigern eines insgesamt starken Defensivteams.

X-Faktor: Devin Davis, Big, 6'7'', Senior
Als drittbester Scorer des Teams wird Devin Davis sehr häufig von seinen Mitspielern gesucht. Der Power Forward hat ein ordentliches Midrange Game und liebt den Pullup nach dem Linksdribbling. Trotz seiner Qualitäten als Scorer und Rebounder, erweckt das Spiel der Cougars jedoch häufig den Eindruck, als würde es statischer werden, wenn Davis lange auf dem Feld steht und oft den Ball erhält. Durch den fehlenden Dreier des Bigs ergeben sich oft Spacing Probleme, da bisweilen drei Spieler auf dem Feld stehen, die den offenen Dreier nicht treffen. Auf der Fünf fehlt Davis ein wenig die Durchsetzungskraft gegen größere Innenspieler. Insofern muss Davis als Scorer enorm viel liefern, um seine Minuten und die Anzahl seiner Ballkontakte zu rechtfertigen.

Style: Die Cougars sind unter Kelvin Sampson vor allem ein defensivorientiertes Team. Durch aggressive Mannverteidigung im Halbfeld wollen die Cougars keine einfachen Würfe zulassen, gut als Team rebounden (Top15 in Reboundpercentage in der NCAA) und für viele eigene Fastbreaks sorgen. Im Angriff läuft viel über Go-to-Guy Gray, der in Pick & Rolls verstrickt wird, oder über Postups von Devin Davis. Funktioniert beides nicht, haben die Cougars aber auch die Möglichkeit einer schussstarken Small Ball Lineup in der Hinterhand.

NBA & BBL Kandidaten: Rob Gray Jr. wird versuchen, sich für die NBA zu empfehlen. Allerdings passt er deutlich besser nach Europa. Hier kann er seine Stärke an beiden Enden des Feldes einsetzen, wenn er das richtige Team findet.

Fun/Quick Facts: Nachdem Hurricane Harvey Verwüstungen in Houston und anderen Teilen der USA hinterließ, versuchten viele Sportmannschaften den Betroffenen zu helfen, indem sie zu Spenden aufriefen. Auch Houstons Coach Sampson rief eine Aktion ins Leben und bat um Kleiderspenden von anderen Programmen, die haufenweise in kürzester Zeit eintrafen. In dieser Saison wurde außerdem die Heimhalle renoviert, weswegen die Cougars ihre Heimspiele in der Arena der Texas Southern Tigers austrugen.

Tournament: Houston ist eines dieser Teams, das in den vergangenen Wochen und Monaten konstant an Fahrt aufnahm. Nach einer äußerst bitteren Niederlage Mitte Januar gegen Wichita State, die mit 81:63 weniger deutlich ausfiel, als der Spielverlauf hergegeben hätte, mussten sich die Cougars ernsthafte Sorgen um die Tournament Teilnahme machen. Zwei Monate später ist Houston nun ein gefährlicher 6 Seed, der in der Zwischenzeit Wichita State zwei Mal und Cincinnati ein Mal besiegen konnte. Wenn Houston Dreier trifft, Rob Gray Jr. in Fahrt kommt und die sich die Gegner weiter die Zähne an der Defense ausbeißen, ist das zweite Wochenende nicht vollkommen unrealistisch. Mit Michigan wartet jedoch schon in der zweiten Runde ein Team, das noch besser in Form ist.

Iona Gaels

MVP: Rickey McGill, Guard, 6'1'', Junior
Der Guard ist nicht bloß der Topscorer der Gaels. Er ist auch der Allrounder, der selbst gegen High-Major-Kontrahenten tonangebend auftreten sollte. Auf dem Feld ist McGill überall anzutreffen. Meist schnappt er sich den Rebound und startet blitzschnell einen der zahlreichen Fastbreaks. Im offenen Feld trifft McGill nicht immer die besten Entscheidungen, doch die schnelle Auffassungsgabe bei Überzahlsituationen hilft dabei, diese zu erhalten. Auch sonst ist McGill derjenige, der am ehesten seine Mitspieler in Szene setzen und nicht die Übersicht verliert.

X-Faktor: Deyshonee Much, Wing, 6'5'', Senior
In den letzten drei Jahren hat sich das Spiel des schlaksigen Flügelspielers in seiner Optik genauso wenig verändert wie seine schmale Statur. Dennoch konnte er beides auf deutliche höhere Levels hieven. Much ist explosiver und steigt bei seinem Wurf noch weiter in die Luft. Der Wurf ist auch weiterhin die mit Abstand schärfste Waffe im Arsenal des Seniors. Wenn Much heißläuft, gibt es wenig, was die Defense dagegen ausrichten könnte. Much braucht wenig Platz und Zeit, um seinen Wurf loszubekommen. Auch aus sieben Metern oder mit 20 Sekunden auf der Shotclock zögert Much nicht. Steht ihm der Gegner nicht von Anfang an auf den Füßen, kann er durchaus 30 oder 40 Punkte auflegen. Für ein Tournament Spiel wären 20 schon ein Zugewinn für die Gaels.

Style: Die Gaels wollen den Gegner aus dem eigenen Spielkonzept locken, indem sie sehr aggressiv und bisweilen etwas wild pressen und eine halbe Matchup-Zone spielen. Erwischen die Gaels eine gegnerische Mannschaft unvorbereitet oder trauen sie die jeweiligen Spieler nicht, eigene Entscheidungen zu treffen, schlagen die Gaels zu. Iona selbst drückt das Gaspedal durch, kennt keine schlechten Würfe und spielt mit sehr viel Selbstvertrauen. Im Laufe eines Spiels müssen die Gaels immer ein wenig aufpassen, dass sie ihre Emotionen im Griff haben und nicht disziplinlos werden.

NBA & BBL Kandidaten: Deyshonee Much könnte eventuell in Europa unterkommen, allerdings wird er sich zunächst hocharbeiten müssen, ehe er in den europäischen Topligen anklopfen kann.

Fun/Quick Facts: Tim Cluess kann sich über die fünfte Tournament Teilnahme im Laufe seiner Amtszeit freuen. Bisher schieden die Gaels jedoch jedes Mal in der Auftaktpartie aus, auch wenn sie einige Mal nah am Upset dran war. Abgänger wie Scott Machado und A.J. English landeten bereits in der BBL.

Tournament: Dem diesjährigen Team fehlt der ganz klare Anführer, der spielerisch das Heft in die Hand nehmen kann und bei dem die Fans darauf bauen können, dass er entweder 20 Punkte auflegt oder genügend Aufmerksamkeit auf sich zieht, um Druck von den Mitspielern zu nehmen. Durch ihre Spielweise sind die Gaels dennoch nie zu unterschätzen. Fallen die Dreier und hat der Gegner Probleme bei der Entscheidungsfindung, kann das Spiel knapp werden.

Kansas Jayhawks

MVP: Devonte' Graham, Guard, 6'2'', Senior
Dass Kansas in den letzten Wochen alle wichtigen Spiele in der Big12 Regular Season gewinnen konnte, ist zum Großteil Verdienst von Devonte' Graham. Der Senior hatte zwischendurch eine Phase, in der er acht aufeinanderfolgende Spieler nicht ausgewechselt wurde, weil Coach Bill Self der Meinung war, dass er sich diesen Luxus schlicht nicht leisten könnte. Graham schulterte das Team, traf viele wichtige Würfe und war mit seiner Crunchtime Performance im Spiel gegen Texas Tech der Grund für den Auswärtssieg. Graham ist mittlerweile einer der komplettesten Guards der gesamten NCAA: er verteidigt, kreiert im Pick & Roll, trifft fieseste Dreier und setzt seine Mitspieler in Szene. Um sich seine Kräfte einzuteilen, konzentriert er sich meist auf zwei oder drei dieser Aspekte seines Spiels.

X-Faktor: Udoka Azubuike, Big, 7'0'', Sophomore
Traditionsgemäß definieren sich Jayhawks eigentlich über ihren starken Frontcourt. Bill Self liebt das High-Low und hat das perfekte Playbook, um die Dominanz zweier Bigs auszukosten. Bereits im letzten Jahr fehlten den Jayhawks ein wenig die Tiefe im Frontcourt, doch die Personaldecke ist in der laufenden Saison nochmals ausgedünnter. Ohne Mitch Lighfoot (Backup) oder Silvio de Sousa (Backup vom Backup) zu nahe treten zu wollen, besteht die lange Riege der Jayhawks diese Saison nur aus Udoka Azubuike. Der Nigerianer ist eine Naturgewalt, die ohne Unterlass Basketball arbeitet. Er kämpft um Postup Positionen, räumt die Rebounds von den Brettern (7,1 Rebounds pro Spiel), beschützt den eigenen Ring (1,8 Blocks pro Spiel) und ist mit seiner Masse einfach ein überwindbares Kraftpaket (280 Pfund Muskeln). Alles, was ihm in die Hände fällt, versucht Azubuike zu dunken, wodurch 77,4 Prozent aus dem Feld zu Stande kommen. Umso schlimmer ist es, wenn Azubuike nicht auf dem Feld stehen kann: Foulprobleme und Freiwurfquote sind hier die Schlüsselbegriffe. Gegen Oklahoma verlor der Big das Spiel, weil er gezielt per Hack-a-Doke an die Linie geschickt wurde und keinen Treffer verzeichnen konnte bei acht Versuchen. Das Big12 Tournament verpasste Azubuike verletzungsbedingt. Mittlerweile soll er wieder fit sein.

Style: Durch die angespannte Personalsituation auf den großen Positionen sah sich Coach Bill Self bereits in der vergangenen Saison gezwungen, einen Identitätswechsel und zu einer 4-Out-Offense zu wechseln. Binnen kürzester Zeit vollzogen Coach und Spieler diesen Wechsel und gehören mittlerweile zu den kreativsten Teams in Bezug auf Pick & Roll Setplays. Viele Klassiker bei Einwurfplays, Lobplays und Postups sind (leicht abgewandelt) erhalten geblieben. In der Defense muss Kansas dieses Jahr häufiger auf die von Self eigentlich verschmähte 2-3-Zone zurückgreifen, um Fouls und Kräfte zu sparen.

NBA & BBL Kandidaten: Ein One-and-Done-Talent haben die Jayhawks dieses Jahr nicht. Dafür sollten zwei Seniors Aufmerksamkeit erregen. Neben dem bereits erwähnten Devonte' Graham, der als Backup Point Guard in der NBA seine Rolle finden wird, ist der Ukrainer Svi Mykhailiuk ein NBA Anwärter. Der Senior konnte sich in jedem Jahr verbessern und ist einer der besten Schützen der NCAA (45 Prozent bei drei Treffern pro Spiel). Unterschätzt wird er zudem als Passgeber.

Fun/Quick Facts: Mykhailiuk ist zudem sehr jung für einen Senior. Da er mit 17 Jahren als Freshman ans College kam, wird er vor seinem letzten Spiel in der KU Uniform nicht mal seinen 21. Geburtstag gefeiert haben (in der Regel sind Seniors 22 Jahre alt, wenn sie das College verlassen). Mit dem vierzehnten Big 12 Titel in Serie stellten die Jayhawks in dieser Saison einen neuen Bestwert auf und überboten damit die Serie der legendären UCLA Bruins zwischen 1967 und 1979.

Tournament: Dass Kansas als legitimer Titelanwärter gehandelt wird, erneut die Big12 gewinnen und damit einen neuen Rekord aufstellen konnte, ist der vielleicht beste Coaching Job, den Bill Self bisher vollbracht hat. In Sachen Talent, Tiefe und Physis ist das diesjährige Team einigen Mannschaften aus den Vorjahren um Welten unterlegen. Doch die Rollen sind klar verteilt. Graham trägt das Team und erhält dabei Unterstützung von Azubuike und Mykhailiuk. Wollen die Jayhawks ihren Run fortsetzen, muss Sophomore Guard Malik Newman seine Formsteigerung der zweiten Saisonhälfte bestätigen und Konstanz an den Tag legen.

Kansas State Wildcats

MVP: Barry Brown, Guard, 6'3'', Junior
Mit der deutlich gestiegenen Verantwortung ist Barry Brown in seinem Junior Jahr bislang bestens zurechtgekommen. Die vorläufige Krönung einer überaus soliden Saison hätte Barry Brown ausgerechnet beim Auswärtsspiel gegen die Jayhawks höchstpersönlich vornehmen können, die Wildcats beim Sunflower Showdown dem Sieg zum Greifen nah waren. Zwar gehörte ihm der letzte Wurf, doch er ließ sich zuvor zu viel Zeit, sodass ein schwieriger Dreier beim Stand von 72:73 nicht der bestmögliche Wurf war. Ansonsten konnte Brown das Team aber sicher durch die toughe Big12 führen: 16 Punkte bei deutlich besseren Quoten (46 Prozent aus dem Feld, 12 Prozentpunkte besser als noch als Freshman) und 3,4 Assists legt Brown pro Partie auf.

X-Faktor: Dean Wade, Big, 6'8'', Junior
Dean Wade ist der Topscorer der Wildcats (16,5 Punkte/Partie). Im Viertelfinale des Big12 Tournaments gegen TCU verletzte sich Wade am Fuß. Er spielte zwar weiter und kam insgesamt auf 41 Minuten (inklusive Overtime), doch gegen Kansas setzte der Junior als Vorsichtsmaßnahme aus. Für das Tournament sollte der Power Forward wieder verfügbar sein. Die Frage ist, ob ihn sein Knöchel irgendwie beeinträchtigt. Das wäre auch für K-State eine schmerzhafte Angelegenheit, da viele Sets um ein Pick & Pop zwischen Wade und einem Guard aufgezogen sind. Durch seine Qualität als Stretch Vierer (44 Prozent), der auch mal von der Dreierlinie zum Korb ziehen kann, zieht er das Spielfeld enorm in die Breite.

Style: K-State ist unter Bruce Weber ein Team, das sich immer zuerst auf die Defense konzentriert. Die Wildcats wollen ihre Gegenspieler unter Druck setzen, sobald das Spielgerät die Mittellinie überquert. Besonders in den Passwegen sind sie sehr lästig und sorgen dafür, das Timing und Spielfluss des Gegners nicht richtig anlaufen. Im Angriff legt Weber viel Wert auf gutes Spacing und nutzt Pick & Pops mit Wade oder Pick & Rolls mit dem jeweiligen Fünfer, um offene Würfe oder Drives zu kreieren.

NBA & BBL Kandidaten: Kein einziger Senior steht in der Rotation der Wildcats, weswegen in der kommenden Saison noch keiner der Spieler in NBA oder Europa aufschlagen wird.

Fun/Quick Facts: Makol Mawien ist ein Junior College Transfer, der in seinem ersten Jahr bei K-State noch eher ein Unbekannter ist. In den letzten drei Spielen scorte er allerdings 59 Punkte, 29 alleine gegen Kansas. Bis zu diesem Spiel waren die Wildcats 8-0 und ungeschlagen, wenn Mawien mindestens zehn Punkte scorte.

Tournament: Die Entwicklung für die Wildcats läuft in den richtigen Bahnen. Mal wieder hat es Coach Weber geschafft, aus einem Kader mit wenig bekannten Namen und noch weniger Erfahrung ein Team zu formen, das hart arbeitet, viele grundlegende Dinge auf dem Spielfeld richtig umsetzt und unglaublich gut als Einheit funktioniert. Ob K-State die erste Runde übersteht, hängt maßgeblich davon ab, wie fit Dean Wade ist. Ist er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte könnte es für die Wildcats offensiv eng werden. Gegner Creighton hat aber ebenfalls mit Verletzungen zu kämpfen.

Kentucky Wildcats

MVP: Shai Gilgeous-Alexander, Guard, 6'6'', Freshman
Spätestens seit dem Sieg im Conference Tournament sollte der sporadische Zuschauer begriffen haben, dass Shai Gilgeous-Alexander derjenige sein muss, der für den größten Teil der Angriffe den Ball in der Hand halten und die Entscheidungen treffen sollte. Denn er ist schlicht der einzige, der einerseits die notwendigen physischen Voraussetzungen besitzt, um in die Zone zu kommen und Punkte zu kreieren. Andererseits ist er auch einer der Wenigen, die ein überdurchschnittliches Entscheidungsverhalten besitzen. In der Tat ist SGA nicht der explosivste aller Spieler, doch sein starker erster Schritt, bei dem er seine Schulter überaus clever nutzt, und seine Größe helfen ihm beim Abschluss oder zur Übersicht. Durch seine Pässe verschafft er vielen Mitspielern einfache Punkte und ist ein lästiger Kontrahent für den Gegner (fünf Assists pro Spiel).

X-Faktor: Kevin Knox, Wing, 6'9'', Freshman
Auf Kevin Knox ruhten vor der Saison und in der Frühphase der Spielzeit die Hoffnungen, der Go-to-Guy des Teams zu werden und Spiele im Alleingang zu entscheiden. Das Potenzial zu Scoring Ausbrüchen besitzt der Freshman ohne Frage. Beim vielleicht besten Sieg der gesamten Saison in West Virginia, als sich die jungen Wildcats gegen die unangenehme Pressverteidigung nach Rückstand erfolgreich zur Wehr setzten, gelangen dem schlaksigen Tweener 34 Punkte (6/9 Dreier). Das Problem bei Knox besteht vor allem in seiner fehlenden Konstanz. Wenn Knox keinen guten Tag erwischt, wird es für Kentucky sehr schwer gegen einen ordentlichen Gegner zu gewinnen.

Style: Auch hier besteht die ernsthafte Frage nach einer klaren Intensität. Bei einer isolierten Betrachtung der rein physischen Attribute sollte man meinen, dass Kentucky mal wieder ein erstklassiges Defensivteam stellt, das Gegnern kaum das Scoren erlaubt. Doch auch wenn die Defense über die Saison gesehen besser wurde, ist sie weit davon entfernt an die Dominanz vergangener Jahre anknüpfen zu können. Offensiv werden Knox per Flex-Cut oder SGA im Pick & Roll gesucht.

NBA & BBL Kandidaten: Die einzigen klaren NBA Anwärter sind trotz aller Vorschusslorbeeren nur Shai Gilgeous-Alexander und Kevin Knox. SGA verdient tatsächlich auch mehr Anerkennung, als er öffentlich erfährt. Beispielsweise ließe sich eine saubere Argumentation dafür identifizieren, dass er gute Chance hat, ein besserer NBA Spieler als Alabamas Collin Sexton zu werden. Knox besitzt ebenfalls eine Menge Potenzial, das für einen Pick Mitte der ersten Runde ausreichend sein sollte. Auf die Entscheidung von Hamidou Diallo, der abseits einer atemberaubenden Athletik, der nicht einzusetzen weiß, wenig Fruchtbares mitbringt, darf man äußerst gespannt sein.

Fun/Quick Facts: Nie waren die Kentucky Wildcats jünger als in dieser Saison. Nicht nur Seniors fehlen im Roster der Wildcats. Selbst von einem Junior, der regelmäßig Minuten erhält, fehlt jede Spur. Über NCAA Erfahrung verfügten vor der Saison de facto nur Wenyen Gabriel, der zuletzt mit sieben Dreiern bei ebenso vielen Versuchen einen Vulkanausbruch erlebte, und Sasha Killeya-Jones.

Tournament: Die Wildcats sind jung, haben sich über die Saison dann doch irgendwo verbessert und konnten abseits eines enttäuschenden Auftritts gegen Florida sieben der letzten acht Spiele gewinnen. Dennoch bleibt die Frage, wie bereit die Wildcats wirklich sind. Es mangelt an verlässlichen großen Spielern und Shooting und die Defensive ist beileibe noch nicht das Gelbe vom Ei. Das Bracket liefert die ultimativen Reality Checks: Davidson in der ersten Runde und eventuell Arizona in der zweiten sind sehr undankbare Aufgaben. Die Chancen, dass Kentucky das erste Wochenende übersteht, sind gar nicht mal so besonders hoch.

Lipscomb Bisons

MVP: Garrison Mathews, Wing, 6'5'', Junior
Der Topscorer der Bisons ist ein Flügelspieler, der förmlich vor Selbstvertrauen zu platzen droht. Kein Wurf ist dem Junior zu schwierig oder zu weit entfernt. Oft besitzt er noch die Kühnheit, seinen Bewacher per Wurftäuschung an sich vorbeisegeln zu lassen, ehe er abdrückt. Viele seiner 22,1 Punkte pro Spiel entstehen durch Dreier oder furchtlose Drive in die Zone, bei denen ihm seine Football Vergangenheit zu Gute kommt. Mathews ist auf Mid-Major-Level nur schwer zu stoppen und sollte selbst für die Athleten der großen Universitäten keine einfache Aufgabe werden.

X-Faktor: Rob Marberry, Big, 6'8'', Junior
Der Linkshänder war derjenige, der im Finale der Atlantic Sun in den entscheidenden Phasen in der zweiten Halbzeit jeweils die richtigen Antworten parat hatte und mit wichtigen Punkten in Brettnähe den Gegner auf Abstand halten konnte. Grundsätzlich nimmt der Big Man eine wichtige Rolle im Angriff der Bisons ein. Durch seine Aktivität am Zonenrand muss er selbst gar nicht mal so oft scoren. Fast schon wichtiger ist hingegen, dass er mindestens einen oder gar zwei Verteidiger bindet und damit seinen Mitspielern Freiräume für Drives verschafft.

Style: Ein Blick auf die Pace verrät, worin Lipscombs Leidenschaft besteht: Alle fünf Spieler sprinten nach Stop oder Score nach vorne und versuchen den Gegner zu überrumpeln. Das führt zur höchsten Pace aller Tournament Teilnehmer (77). Die Bisons spielen klassischen Inside-Outside-Basketball im Halbfeld. Ein einzelner Postspieler arbeitet in Zonennähe für gute Position, während die anderen vier Spieler entlang des Perimeters verteilt sind und sich in einer Motion Offense gegenseitig indirekte Blöcke setzen. Pick & Rolls nutzen die Bisons hingegen gar nicht.

NBA & BBL Kandidaten: Keiner der Spieler wird in der kommenden Saison in der NBA oder Europa zu sehen sein, da das Team kaum über Seniors verfügt. Einige Juniors könnten 2019 interessant für europäische Clubs werden.

Fun/Quick Facts: Mit 69:37 lagen die Bisons vier Minuten nach der Halbzeit des Atlantic Sun Championship Games bereits in Führung und sahen wie der eindeutige Sieger aus, ehe in der zweiten Halbzeit das große Zittern begann. Letztlich konnten sie den Vorsprung über die Zeit retten und mit einem 108:96 die erste Tournament Teilnahme der Programm Historie besiegeln.

Tournament: Ein Upset ist nicht vollkommen ausgeschlossen, allerdings dürfte die große Gefahr bestehen, dass die Bisons ihr ganzes Pulver bereits im Atlantic Sun Tournament verschossen haben. Für ein Team, das über die Saison gesehen im unteren Drittel der NBA in Bezug auf die Dreierquote anzusiedeln ist, waren die 12-26 Dreier gegen Florida Gulf Coast eine glückliche Begebenheit zum richtigen Zeitpunkt. Mit Zonenverteidigung und Pressvarianten haben die Bisons große Probleme.

LIU Brooklyn Blackbirds

MVP: Joel Hernandez, Guard, 6'3'', Junior
Dass der Junior der Topscorer seines Teams mit 20,5 Zählern pro Begegnung ist, kann nicht als verwunderlich bezeichnet werden. Der Ball befindet sich die meiste Zeit in seinen Händen. Hernandez besitzt viel Basketball Talent. Sein Sprungwurf sieht elegant aus und nur der Schwierigkeitsgrad der Abschlüsse verhindert eine bessere Dreierquote (etwa 38 Prozent). Hernandez nimmt etwas zu viele Stepback Jumper, kann aber auch beherzt zum Korb ziehen. Seine Athletik und seine Kraft im Oberkörper sind selten bei Low-Major-Spielern anzutreffen.

X-Faktor: Jashaun Agosto, Guard, 5'11'', Sophomore
Der Aufbauspieler der Blackbirds ist derjenige, der dem Spiel im Angriff ein wenig Struktur verleiht. Mit ihm auf dem Feld wirken die Angriffsbemühungen planvoller und der Ball scheint besser in die richtigen Hände zu finden. In einem Team, in dem die meisten Spieler zunächst auf den eigenen Abschluss bedacht sind, ist Agosto außerdem jemand, der auch mal offene Würfe für seine Mitspieler erarbeiten kann. Agosto hat einen schnellen ersten Schritt, gutes Ballhandling und weiß mit Tempovariationen seine Gegenspieler auf den Arm zu nehmen.

Style: Unter Derek Kellogg versuchen die Blackbirds ihr Glück in Transition und vielen Isolations für ihre Guards. Meist kommen diese aus mehreren Blöcken oder finden bei Ballerhalt ein bestimmtes Spacing vor, das ihnen Freiräume auf einer Seite des Spielfelds verschafft.

NBA & BBL Kandidaten: Die Blackbirds verfügen über keinen Spieler, der im kommenden Jahr in NBA oder BBL landen wird. Die Schlüsselspieler sind allesamt Juniors oder Sophomores.

Fun/Quick Facts: Vor etwas mehr als zehn Jahren erfreute ich auf YouTube ein Video an besonderer Beliebtheit unter der Basketball Zunft. In diesem wurden die emsigen Trainingsversuche und Ballhandlingdrills eines Grundschülers gezeigt, der die NBA als großes Ziel hatte. Bei dem Protagonisten handelte es sich um Jashaun Agosto, der nun als Sophomore der Point Guard der Blackbirds ist und zumindest schon seine erste Tournament Teilnahme in der Tasche hat.

Tournament: Um es kurz zu machen: Die Aussichten auf einen Überraschungserfolg in der ersten Runde sind äußerst gering. Den Blackbirds mangelt es an Erfahrung, Qualität und Größe. Da sie diesen Mangel auch nicht durch besonders hohen Spielwitz oder eine clevere Spielweise kompensieren, gibt es wenig Anlass dafür, einen Upset ernsthaft für das eigene Bracket in Erwägung zu ziehen.

Loyola Ramblers

MVP: Clayton Custer, Guard, 6'0'', Junior
Fünf Niederlagen mussten die Ramblers im Laufe der gesamten Saison hinnehmen. Drei davon handelten sie sich aus den fünf Spielen ohne ihren Aufbauspieler Clayton Custer ein. Der Guard verfügt über einen blitzsauberen Schuss und kann ihn relativ schnell auf die Reise schicken, weshalb er auch gegen größere Bewacher seine Pullups trifft. Im Pick & Roll findet Custer eine gute Mischung zwischen eigenen Abschlüssen und dem Pass zum freien Mitspieler. Oft ist dieses Anspiel der Dosenöffner, um das Ballmovement in Schwung zu bringen.

X-Faktor: Donte Ingram, Guard, 6'6'', Senior
Custer ist der Denker und Lenker in der Offense, Donte Ingram ist dafür derjenige, der das Heft in die Hand nimmt, wenn mit geduldigem Teamspiel nicht viel zu erreichen ist. Seine Athletik und seine Körpergröße sorgen dafür, dass er mit seinen Drives riesige Lücken in die gegnerische Defense reißen kann. Allerdings verzettelt er sich zu oft in schwierigen Abschlüssen und verpasst zu oft den Extrapass. Nichtsdestotrotz nimmt sein Coach diese teils wilden Korbleger in Kauf, da sie auch oft genug erfolgreich enden und für ein überraschendes Element im Offensivspiel der Ramblers sorgen.

Style: Die Ramblers spielen mit einer sehr geringen Pace (66), was dadurch zu erklären ist, dass sie einerseits in der Defense sehr gut als Einheit funktionieren und kaum offene Würfe forcieren, was lange Angriffe des Gegners zur Folge hat. Auf der anderen Seite sind die Ramblers selbst extrem geduldig im Umgang mit dem Leder und ziehen gerne ihr gutes Ballmovement auf, bei dem jeder Spieler den Ball berührt und erst ein exzellenter Wurf gut genug ist, um ihn tatsächlich zu nehmen. Das Ballmovement und die Uneigennützigkeit gehören zu den besten des gesamten Teilnehmerfeldes. Am liebsten laufen die Ramblers Chin Pick & Rolls, um die Defense in die Breite zu zerren.


NBA & BBL Kandidaten: Donte Ingram könnte ein Kandidat für europäische Teams sein. Der Allrounder sollten seinen guten Drive zum Korb auch auf professioneller Ebene anbringen können.

Fun/Quick Facts: Nur ein einziger Spieler des Kaders verfügt über Tournament Erfahrung. Senior Guard Marques Townes konnte das das NEC Tournament mit Fairleigh Dickinson gewinnen. Im First Four musste man sich jedoch Florida Gulf Coast geschlagen geben. Selbst Coach Porter Moser kann noch keine Erfahrung als Headcoach in einem NCAA Tournament Game aufweisen.

Tournament: Die Ramblers sind einer der heißesten Upset Kandidaten im Teilnehmerfeld. 28 Siege, darunter ein Erfolg über die Florida Gators, sind kein Zufall. Die Ramblers spielen einen sehr gepflegten Basketball, lassen den Ball gut laufen und verteilen die Last in der Offensiv auf mehrere Schultern. Für mindestens einen Sieg müssen dennoch einige Dinge so funktionieren, wie Coach Porter Moser sich das vorstellt. Zunächst darf Freshman Big Cameron Krutwig nicht in Foulprobleme geraten. Er ist der einzige Akteur über zwei Meter, der regelmäßig Einsatzzeiten erhält. Ihn werden die Ramblers brauchen. Zusätzlich müssen Ingram und Aundre Jackson gute Tage erwischen. Besonders bei Jackson wird spannend zu sehen, wie er sich als kleiner Power Forward gegen größere Konkurrenten schlägt. Zudem muss Loyola nah an die fast 40 Prozent Dreierquote aus der Saison rankommen. Mit Miami haben die Ramblers vielleicht den idealen Gegner erwischt, da deren bester Spieler verletzt ist und sie nicht mit einem riesigen Frontcourt aufwarten können.

Marshall Thundering Herd

MVP: Jon Elmore, Guard, 6'3'', Junior
Auf den ersten Blick wirkt Jon Elmore nicht wie jemand, auf den ein Tournament Team mit Ambitionen zum Upset sein Spiel ausrichten würde. Doch nach den ersten Angriffen sollte deutlich werden, wie wichtig der Guard für das Spiel seiner Mannschaft ist. Jede Offense initiiert der Aufbauspieler durch ein Pick & Roll oder eine anderweitige Penetration. Scort er nicht selber, hat er kein Problem damit, den Kickoutpass zum freien Schützen auf der ballentfernten Seite zu spielen. Gleichzeitig ist er selber nicht verlegen auch aus der Distanz sein Glück zu probieren. Der schnelle Stil des Teams und die vielen Ballkontakte führen dazu, dass Elmore der einzige NCAA Spieler ist, der mindestens zwanzig Punkte und jeweils fünf Rebounds und fünf Assists pro Spiel auflegt.

X-Faktor: Ajdin Penava, Big, 6'9'', Junior
Ähnlich wie Elmore ist auch Ajdin Penava jemand, der durch seine Statistiken und eine unorthodoxe Spielweise ins Auge sticht. Als Playmaking Vierer kann Penava zum Korb ziehen, den Dreier treffen (etwa 32 Prozent) und gleichzeitig formidabel den Korb beschützen kann (vier Blocks pro Spiel). Der Bosnier muss auf dem Feld stehen, wenn Marshall für den Upset sorgen möchte, da er einerseits ein wichtiges Element im eigenen Spiel darstellt und er sich andererseits als ein Matchupproblem für viele gegnerische Teams erweisen sollte.

Style: Dan D'Antoni hat viele Jahre an der Seite seines Bruders Mike als Assistant Coach in der NBA verbracht und steht noch immer in regem Austausch. Wenig überraschend ist daher, dass Dan versucht bei seiner Herde ein ähnliches System wie sein Bruder bei den Houston Rockets zu installieren. Die Thundering Herd nimmt extrem viele Dreier (Top10 in der gesamten NCAA) und setzt auf Spacing statt auf Postups. Laufen die Guards heiß, kann es für den Gegner zu einem unangenehmen Ritt durch die Prärie kommen.

NBA & BBL Kandidaten: Ajdin Penava ist aufgrund seiner Vielseitigkeit und der Entwicklung in den vergangenen Jahren jemand, der erste Aufmerksamkeit auf sich zieht. Als Junior ist eine vorzeitige Anmeldung zum Draft jedoch unwahrscheinlich.

Fun/Quick Facts: Eine äußerst denkwürdige Rede hielt Coach D'Antoni auf einer Presskonferenz nach dem Spiel. In seiner Anfangszeit wurde der Coach von den lokalen Reportern gerne mal für seine Spielweise kritisiert und mehr als nur unterschwellig wurden die vielen Dreierversuche bemängelt. Nach der Frage eines Reporters, die mal wieder in diese Richtung ging, platzte D'Antoni der Kragen und er referierte über die effizientesten Wege des Scorens im Basketball.

Tournament: Marshall ist ein gefährliches Team. Durch die Spielweise, die auf vielen Distanzwürfen basiert, kann die Thundering Herd je nach Trefferquote ein ganz unangenehmer Gegner werden. Die entscheidende Frage wird sein, ob Elmore und Penava jeweils einen guten Tag erwischen und gegen athletisch deutlich überlegene Gegenspieler weiterhin ihren Stiefel durchziehen können. Denn die beiden sind der Schlüssel und die Lückenreißer zum Drive & Kick Game des Conference USA Champs.

Miami Hurricanes

MVP: Lonnie Walker, Guard, 6'5'', Freshman
Nach der Verletzung vom eigentlichen Go-to-Guy Bruce Brown drohte bei den Hurricanes ein Machtvakuum zu entstehen, bei dem sich keiner so richtig traute, die entstandene Lücke standesgemäß zu schließen. Doch im richtigen Moment nutzte Lonnie Walker die Gunst der Stunde und ist mittlerweile derjenige, der Spiele entscheidet, wenn es darauf ankommt. Spätestens seit seinem Gamewinner Dreier gegen Boston College, durch den die Teilnahme am Tournament mehr oder weniger besiegelt wurde, dürfte unbestritten sein, wer den letzten Wurf nimmt. Walker selbst startete erst verspätet in die Saison aufgrund eines gerissenen Meniskus. Nach verhaltenem Start ist Walker nun darauf versessen sein Können unter Beweis zu stellen (11,5 Punkte pro Spiel).

X-Faktor: Ja'Quan Newton, Guard, 6'1'', Senior
Einer Achtbahnfahrt gleicht die Karriere von Ja'Quan Newton. Als Freshman und Sophomore deutete der Guard aus Philadelphia immer wieder an, dass er großes Potenzial besitzt und zumindest als Rollenspieler und Energizer einen großen Wert für den Teamerfolg besitzt. Allerdings gelang es ihm nie so ganz, die Entwicklung zum Starter und Floor General zu vollziehen. Daher wurde ihm zu Saisonbeginn relativ schnell der Rang von Freshman Chris Lykes abgelaufen. Erst in den vergangenen Wochen konnte der Senior endlich eine zweite Luft finden und aus seinem Leistungsloch rauskrabbeln. Krönung war in dieser Hinsicht sicherlich der Gamewinner gegen North Carolina knapp hinter der Mittellinie.

Style: Vier Spieler, die außerhalb der Dreierlinie positioniert sind und in der Regel allesamt ordentliche Quoten aus der Distanz aufweisen können, sind das Markenzeichen der Hurricanes. Um die Defense zu bewegen, laufen die Canes viel Side Pick & Roll und nutzen Rotationen der Defense zu gutem Ballmovement. Viel ist davon abhängig, dass die Aufbauspieler bzw. Ballhandler im Pick & Roll gute Entscheidungen treffen und den Ball verteilen.

NBA & BBL Kandidaten: Bruce Brown wäre im letzten Jahr eventuell in der Lottery über die Ladentheke gegangen. Durch seine Verletzung und speziell den offensichtlich fehlenden Distanzwurf litt der Stellenwert des Sophomores gehörig. Lonnie Walker könnte hingegen seinen Draftrang im Laufe der vergangenen Wochen verbessert haben. Auch wenn er noch viele Dinge in Bezug auf Spielintelligenz nachholen muss, ist sein Talent offensichtlich. Die mäßigen Quoten sind in erster Linie auf seine Wurfauswahl zurückzuführen. Anthony Lawrence ist als Small Ball Vierer jemand, der oft übersehen wird, aber durchaus eine Profikarriere starten könnte.

Fun/Quick Facts: Aufbauspieler Chris Lykes ist mit einer Körpergröße von 5'7'' (1,70m) einer der kleinsten Spieler der gesamten NCAA. Fehlende Zentimeter gleicht er jedoch mit großem Kämpferherz, irrsinniger Geschwindigkeit und frechem Spielwitz aus. Dem kleinen Wirbelwind beim Spielen zuzusehen, ist absolut faszinierend.

Tournament: In dieser Saison heftet den Canes ein wenig das Image einer grauen Maus an. Keiner weiß so richtig, wie die Canes ihre Siege einsammeln konnte, da die Mängel offensichtlich sind und wenige Dinge so funktionierten wie Coach Jim Larrañaga sich das vor und während der Saison sicher vorgestellt hatte. Dennoch sind die Canes nun im Teilnehmerfeld, verfügen über einen äußerst ausgefuchsten Trainer und haben offensiv eine Menge Potenzial. Guardplay und Defense werden ausschlaggebend für den Erfolg oder Misserfolg im März sein.

Michigan Wolverines

MVP: Moritz Wagner, Big, 6'11'', Junior
Auch wenn der Hype in Deutschland möglicherweise im Laufe des Tournaments zu groß ausfallen könnte und man über die Auszeichnung zum MOP des Big Ten Tournaments streiten kann, steht vollkommen außer Frage, dass Moritz Wagner der wichtigste und talentierteste Spieler der Wolverines ist. In der gesamten NCAA gibt es kaum Bigs, die den Spielwitz, das Ballhandling und das Perimeter Game mit Dreier und Drive matchen können. Immer wieder bremsen Fouls unterschiedlichster Entstehungshistorie den Junior aus und zwingen Coach Beilein zum Wechsel, der in diesem Punkt nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen.

X-Faktor: Duncan Robinson, Wing, 6'8'', Senior
Eine eher ungewöhnliche Maßnahme traf Beilein im Laufe der Saison: Er nahm Senior Duncan Robinson aus der Starting Five und beförderte stattdessen Freshman Isaiah Livers in die Startformation für die letzten 16 Spiele. Robinson lieferte als Reaktion in der zweiten Saisonhälfte deutlich öfter die Leistungen, die sich die Wolverines von ihm erhoffen, auch wenn ein wenig mehr Konstanz Balsam für Beilein und seinen Staff wäre. Trifft Robinson seinen ersten Wurf, folgen die weiteren diesem Beispiel und Michigan ist noch unberechenbarer und schwieriger zu verteidigen.

Style: Das Geheimnis der Wolverines ist zunächst sehr simpel: Sie konzentrieren sich darauf, Kleinigkeiten und Basics korrekt auszuführen und somit Fehler - speziell Ballverluste und Fouls - zu vermeiden. Resultat ist die geringste Turnoverrate aller Tournament Teams und die zweitgeringste der NCAA (12,3 Prozent). Daran anschließend ist das Spacing in der Offensive exzellent. Jederzeit stehen vier oder sogar fünf fähige Dreierschützen auf dem Feld und ziehen die Verteidigung auseinander. Durch gute Read-and-React-Offense mit vielen Cuts, indirekten Blöcken oder gut vorbereiteten Pick & Rolls erwischen sie immer mindestens einen Verteidiger auf dem falschen Fuß und bestrafen Fehler eiskalt.

NBA & BBL Kandidaten: Duncan Robinson könnte als Spot-up-Shooter seine Nische in der NBA finden, die Frage ist, ob Athletik und Defense ausreichend sind, um zumindest den Mehrwert durch seine Dreier zu erhalten. Ist das nicht der Fall, wäre er in Europa sicher gut aufgehoben. Dorthin könnte es auch Muhammad-Ali Abdur-Rahkman verschlagen. Der Combo Guard ist ein typischer Michigan Guard, der mit jedem Jahr Verbesserungen vorweisen kann und mittlerweile ein ziemlich komplettes Paket anbietet. Neben den beiden Seniors könnte Wagner nochmals über eine NBA Anmeldung nachdenken, ob das in diesem überladenen Draft so wahrscheinlich ist, werden die kommenden Monate zeigen.

Fun/Quick Facts: Die Big Ten trug das Conference Tournament dieses Jahr eine Woche früher aus als in den Vorjahren, um im Madison Square Garden spielen zu können. Dadurch musste jedoch der Spielplan angepasst und die gleiche Anzahl von Spielen in eine engere Taktung verpackt werden. Viele Big Ten Teams sahen gegen Ende der regulären Saison durch den strammen Terminplan müde aus und entsprechend wohlwollend dürften sie die zehn Tage Pause bis zum ersten Tournament Spiel mitnehmen. So gut wie in dieser Saison verteidigten die Wolverines nie zuvor. Als Grund nennt Beilein die Verpflichtung von einem Defensivkoordinator in Person von Luke Yaklich.

Tournament: Momentan gibt es vielleicht kein heißeres Team als Michigan. Die Wolverines bezwangen im Tournament der Big Ten nacheinander Nebraska, Michigan State und Purdue. Wie immer scheinen die Wolverines pünktlich zum März ihre Bestform zu erreichen. Point Guard Zavier Simpson spielt seinen besten Basketball und Freshman Mikrowelle Jordan Poole hatte mehrere Spiele, in denen er wichtige Impulse geben konnte. Die gute Nachricht lautet zudem, dass dieses Jahr Jordan Bell nicht zur Verfügung steht, um die Party zu vermiesen. Das Bracket kommt in diesem Jahr extrem zu Gute. Kein eindeutiger Favorit sticht aus der Region heraus und der Weg zum Final Four erscheint vergleichsweise machbar.

Michigan State Spartans

MVP: Miles Bridges, Wing, 6'7'', Sophomore
Rückgekehrt, um an seinem Spiel zu arbeiten, lieferte Miles Bridges zwar nicht die dominante Saison ab, die ihm medial in den USA vor Saisonbeginn prophezeit wurde, doch viel wichtiger für seine persönliche Zukunft gelang es ihm einigermaßen, sich auf seine Rolle als nomineller Small Forward zu konzentrieren. Auch wenn ihm das am College viele Optionen wegnimmt und er nicht mehr ganz so großes Mismatch Potenzial beherbergt, ermöglichte er durch diese Umgewöhnung Tom Izzo mit der besten möglichen Lineup (Jaren Jackson Jr. auf der Vier und Nick Ward auf der Fünf) zu starten. Spielerisch konnte Bridges seinen Wurf deutlich verfeinern. Zwar hat sich die Dreierquote minimal verschlechtert (von 38,9 auf 36,9 Prozent), doch aus technischer Perspektive wirkt die Bewegung rhythmischer und bei weitem nicht mehr so hölzern. Auch der Pullup wirkt mittlerweile wie eine Waffe. Nach wie vor schränkt ihn sein Ballhandling im Eins-gegen-Eins ein.

X-Faktor: Cassius Winston, Guard, 6'0'', Sophomore
Der Anführer und Spiritus Rector der Spartans ist Cassius Winston. Der Aufbauspieler hat seine Jungs im Griff und peitscht sie jeden Angriff aufs Neue nach vorne. Wenn Winston gut spielt und seine Dreier trifft sowie seine Ballverluste im Griff hat, kann Michigan State jedes Team besiegen. Winston ist genau der richtige Spieler für diesen Kader, da er uneigennützig darauf bedacht ist, dass der talentierte Frontcourt immer genug Bälle erhält (6,8 Assists pro Spiel). Allerdings möchte er manchmal zu viel und wird sorglos im Umgang mit dem Ball. Seine Pässe sind nicht immer risikolos (2,5 Ballverluste pro Spiel). Zudem ist er für das höchste NCAA Level in der Defense eine Schwachstelle, da er körperlich nicht die Voraussetzungen vieler anderer Playmaker mitbringt.

Style: Die Spartans wollen rennen, die Bretter dominieren und den Ball so oft wie möglich bei den Bigs in Korbnähe wissen. Folgen sie dieser Marschroute und steht die Verteidigung zuverlässig, wird es für jeden Gegner schwer, die Spartans in Schach zu halten. Allerdings tut MSU den Gegnern öfter mal den Gefallen und weicht vom eigenen Plan ab. Besonders die Liebe zum Sprungwurf in bestimmten Phasen einer Begegnung ist genauso unerklärlich wie schadhaft. Dazu dürfen sich die Spartans nicht verleiten lassen.

NBA & BBL Kandidaten: Miles Bridges war zu Saisonbeginn der Name der als kommender Top10 Pick gehandelt wurde. Diese Reichweite ist nach wie vor im Rahmen des Erwartbaren. Allerdings hat ihm Freshman Jaren Jackson Jr. mittlerweile eindeutig den Rang abgelaufen. Es ist nach wie vor erstaunlich, wie rasant sich der Power Forward und Verteidigungskönner entwickelt. Mittlerweile ist er knapp nach den beiden großen Namen Luka Doncic und DeAndre Ayton der wahrscheinlich drittbeste Prospect des kommenden Drafts. Für deutsche Teams könnte Gavin Schilling interessant werden, der sich in seinem letzten Spieljahr befindet.

Fun/Quick Facts: Jaren Jackson Jr. ist einer der jüngsten Teilnehmer des Tournaments: Erst im September wird der Freshman seinen 19. Geburtstag feiern. Sein Vater war ebenfalls NBA Spieler (1989-2002 in neun Teams). In seinen ersten Jahren an der High School spielte Jackson mit Xaviers Trevon Bluiett im gleichen Team.

Tournament: Die Spartans verfügen wahrscheinlich über die beste Starting Five der NCAA und können von der Bank jede Menge Erfahrung bringen. Allerdings fehlt im Backcourt ein wenig die Tiefe. Lourawls Nairn Jr. bringt Erfahrung und Leadership, dafür jedoch kaum Scoring. Matt McQuaid ist idealerweise ein Schütze, insgesamt aber zu inkonstant. Zudem handeln sich die Bigs Nick Ward und Jackson Jr. gerne mal unnötig Fouls ein. Das Team hat alle Komponenten, die es für die Meisterschaft braucht und scheinen auf dem Papier als sicherer Final Four Anwärter anzutreten, doch die Saison war nicht so überzeugend wie sie gewesen sein sollte. Die Auftritte in den vergangenen beiden Jahren waren auch eher enttäuschend im Tournament.

Missouri Tigers

MVP: Kassius Robertson, Guard, 6'3'', Senior
Die Tigers hatten in dieser Saison bereits jede Menge knappe Spiele und genug Gelegenheiten mal unter Belastung zu testen, welcher Spieler am Ende den letzten Wurf nehmen sollte. Fast immer lautete die Antwort Kassius Robertson. Der Kanadier hat eine lange Reise hinter sich und ist als Graduate Senior nun derjenige, der in seinem ersten und gleichzeitig letzten Jahr direkt mal die Zügel bei den Tigers in der Hand hält. Robertson ist einer der gefährlichsten Schützen des Teilnehmerfeldes mit drei Treffern pro Partie bei einer Quote von 42,5 Prozent. Doch es sind weniger diese Werte als die Tatsache, dass Robertson aus unterschiedlichsten Lagen und Situationen seine Dreier trifft. Er kann aus Screens kommen, aus dem Pick & Roll hochgehen oder ganz normal in der Ecke auf den Kickoutpass lauern.

X-Faktor: Jontay Porter, Big, 6'11'', Freshman
Die Rückkehr von Michael Porter Jr. kam sehr überraschend und könnte bei dem Team zusätzliche Energie freisetzen. Ihm jetzt jedoch diese Kategorie zu widmen, wäre unfair MPJ und auch seinem jüngeren Bruder gegenüber. Denn Jontay Porter ist der heimliche Star der Mizzou Tigers. Anders als sein Bruder ist Jontay ein vielseitiger Big Man, der wahrscheinlich irgendwo zwischen Stretch Vierer und Playmaking Fünfer einzuordnen ist. Porter trifft den Dreier (37,7 Prozent), besitzt ein gutes Auge für den Mitspieler (2,2 Assists pro Spiel) und beschützt den Ring (1,7 Blocks pro Partie).

Style: Cuonzo Martin ist ein Trainer der sehr viel Wert, auf eine intensive Verteidigung legt und von seinen Spielern verlangt, dass sie den Gegnern keinen Zentimeter Platz gestatten. Das haben die Tigers bereits in ihrem ersten Jahr unter dem neuen Trainer sehr gut verinnerlicht. Offensiv spielen die Tigers wesentlich ansehnlicher im Vergleich zu vielen anderen Martin Teams der vergangenen Jahre.

NBA & BBL Kandidaten: Michael Porter Jr. wird trotz seiner Verletzung weiterhin ein heißer Kandidat auf einen Top5 Pick sein. Seine Leistungen im Tournament sollte man aufgrund der langen Pause keinesfalls überbewerten - in die eine oder andere Richtung. Interessant wird die Entscheidung von Jontay Porter sein. Folgt er seinem Bruder schon einem Jahr? Kassius Robertson ist für europäische Clubs ein interessanter Spieler.

Fun/Quick Facts: Robertson kam als Graduate Transfer von Canisius, dem einzigen Team, das bereit war, ihm ein Stipendium anzubieten. In Kanada spielte Robertson zusammen mit Andrew Wiggins in einem Team, wobei Wiggins vorwiegend spielte und Robertson auf der Bank saß. Erst ein Wechsel an eine andere High School brachte seine Karriere ins Laufen.

Tournament: Die Defense der Tigers wird dafür sorgen, dass sie gegen jeden Kontrahenten im Spiel bleiben können. Die Frage ist daher meistens, ob sie offensiv genug produzieren kann, um den Druck auf die Defense nicht zu groß werden zu lassen. Interessanterweise treffen sie mit Florida State auf ein Team, das das Spiel eher schnell machen möchte. Die Geschwindigkeit dieser Partie könnte also einen Hinweis darauf geben, wer die besseren Karten hat. Für das zweite Wochenende fehlt letztlich wahrscheinlich die offensive Qualität.

Montana Grizzlies

MVP: Ahmaad Rorie, Guard, 6'0'', Junior
Der Aufbauspieler ist die zentrale Figur im Spiel der Grizzlies. Der Topscorer mit 17,2 Punkten pro Begegnung tritt allerdings nicht nur als Punktelieferant in Erscheinung. Viel wichtiger ist fast noch, dass der kleine Guard wegen seiner Schnelligkeit fast nach Belieben in die Zone gelangen kann und somit die Defense zu Rotationen zwingt. Daraus ergeben sich dann auch für die Rollenspieler entsprechende Lücken und sie können für Punkte sorgen. Der Oregon Transfer agiert am liebsten aus dem High Pick & Roll. Einzig sein mäßiger Dreier (knapp 34 Prozent) hindert ihn gelegentlich in seinen Bemühungen.

X-Faktor: Michael Oguine, Guard, 6'1'', Junior
Der Backcourt Partner von Rorie steht meist in der Verantwortung, wenn Rorie die Aufmerksamkeit mehrerer Verteidiger auf sich zieht oder ein Team sich komplett auf den Aufbauspieler einschießt. Auch Oguine ist flink auf den Beinen, hat aber beileibe nicht die Strahlkraft eines Rories. Dennoch muss Oguine produzieren, damit die Umklammerung Rories seitens der Verteidigung nachlässt und nicht zu einem ernsthaften Erliegen der Teamoffense führen kann. 15,8 Punkte produziert Oguine durchschnittlich, wobei auch eher ein Slasher und Driver als Schütze ist.

Style: Im Angriff spielen die Grizzlies meistens mehr mit Prinzipien als mit gezielten Setplays. Besonders das Pick & Roll von und mit Point Guard Rorie ist essentiell, um Ballmovement und Freiräume zur Penetration zu schaffen. Damit Rorie maximalen Platz hat, werden abhängig von der Lineup entweder alle drei übrigen Spieler entlang der Baseline oder der Dreierlinie postiert. In der Verteidigung versucht Montana aggressiv zu agieren und Handoffs sowie Pick & Rolls zu trappen.

NBA & BBL Kandidaten: Da die zentralen Spieler der Grizzlies Juniors sind, wird für die nächste Saison niemand des Kaders für Europa in Frage kommen.

Fun/Quick Facts: In seiner vierten Saison als Headcoach bei Montana ist es Travis DeCuire endlich gelungen, die Teilnahme am NCAA Tournament zu sichern. Während seine Vorgänger mittlerweile in der PAC-12 coachen (Utah und Oregon State), muss DeCuire noch zu deren Erfolgen aufschließen, ehe sich eine ähnlich attraktive Coaching Position für ihn eröffnet.

Tournament: Montana ist sicherlich kein ungefährliches Team, da Ahmaad Rorie nicht ganz zu Unrecht zunächst seine College Karriere bei einem Topprogramm wie Oregon begann. Er besitzt die Fähigkeit ein Spiel mit seiner Schnelligkeit zu dominieren. Allerdings haben die Grizzlies mit Michigan eines der schwersten möglichen Lose überhaupt gezogen. Um Michigan zu schlagen bräuchte es einen dominanten Innenspieler und viele schussstarke Athleten auf dem Flügel. Beides kann Montana nicht bieten. Zudem besteht die Gefahr, dass Michigans Schützen gegen Montanas risikoreiche Defense heißlaufen.

Murray State Racers

MVP: Terrell Miller Jr., Big, 6'8'', Senior
Terrel Miller Jr. ist weder der Topscorer des Teams noch besitzt er das größte spielerische Potenzial, doch Miller ist der Fels in der Brandung für die Racers. Offensiv ist fast jedes System irgendwie auf ihn ausgelegt bzw. er ist als wesentlicher Teil involviert. Miller kann einerseits dank seiner kräftigen Statur mit dem Rücken zum Korb arbeiten und seine ordentliche Fußarbeit nutzen. Noch viel lieber ist er jedoch als Blocksteller im Pick & Pop an der Dreierlinie zu finden. Hat er freien Blick zum Korb, kann er durchaus auch mal einen Meter hinter der Linie abdrücken und treffen (39 Prozent bei etwa zwei Treffern pro Spiel). Zudem ist der Mann mit dem markanten Rastazopf ein energischer Rebounder.

X-Faktor: Jonathan Stark, Guard, 6'0'', Senior
Der Tulane Transfer ist der Topscorer der Racers mit im Schnitt 21,8 Zählern pro Begegnung. Besonders von der Dreierlinie fackelt der kleine Guard gar nicht lange und bestraft Verteidiger sofort, wenn sie unter einem Block im Pick & Roll abkürzen. Selbst aus sieben oder acht Metern liegt der Finger schnell am Abzug (41 Prozent bei 3,5 Treffern). Aufgrund seiner doch geringen Körpergröße stoppt Stark seine Drives meistens in der Halbdistanz ab, wo er seinen schnellen Pullup oder Floater anbringen kann. Da die Defense diese Abschlüsse respektieren muss, kann er seinen Verteidiger oft mit einer Hesitation von den Füßen heben, um dann doch per Layup zu finishen. Die Frage ist, wie effektiv seine Moves gegen große und athletische Guards aus High-Major-Conferences sind.

Style: Die Racers sind ein überaus athletisches Team, das über gute Defense ins Laufen kommen möchte. Schnelle Hände und Füße über alle Positionen verteilt erlauben verschiedene Pick & Roll Verteidigungsvarianten. Zudem beschützen die Racers die Dreierlinie exzellent und lassen nur eine Quote von 30,6 Prozent zu (Top10 in der gesamten NCAA). Im Angriff läuft viel über Terrell Miller Jr., der in Pick & Pops mit den Guards Jonathan Stark oder Temetrius Morant verstrickt wird. Aus dem Two-Men-Game entstehen meist gute Abschlüsse.

NBA & BBL Kandidaten: Das größte Talent im Kader ist Temetrius "Ja" Morant. Der Freshman Guard legt durchschnittlich 12,6 Punkte, 6,6 Rebounds und 6,4 Assists pro Spiel auf. Auf diese Werte kommt nur ein weiterer Spieler in der ganzen NCAA. Morant ist ein überragender Athlet mit Hangtime und schnellem ersten Schritt. Der Wurf sieht ordentlich aus, auch wenn er noch etwas Überarbeitung bedarf. Im Vergleich zu früheren Murray State Guards wie Isaiah Canaan und Cam Payne ist die Kombination aus Skills und Athletik vielversprechender. Sein weiterer Werdegang wird interessant zu beobachten sein. Terrell Miller Jr. und Jonathan Stark könnten Profikarrieren in Europa anstreben. Stark muss Wurfauswahl und Spielverständnis verbessern, um auch als Point Guard Vollzeit zu funktionieren.

Fun/Quick Facts: Murray State ist nicht nur für Spieler ein gutes Sprungbrett. Auch die Liste der letzten Trainer verdeutlicht, welche gute Ausgangsbasis dieses Programm für junge Coaches bieten kann. Mick Cronin (Cincinnati) und Billy Kennedy (Texas A&M) sind beide im Tournament vertreten, Steve Prohm hatte mit Iowa State ein Rebuilding Jahr zu durchstehen.

Tournament: Die Racers sind das Abziehbild eines gefährlichen 13 Seeds. Auf den wichtigsten Positionen für einen Underdog haben sie ihre besten Spieler. Besonders Terrell Miller Jr. wird eine entscheidende Rolle spielen. Ein Underdog braucht einen spielstarken Big Men, der die lange Garde des Gegners beschäftigt. Mit Stark und Morant haben die Racers zwei Spieler, die gleichermaßen den Spielaufbau übernehmen und sich gegenseitig entlasten können. Die Rollenspieler sind athletisch und erfüllen ihre Aufgaben sorgsam. Einzig die fehlende Erfahrung und der Mangel an einem wirklich großen Brettspieler, der die Länge eines High-Major-Frontcourts matchen, rebounden und Würfe blocken kann, sollten beim Bracket ausfüllen für kurze Abwägung bei der Entscheidungsfindung sorgen.

NC Central Eagles

MVP: Raasean Davis, Big, 6'8'', Junior
Auf Low-Major-Ebene ist Raasean Davis eine beeindruckende Erscheinung. Spieler seiner Größe und Athletik, die sich derartig koordiniert und technisch passabel präsentieren, gehen spätestens den Mid-Major-Teams ins Netz. Natürlich wird Davis gegen den Frontcourt eines Favoriten seine Probleme bekommen und nicht dominieren können, doch gänzlich unterlegen ist er ebenfalls nicht. Gerade seine Stärke als Rebounder sollte er auch auf der größeren Bühne des NCAA Tournaments replizieren können. Seine Moves im Lowpost wirken bisweilen hölzern, erweisen sich in der Conference jedoch als tauglich.

X-Faktor: Jordan Perkins, Guard, 6'1'', Freshman
Auf den ersten Blick wirkt Jordan Perkins wie ein solider Point Guard, der keine Bäume ausreißt und einfach nur seinen Job macht. Allerdings ist das erstens einfach gesagt als getan und erfordert eine Menge Übersicht und eine gewisse Führungspersönlichkeit. Zweitens beeindruckt die Ruhe des Linkshänders umso mehr, wenn sein vergleichsweise äußerst geringer Erfahungsschatz ins Bild rückt. Als Freshman das Team auch in entscheidenden Phasen derartig ruhig durch brenzlige Situationen zu führen, zeugt von großer Spielstärke.

Style: Auch wenn die MEAC selbst den größten Hardcore Fans die Grenzen der Liebe zum College Basketball aufzeigt, ist es keine überschwängliche Übertreibung oder ein leeres Füllen von Zeilen zu behaupten, dass LeVelle Moton zu den besten Low-Major-Coaches und zu den besten "Xs & Os" Taktikern der gesamten NCAA zählt. Seine Setplays sind zum Teil überaus kompliziert und clever aufgebaut, werden von den Teams aber in der Regel exzellent ausgeführt.

NBA & BBL Kandidaten: Keiner der Spieler kommt für BBL Teams in absehbarer Zukunft in Frage.

Fun/Quick Facts: Der Sieg im MEAC Tournament und im Finale sind umso beeindruckender, wenn man sich die Entstehungsgeschichte vor Augen führt. Kein einziger Starter des Vorjahresteams, das bereits am NCAA Tournament teilnahm kehrte zu dieser Saison zurück. Dem Gameplan und der Umsetzung gebührt umso mehr Anerkennung vor dem Hintergrund, dass das Team erst um ein Uhr morgens nach dem Halbfinale ins Hotel zurückkehrte und bereits zwölf Stunden später der Tipoff des Finalspiels anstand.

Tournament: Die Teilnahme am Tournament alleine ist ein riesiger Erfolg und angesichts der fehlenden Erfahrung und des Saisonverlaufs ein schönes Saisonende. Die MEAC gilt gemeinhin als eine der schwächsten Conferences der NCAA. Für das Erstrundenspiel kann die Devise nur lauten, sich so teuer wie möglich zu verkaufen und die Erfahrung zu genießen.

NC State Wolfpack

MVP: Al Freeman, Guard, 6'3'', Senior
Nach drei Jahren als Rollenspieler und Borderline Starter entschied sich Al Freeman im Sommer von Baylor zum Wolfsrudel zu wechseln, um hier die erste Option eines ordentlichen ACC Teams zu werden. Der Plan ging für beide Seiten voll auf. Freeman genießt so viel Verantwortung wie nie zuvor und produziert (15,4 Punkte pro Spiel). Durch seine Aktivität in der Offense können sich die Rollenspieler im Team besser entfalten und sich mehr auf ihre Stärken konzentrieren. Dennoch würden sich die Fans bei einer guten Fee sicher wünschen, dass Freeman seine Quoten hochschraubt. Nicht mal 40 Prozent erreicht Freeman bei seinen Versuchen aus dem Zweierbereich. Die Liebe zum Jabstep, Mitteldistanzpullup wird ihm öfter zum Verhängnis

X-Faktor: Ömer Yurtseven, Big, 7'0'', Sophomore
Nach einer äußerst enttäuschenden Freshman Saison schien der Türke eigentlich schon den Campus verlassen zu haben, als Kevin Keatts intervenierte und endlich die Stärken des spielstarken Bigs zur Geltung bringen wollte. Als Freshman verpasste Ömer Yurtseven einige Spiele wegen seines nicht geklärten Amateurstatus, musste ein Schattendasein neben Dennis Smith Jr. fristen und unter der systemstarren Offense von Mark Gottfried leiden. In dieser Saison stellt er viele direkte Blöcke, rollt sich ab und bekommt dann entweder direkt den Pass oder postet sich auf und kann im Eins-gegen-Eins seine Skills zeigen. Ein gut aufgelegter Yurtseven, der seine Fouls genauso wie das Rebounding im Griff hat, würde NC State im Tournament enorm helfen.

Style: Kevin Keatts hat eine klare Identität als Trainer und konnte diese bereits in seinem ersten Jahr in Raleigh etablieren. In der Verteidigung presst das Wolfsrudel über das ganze Feld, wann immer die Gelegenheit günstig erscheint. Grundlegend handelt es sich dabei um eine Diamond Press, die aber je nach Gegner auch von Keatts angepasst wird. Da das Personal nicht ganz auf einen Pressmarathon ausgelegt ist, lässt Keatts weniger und etwas seltener Ganzfelddruck ausüben als in den Jahren bei UNC Wilmington. Offensiv läuft NC State aus gutem Spacing heraus fast nur Side Pick & Rolls und findet fast immer gute Optionen.

NBA & BBL Kandidaten: Al Freeman könnte in Europa eine Anstellung als Scorer finden. Allerdings wird er sich an die andere Spielweise gewöhnen müssen. Die Bigs Lennard Freeman und Abdul-Malik Abu sind zwei physische Erscheinungen, konnten ihre Skills aber nie wirklich entwickeln. Ob es zu einer Profikarriere reichen kann, ist daher kritisch zu beäugen.

Fun/Quick Facts: Für Sam Hunt ist es die erste Tournament Teilnahme seiner fünfjährigen Karriere, in der mittlerweile für sein drittes Team die Sneaker schnürt. Zuletzt fing der kleine Shooter richtig Feuer: 19 seiner letzten 27 Dreier verwandelte der Linkshänder und ist aus den Spielfeldecken nahezu nicht zu vertreiben.

Tournament: Die Tournament Teilnahme per se ist schon ein riesiger Erfolg und Beweis dafür, was für ein guter Coach Kevin Keatts ist. In kürzester Zeit musste er im Sommer einen Kader zusammenstellen und Spieler von seiner Spielidee überzeugen. Das gelang ihm herausragend schnell und schon jetzt in seinem ersten Jahr ist eine deutliche Handschrift zu erkennen. Ähnlich wie bei UNC Wilmington sorgt die Spielweise dafür, dass kein Rückstand zu hoch und kein Gegner zu mächtig ist, um nicht doch für eine Überraschung zu sorgen. Ein potenzielles Matchup gegen Kansas könnte in der zweiten Runde für viel Spektakel sorgen. NC State ist ein gefährliches Team, das immer noch zu wenig Anerkennung für die Saison erhält.

Nevada Wolfpack

MVP: Jordan Caroline, Big, 6'7'', Junior
Jordan Caroline ist der eine Spieler, der für Nevada den Laden zusammenhält und jedem gegnerischen Trainer Kopfschmerzen beim Gameplan bereitet, weil es auf College Ebene einfach kaum ein geeignetes Matchup für den bulligen Forward zu geben scheint. Carolina ist nur knapp zwei Meter groß, startet jedoch nominell als Small Ball Fünfer und hat die Masse, die Power und das Kämpferherz, um sich in Brettnähe gegen zum Teil deutlich größere Widersacher durchzusetzen. Zudem ist Skillset enorm weit gefächert. Er kann aus dem Faceup von der Dreierlinie dank seines guten Ballhandlings attackieren, trifft seinen Sprungwurf bis zur Dreierlinie (ein Treffer bei über 32 Prozent) und hat viele gute Moves im Eins-gegen-Eins. Zudem glänzt er als Passgeber (2,1 Assists/Spiel) und als Reboundmaschine (8,8 pro Spiel).

X-Faktor: Caleb Martin, Wing, 6'7'', Junior
Der um eine Minute jüngere Zwilling der Martin Brüder kam genauso wie sein eineiiger Zwilling als Transfer von NC State und bestreitet nach dem Redshirt Jahr seine erste Saison in Reno. Und das auch sehr erfolgreich: Als Topscorer des Rudels wurde er zudem zum Spieler und Newcomer der Mountain West Conference ernannt. Ohne Zweifel ist Martin auch sehr wichtig für den Teamerfolg. Umso größer sind daher die Bedenken, die seine Verletzung Anfang Februar hervorrief. Am linken Knöchel verletzte sich der Starspieler und ist bis jetzt nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Ohne Martin in Topform ist das Wolfsrudel nicht halb so gefährlich als Dark Horse.

Style: Erik Musselman besitzt NBA Erfahrung als Trainer und entsprechend ist dieser Einfluss auch bei Nevada zu spüren. Die Angriffsbemühungen Nevadas wirken weniger schnörkelbehaftet und dafür mit mehr Zug und Zielstrebigkeit versehen als bei vielen anderen NCAA Teams. Gezielte Isolations für die Martin Zwillinge oder Caroline sind am häufigsten anzutreffen. Zudem versucht Musselman mit vielen Pick & Pops Vorteilsituationen zu kreieren.

NBA & BBL Kandidaten: Kendall Stephens ist der einzige Senior des Teams, der über Profiperspektive verfügt. Stephens ist ein exquisiter Shooter, der sich sehr elegant um indirekte Blöcke schlängelt und dank seiner guten Fußarbeit und seiner langen Arme einen Wurf besitzt, der schlicht nicht zu verteidigen ist.

Fun/Quick Facts: Musselman ist erst in seiner dritten Saison Trainer in Nevada, kann aber schon die zweite Tournament Teilnahme verzeichnen. Der schnelle Übergang ist besonders seiner Kaderplanung geschuldet: Musselman setzt auf Transfers. Er holt sich Spieler, die in High-Major-Programmen Rollenspieler waren und gibt ihnen Verantwortung. Fünf Transfers sehen regelmäßig Spielzeit und gehören zu den wichtigsten Akteuren.

Tournament: Vor gut eineinhalb Monaten war Nevada ein ganz heißer Tipp für eine Sweet Sixteen Teilnahme und als Cinderella für mehr. Doch Verletzungen dünnten die Rotation zuletzt auf sieben Stipendiaten ein, die Minuten sehen. Ohne ihren Aufbauspieler Lindsey Drew muss das Rudel öfter mal improvisieren und sowohl auf den Martin Twins lastet mehr Verantwortung, da sie nun auch vermehrt den Spielaufbau übernimmt, als auch auf Jordan Caroline, der noch mehr im Eins-gegen-Eins als Dosenöffner gesucht wird. Ist Caleb Martin einigermaßen fit, kann Nevada immer noch sehr unangenehm sein. Die 30-Punkte-Niederlage im Conference Halbfinale werden die stolzen Wölfe nicht auf sich sitzen lassen. In der ersten Runde treffen sie mit Texas auf ein Team, das ebenfalls geschwächt ins Tournament geht.

New Mexico State Aggies

MVP: Jemerrio Jones, Big, 6'5'', Senior
Die Aggies verfügen über bessere Scorer als Jemerrio Jones und Spieler, die eher in der spielentscheidenden Phase die Partie übernehmen. Es ist noch nicht mal sicher, dass Jones der spielstärkste Power Forward des Kaders ist. Doch all das kann nicht den Stellenwert von Jones für den Teamerfolg mindern. Denn Jones ist der Glue Guy des Teams, der unglaublich viele kleine Dinge richtig macht und für Fehler seiner Mitspieler geradesteht. Mit 13 Rebounds pro Spiel belegt Jones zudem NCAA weit den zweiten Rang in dieser statistischen Kategorie - bei einer Körpergröße von unter zwei Metern.

X-Faktor: Zach Lofton, Guard, 6'4'', Senior
Graduate Transfers wie Zach Lofton sind die Free Agents der NCAA und ein Trend der vergangenen fünf Jahre. In der Regel läuft allerdings so ab, dass sich ein dominanter Spieler eines Low-Major-Teams dafür entscheidet, einen Wechsel in eine der großen Conferences zu vollziehen, um vor allem Bekanntheit zu erlangen und sich bessere Perspektiven für die spätere Profikarriere zu erarbeiten. Im Fall von Lofton ist die Situation anders. Der athletische Guard wechselte von einem Tournament Team (Texas Southern) zu einem der gefährlichsten Dark Horses auf Mid-Major-Level. Dass NMSU so gefährlich ist liegt u.a. auch an Lofton und seiner Fähigkeit, ein Spiel im Alleingang zu entscheiden. Athletik und Scoring Qualitäten befinden sich auf höchstem NCAA Niveau.

Style: Unter Chris Jans, dem neuen Coach der Aggies, pressen die WAC Gewinner nicht mehr so viel wie im Vorjahr. Ansonsten hat Jans viel von dem übernommen, was sein Vorgänger Paul Weir installierte und bereits hervorragend klappte. Jans selbst äußerte des Öfteren, dass seine wichtigste Aufgabe darin besteht, die guten Strukturen eines 28-Siege-Teams nicht zu zerstören. Offensiv laufen die Aggies sehr viele intelligent Plays mit viel Bewegung, schaffen es aber auch, ihren besten Spielern sehr gezielt gute Situationen zu ermöglichen.

NBA & BBL Kandidaten: Zach Lofton hat das Basketballtalent und die athletischen Voraussetzungen zu einer Profikarriere. Tendenziell wird diese eher in Europa starten. Jemerrio Jones könnte als Rollenspieler ebenfalls eine Anstellung finden.

Fun/Quick Facts: Zum zweiten Mal in Folge konnten die Aggies 28 Siege in einer einzigen Saison einfahren - den Bestwert der Programmhistorie. Kontrovers diskutiert wurde im Sommer allerdings, als Erfolgscoach Paul Weir nach nur einem Jahr direkt die Stelle wechselte. Und ausgerechnet zum Rivalen New Mexico überlief.

Tournament: Die Aggies sind DER Upset Pick der ersten Runde. Während des Diamond Classic Turnier auf Hawaii über Weihnachten besiegten sie Miami und hatten USC am Rande einer Niederlage. Die Mannschaft verfügt über alle Zutaten, die ein Mid-Major-Team braucht, um nicht nur die erste Runde zu überstehen, sondern vielleicht einen Cinderella Run hinzulegen. Viel Erfahrung, Talent und Athletik im Backcourt werden mit einem physischen, toughen und einigermaßen großen Frontcourt vereint. Dazu kommen gutes Coaching und beste Form zur richtigen Zeit. Beim Blick auf das Bracket kommt man zudem nicht um die Erkenntnis, dass die 4 und 5 Seeds Auburn und Clemson vielleicht die schwächsten sind. Das Sweet Sixteen ist realistisch.

North Carolina Tar Heels

MVP: Joel Berry II, Guard, 6'0'', Senior
Auch wenn sich vollkommen überraschend Luke Maye als Topscorer der Tar Heels festsetzen konnte, ist nach wie vor Joel Berry II derjenige, der den Ton angibt und die Kommandos von der Brücke ruft. Berry macht als Aufbauspieler das Spiel so schnell, dass sich die Tar Heels wohlfühlen. Trotz der hohen Geschwindigkeit unterlaufen ihm verhältnismäßig wenige Fehler. Der "Most Outstanding Player" des vergangenen NCAA Tournaments ist ein gefährlicher Scorer, der nicht lange überlegt, ehe er den Abzug drückt und nicht viel Platz für seine Dreier oder seine Finishes am Korb braucht. Trotz seiner geringen Körpergröße ist er sehr geschickt beim Abschluss in der Zone und nutzt seine bullige Statur.

X-Faktor: Theo Pinson, Wing, 6'6'', Senior
Während seiner gesamten Karriere war Theo Pinson ein Spieler, der zwischen Höhen und Tiefen in seinen Leistungen schwankte und sich niemals so recht als eine verlässliche Stütze im Team der Tar Heels etablieren konnte. In den vergangenen Saisonwochen und gerade während des ACC Tournaments konnte Pinson in dieser Hinsicht wahrscheinlich die stärksten Wochen seiner vierjährigen Zeit bei den Tar Heels abliefern. Beim Sieg über Duke war er der Hauptverantwortliche im Halbfinale des ACC Tournaments. Pinson muss noch nicht mal seinen wackeligen Dreier in den Griff bekommen. Viel entscheidender sind ein konstant gutes Entscheidungsverhalten und viel Aktivität am Brett.

Style: Wie in jedem Jahr machen die Tar Heels zwei Dinge besonders gut. Sie laufen ihre Fastbreaks konsequent und halten das Tempo einer Partie über 40 Minuten hoch. Noch viel besser stellen sie sich bei ihrer zweiten Qualität an: dem Offensivrebounding. Nach Duke weist UNC die zweithöchste Offensivrebound Percentage der NCAA auf. Durch das hohe Tempo und die vielen zweiten Chancen nehmen die Tar Heels eine hohe Fehlerquote in Kauf, da sie wissen, dass sie mehr Versuche und Ballbesitze erhalten.

NBA & BBL Kandidaten: Joel Berry II könnte eine Rolle als Backup Point Guard in der NBA finden. Sein Dreier und seine physische Statur sind dafür ausreichend. Klappt das nicht, wäre eine gute Karriere in Europa sicherlich auch eine Option. Theo Pinson gehört aufgrund seiner Athletik in die NBA - allerdings wird er dafür drastisch seinen Wurf verbessern müssen. Cameron Johnson bringt eine gute Größe und einen wunderschönen Dreier mit.

Fun/Quick Facts: Ein langes Zerren um die Dienste gab in der vergangenen Offseason um Cameron Johnson. Der Pitt Graduate Transfer erhielt von der Schule zunächst nur eine eingeschränkte Transferfreigabe. So wurde ihm untersagt, zu einer anderen ACC Schule zu wechseln. Es dauerte lange, bis Pittsburgh einlenkte und Johnson den Tar Heels seine Zusage geben durfte. Erwähnenswert ist zudem der Aufstieg von Luke Maye. Vom Walk-On über den Helden gegen Kentucky durch seinen Gamewinner stieg Maye in dieser Saison zum Topscorer und -rebounder der Tar Heels (17,2 Punkte und 10,1 Rebounds pro Spiel) auf.

Tournament: Ende Januar verloren die Tar Heels drei Spiele in Folge und in den Medien kam die Frage auf, ob sogar die Tournament Teilnahme in Gefahr zu geraten drohe. Natürlich war diese nie wirklich gefährdet, doch UNC wirkte zu diesem Saisonzeitpunkt keinesfalls wie ein Team, das möglicherweise als Final Four oder Meisterschaftskandidat gelten könnte. Gut sechs Wochen später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Eine dritte Final Four Teilnahme in Folge ist für die Tar Heels beileibe nicht ausgeschlossen. Joel Berry II und Luke Maye liefern jeweils überragende Spielzeiten ab und auch Schlüsselspieler wie Theo Pinson und Cameron Johnson steigern ihre Form. Die Frage wird wohl sein, inwiefern die Unerfahrenheit des Frontcourts im Tournament zum Tragen kommt.

Ohio State Buckeyes

MVP: Keita Bates-Diop, Wing, 6'7'', Junior
Jahrelang war das Potenzial des schlaksigen Tweeners offensichtlich, doch er konnte seine Fähigkeiten nicht wirklich auf das Parkett bringen. Das hat sich in dieser Saison schlagartig geändert. Der Hauptgrund für die Teilnahme am NCAA Tournament und einen der überraschendsten Saisonverläufe unter allen NCAA Teams ist sicher die Leistungsexplosion des Redshirt-Juniors. Auf All American Niveau netzt der knapp über zwei Meter große Bates-Diop seine Dreier, Turnarounds aus dem Postup und Floater beim Eins-gegen-Eins Drive ein. Mit der Kombination aus Ballhandling, Wurf und Länge ist Bates-Diop, der als Power Forward startet ein sehr schwieriges Matchup.


X-Faktor: Jae'Sean Tate, Wing, 6'4'', Senior
Sollte irgendwann mal ein NCAA weites Eins-gegen-Eins-Turnier für alle Spieler bis 6'4'' Körpergröße eingeführt werden, wäre es bei allen NBA Talenten, die so durch die Hallen rennen, nicht überraschend, wenn Tate als Sieger hervorgehen würde. Tate ist durch und durch siegesbesessen und macht alles, um seinem Team den Erfolg zu bescheren. Jeder Loseball und jeder Rebound werden für ihn zum Wettkampf. Dazu setzt er seinen massigen Körper, um den ihn so mancher Big Man beneiden sollte, extrem geschickt ein. Tate kann fünf Positionen am College verteidigen, ist ein Playmaker im Halfcourt, der ohne konstanten Wurf trotzdem immer den Abschluss bekommt, den er für sich selbst oder seine Mitspieler haben will.

Style: Chris Holtmann und Thad Matta weisen einige Parallelen in ihrer Spielphilosophie auf, weswegen einige Prinzipien sehr ähnlich geblieben sind. Wie schon bei Butler fährt Holtmann an neuer Wirkungsstätte die Strategie, die Vorzüge seiner besten Individualspieler durch gezielte Sets und Isolations in besonderem Maße zur Geltung zu bringen. Daher haben viele Angriffe das Ziel, Bates-Diop und Tate in aussichtsreiche Position zu bringen. Dazu laufen die Buckeyes viele Pick & Pops und nutzen Crossscreens.

NBA & BBL Kandidaten: Jae'Sean Tate wird ohne Wurf nur schwer in der NBA unterkommen, in Europa könnte er hingegen eine erstklassige Karriere hinlegen. Interessant wird zu sehen sein, ob sich Keita Bates-Diop vorzeitig zum Draft anmeldet. Ende der ersten Runde könnten Teams Interesse bekunden und auf den nächsten Kyle Kuzma hoffen.

Fun/Quick Facts: Seit Sommer 2016 ist Greg Oden zurück an alter Wirkungsstätte. Als Student Assistant Coach führt Oden gerade sein Studium in Sport Management fort und dient gleichzeitig als Teil des Coaching Staffs bei der individuellen Spielerbetreuung.

Tournament: In den ersten sechs bis sieben Kalenderwochen des neuen Jahres gehörten die Buckeyes zu den heißesten Teams der NCAA. Mittlerweile haben sie den vollen Respekt ihrer Gegner und können sie nicht mehr so leicht auf dem falschen Fuß erwischen. Dennoch passt das Teamgefüge und durch die Präsenz ihrer beiden Stars Bates-Diop und Tate haben sie grundsätzlich in jedem Spiel gegen jeden Gegner eine realistische Siegchance. Allerdings dürfen die Foulprobleme auf den großen Positionen nicht Oberhand nehmen und der Backcourt muss offensiv für Entlastung sorgen.

Oklahoma Sooners

MVP: Trae Young, Guard, 6'2'', Freshman
Von Anfang Dezember bis Mitte Februar war Trae Young das prägende und polarisierende Thema rund um die NCAA. Nie zuvor führte ein Spieler die gesamte Division I in Punkten und Assists pro Spiel an und genau auf diesem Weg wandelt Young gerade. Hinzu kommt eine elektrisierende Spielweise, die - ohne eine Aussage über qualitative Parallelen treffen zu wollen - in ihrer Art der von Steph Curry am nächsten kommt. Dreier aus acht Metern, vom Logo in der Spielfeldmitte oder nach zehn Crossovern mit Hand des Gegners im Gesicht gehören zum Standardprogramm. Schließlich prallte er mit voller Wucht gegen Freshman und Hype Wall und durchlief eine Phase, in der er über mehrere Spiele 21 Dreier in Folge nicht treffen konnte. Dennoch sind seine Statistiken (27,4 Punkte und 8,7 Assists pro Spiel) weiterhin überragend und er ist der beste College Guard im kommenden Draft.

X-Faktor: Christian James, Guard, 6'4'', Junior
Einst war Christian James der persönliche Zögling von Buddy Hield. Als Freshman musste sich James jede Menge lauter Ansagen vom damaligen Senior gefallen lassen, akzeptierte diese aber und schien eine schnelle Auffassungsgabe zu besitzen. Insofern hatten die Anhänger der Sooners die Hoffnung, dass James eine ähnliche Entwicklung über seine College Karriere hinlegen würde, wie Hield es vormachte. Auch wenn James sich in jedem Jahr statistisch steigern konnte (mittlerweile bei 12,1 Punkten pro Spiel angelangt), ist er leider nicht der erhoffte Leistungsträger, der auch mal ein Spiel an sich reißen und Freshman Guard Young die notwendige Entlastung verschafft.

Style: In der Offense überlässt Lon Kruger seinen Spieler seit jeher viele Freiheiten. Von denen profitierte Young besonders zu Saisonbeginn. Somit bot sich ihm die perfekte Bühne, um seine Skills zu präsentieren und sich sein Standing zu erarbeiten. Das Problem besteht jedoch mittlerweile darin, dass gegnerische Teams sich mehr auf ihn fokussieren und seine Nebenleute mit den entstehenden Freiräumen und den Freiheiten der Offense überfordert sind. In der Defense herrscht zudem viel zu wenig Gegenwehr. Traditionell lässt Kruger viel switchen, allerdings erfordert das auch viel Kommunikation und die ist nicht vorhanden.

NBA & BBL Kandidaten: Trotz seiner schwächeren zweiten Saisonhälfte und seiner körperlichen Einschränkungen sollten NBA GMs den Freshman Guard nicht aus der Top5 des Drafts rausrutschen lassen. Dafür hat er zu viel Basketballskills und dafür ist der Draft insgesamt einfach zu arm an talentierten Außenspielern und Ballhandlern. Senior Khadeem Lattin konnte nicht den erhofften Entwicklungssprung hinlegen, daher dürfte es für ihn schwer werden, einen Club von sich zu überzeugen.

Fun/Quick Facts: Trae Young ist der Hometown Hero bei den Sooners. Er kommt aus Norman und seine alte High School liegt nur wenige Fahrminuten vom Campus der Oklahoma University entfernt. Als Blake Griffin noch für die Sooners auflief, war Young sogar Balljunge bei den Heimspielen.

Tournament: Es war wirklich ein knappes Rennen, das sich Oklahoma und Arizona State um den Titel des größten Absturz der zweiten Saisonhälfte in den letzten zehn bis 15 Jahren lieferten und das zum Glück für beide Teams keiner gewann. Beide Teams sind im Tournament und können nochmal vom Nullpunkt starten. Die Frage ist jedoch, wie realistisch ein Formanstieg für die Sooners ist. Denn was die Big12 Kontrahenten der Sooners relativ deutlich zur Schau stellen konnten, ist die Tatsache, dass im Kader der Sooners abseits von Trae Young wenig Qualität vorhanden ist. Wollen die Sooners irgendwie eine Chance auf einen Sieg haben, müssen die Rollenspieler ihre Würfe treffen und Young unterstützen. Ein wenig mehr Engagement in der Defense und beim Rebound wären ebenfalls keine schlechte Ideen.

Pennsylvania Quakers

MVP: Darnell Foreman, Guard, 6'1'', Senior
Der Aufbauspieler der Quakers ist der einzige Akteur des Kaders, der die nötige Athletik besitzt, um auch mal im Eins-gegen-Eins Punkte zu generieren. Der Linkshänder ist kräftig gebaut und kann mit beiden Händen gleichermaßen gut zum Korb ziehen. Er verliert bei seinen Drives aber nicht die Übersicht und lauert eher auf sich bietende Chancen. Zusätzlich ist Foreman ein exzellenter Rebounder (4,5 pro Partie) für einen Guard. Nach Defensivrebounds schaltet er schnell um und versucht leichte Punkte im Fastbreak zu initiieren. Ein verlässlicher Dreier (unter 29 Prozent) würde dem Guard immens in seiner Spielweise helfen.

X-Faktor: AJ Brodeur, Big, 6'8'', Sophomore
In der Ivy League gehört AJ Brodeur zu den besseren Bigs und kann durchaus Spiele entscheiden (13,1 Punkte und 7,2 Rebounds pro Spiel). Er hat Touch und besitzt einige Skills, die ihn mit Rücken zum Korb zur Gefahr werden lassen. Allerdings fehlt ihm für ein Aufeinandertreffen mit hochwertigen Bigs aus den Power Conferences die Athletik, um eine wirkliche Gefahr darstellen zu können. Nichtsdestotrotz: Wenn die Quakers irgendwie in die Nähe der großen Sensation gelangen wollen, müssen sie den dünn besetzten Frontcourt der Jayhawks beschäftigen und Brodeur muss dazu ein gutes Spiel hinlegen.

Style: Steve Donahue ist ein Freund von viel Bewegung abseits des Balls. Die meisten Sets starten aus der typischen Startaufstellung der Princeton Offense. Ein Big Man ist auf der Freiwurflinie positioniert und die vier Außenspieler stehen mindestens auf Höhe der Dreierlinie. Die Zone und die Ecken sind frei für Backdoorcuts. Viele indirekte Blöcke und Cuts sind das Resultat dieser Offense.

NBA & BBL Kandidaten: Kein Spieler der Quakers kommt für die BBL in Betracht.

Fun/Quick Facts: Zum ersten Mal seit 2007 sind die Quakers wieder Teil des NCAA Tournaments. In der dritten Saison unter Steve Donahue gewannen Penn 24 Spiele, womit sie in einer einzigen Spielzeit genauso oft über einen Sieg jubeln durften wie in den zwei Jahren zuvor zusammengerechnet. Das Finale der Ivy League fand in Penns Heimhalle statt, sodass der Heimvorteil auf dem Papier bei Harvard lag, praktisch gesehen jedoch die Quakers eine zahlenmäßige Übermacht auf den Rängen hielten.

Tournament: Die Ivy League war in dieser Saison bei weitem nicht so stark und ausgeglichen besetzt wie noch vor zwei Jahren, als mindestens drei Teams das Zeug zum Upset im Tournament gehabt hätten. Den Quakers wird das zwar herzlich egal sein und sie werden versuchen, ihre Teilnahme mit einem Sieg zu veredeln. Doch realistisch betrachtet gibt es keinen Anlass, einen Upset herbeizureden. Abseits der 1-16-Problematik fehlen Penn die Qualität und die richtigen Waffen, um Kansas' mögliche Schwächen zu bestrafen.

Providence Friars

MVP: Kyron Cartwright, Guard, 5'11'', Senior
Durch seine breiten Schultern, seine stämmige Statur und die beeindruckende Athletik wirkt Kyron Cartwright keineswegs wie 5'11''. Der Senior ist der perfekte Anführer für die Friars, da er den Kampfeswillen und die Leidenschaft, mit der die Mannschaft agiert, in jedem Spiel vorlebt. Cartwright kaschiert durch seinen Mut und seine Energie basketballerische Schwächen und fehlende Zentimeter. Der Linkshänder findet immer einen Weg zum Korb, obwohl er keine rechte Hand und nur einen inkonstanten Wurf besitzt. Er kontrolliert dafür umso besser das Tempo einer Partie und weiß genau, was sein Coach von ihm verlangt. In der Defense setzt er seine Gegenspieler stets unter Druck und forciert Fehler.

X-Faktor: Rodney Bullock, Wing, 6'7'', Senior
Jedes Jahr aufs Neue ist Rodney Bullock derjenige, der beim Schweifen über die Kaderliste ins Auge sticht. Auch wenn er dieses Jahr Topscorer (14 Punkte pro Spiel) seiner Mannschaft ist und deutlich mehr Konstanz in seine Leistungen bringen konnte, ist er weit davon entfernt, sein gesamtes Potenzial ausgeschöpft zu haben. Bullock lebt einfach immer noch zu sehr von seinem Dreier und nimmt dafür zu viele schlechte Würfe, die eigentlich keine Chance auf Erfolg haben dürften, an guten Tagen aber dennoch ihr Ziel finden. Entsprechend miserabel ist auch die Quote des Flügelspielers (32,8 Prozent).

Style: Die Friars sind weder das talentierteste noch das erfahrenste Team des Teilnehmerfeldes. Deswegen müssen sie ihre Defizite über ihre Defense und grundsätzlich eine Portion mehr Einsatz ausgleichen. In der Verteidigung wechseln die Friars zwischen physischer Mannverteidigung und einer 2-2-1-Zone, bei der die Flügel so weit zum Ball verschieben, dass der Ballhandler fast immer von drei Gegnern umringt ist. Im Angriff verschleppen die Friars ein wenig das Spiel, versuchen den Ball an den Zonenrand zu bringen und richten es zu Not durch Einzelaktionen der Guards. Zudem ist Ed Cooley ein großer Freund der Flexoffense.
 
NBA & BBL Kandidaten: Weder Rodney Bullock noch Kyron Cartwright werden den Sprung in die NBA schaffen, eventuell finden sie jedoch ein Plätzchen in einem europäischen Kaderspot.

Fun/Quick Facts: Zum fünften Mal in Folge nehmen die Friars am Big Dance teil. Der vorherige Bestwert liegt bei drei aufeinanderfolgenden NCAA Tournaments. Ed Cooley sorgte beim Big East Finale für Amüsement, als er sich in einer seiner Tiraden die Hose zerriss und kurzerhand mit einem Handtuch um die Hüften weitercoachte.

Tournament: Die Friars konnten durch ein starkes Conference Tournament vermutlich ein First Four Spiel verhindern, wenn nicht gar die Tournament Teilnahme sichern. Im Vergleich zu den Vorjahren steckt im Kader etwas weniger Basketballtalent, allerdings stimmen Einstellung und Intensität in der Verteidigung. Das Erstrundenmatchup gegen Texas A&M sollte auf Augenhöhe stattfinden, wobei die Friars darauf bauen müssen, dass sie tougher und mit mehr Willen agieren. Spätestens im zweiten Spiel gegen Kansas werden sie aber das Ende der Fahnenstange erreichen.

Purdue Boilermakers

MVP: Isaac Haas, Big, 7'2'', Senior
Seine imposante Statur war in den ersten drei Jahren fast eher hinderlich, als dass sie Isaac Haas signifikante Vorteile verschafft hätte. Oft schien er eine Zielscheibe auf dem Rücken zu haben und damit nicht umgehen zu können. Extramotivation seitens seiner Gegenspieler, wenig Standing bei den Schiedsrichtern und eine Frontcourt Komposition, die ihm nicht genügend Platz garantierte, waren die Hauptgründe. Doch seit dem Abgang von Caleb Swanigan gehört Haas der Frontcourt ganz alleine. Zudem hat er athletisch und in seinem Skillset nochmals deutliche Fortschritte verzeichnen können. Dadurch ist Haas mittlerweile so dominant in der Offensive, auch wenn seine Zahlen nicht direkt ins Auge springen (14,9 Punkte pro Spiel bei 62 Prozent aus dem Feld), dass er seinen Mitspielern sehr viel Platz verschafft.

X-Faktor: Carsen Edwards, Guard, 6'1'', Sophomore
Wie weit Purdue im Tournament kommt, hängt maßgeblich von Carsen Edwards' Auftritten ab. Denn diese sind ein zweikantiges Schwert. Auf der einen Seite ist er der individuell stärkste Offensivspieler des Teams und kann und sollte es schultern, wenn es in einer engen Spielphase Spitz auf Knopf steht. Edwards ist extrem bullig, kommt fast immer in die Zone und auch sein Wurf aus dem Dribbling muss von der Defense respektiert werden. Allerdings ist Edwards immer nah an der Grenze zu unkontrolliertem Chaos, was den systemversessenen Boilermakers in ihrer Philosophie zutiefst widerstrebt. Die richtige Mischung zu finden, ist überaus delikat und gelingt dem jungen Guard noch nicht immer.

Style: Matt Painter ist Verfechter einer klassischen Herangehensweise, bei der vier Schützen um den dominanten Innenspieler aufgestellt werden. Allerdings folgt in der Praxis kein statischer Inside-Outside-Basketball, sondern der Coaching Staff gehört zu den kreativsten der ganzen NCAA. Die Setplays werden per Tafel von der Seitenlinie angezeigt und umfassen diverse Misdirection Aktionen, viele indirekte Blöcke, Handoffs und Bewegung abseits des Balls. Die Spieler sind erfahren und schlau genug, um auch selber die richtigen Ausstiege zu wählen und den Gegner im freien Spiel zu Schwindelanfällen zu bringen.


NBA & BBL Kandidaten: Isaac Haas ist der reinkarnierte Ante Tomic und sollte daher vor allem für spanische Clubs, die traditionell eine Vorliebe für große Centerspieler hegen, von großem Interesse sein. Vincent Edwards ist ein vielseitiger Flügelspieler, der als potenzieller 3-and-D-Akteur selbst in der NBA drei Positionen verteidigen kann.

Fun/Quick Facts: Die erste Niederlage auf dem amerikanischen Festland setzte es für die Boilermakers erst am 7. Februar gegen Ohio State. Nach den etwas überraschenden Auftaktniederlagen gegen Tennessee und Western Kentucky beim Battle 4 Atlantis auf den Bahamas präsentierten sich die Big Ten Contender ansonsten fehlerfrei.

Tournament: Der ganz große Schwung, den die Boilermakers im Januar in ihrem Spiel mitbrachten, ist verflogen. Hierbei sollte der harte Big Ten Spielplan, der eine enge Taktung und eine entsprechend hohe Belastung zur Folge hatte, nicht außer Acht gelassen werden. In den vergangenen Jahren gab es für die Teams von Coach Painter immer zwei Knackpunkte: Dreierquote und Ballverluste. Solange das Team die Dreier trifft, wird es sehr schwierig, Purdue aus dem Rennen zu werfen. Gegen Teams, die aggressiv pressen, könnten die Boilermakers schlecht aussehen.

Radford Highlanders

MVP: Carlik Jones, Guard, 6'0'', Freshman
Carlik Jones ist nicht nur der Freshman des Jahres in der Big South Conference, sondern auch ein ziemlich interessanter Spieler mit Perspektive. Auch wenn seine Körperhöhe nicht die beste Voraussetzung für eine Zukunft als Profi bietet, gleicht er das ein wenig mit seinen langen Armen, seiner ordentlichen Athletik und seiner Spielübersicht aus. Er hat ein gutes Tempo in seinem Spiel, das er situativ immer wieder variiert. Besonders im Pick & Roll beweist der Freshman schon ein gutes Spielverständnis und nutzt Fehler der Verteidigung durch Hesitations zu eigenen Drives oder per Pass zum Blocksteller.

X-Faktor: Ed Polite Jr., Big, 6'5'', Junior
Auf Low-Major-Ebene kann Ed Polite Jr. ein Spieler sein, der seinem Team den Sieg nach Hause bringt. Ob er genau diese Fähigkeit aber auch im Tournament gegen deutlich bessere Competition anwenden kann, wird darüber entscheiden, ob Radford eine Minimalchance auf den Upset hat. Als Power Forward hält er sich lieber in Brettnähe als an der Dreierlinie auf, auch wenn er dort durchaus seine Würfe einstreuen kann. Am Brett fehlen ihm jedoch definitiv die notwendige Größe und die Kilos auf Rippen und Armen, um ansatzweise zu bestehen.

Style: Radford wird versuchen mit aggressiver Defense so gut wie möglich den Favoriten zu ärgern. Grundsätzlich spielen sie harte Deny-Pässe und gehen aggressiv ihren Gegenspieler beim Handoff hinterher, um den Rhythmus zu zerstören oder Ballgewinne zu ergattern. Im Angriff beweist Mike Jones Kreativität als Coach und Sets mit viel Bewegung abseits des Balls laufen. Das High Pick & Roll mit Freshman Jones funktioniert in der Regel am besten.

NBA & BBL Kandidaten: Kein Spieler verfügt über NBA Potenzial. Carlik Jones könnte zumindest für Mid- oder High-Major-Colleges ein interessanter Transferkandidat werden.

Fun/Quick Facts: Zum dritten Mal konnten die Highlanders unter Coach Mike Jones die Marke von 22 Siegen in einer Saison erreichen. Seitdem das Programm 1984 den Aufstieg in die Division I vollzog, gelang dieser Wert nur ein weiteres Mal. Zum dritten Mal nehmen die Highlanders am NCAA Tournament teil.


Tournament: Realistisch betrachtet gibt es wenig, was den Highlanders Hoffnung auf den Upset geben kann. Sie gehen als glasklarer Underdog in die Partie, sollten die Erfahrung für ihre weitere Karriere mitnehmen und sich über das Erreichte freuen. Ein Upset wäre eine absolute Sensation.

Rhode Island Rams

MVP: Jared Terrell, Guard, 6'3'', Senior
Dieses Team gehörte eigentlich E.C. Matthews. Doch Verletzungen und Formschwankungen warfen den Linkshänder immer wieder aus der Bahn. Jared Terrell ist hingegen derjenige, der sich von Saison zu Saison und von Monat zu Monat verbessert. Mittlerweile ist er einer der besten Spieler in der gesamten NCAA, über die einfach niemand redet. Terrell ist ursprünglich ein Verteidigungsminister, dessen Spezialdisziplin darin liegt, einem Gegner so richtig unter die Haut zu fahren und ihm jedwede Freude am Spiel zu nehmen. In seinem Senior Jahr konnte er sich aber auch endgültig als Offensivspieler beweisen. 17,2 Punkte pro Spiele und 41 Prozent Dreierquote sind Ausdruck stetiger Verbesserung des eigenen Spiels.

X-Faktor: Cyril Langevine, Big, 6'8'', Sophomore
Auf den ersten Blick erscheint Cyril Langevine nicht mehr als bloß ein Rollenspieler zu sein. Stattdessen wären in dieser Rubrik eigentlich eher die anderen Guards neben Terrell zu verorten. Mit einem Blick auf Langevines Spielweise, seine spielerischen Fortschritte, die Rotation der Rams und das mögliche Bracket zeigt sich, dass Langevine spätestens in einem möglichen Zweitrundenmatchup gegen Duke ein spielentscheidender Faktor werden könnte. Der Sophomore ist ein physischer und athletischer Spieler, der die eigene Zone und das defensive Brett sauber hält. Genau diese Aufgaben werden gegen Oklahoma und eventuell Duke Voraussetzung dafür sein, dass die Rams in die Nähe des Siegs kommen.

Style: Die Rams definieren sich über harte Defense. Durch ihre vielen großen und kräftigen Guards können sie viel Druck auf den Ballhandler ausüben und schwere Würfe sowie Ballverluste forcieren. Im Angriff gehören die "Fighting Hurleys" zu den Tournament Teams, die sehr viel Pick & Roll spielen. Das Pick & Roll wird meist durch Decoy Action eingeleitet: Handoffs und Screen-the-Screener gehören zu den häufigsten Variationen.

NBA & BBL Kandidaten: Sollte Jared Terrell nicht in der NBA landen, für die er vielleicht ein wenig zu klein ist, wäre er der ideale Combo Guard für ambitionierte europäische Teams. Auch in der BBL gäbe es sicher einige Teams, die an den Diensten des Seniors interessiert sein könnten. Auch E.C. Matthews befindet sich auf der Grenze zwischen NBA und Europa. Für die NBA fehlen ihm etwas die nötige Explosivität und Konstanz beim Dreier.

Fun/Quick Facts: Die knapp drei Stunden zwischen dem verlorenen Finalspiel und Selection Show am Sonntag müssen für Dan Hurley eine reine Tortur gewesen sein. Dabei ging es dem Coach weniger darum, dass sein Team ein knappes Spiel verlor, die Conference nicht gewinnen konnte oder um die eigene Teilnahme am NCAA Tournament bangen musste. Für ihn war der Gedanke daran, dass die Niederlage gegen Bid-Stealer Davidson womöglich seinen Bruder Bobby und Arizona State die Tournament Teilnahme gekostet haben könnte, das viel größere Dilemma. Entsprechend grenzenlos war die Freude, als in der Selection Show die Sun Devils genannt wurden.

Tournament: Eine Plattitüde, die in den letzten und auch noch kommenden Wochen oft gewählt wurde und wird, besteht darin vom Momentum zu sprechen. Bei den Rams ging es nach einem Formhoch Mitte Februar die Kurve zuletzt etwas in Richtung Keller, dennoch sollte niemand den Fehler machen, die Rams leichtfertig abzuschreiben. Das Matchup gegen Oklahoma könnte sich als perfekt erweisen, da sie viele Verteidiger für Trae Young parat stehen haben. Selbst gegen Duke sind die Studenten aus Rhode Island alles andere als chancenlos. Die Rams stellen einen extrem erfahrenen, toughen und talentierten Backcourt.

San Diego State Aztecs

MVP: Devin Watson, Guard, 6'1'', Junior
Der San Francisco Transfer ist nicht direkt zum Topscorer des Teams aufgestiegen, doch er hilft dem Team auf eine ganz andere Art und Weise, die viel wichtiger ist als es seine knapp zwölf Zähler pro Begegnung je sein könnten. Watson ist der erste Point Guard, den die Aztecs auf dieser Position regelmäßig zu Werke gehen lassen und der diese Bezeichnung auch wirklich verdient, seit Xavier Thames sich noch das Trikot der Azects überstreifte. Watson ist ein kluger Taktgeber, der die Offense einleitet und dadurch dafür sorgt, dass die anderen Guards, die in den Vorjahren als Spielgestalter herhalten mussten, sich endlich auf das Scoring konzentrieren können.

X-Faktor: Trey Kell, Guard, 6'4'', Senior
Daher ist es auch nur folgerichtig, dass Senior Trey Kell in dieser Saison in jedem Spiel das Zünglein an der Waage sein kann. Der Combo Guard ist in diesem Jahr zwar immer noch am Ballvortrag beteiligt, kann sich jedoch vor allem im Halbfeld deutlich besser austoben, weil nicht mehr die ganze Organisation an ihm hängt. Kell ist ein Allrounder mit langen Armen, der sich über einen guten Wurf definiert. Wie wichtig er sein kann, bewies er im Conference Finale, als die Aztecs das Ticket zur Teilnahme am NCAA Tournament lösten. 28 Punkte standen am Ende auf dem Statistikzettel und besonders in der spielentscheidenden Phase war Kell zur Stelle.

Style: Die Aztecs spielen in der Offense mit mehr Geschwindigkeit als über weite Teile der Saison. Zum Teil rangierten die Aztecs im letzten Viertel aller NCAA Teams. Mittlerweile sind sie in der oberen Hälfte angekommen. Dadurch können sie ihre Athletik im Frontcourt besser zur Geltung bringen. Das Scoring verteilt sich auf viele Schultern. Meist ist es an Watson und Kell im Pick & Roll Lösungen zu finden. Auch Postups für Malik Pope gehören zum Alltag.

NBA & BBL Kandidaten: Malik Pope hat seit Jahren das Label "NBA" auf die Stirn tätowiert. Doch in keiner Saison gelang dem schlaksigen Forward der Durchbruch. 6'10'' mit langen Armen, aber nur wenig Masse ausgestattet bleibt die Frage, wie Pope in der NBA eingesetzt werden sollte. Defensiv bringt er viel Potenzial mit und verfügt offensiv über Touch und Ballhandling eines Flügelspielers. Doch die fehlenden Kilos und das schlechte Entscheidungsverhalten ergeben ein Positionswirrwarr. Ein Name für die Zukunft ist Jalen McDaniels. Der Redshirt Freshman ist ebenfalls körperlich eine interessante Erscheinung, spielt aber mit mehr Härte als Pope und scheint eine klarere Rolle einnehmen zu können. Trey Kell könnte in Europa landen.

Fun/Quick Facts: In Reihen San Diego States befindet sich ein Spieler, der aufgrund seiner deutschen Wurzeln in einigen Jahren von Interesse für BBL Clubs sein könnte. Das Besondere: Er wechselte seinen Nachnamen. Aus Max Hoetzel wurde Max Montana, weil nicht mal er selbst den Umlaut korrekt aussprechen konnte, wählte er seinen mittleren Namen einfach als neuen Nachnamen.

Tournament: Mit neun Siegen in Folge gehört SDSU eindeutig zu den heißeren Teams der vergangenen Wochen. Das höhere offensive Tempo und die zweite Luft einiger Akteure sind hauptverantwortlich für den Aufschwung. Das Team kann ohne Druck und mit viel Selbstvertrauen auftreten, da im Februar eigentlich niemand mehr so wirklich mit einer Tournament Teilnahme rechnete. Solche Teams, die zusätzlich über Guardplay und Athletik verfügen, sind im März gefährlich.

Seton Hall Pirates

MVP: Angel Delgado, Big, 6'9'', Senior
Der Big Man der Pirates ist ein Double Double Garant. Bereits 21 davon konnte Delgado in der laufenden Spielzeit sammeln und liegt damit hinter DeAndre Ayton (23) auf einem geteilten zweiten Platz mit Mike Daum (South Dakota State) und Marvin Bagley III (Duke) unter allen Tournament Teilnehmern. Besonders als Rebounder (11,6 Rebounds pro Spiel) ist er für sein Team ungemein wichtig, da die Pirates sich darauf verlassen können, dass sie zweite Wurfchancen erhalten oder gute Defensivsequenzen mit einem Rebound abgeschlossen werden. Offensiv ist Delgado zwar immer noch abhängig von Durchsteckern und zweiten Chancen, doch seine Postups werden jede Saison besser.

X-Faktor: Khadeen Carrington, Guard, 6'3'', Senior
Der Aufbauspieler ist dafür verantwortlich, dass die Angriffe der Pirates einigermaßen strukturiert verlaufen. Er bestimmt das Tempo einer Partie und schreitet immer dann per Notbremse zur Tat, wenn ihm die Aktionen seiner Mitspieler zu wild werden. Carrington nimmt sich selbst als Scorer ein wenig zurück, um seinen Mitspielern dafür gute Würfe zu ermöglichen. Knapp 4,5 Assists verteilt der Playmaker pro Partie. Besonders durch seinen starken Drive kann er die Aufmerksamkeit der Defense auf sich ziehen. Alternativ nutzt er das Pick & Roll, um seine Big Men in gute Positionen zu bringen.

Style: Die Trumpfkarte der Pirates sind ihre Athletik und ihre Physis im Backcourt. Alle Spieler sind um die 1,90m oder größer und sorgen dafür, dass die dauerhafte Verteidigung gegen Drives den Gegenspielern auf Dauer den Zahn zieht und jede Menge Energie raubt. Am besten sind die Pirates, wenn sie den Gegner in der Defense oder im Fastbreak überrumpeln.

NBA & BBL Kandidaten: Angel Delgado hat durch seine Qualitäten als Rebounder eine Chance auf eine Karriere als Rollenspieler in der NBA. Für Khadeen Carrington und Slasher Desi Rodriguez wird es darum gehen, mehr Konstanz im eigenen Wurf zu entwickeln. Gelingt dies nicht, sollten die beiden in Europa eine Anstellung finden.

Fun/Quick Facts: Mit 129 Karrierestarts ist Angel Delgado nun der Alltime Leader in der Schulhistorie in dieser Kategorie. Zum dritten Mal in Folge konnten sich die Pirates für das NCAA Tournament empfehlen. Zu einem Sieg reichte es die beiden vorherigen Male allerdings nicht.

Tournament: Seton Hall ist der Inbegriff eines typischen 8 Seeds. Das Team hat genug Qualität und Erfahrung, um im Tournament dabei zu sein. Bisher blieb es allerdings den Beweis schuldig, in dieser Position auch eine Gefahr für den jeweiligen Gegner darzustellen. Nach zwei Niederlagen sind die Pirates, die das Gefühl haben, nicht genug Beachtung und Anerkennung zu erfahren, bereit für den ersten Sieg. Zuletzt war Desi Rodriguez mit einer Knöchelverletzung angeschlagen, die aber mittlerweile ausgeheilt sein soll. Im Aufeinandertreffen mit NC State dürfte es eine Menge Spektakel geben, da beide Teams athletisch sind und eher ein schnelles Spiel bevorzugen. Seton Hall muss die Bretter und die Schützen des Wolfrudels kontrollieren.

South Dakota State Jackrabbits

MVP: Mike Daum, Big, 6'9'', Junior
Der Spitzname "Dauminator" kommt nicht von ungefähr. Der Big Man ist einer der gefährlichsten Scorer der gesamten NCAA. Er ist für die meisten gegnerischen Bigs einfach ein Mismatch, das im Eins-gegen-Eins kaum zu verteidigen ist. Am Zonenrand verfügt er über gute Fußarbeit und unzählige Moves, weshalb er fast immer erfolgreich abschließt. Allerdings fühlt er sich trotz seiner doch eher massigen - um nicht zu sagen behäbigen - Statur auch am Perimeter wohl. Als Pick & Pop Blocksteller strahlt er eine Menge Gefahr aus (42 Prozent Dreierquote). 23,8 Punkte und 10,4 Rebounds pro Spiel bedeuten ein lupenreines Double Double im Schnitt.

X-Faktor: David Jenkins Jr., Guard, 6'2'', Freshman
Der junge Freshman Guard bringt eine Dimension ins Spiel der Jackrabbits, die es in der Form so wahrscheinlich in den vergangenen Jahren nicht aufbieten konnten. Jenkins harmoniert schon jetzt sehr gut mit Daum und die beiden konnten eine symbiotische Koexistenz aufbauen. Wenn sich die Defense zu sehr auf Daum konzentriert, steht der Big blank. Andersherum besitzt der Guard genug Disziplin, um seinen Innenspieler zu finden.

Style: Gutes Spacing, viel Bewegung abseits des Balls und Geduld vereinen die Jackrabbits, wenn sie ihre Ballscreen Motion spielen. Ist dies mal nicht der Fall, suchen sie gezielt ihren Topscorer. Entweder wird er im Lowpost isoliert oder eher stellt einen Block nach dem nächsten im Pick & Pop, bis die Defense einen Fehler begeht. Davon profitiert entweder Daum, der zu offenen Dreiern kommt oder aber die Ballhandler, die vollkommen frei sind und den Weg in die Zone antreten können.

NBA & BBL Kandidaten: Reed Tellinghuisen ist der einzige Senior, der eventuell das Zeug zum Profi hat. Der Wing macht die kleinen Dinge recht und hat als Rollenspieler durchaus Potenzial in unterklassigen europäischen Ligen.

Fun/Quick Facts: Seit ihrem Aufstieg in die Division I im Jahr 2005 und der drei Jahre später erfolgten Berechtigung zur potenziellen Teilnahme an Tournament sowie der Aufnahme in die Summit League 2008, konnten die Jackrabbits sich als Serienmeister dieser Liga etablieren und stehen zum dritten Mal in Folge im Tournament. Nie zuvor gewann SDSU so viele Spiele wie in diesem Jahr (28).

Tournament: Dank Mike Daum können die Jackrabbits an einem guten Tag mit vielen Gegnern mithalten. Dafür muss Daum seine Dreier treffen und einen Gegenspieler haben, der es nicht gewohnt ist, Postups und Dreier verteidigen zu müssen. Gleichzeitig wäre es von Vorteil, wenn der Rest des Teams die Freiräume, die sich aus der Aufmerksamkeit für Daum ergeben, nutzen.

St. Bonaventure Bonnies

MVP: Jaylen Adams, Guard, 6'1'', Senior
Jaylen Adams ist nicht der typische Aufbauspieler eines Mid-Major-Teams. Mit seiner Athletik und seiner enormen Physis gehört er eigentlich in die besten Conferences der NCAA. Doch die vier Jahre bei den Bonnies und unter seinem Trainer Mark Schmidt halfen ihm dabei, sich zu einem der besten Aufbauspieler der NCAA zu entwickeln. Adams ist primär ein exzellenter Scorer (19,4 Punkte pro Spiel), der nach Belieben zum Korb ziehen kann. Sein erster Schritt ist enorm explosiv und kaum zu verteidigen. Aber auch als Organisator und Ballverteiler macht Adams mittlerweile einen wesentlich besseren Job (5,3 Assists pro Begegnung). Sein Entscheidungsverhalten wird zusehends besser und er lässt sich seltener zu wilden Aktionen hinreißen (niedrigste Turnover Percentage seiner Karriere).

X-Faktor: Matt Mobley, Guard, 6'3'', Senior
Im Schatten von Adams wird Matt Mobley oft nur beiläufig erwähnt. Doch als Scorer verfügt der Combo Guard mindestens über ähnliche Qualitäten wie sein Aufbauspieler. Mobley ist nicht ganz so athletisch wie Adams, besitzt dafür aber einen noch vielseitigeren Wurf. Auch wenn seine Dreierquote niedriger sein mag als bei Adams (38 Prozent bei drei Treffern), ist er der gefährlichere Schütze, da er auch aus Screens kommend abdrückt und gerne mit Wurffakes arbeitet, um sich einen Weg zum Korb zu verschaffen. Seine Spezialität ist der Pullup aus der Mitteldistanz nach einem Dribbling. Wenn Mobley und Adams zusammen ihre 40 Punkte auflegen, wird es für den Gegner schwer, das Spiel zu gewinnen.

Style: Mark Schmidt gehört zu den Coaches, die im Vergleich zu ihren Fähigkeiten am seltensten in der breiten Öffentlichkeit genannt werden, wenn es um die besten Taktiker der NCAA geht. Schmidt ist ein Meister darin, seinen Guards beim Ballerhalt einen Vorteil durch indirekte Blöcke zu verschaffen. Die besondere Schwierigkeit für den Gegner liegt darin, dass viele Sets sich ähneln und erst mit den letzten Aktionen klar wird, welches Play die Bonnies gerade exakt laufen.

NBA & BBL Kandidaten: Jaylen Adams hat eine gute Chance in der NBA als Backup Point Guard seinen Spot zu finden. Seine Athletik und sein guter Wurf werden ihm das Scoren auch auf dem nächsten Level ermöglichen. Bei Matt Mobley wird der Weg wohl eher nach Europa führen.

Fun/Quick Facts: Die 26 Siege der aktuellen Saison stellen einen alleinigen Bestwert in der Schulhistorie der Bonnies dar. Das gewonnene First Four Game gegen UCLA war der erste Sieg im NCAA Tournament seit der Saison 1969/1970, als die Bonnies bis ins Halbfinale des Tournaments einziehen konnten. Zu den bekanntesten Absolventen St. Bonaventures in der Basketballwelt zählt ESPN Reporter Adrian Wojnarowski, der 10.000 Dollar spendete, um den Studenten die Reise zum UCLA Game zur Unterstützung der Mannschaft zu bezahlen.

Tournament: Die Bonnies sind ein gefährlicher 11 Seed, da sie über exzellentes Guardplay und einen physischen Frontcourt verfügen. An der Seite von Adams und Mobley, die vielleicht den besten Scoring Backcourt des Teilnehmerfeldes stellen, gibt es mehrere Spieler, die auch mal zehn oder 15 Punkte zum möglichen Upset beisteuern können. Das Bracket hält für die Bonnies einige interessante Matchups bereit, weswegen ein Erstrundenaus ähnlich wahrscheinlich wie das Erreichen des zweiten Wochenendes erscheint.

Stephen F. Austin Lumberjacks

MVP: T.J. Holyfield, Big, 6'7'', Junior
Der Junior ist ein äußerst vielseitiger Big Man, der für die Lumberjacks gerade offensiv eine entscheidende Rolle einnimmt. Wenn ein Spieler mal gezielt durch ein Setplay gesucht wird, dann ist es Holyfield im Eins-gegen-Eins am Zonenrand. Seine 13 Punkte pro Spiel entstehen nicht bloß in der Zone, sondern auch aus der Distanz, von wo Holyfield beeindruckende 41 Prozent seiner Versuche verwandelt. Neben seinem Scoring ist Holyfield ein exzellenter Rebounder, der trotz seiner geringen Körpergröße viele Fehlwürfe durch seine gute Positionierung und seine Spannweite aufsammelt. In der Pick & Roll Defense ist er so beweglich, dass er Guards unter Druck setzen kann und trotzdem schnell zu seinem eigenen Matchup zurückfindet.


X-Faktor: Shannon Bogues, Guard, 6'2'', Junior
Der beste Scorer der Lumberjacks kommt von der Bank. Shannon Bogues ist durchschnittlich für 15,4 Punkte verantwortlich und liefert durch seine Einwechslung oft eine zweite Angriffswelle, die für Low-Major-Teams kaum zu verkraften ist. Bogues ist in erster Linie ein athletischer Slasher, der trotz seiner relativ geringen Körpergröße sehr hochprozentig am Ring und trotz Kontakts finishen kann. In einem defensivorientierten Team ist Bogues daher derjenige, der auch mal offensiv den Knoten zum Platzen bringt und somit den Unterschied über Sieg und Niederlagen ausmacht.

Style: Die Lumberjacks sind zurück auf dem Niveau angelangt, das sie in den drei Jahren unter Brad Underwood zu einem Favoritenschreck wachsen ließ. Kein anderes Team in der gesamten NCAA ist so gut darin, Turnover des Gegners zu forcieren wie die Lumberjacks. Fast in jedem vierten Angriff verliert der Gegner den Ball (24 Prozent Turnover Percentage). Zum Vergleich: Das nächstbeste Team in dieser Kategorie ist Brad Underwoods derzeitige Mannschaft aus Illinois mit einem Wert von 20,9 Prozent.

NBA & BBL Kandidaten: Die für europäische Teams interessanten Spieler sind allesamt noch keine Seniors.

Fun/Quick Facts: Die nach dem Gründer des Staates Texas benannte Universität bewies bei den vergangenen Trainerverpflichtungen großes Geschick darin, Kandidaten zu identifizieren, die noch nicht über Erfahrung in der Division I verfügen und dennoch von der ersten Sekunde an für Erfolg sorgen können. Nach Brad Underwood (drei Tournament Teilnahmen, zwei Siege im Tournament und eine Bilanz von 89-14) setzt Kyle Keller diesen Trend fort. In seinem zweiten Jahr konnten die Lumberjacks wieder 28 Siege einfahren.

Tournament: Wie schon vor einigen Jahren sind die Lumberjacks mal wieder ein Kandidat für einen möglichen Upset in der ersten Runde. Durch ihre Defense können sie jedes Team unter Druck setzen, wie beispielsweise LSU vor heimischem Publikum hautnah erfahren musste, als die Lumberjacks in einem wilden Finish mit 83:82 die Oberhand behielten. Gegen Texas Tech wird diese Aufgabe jedoch sehr schwierig. Die Raiders sind ein Team, das durch Toughness und Defense nicht zu überraschen sind, da sie selbst so spielen. Dennoch dürfte es vielleicht das intensivste Erstrundenmatchup des Tournaments werden und eine Menge Spannung bieten.

Syracuse Orange

MVP: Tyus Battle, Guard, 6'6'', Sophomore
Tyus Battle ist der Dauerbrenner und Offensivgestalter für die Orange. Wann immer das Team einen Korb dringend braucht, schnappt sich Battle Verantwortung und Ball und produziert tatsächlich auch in der Mehrzahl der Fälle. Durch seine gute Größe und seine ordentliche Physis kann er vor allem beim Drive zuschlagen. Battle ist mit etwa 32 Prozent nicht der sicherste Schütze, kann dennoch auch mal einen Distanzwurf treffen und dadurch die Defense ernsthalten. Battle bevorzugt jedoch das Midrange Game. Seine Floater sind schwer zu verteidigen und er spielt geschickt mit seinem Verteidiger in Form von Hesitations.

X-Faktor: Oshae Brissett, Wing, 6'8'', Freshman
Die Neuentdeckung der Saison ist Oshae Brissett. Der Kanadier liefert bereits in seiner ersten Saison eine überaus solide Spielzeit ab. Mit 14,7 Punkten pro Begegnung ist er der drittbeste Scorer des Teams und verschafft dem Backcourt offensiv etwas Entlastung. Der Kanadier bringt eine exzellente Länge für beide Forward Positionen mit und präsentiert sich auch spielerisch variabel. Er trifft den Dreier einigermaßen (34 Prozent), kann auch mal mit einem oder zwei Dribblings zum Korb ziehen und ist der beste Rebounder der Mannschaft (8,8 Rebounds pro Spiel). 

Style: Wenig überraschend lehrt Jim Boeheim weiterhin die Geheimrezeptur seiner 2-3-Zone. Die wichtige Zutat ist die Länge der Spieler. Kein Rotationsspieler ist kleiner als 6'4'' und jeder Spieler verfügt über lange Arme. Die Flügel sind auf Höhe der Freiwurflinie positioniert und geben dadurch die Baseline etwas auf, doch durch ihre Athletik und Länge können sie dort schnell hingelangen und trappen gerne entlang der Endlinie. Offensiv verschaffen sich die Spieler ihre Pausen und laufen dann viel Pick & Roll.

NBA & BBL Kandidaten: Da sich in der Rotation kein Senior befindet, gibt es keine definitiven NBA oder BBL Spieler im Kader. Aus NBA Perspektive sind Tyus Battle und Oshae Brissett die beiden Namen, die am häufigsten genannt werden.

Fun/Quick Facts: Nur sieben Spieler sehen regelmäßig Minuten bei den Orange. Wenig überraschend ist daher die Dominanz von Syracuse Spielern in der statistischen Kategorie "Minuten pro Spiel". Drei der NCAA Top6 laufen für Syracuse auf. Battle führt die gesamte NCAA an. Pro Spiel verfolgt er nur eine Minute von der Bank.

Tournament: Die Teilnahme von Syracuse am NCAA Tournament war gleichzeitig mit der Nichteinladung von USC die vielleicht größte Überraschung des Selection Sunday. In den vergangenen Wochen hatte sich die Mannschaft von Boeheim nicht mit Ruhm bekleckert und sowieso kein überzeugendes Resümee aufzubieten. Doch nun stehen die Orangemen nach dem Sieg über Arizona State im First Four Game sogar im 64er Feld und sind durch ihre Spielweise mal wieder ein unangenehmer Gegner. Vor zwei Jahren schafften die Orange den Final Four Einzug unter ähnlichen Voraussetzungen. Dieses Mal treffen sie jedoch in der ersten Runde auf ihren Angstgegner Jamie Dixon mit seinen TCU Horned Frogs. Dixon konnte als Trainer der Pittsburgh Panthers eine Bilanz von 15-6 gegen Syracuse erringen und damit mehr Erfolge einheimsen als Coach K, Rick Pitino oder Roy Williams mit ihren jeweiligen Teams.

Tennessee Volunteers

MVP: Grant Williams, Big, 6'5'', Sophomore
Als Freshman zeigte Grant Williams in der vergangenen Saison, dass er durchaus Talent besitzt und mal ein solider, vielleicht sogar dominanter Collegespieler werden kann. Dass dieser Fall schon in seinem zweiten Jahr eintreten würde, war beim besten Willen nicht abzusehen. Williams ist eigentlich etwas zu klein, um als brettdominanter Power Forward für Furore zu sorgen. Doch durch seinen tiefen Körperschwerpunkt und seine Physis ist er für viele Gegenspieler ein extrem unangenehmes Matchup, auch wenn diese vielleicht mehr Länge oder Größe mitbringen. Williams sucht Kontakt und den geraden Weg zum Korb (15,3 Punkte pro Spiel). Im nächsten Schritt muss er zwar noch seine Effizienz verbessern, doch er reißt zumindest jetzt schon Lücken in die gegnerische Defense.

X-Faktor: Admiral Schofield, Wing, 6'5'', Junior
Bei wenigen Spielern passt der Name so perfekt zu Statur und Spielweise wie bei Admiral Schofield. Der Junior ist eine überaus bullige Erscheinung mit breiten Schultern, muskelbepackten Schultern und explosiven Bewegungsmustern. Eine richtige Position lässt sich dem Allrounder nicht wirklich zuordnen. Nominell startet er als Small Forward, ist jedoch zu gleichen Teilen an Dreierlinie und im Lowpost zu finden. Besonders der deutlich bessere Wurf war in dieser Saison eine wichtige Erweiterung des eigenen Spiels für Schofield (39,5 Prozent aus der Distanz bei fast zwei Treffern). Den Dreier müssen Verteidiger nun respektieren, weshalb seine kraftvollen Drives noch schwieriger zu verteidigen sind. Die wichtigste Eigenschaft Schofields besteht in seiner Mentalität und seiner harten Defense. Mit beidem setzt er den Ton in spielentscheidenden Phasen.

Style: Die Volunteers haben eine extrem tiefe Bank und nutzen diese auch zu ihrem Vorteil. Wann immer es geht, laufen die Vols ihre Fastbreaks. Grundvoraussetzung für die Entstehung solcher Schnellangriffe ist zunächst die extrem druckvolle und intensive Mannverteidigung. Jeder Pass wird erschwert und viele kommen gar nicht erst bei den Adressaten an. Im Angriff werden Williams und Schofield im Postup gesucht. Allerdings leidet das Teamplay keinesfalls darunter. Viel Bewegung abseits des Balls durch indirekte Blöcke ist garantiert.

NBA & BBL Kandidaten: Da die Vols ein extrem junges Team sind, ist James Daniel der einzige Senior. Der Graduate Transfer war zuvor Topscorer der NCAA an der kleinen Howard University und könnte für kleinere europäische Clubs interessant sein. Die 5,8 Punkte pro Spiel sollten nicht über die Scoring Qualitäten des 2.000-Punkte-Manns hinwegtäuschen.

Fun/Quick Facts: Grant Williams ist nicht nur aufgrund seiner Spielstärke ein Akteur, der die Rezeption des ganzen Programms verändert. Er war so überzeugt von Tennessee und Rick Barnes, dass er sogar Stipendien von Ivy League Schulen ausschlug, wovon er seine Mutter, die ihrerseits Ingenieurin bei der NASA in Houston ist, erst überzeugen musste.

Tournament: Auch wenn sich Tennessee im Finale des SEC Tournaments Kentucky geschlagen geben musste, war die Saison der Vols extrem beeindruckend. Während der Rest der Conference keinerlei Konstanz an den Tag legen konnte, präsentierten sich die Volunteers stets als unangenehmer Gegner und gut geölte Maschine. Angesichts der Jugend des Teams (ein Senior und zwei Juniors in der Rotation) ist die Saison ein enormer Erfolg. Die fehlende Erfahrung könnte sich eventuell als nachteilig im Tournamentverlauf erweisen. Zumal die Vols nun als 3 Seed nicht mehr unterschätzt werden. Das zweite Wochenende können die Vols auf jeden Fall anpeilen. Zum Dark Horse und potenziellem Final Four Teilnehmer fehlt angesichts der starken Region wohl etwas die Qualität.

TCU Horned Frogs

MVP: Kenrich Williams, Wing, 6'7'', Senior
Es gibt wenige Spieler, die auf der einen Seite so sehr verantwortlich für den Teamerfolg des eigenen Teams sind und gleichzeitig auf der anderen Seite so wenig Beachtung erhalten wie Kenrich Williams. Williams ist die Lebensversicherung der Horned Frogs und personifiziert den Begriff Vielseitigkeit. Williams ist ein Point Forward, der genauso oft das Pick & Roll als Ballhandler läuft und seine Mitspieler in Szene setzt (vier Assists pro Spiel), wie er zum eigenen Abschluss ansetzt. Zudem ist Williams ein exzellenter Rebounder, der nicht bloß Abpraller einsammelt, die seine Armspannweite erreichen, sondern der sehr aktiv zum Rebound geht und so manche Meile zurück legt. 9,3 Rebounds als Aufbauspieler und mit zwei Metern Körpergröße sowie fast drei Offensivrebounds pro Spiel (entspricht einer Offensivreboundrate von 9,6 Prozent) sind eine Ansage.


X-Faktor: Alex Robinson Jr., Guard, 6'1'', Junior
Auch wenn Kenrich Williams viel in die Spielorganisation involviert ist, bleibt Alex Robinson Jr. nach der Verletzung von Starting Point Guard Jaylen Fisher der einzige gelernte Aufbauspieler, der im Kader noch vorhanden ist. Robinson ist allerdings keineswegs als Notnagel anzusehen. Ihn als Backup von der Bank bringen zu können, war ein purer Luxus, den sich Jamie Dixon zu Saisonbeginn leistete. Robinson hat sich in der größeren Rolle bestens eingefunden und konnte beispielsweise mit seiner Leistung im Heimspiel gegen Baylor (22 Punkte, 4 Rebounds und 6 Assists) maßgeblich dazu beitragen, die Tournament Teilnahme in trockene Tücher zu wickeln.

Style: Vier Spieler sind im Angriff entlang des Perimeters positioniert und bewegen sich viel abseits des Balls. Hauptsächliche Optionen und Waffen im Angriff sind entweder Pick & Rolls oder Postups für die Bigs. Dank des guten Spacings und der Mischung aus Insideoptionen und Schützen entlang der Dreierlinie erspielen sich die Horned Frogs in der Regel immer einen guten Abschluss.

NBA & BBL Kandidaten: Kenrich Williams erinnert sehr stark an Jared Dudley: Stets der smarteste Spieler auf dem Feld, mit einem ordentlichen Wurf ausgestattet und ein exzellenter Teamplayer. Sollte Williams im Draft in die zweite Runde rutschen, wäre er ein Steal. Der slowakische Center Vlad Brodziansky ist technisch sehr gut ausgebildet und könnte für spanische Teams einen Blick wert sein.

Fun/Quick Facts: Coach Jamie Dixon war einst selbst Abgänger der TCU und ihn dürfte es daher besonders freuen, dass die Horned Frogs zum ersten Mal seit exakt zwanzig Jahren wieder Teilnehmer am Big Dance sind. Kenrich Williams kam vom Junior College nach Texas. Am Junior College war u.a. Chris Boucher sein Teamkollege.

Tournament: Wie viel Energie haben die Horned Frogs im Tank? Besonders auf Williams und Robinson lastet eine Menge Verantwortung. Umso wichtiger wäre es, dass die Rollenspieler im Frontcourt ihre Leistung abrufen. Brodziansky muss rebounden und seine Chancen in Brettnähe vollstrecken. Freshman Kouat Noi hat in dieser Saison oft bewiesen, dass er mit seinen Dreiern ein Gamechanger sein kann. Eventuell reicht die momentane Komposition für einen Sieg in der ersten Runde, doch auch ein Upset wäre nicht überraschend. Die Formkurve zeigt klar nach unten.

Texas Longhorns

MVP: Mohamed Bamba, Big, 6'11'', Freshman
Ohne Mo Bamba wären die Longhorns vermutlich nicht im Tournament anzutreffen. Der Big Man mit den schier endlos langen Tentakeln sorgt im Alleingang dafür, dass Texas defensiv eine äußerst zähe Betonmischung anrührt und jedes Team zunächst Probleme gegen Texas hat. Eine Wingspan von 7'9'' nutzt der Freshman zu 3,7 Blocks (NCAA Rang zwei) und 10,4 Rebounds pro Spiel. Neben seiner Spannweite ist aber auch das Timing des passionierten Shotblockers nicht zu vernachlässigen. Trotz der vielen Würfe, die Bamba in jedem Spiel erschwert, gerät er äußert selten dadurch in Foulprobleme, dass er Angreifer beim Korbleger oder Dunk foult - ein Qualitätsmerkmal.

X-Faktor: Dylan Osetkowski, Big, 6'9'', Junior
Was Bamba in der Defensive für Texas bedeutet, wird von Dylan Osetkowski offensiv verlangt. Er trägt den Angriff der Longhorns bisweilen im Alleingang. Der wuchtige Power Forward hat nicht nur ein markantes Erscheinungsbild, sondern kann wirklich gut Basketball spielen. Im Lowpost verfügt er über gute Fußarbeit und einen ordentlichen Jumphook. An der Dreierlinie netzt er zwar nur 29 Prozent ein, kann jedoch auch heißlaufen und mal vier oder fünf in einem Spiel treffen. Zudem ist sein Ballhandling für einen Spieler seiner Statur extrem ausgereift, sodass er problemlos im Eins-gegen-Eins zum Korb ziehen kann. In seinem ersten Jahr für die Longhorns ist der Tulane Transfer direkt Topscorer.

Style: Durch das fehlende offensive Talent und Mo Bamba als Anker unter dem Korb ist es wenig überraschend, dass Shaka Smarts Team bestrebt ist, Spiele über gute Defense zu gewinnen. Tatsächlich können die Longhorns mit ihrer Athletik sehr schwierig zu bezwingen sein. Das gilt in erster Linie für die Verteidigung. Denn offensiv fehlt einfach Firepower. Immerhin haben sie dieses Jahr mit Matt Coleman einen gelernten Aufbauspieler, der die Organisation deutlich erhöht.

NBA & BBL Kandidaten: Mo Bamba wird im kommenden Draft unter den ersten Namen zu finden sein. Ob er die Top5 knackt, wird die wohl spannendste Frage sein. Sein defensiver Einfluss ist unbestritten und sollte selbst in der NBA von Tag eins an zu übertragen sein. Die Frage ist, welche Rolle er offensiv einnehmen kann.

Fun/Quick Facts: Mo Bamba wurde ursprünglich gar nicht von Texas rekrutiert. Namen wie Kentucky, aber auch Michigan und sogar Harvard waren die Teams, die scheinbar am engsten an Bamba dran war. Als dieser jedoch von Shaka Smart bei der U18 Amerikameisterschaft gecoacht wurde, entwickelten die beiden einen guten Draht und so begann - von Bamba initiiert - der Recruitingprozess.

Tournament: Bei aller Freude über die Teilnahme am Tournament, wird die Saison dann doch leider davon überschattet, dass der talentierteste Offensivspieler Andrew Jones mitten in der Saison die Diagnose erhielt, an Leukämie erkrankt zu sein. Wenige Stunden nach der offiziellen Bekanntgabe gewannen die Longhorns ein hochemotionales Spiel, doch mittelfristig ist die Abstinenz von Jones allgegenwärtig. Ohne Jones, zu dessen Gesundheitszustand nur spärlich Informationen an die Öffentlichkeit weitergegeben werden, fehlt Texas offensiv die Gefahr für mehr als einen Sieg, sofern überhaupt ein Erfolg zustande kommen kann.

Texas A&M Aggies

MVP: Tyler Davis, Big, 6'10'', Junior
Herz und Seele der Aggies ist auch in seinem dritten Jahr am College Big Man Tyler Davis. Ohne ihren Innenspieler wäre die Saison vermutlich längst gelaufen und als riesiger Misserfolg eingestuft worden. So stehen noch alle Türen offen. Davis ist ein Brettcenter alter Schule: Gute Fußarbeit, Physis und der Wille, sich mit seinem Gegenspieler einen Nahkampf zu liefern. 14,5 Punkte pro Spiel sind angesichts der Fähigkeiten von Davis und der sonstigen Leistungen seiner Mitspieler viel zu wenig. Das Problem besteht vor allem darin, dass er von seinen Teamkameraden viel zu selten gezielt gesucht wird. Ganze Halbzeiten kann es passieren, dass Davis nur wegen seiner guten Reboundarbeit überhaupt als Scorer in Erscheinung tritt.

X-Faktor: Robert Williams, Big, 6'9'', Sophomore
Böse formuliert besteht das Team abseits von Davis nur aus X-Faktoren. Fast jeder Spieler hat im bisherigen Saisonverlauf nicht das aus sich herausholen können, zu was er theoretisch im Stande wäre zu leisten. Robert Williams ist da nur der offensichtlichste Kandidat. Im vergangenen Frühjahr/Sommer noch als potenzieller Top10 Pick gehandelt, verkündete er überraschend die Rückkehr nach Texas, um besonders persönlich weiter zu reifen. Ob das gelungen ist, lässt sich von der anderen Seite der Erde nicht beurteilen. Aus spielerischer Sicht war die Rückkehr für das eigene Marketing suboptimal. Geringeres Scoring, eine deutlich schlechtere Freiwurfquote, die sein Shooting Potenzial in Zweifel zieht, und ständige Aussetzer, die vor allem auf einen fehlenden Fokus zurückzuführen sind, schrecken Scouts momentan ab.

Style: Theoretisch wollen die Aggies den Ball nach innen zu Davis oder per Alley-Oop zu Williams bringen. Dem steht praktisch jedoch das Entscheidungsverhalten der Außenspieler gegenüber. Diese sind entweder spielerisch nicht in der Lage, saubere Pässe zu spielen und ein wenig Geduld für ihre Bigs aufzubringen, oder ihnen fehlt das Spielverständnis, um diesen Vorteil zu erkennen. Zumindest führt die Größe der Aggies dazu, dass sie defensiv nicht viel zulassen.

NBA & BBL Kandidaten: Da der Kader größtenteils aus Juniors und Freshmen besteht, ist eigentlich nur zu klären, ob sich Rob Williams doch noch für den Draft anmeldet. Angesichts der vielen Bigs in dieser Class wäre das zusätzlich zu seiner verkorksten Saison keine sonderlich clevere Entscheidung.

Fun/Quick Facts: Nur zwei Spieler des Kaders bestritten alle bisherigen 32 Spiele für die Aggies. Der Rest fiel durch Verletzungen, Suspendierungen und Formschwäche zu irgendeinem Saisonzeitpunkt aus der Rotation oder aus dem Kader.

Tournament: Die Saison begann so verheißungsvoll mit einer dominanten Vorstellung gegen West Virginia auf der Air Force Base in Deutschland, dass der weitere Saisonverlauf ab Beginn der Conference Saison eine herbe Enttäuschung darstellt. Zu keinem Zeitpunkt konnten die Aggies ihren Hoffnungen auf einen möglichen Final Four Run auch nur ansatzweise nahe kommen und hatten letztlich Glück, dass sie doch noch die Kurve kriegen konnten und nun am Tournament teilnehmen. Gegen ein gut aufgelegtes Providence Team dürfte bereits das erste Match eine ordentliche Herausforderung werden.

Texas Southern Tigers

MVP: Demontrae Jefferson, Guard, 5'7'', Sophomore
Der kleingewachsene Guard Demontrae Jefferson ist keineswegs schüchtern auf dem Feld und schiebt Verantwortung auf seine Mitspieler. Als High School Spieler war er eine YouTube Sensation. Getreu dem Motto "nur wer wirft wird berühmt" nutzt Jefferson jede sich bietende Gelegenheit, um an seiner Bekanntheit zu arbeiten. Der Unterschied zu seinem Freshman Jahr ist die deutlich gestiegene Produktivität (23,7 Punkte pro Spiel statt 14,3) bei erhöhter Effizienz (42,7 Prozent aus dem Feld und 40 Prozent von der Dreierlinie statt 37,6 bzw. 30 Prozent). Jefferson ist jedoch nicht der einfachste Charakter. Viele High-Major-Programme zogen ihre Stipendiumangebote zurück und vier Mal wurde Jefferson in dieser Saison von seinem Trainer aus dem Kader gestrichen.

X-Faktor: Trayvon Reed, Big, 7'2'', Junior
Positiv gesehen kann Trayvon Reed ein Gamechanger sein. Mit seiner enormen Statur war er einst ein Top100 Rekrut als High School Spieler. Allerdings kamen ihm Probleme mit Gesetz und persönlichem Umfeld in die Quere. Sein Engagement in Maryland wurde nie verwirklicht und in Auburn verweilte er nur kurz auf dem Parkett, ehe er schließlich bei den Tigers landete. In dieser Saison legt Reed einerseits fast ein Double Double im Schnitt auf. Andererseits wurde er von Coach Mike Davis in dieser Saison schon während der Halbzeitpause eines Spiels nach Hause geschickt und sorgte zuletzt für Schlagzeilen, als er einem Gegenspieler ins Gesicht schlug.

Style: Coach Davis verlangt von seinen Spielern ein Mindestmaß an Disziplin im Angriff. Klare Vorgaben und Systemen führen dazu, dass das vorhandene Talent in geordnete Bahnen gelenkt wird. Im Vergleich zu High-Major-Teams überwiegt der Anteil von Eins-gegen-Eins-Situationen und wilden Abschlüssen.

NBA & BBL Kandidaten: Donte Clark könnte eventuell in unterklassigen europäischen Ligen seine Profikarriere starten und sich hocharbeiten. Auf absehbare Zeit wird jedoch kein Spieler des Kaders in der BBL landen.

Fun/Quick Facts: Zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren nehmen die Tigers am NCAA Tournament teil. Mike Davis ist damit für die Hälfte aller Tournament Teilnahmen des Programms verantwortlich. Traditionell spielen die Tigers einen sehr toughen Spielplan und treten außerhalb der Conference Saison nur auswärts an, was aufgrund der Qualität der Gegner meist einen 0-13-Start zur Folge hat. Diese Spielplangestaltung hängt vor allem damit zusammen, dass das Programm für die Spiele auf fremdem Parkett Geld von den großen Teams erhält, wodurch erst die Finanzierung der College Mannschaften möglich ist.

Tournament: Die Teilnahme am Tournament ist mal wieder ein Erfolg angesichts der schwierigen Umstände. Die SWAC zählt zu den drei schwächsten Conferences der NCAA und entsprechend gering sind einfach die Erwartungen. Nur sieben Conference Spiele konnte das Team aufgrund von Sperren und Suspendierungen komplett absolvieren. Ein Upset ist kein annähernd realistisches Szenario.

Texas Tech Red Raiders

MVP: Keenan Evans, Guard, 6'3'', Senior
Einem größeren Publikum wurde der Name Keenan Evans erst nach einer überragenden Performance gegen Texas ein Begriff. In diesem Spiel war Evans mit 38 Punkten (9/13 aus dem Feld, 18/20 von der Freiwurflinie) und dem Gamewinner in den Schlusssekunden der Verlängerung der spielentscheidende Akteur. Doch das sollte eigentlich nicht überraschen. Bereits in der letzten Saison war der Point Guard oft in entscheidenden Momenten zur Stelle und konnte seine Ausbrüche als Senior nur auf ein deutlich konstanteres Niveau heben. Neben seinem reinen Scoring Output (17,5 Punkte pro Spiel) ist Evans schlicht der eine Spieler, der aus dem starken Kollektiv der Raiders herausragt und den Unterschied ausmachen kann. Als Evans sich mit seiner Knöchelverletzung rumschleppte, kam der kleine Bruch in die Saison des Teams.

X-Faktor: Zhaire Smith, Guard, 6'5'', Freshman
Dass Freshmen durchaus zu den entscheidenden Faktoren für ihre jeweiligen Teams zählen, ist in der One-and-Done-Ära sicher keine Überraschung mehr. Allerdings ist Zhaire Smith nicht der typische Freshman Star, der mit Vorschusslorbeeren von der High School ans College wechselte und als glasklarer NBA Anwärter im Vorhinein feststand. Der aus Texas stammende Guard konnte sich relativ früh in der Saison seinen Starterposten von Senior Niem Stevenson erarbeiten - Betonung liegt hierbei auf der Arbeit - und seitdem durch seine Konstanz behaupten. Smith ist einer der Top3 Athleten der ganzen 351 NCAA I Teams. Dazu dürfte er abseits der Stats (9,4 Prozent Offensivreboundrate) der mit Abstand stärkste Offensivrebounder unter allen Guards sein. Smith hat eine Nase für den Ball, springt durch die Hallendecke und hat einen extrem schnellen zweiten oder dritten Sprung hinterher. Zudem ist er ein guter Verteidiger, macht wenig Fehler und trifft gute Entscheidungen.

Style: Als Lehrling von Bob Knight lässt Chris Beard klassische Motion Offense spielen. Screen-the-Screener ist dabei das häufigste Prinzip. Abhängig vom Verhalten der Verteidigung reiht sich Backscreen an Flarescreen, Downscreen an Curl oder UCLA Cut an Crossscreen. Diese Offense erfordert Spielverständnis, gute Grundausbildung und Konzentration. Zusätzlich hat Beard auch gezielte Setplays in der Hinterhand und kann so auch mal Evans einen guten Angriff verschaffen. Entscheidend für den Erfolg ist jedoch die hartgesottene Halbfeldverteidigung, die kaum offene Pässe oder Würfe zulässt.

NBA & BBL Kandidaten: Keenan Evans wird wahrscheinlich eher in Europa als in der NBA landen. Dorthin passt seine Spielweise einfach besser. Als Anführer einer Playoffmannschaft in einer europäischen Topliga wäre Evans mittelfristig bestens aufgehoben. Zhaire Smith sollte sich genau überlegen, ob er sich zum Draft anmeldet. Sein Kurs steigt und wird sein etwas wackeliger, aber sich bessernder Wurf ausgeblendet, bringt er bereits Voraussetzungen für die NBA mit. Auch Freshman Kollege Jarrett Culver bringt gute Voraussetzungen mit.

Fun/Quick Facts: Einer der größten Traineraufsteiger in den letzten fünf Jahren ist Chris Beard. Nach einer ereignisreichen Reise über mehrere Stationen ist Beard wieder da angelangt, wo er einst als Co-Trainer von Bob Knight seine Tätigkeit begann. Zuletzt unterzeichnete er eine Vertragsverlängerung über sechs Jahre und coacht sogar seit seinem Kreuzbandriss ungehemmt weiter. Die eigentlich notwendige Operation steht erst nach der Saison oben auf der Prioritätenliste.

Tournament: Die Raiders sahen lange Zeit so aus, als wären sie der Missetäter, der die Jayhawks vom Big12 Thron stoßen würde. Mit einem dominanten Auftritt gewannen sie im sagenumwobenen Allen Fieldhouse und hatten lange die Tabellenführung einer der stärksten Conferences der USA. Allerdings war die zweite Saisonhälfte deutlich schwächer. Die Verletzung von Anführer Evans versetzte dem Team einen Dämpfer in der Formkurve und die Rückkehr vom eigentlich als zweiter Option eingeplant Senior Zach Smith verpuffte relativ wirkungslos. Auf der anderen Seite sollten die Red Raiders mit der Atmosphäre eines Tournament Settings umgehen können. Dazu haben sie die Spielweise und Mentalität.

UNC Greensboro Spartans

MVP: Francis Alonso, Guard, 6'3'', Junior
Der Spanier ist der fokale Punkt der Offense, an dem sich alle Mitspieler orientieren. Besonders der Wurf des Guards ist eine extrem gefährliche Waffe (41 Prozent bei über drei Treffern pro Spiel). In typischer Manier für die spanische Schule weiß Alonso ganz genau, wie er sich mit kleinen Bewegungen und Körpertäuschungen einen Vorteil verschaffen und den Verteidiger in eine schwierige Situation bringen kann. Seine Spielintelligenz ist in dieser Hinsicht äußerst hoch und oft reicht ein einzelner Verteidiger nicht aus, um offene Dreier oder Floater aus der Mitteldistanz zu verhindern. Da Alonso aber auch seine Mitspieler im Blick behält, werden übermütige Hilfsaktionen genauso schnell bestraft wie das Ausbleiben einer Hilfe.

X-Faktor: James Dickey, Big, 6'9'', Sophomore
Was Alonso für die Offense der Spartans ist, stellt James Dickey für die Verteidigung des Teams dar. In der Zonenpresse steht Dickey an der Spitze und nutzt dabei seine Kombination aus Länge, Athletik und Schnelligkeit. Gerade auf Mid-Major-Level sind seine physischen Voraussetzungen nur sehr selten anzutreffen. Auch im Tournament dürfte er für die gegnerischen Guards ein nicht leicht zu überwindendes Hindernis darstellen. Doch selbst wenn die Presse gebrochen wird, ist er schnell genug, um wieder in der Zone Wache zu stehen und den Ring gegen jedwede Angriffsversuche zu beschützen. Sein Timing als Shotblocker ist ausgezeichnet (2,1 Blocks pro Spiel).

Style: Wie bereits aus den kurzen Statements zu Alonso und Dickey zu entnehmen, richtet Wes Miller sowohl Offense und Defense ein wenig auf seine beiden wichtigsten Spieler aus, wobei das keineswegs heißt, dass die Spartans übermäßig abhängig von den beiden sind. Auch der Rest des Teams besitzt jede Menge Talent und kann in die Bresche springen, falls den beiden Schlüsselspielern mal Foulprobleme oder Wurfpech in die Quere kommen. Im Angriff läuft UNCG viele indirekte Blöcke - speziell für Alonso. Größter Beliebtheit erfreuen sich Variationen des klassischen Diamond Sets. In der Defense stellen die Spartans nach Scores oder toten Bällen ihre 1-2-2-Zonenpresse auf, die in erster Linie Zeit von der Shotclock nehmen sollte. Direkte Steals sind eher selten das Resultat. Dafür steht der Gegner dauerhaft unter Strom und muss auf 10 oder 30 Sekunden Verstöße Acht geben.

NBA & BBL Kandidaten: Die Spartans sind ein junges Team und haben nur wenige Seniors im Kader. Langfristig ist James Dickey für die NBA oder zumindest Europa und Francis Alonso für spanische Teams interessant. Senior Marvin Smith ist ebenfalls jemand, der in diesem Sommer für europäische Teams einen Blick wert sein könnte. Der Flügelspieler verteidigt, hat lange Arme und ist ein guter Teamplayer. Sein spielerisches Potenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Fun/Quick Facts: Als Ansporn und Motivationshilfe nach der ärgerlichen Niederlage im Southern Conference Finale des vergangenen Jahres, stellte sich Wes Miller die Trophäe für den zweiten Platz auf den Schreibtisch. Francis Alonso könnte manch deutschem Basketball Fan, der die U20 EM 2016 verfolgte, noch ein Begriff sein. Im Halbfinale schoss er die deutsche U20 alleine aus dem Turnier schoss.

Tournament: UNCG ist ein sehr gefährlicher Mid-Major und kann für eine Menge Aufregung im Tournament sorgen. Talent, eine klare Hierarchie und eine Identität sind dafür guten Voraussetzungen. Die geringe Erfahrung könnte einem Upset im Weg stehen. Mit Gonzaga treffen sie zudem auf einen Gegner, der seinerseits oft unterschätzt wurde in der jüngeren Vergangenheit und diesen Fehler entsprechend nicht wiederholen sollte.

UMBC Retrievers

MVP: Jairus Lyles, Guard, 6'2'', Senior
Im zweiten Saisonspiel traf UMBC in Tucson auf die Meisterschaftskandidaten aus Arizona. Zwar ging das Spiel mit 78:103 verloren, doch Arizonas Defense war komplett überfordert mit den Retrievers und im Speziellen mit Jairus Lyles. Dieser lieferte sich einen Shootout mit den Stars der Wildcats und kam am Ende auf 31 Punkte. Lyles startete seine College Karriere bei VCU, wechselte zur Robert Morris University, spielte dort aber nie und kehrte schließlich nach Maryland zurück. In 84 Spielen konnte Lyles auf Rang zwei in der Schulhistorie der Division I Scorerliste klettern. Dieses Jahr liegt er bei 20,2 Punkten und 3,5 Assists pro Spiel. Die Krönung war sein Gamewinner im Finalspiel gegen Vermont:


X-Faktor: K.J. Maura, Guard, 5'7'', Senior
Im Vergleich zu allen anderen Spieler auf dem Feld sticht K.J. Maura durch sein geringe Körperhöhe und seine eher schmächtige Statur heraus.  Das hindert den Puerto Ricaner jedoch keinesfalls daran, eine Pest auf dem Feld zu sein. Der kleine Guard ist unglaublich schnell und hat besonders in der Verteidigung immer seine Finger am Ball. Der Ballvortrag gegen den Kettenhund ist alles andere als vergnüglich. Offensiv weiß er seine Schnelligkeit ebenfalls zu nutzen und lässt seine Verteidiger gerade bei Closeouts sehr unglücklich aussehen.

Style: Coach Ryan Odom lässt überaus modernen Basketball spielen. Taktisch gehören die Sieger des America East Tournaments daher vermutlich sogar zu den besten Offensivmannschaften des Tournaments - zumindest bezogen auf die Setplays. Klassiker wie Flex werden mit cleveren Pick & Roll Setups oder Misdirection Actions kombiniert.

NBA & BBL Kandidaten: Jairus Lyles ist ein Kandidat für europäische Mannschaften. Zu gute kommt die Senior die fast schon europäisch angehauchte Spielweise der Retrievers. Zwar wird er noch lernen müssen, mit weniger Dribblings auskommen zu müssen, doch das sollte sein Scoring Talent nicht schmälern.

Fun/Quick Facts: Seit 1986 gehören die Retrievers der University of Maryland-Baltimore County zur Divsion I. Erst zum zweiten Mal konnten sie sich nach 2008 für das NCAA Tournament qualifizieren. Ryan Odom konnte nach zwei Saisons bisher schon 45 Siege einfahren. Zum Vergleich unter den beiden vorherigen Trainern konnte die Unimannschaft in sieben Jahren nur 51 Mal als Sieger jubeln.

Tournament: UMBC ist 16 Seed, hat erst in den letzten beiden Jahren das Gewinnen mehr oder weniger gelernt und trifft zu allem Überfluss auch noch auf das stabilste Team der NCAA in Virginia. Der Upset ist ausgeschlossen, doch für die Spieler wird die Erfahrung ein wunderbares Erlebnis sein und die Spielweise lohnt zum Zuschauen.

Villanova Wildcats

MVP: Jalen Brunson, Guard, 6’3’’, Junior
Im Januar bestand eigentlich keine Diskussionsgrundlage, um den Award des "Player of the Year" in anderen Händen als denen von Trae Young zu sehen. Zu spektakulär waren die Zahlen und Rekorde, zu groß die Schlagzeilen und das Scheinwerferlicht. Im Schatten davon lieferte Nova Point Guard Jalen Brunson jedoch eine beängstigend konstante Saison auf höchstem Niveau ab, das ihn in den meisten Jahren zum Favoriten dieser Auszeichnung hätte aufsteigen lassen. Youngs Sinkflug und Brunsons weiterhin bärenstarke Leistungen führten dazu, dass mittlerweile Brunson zurecht als leichter Favorit gehandelt wird. Brunson ist ein stoischer Anführer, der seine Gegenspieler dominiert, seine Mitspieler verbessert und in der Crunchtime übernimmt. Er trifft den Dreier, liebt Postups gegen alle Gegner bis 2,05m und ist exzellent im Pick & Roll.

X-Faktor: Donte DiVincenzo, Wing, 6’5’’, Sophomore
Donte DiVincenzo besitzt nicht nur einen der klangvollsten Namen der ganzen NCAA, sondern kann auch noch richtig gut Basketball spielen. Als Nova mitten in der Saison von Verletzungen geplagt wurde und Starter Phil Booth ausfiel, sprang DiVincenzo für ihn ein. Einen allzu großen Rollenwechsel bedeutete das für den Wing allerdings gar nicht, da er gemäß seines Trainers Jay Wright sowieso als sechster Starter anzusehen war. Der Redshirt Sophomore feierte in dieser Saison sein Breakout-Jahr. Nicht nur rein statistisch bewegt sich der athletische Flügelspieler in ganz anderen Sphären. Seine Körpersprache strahlt deutlich mehr Selbstvertrauen aus und er nimmt und trifft Würfe, die er vor wenigen Monaten noch verweigert hätte. DiVincenzos offensiver Output kann den Unterschied zwischen Sweet Sixteen, Final Four oder Meisterschaft ausmachen.

Style: Die Wildcats sind in den vergangenen Jahren zu dem Team aufgestiegen, das NBA Scouts mit am liebsten verfolgen. Defensiv switchen sie nahezu alles, wodurch Bigs häufig an der Dreierlinie verteidigen und Guards Postups. Das stellt aber selten ein Problem dar. Zum einen sind die Spieler selber sehr vielseitig veranlagt und fühlen sich an beiden Orten ähnlich wohl. Zum anderen ist die Helpside- und Teamdefense hervorragend.
NBA & BBL Kandidaten: Mikal Bridges hat sich in jedem seiner vier Jahre am College verbessert. In seinem ersten Jahr legte Bridges ein Redshirt Jahr und arbeitete ohne Pausen mit den Assistant Coaches an seiner Wurftechnik und begann dabei mit Freiwürfen. In seinem zweiten Jahr als Redshirt Freshman trug er bereits maßgeblich zum Titelgewinn durch seine defensive Variabilität bei. In der vergangenen Saison lernte er mehr Verantwortung in der Offense zu tragen und nun als Redshirt Junior ist Bridges der perfekte Two-Way-Player, der immer noch nicht genug Anerkennung für seine Offense erhält. Die Kawhi-Leonard-Vergleiche und eine Top5-Auswahl im Draft sind nicht mehr unangebracht. Jalen Brunson sollte ebenfalls lange über eine Draftanmeldung nachdenken, obwohl er noch ein Jahr am College nach der Saison übrig hätte. Brunsons Chancen auf das Ende der ersten Runde stehen gar nicht so schlecht.

Fun/Quick Facts: Villanova erzielt die meisten Punkte pro Spiel unter allen 351 NCAA Teams der Division I. Hauptgrund dafür ist die NBA nahe Offense. Nova postet Guard auf, spielt aber auch viel mit fünf außen und verfügt über sechs Spieler im Kader, die 39 Prozent oder mehr ihrer Dreier treffen.

Tournament: Lange Zeit wirkte Villanova wie die eine Konstante in einer ansonsten sehr wilden College Saison, in der sich kein unumstrittender Favorit auftun wollte. Doch die Verletzungen von Booth und Strech Fünfer Eric Paschall nahmen den Wildcats ein wenig den Wind aus den Segeln. Zuletzt war vor allem die Defense das Problem. Einzelne Spieler wirkten müde und die Kommunikation litt erheblich. Bei einer derart switchlastigen Verteidigung sind Kommunikationsprobleme unentschuldbare und führen zu leichten Punkten für den Gegner. Dennoch erscheinen die Wildcats leicht favorisiert ins Tournament zu gehen. Interessant könnten das mögliche Zweitrundenmatchup gegen Virginia Tech (ebenfalls eine dreierlastige Offense) und das mögliche Elite Eight Matchup mit Purdue (eine ähnlich erfahrene Mannschaft) werden.

Virginia Cavaliers

MVP: Ty Jerome, Guard, 6'5'', Sophomore
Bei keinem anderen Team der NCAA fällt es so schwer, einen einzelnen Spieler aus dem Kollektiv zu picken und ihm das Siegel des MVPs anzuheften. Was oft als Plattitüde missbraucht wird, trifft bei Virginia einfach zu: Das Team ist der Star. Dennoch lastet auf Ty Jerome etwas mehr Druck als auf seinen Mitspielern. Denn der Aufbauspieler ist maßgeblich dafür verantwortlich das Tempo zu diktieren. Nach einer zähen Freshman Saison wurde Jerome nun ins kalte Wasser geworfen und präsentiert sich erstaunlich routiniert. Er beschränkt sich in erster Linie auf die Rolle des Organisators, doch kann durchaus auch selber mal den Drive zum Korb abschließen oder einen wichtigen Dreier versenken. Dank seines guten Auges und seiner Größe kann Jerome seinen Teamkollegen auch oft einfache Punkte durch gute Pässe ermöglichen.

X-Faktor: Devon Hall, Guard, 6'5'', Senior
An dieser Stelle stand eigentlich ein kurzer Abschnitt über den Aufsteiger der vergangenen Wochen, De'Andre Hunter. Mit seiner Athletik und seinen Scoring Qualitäten war der Freshman der einzige Spieler des Kaders, der auch mal von der Norm abweichen und für Überraschungsmomente sorgen konnte. Wegen eines gebrochenen Handgelenks wird er nun das Tournament verpassen. Umso wichtiger wird Devon Hall für die Cavaliers sein. Der Allrounder der Cavs tritt kaum in Erscheinung, personifiziert jedoch die Marschroute, für die Virginia steht. Hall konnte sich in jedem Jahr als Spieler verbessern, ist vielleicht der beste Verteidiger des Teams und zusätzlich noch ein Kandidat für die wichtigen Würfe gegen Ende einer Partie. Der Linkshänder ähnelt vom Spielertyp Malcolm Brogdon und sollte keineswegs unterschätzt werden.

Style: Tony Bennett lässt seine patentierte Pack Line Defense spielen und sorgt dafür, dass Virginia die beste Defensive der jüngeren NCAA Historie stellt. Die Cavaliers harmonieren als eine Einheit in der Defense und es nicht übertrieben zu behaupten, dass Virginia pro Spiel vielleicht fünf freie Würfe im Halbfeld Angriff zulässt. Teams müssen gegen Virginia beweisen, dass sie auch schwere Abschlüsse treffen können. Fastbreaks sind ohnehin Mangelware, da Virginia keine Ballverluste begeht und in der Transition Defense extrem schnell wieder sortiert ist. Viele Teams sind an dieser Mischung schon verzweifelt.

NBA & BBL Kandidaten: Der bereits angesprochene De'Andre Hunter erfährt in den letzten Wochen zunehmend Aufmerksamkeit seitens einiger NBA Scouts. Physisch hat Hunter die Anlagen, um in der NBA ein 3-and-D-Spieler oder ein Playmaking Vierer zu werden. Die Frage wird bei ihm sein, ob er sich wirklich jetzt schon in einem relativ tiefen Draftjahrgang anmeldet oder er nicht doch lieber eine Saison wartet und noch mehr sein offensives Repertoire verfeinert. Senior Allrounder Devon Hall sollte ebenfalls nicht übersehen werden. Mit 6'5'' ist Hall auf allen drei Außenpositionen gleichermaßen wertvoll, macht wenig Fehler, trifft den Dreier und verteidigt exzellent. In Europa sollte er auf jeden Fall landen können.

Fun/Quick Facts: Gegen Louisville drohten die Cavaliers ihre dritte Saisonniederlage zu kassieren. Zehn Sekunden vor dem Ende lagen sie 62:66 im Hintertreffen, wurden jedoch beim Dreier gefoult, trafen zwei Freiwürfe, forcierten einen Ballverlust und erhielten bei 0,9 Sekunden einen Einwurf unter dem gegnerischen Korb. Hunter versenkte einen Dreier aus gut acht Metern über das Brett.

Tournament: Es braucht einen Nachmittag/Abend an dem Virginias Gegner aus allen Lagen Dreiern trifft, um Virginia zu knacken. Die Cavs leben von ihrer Defense und müssen sich darauf verlassen. Zudem müssen Aufbauspieler Ty Jerome, Scorer Kyle Guy und Allrounder Devon Hall jeweils mindestens solide Performances abliefern, um Spiel im Tournament zu gewinnen und ihrem Coach endlich die erste Final Four Teilnahme zu bescheren. Diese hätte sich Bennett mehr verdient als jeder andere. Was er aus den vorhandenen Spielern rausholt, ist die bestmögliche Plastik von Teamplay in Perfektion. Der kurzfristige Ausfall von Hunter und die namhaften Gegner in der Region sind ein toughes Los. Immerhin lauert in dem Bracket kein Gegner, der extrem aggressiv presst, dagegen tun sich die Cavaliers schwer.

Virginia Tech Hokies

MVP: Justin Robinson, Guard, 6'1'', Junior
Justin Robinson ist als Aufbauspieler der Hokies der Taktgeber in der Offense und oft derjenige, der es durch seine atemberaubende Schnelligkeit schafft, eine erste Lücke in die Defense des Gegners zu reißen. Robinson kann seine relativ geringe Körpergröße durch seine Explosivität beim Absprung, seine Hangtime beim Finish und seine Kreativität im Abschluss kompensieren. Zwar wäre er hin und wieder besser beraten, nochmals den Kickoutpass zu spielen, doch ein wenig Übermut nimmt sein Coach Buzz Williams dafür in Kauf, dass Robinson die Defense zum Kollabieren bringt. Wenn Robinson aggressiv spielt und die gegnerische Verteidigung vor Probleme stellt, haben seine Mitspieler direkt ein einfacheres Leben.

X-Faktor: Chris Clarke, Big, 6'6'', Junior
Nach seinem Kreuzbandriss in der vergangenen Saison merkte man, wie sehr die Hokies von ihrem spielintelligenten und vielseitig einsetzbaren Power Forward abhängig sind. Auch in dieser Saison ist Chris Clarke der Schlüsselspieler für die Hokies. Ein Großteil der Offense baut sich um die Fähigkeiten des bulligen Juniors auf. Meistens ist er als Playmaker auf der Freiwurflinie die gefährlichste Waffe der Offense. Wenn er dort den Ball in den Händen hält und alle anderen Spieler sich gegenseitig Blöcke stellen oder in Bewegung sind, behält er die Ruhe und die Übersicht, um jeden freien Mitspieler sofort zu bedienen.


Style: Wie bereits angedeutet läuft offensiv sehr viel über Robinson und Clarke. Grundsätzlich gehört die Offense von Virginia Tech zum besten, was die NCAA zu bieten hat. Das Ballmovement oder die gezielten Spielzügen sind wunderbar anzuschauen. Der Ball läuft in der Regel durch mehrere Hände und landet letztlich meist bei einem der vielen Schützen, der vollkommen freistehend nur noch einnetzen muss.

NBA & BBL Kandidaten: Da der Großteil des Teams noch mindestens ein Jahr am College verbringen darf, drängt sich nur Justin Bibbs als möglicher Kandidat für diverse europäische Mannschaften auf. Der Linkshänder ist ein exzellenter Schütze, muss aber noch an seiner rechten Hand arbeiten.

Fun/Quick Facts: Buzz Williams besitzt viele Markenzeichen, die dazu führen, dass er auch vom sporadischen Beobachter schnell wiedererkannt wird, auch wenn er mittlerweile keine Glatze mehr trägt und ein unrasierter Williams noch immer etwas seltsam anmutet. Unter anderem sammelt Williams diverse Zitate und kleine Motivationssprüche und lässt sie auf Postkarten drucken, um sie seinen Spielern, Gegnern oder auch Pressevertretern auszuhändigen.

Tournament: Die Hokies sind ein äußerst gefährliches Team. Das beweist nicht nur der Sieg bei den Virginia Cavaliers. Durch ihre Spielweise können die Hokies ganz schnell heißlaufen und auch mal 15 Dreier in einem einzigen Spiel treffen. Eine gute Trefferquote würde die Siegeschancen genauso erhöhen wie ein leeres Foulkonto der beiden einzigen Bigs Clarke und Kerry Blackshear Jr. Hoffnung macht zudem, dass sich die Hokies defensiv in der zweiten Saisonhälfte zunehmend steigerten.

West Virginia Mountaineers

MVP: Jevon Carter, Guard, 6'2'', Senior
Defense im Basketball funktioniert nur als Kollektiv, weswegen es immens schwer ist, als einzelner Verteidiger einen wirklichen Unterschied auszumachen. Nur sehr wenige Akteure sind dazu in der Lage. Genau ein solcher ist Jevon Carter. Der Senior ist eine Ein-Mann-Presse und absolut rücksichtslos, wenn es darum geht, seinem Gegenspieler die Hölle heiß zu machen. 2,9 Steals holt Carter pro Spiel. Diese Zahl ist umso beeindruckender, wenn deutlich wird, dass Carters Ballgewinne in der Regel Resultat einer direkten Konfrontation im Eins-gegen-Eins sind. Mit den schnellsten Händen und Fingerspitzen aller College Spieler ist Carter ein Meister darin, genau im richtigen Moment den Ball aus der gegnerischen Hand freizuschlagen. Carter ist der Franchise Player von West Virginia, der den Stil personifiziert. Nebenbei entwickelt sich seine Offense von Jahr zu Jahr und ist mittlerweile auf hohem Niveau angelangt (17 Punkte und 6,6 Assists pro Spiel)

X-Faktor: Daxter Miles Jr., Guard, 6'3'', Senior
Die Verantwortung für Sieg und Niederlage darf nicht alleine von Carter getragen werden. Sobald das passiert, werden die Mountaineers spätestens im zweiten Spiel Probleme bekommen. Die Schlüsselfigur kann daher sehr schnell Daxter Miles Jr. werden. Der Senior befindet sich in seinem letzten Jahr für die Mountaineers und ist neben Carter die prägende Figur dafür, dass die Mountaineers mittlerweile nur noch "Press Virginia" genannt werden. Der Guard ist ein tougher Verteidiger, der seinem Gegner unter die Haut krabbeln kann. Noch entscheidender wird jedoch sein, dass der Guard offensiv selbstbewusst auftritt. Als WVU bei Kansas verlor, was den Wendepunkt im Big12 Titelrennen bedeutete, war es Miles, der mit einer katastrophalen Pass- statt Wurfentscheidung das Spiel entschied. So etwas darf nicht wieder passieren.

Style: "Press Virginia". Der Name ist Programm und Markenzeichen. Vor vier Jahren entschied sich Bob Huggins dazu, seine Spielweise auf diese Art abzuändern. Die Mountaineers haben mehrere Pressvarianten auf Lager und wollen jeden Ballvortrag und jeden Pass so schwer wie möglich machen. Fouls nehmen sie in Kauf und zermürben ihre Gegner so lange, bis diese müde oder entnervt sind. Offensiv sieht das Setplay nicht immer schön aus, ist aber auch sehr effektiv. Crossscreens und Playmaking von der Freiwurflinie sind in der Regel die Hauptelemente.

NBA & BBL Kandidaten: Jevon Carter könnte aufgrund seiner Fähigkeiten als Verteidiger eine Rolle in der NBA finden. Offensiv wird er keine Bäume ausreißen, kann sich aber mittlerweile ordentlich verkaufen. Daxter Miles Jr. wäre eher ein Kandidat für Europa.

Fun/Quick Facts: Die Enttäuschung nach der Niederlage in Kansas war groß. Denn wie schon in den Vorjahren führte West Virginia lange Zeit und sah wie der Sieger aus, doch am Ende gab man das Spiel aus der Hand. Coach Huggins zeigte sich nach dem Spiel zusätzlich irritiert und wurde auch in der letzten Minute des Spiels aus der Halle geworfen, als er seinen Unmut über die Freiwurfverteilung von 35-2 zu seinen Ungunsten äußerte. Sagaba Konate gehört zu den dominantesten Ringbeschützern der NCAA. Gegen Baylor fehlte ihm ein Block zum Triple Double.

Tournament: Die Saison startete auf der Base in Deutschland mit einer deutlichen Niederlage und West Virginia wirkte so zahnlos wie lange nicht mehr. Es folgte ein dominanter Run und bis zum ersten Spiel gegen Kansas schienen die Mountaineers plötzlich der Big12 Favorit zu sein. Eine Niederlage in dem Spiel und den einen oder anderen schwachen Auftritt später, war Coach Huggins sicherlich ganz froh darüber, dass man im Conference Tournament das Finale erreichen konnte. Dass auch dort Kansas die Nase vorne hatte und erst spät in der zweiten Halbzeit das Spiel drehte, dürfte die Trainerlegende ärgern, doch Huggins weiß, dass es für sein Team jetzt darum geht, mit neuer Energie und Hartnäckigkeit die kommenden Gegner zu bearbeiten. Die Frage wird sein, wie dominant die Defense momentan wieder ist und ob die Offense mithalten kann. Nur wenn die Mountaineers oft genug scoren, können sie ihre Presse überhaupt anwenden.

Wichita State Shockers

MVP: Landry Shamet, Guard, 6'4'', Sophomore
Die Wahl zwischen Landry Shamet und Shaquille Morris ist keine einfache, am Ende macht jedoch Landry Shamet das Rennen, weil er über die Saison konstanter war, Guardplay im Tournament am wichtigsten ist und derjenige im Team sein sollte, der den letzten Wurf nimmt. Dass Shamet erst in zweitem vollständigen Jahr bei den Shockers steht, ist ihm kaum anzusehen. Der Aufbauspieler der Shockers strahlt eine Ruhe und Gelassenheit aus, die sich auf das gesamte Team überträgt. Sein Dreier ist mittlerweile absolut tödlich (über 45 Prozent), seine Drives aufgrund seiner Länge von Armen und erstem Schritt kaum zu unterbinden und seine Spielübersicht äußerst ordentlich.

X-Faktor: Markis McDuffie, Wing, 6'8'', Sophomore
Nach seinem Fußbruch in der Offseason kam Markis McDuffie erst im Laufe der Saison wieder zum Team zurück. Seitdem ist McDuffie auf der Suche nach seiner Rolle und die Reintegration in die Rotation erfolgt mehr als schleppend. Phasenweise lässt der schlaksige Tweener wieder aufblitzen, warum ihm NBA Talent bescheinigt wird. Innerhalb von drei Minuten kann er mehrere Distanzwürfe treffen, hart zum Korb ziehen und das Finish mitnehmen oder im Lowpost ins Eins-gegen-Eins gehen. Sollte er im Laufe der Tage bis zum Tournament tatsächlich nochmal einen Weg finden, sein Talent konstant auf das Parkett zu bringen, wären die Shockers um eine Problemzone ärmer.

Style: "Play angry" lautet das Credo der Shockers. Über harte Defense und eine tiefe Bank will Gregg Marshall mit seinem Team traditionell den Gegner schrittweise zermürben. Neben einer sattelfesten Defense soll gutes Ballmovement in der Offense dazu beitragen, dass die Gegner lange und viel verteidigen müssen und irgendwann die Lust verlieren. Das Playbook der Shockers ist facettenreich und enthält nahezu jeden erdenklichen Kniff.

NBA & BBL Kandidaten: Landry Shamet ist derjenige, der das Interesse von Scouts auf sich zieht. Ob er sich schon in diesem Jahr zum Draft anmeldet, wird abzuwarten sein. Sechs Seniors verabschieden die Shockers zudem. Shaq Morris könnte in der NBA landen, wird aber auf jeden Fall einen Profivertrag in Europa erhalten. Auch Shooter und Combo Guard Conner Frankamp könnte in Europa landen.

Fun/Quick Facts: Vor der Saison wechselten die Shockers die Conference. Aus der Missouri Valley Conference ging es in die American Athletic Conference. Ziel dieses Wechsels war vorwiegend, das Level des Wettbewerbs drastisch zu erhöhen, da die Serienmeisterschaften zunehmend dominanter wurden. In der ersten Saison mussten die Shockers direkt vier Niederlagen einstecken - so viele wie seit der Saison 2013/2014 insgesamt in den letzten vier Spielzeiten in der MVC.

Tournament: Vor der Saison wurden die Shockers als heißer Kandidat für eine Final Four Teilnahme gehandelt. Das Potenzial dazu ist nach wie vor vorhanden und Marshall ist ein Meister darin, seine Teams auf den Punkt in Höchstform zu bringen. Allerdings lässt der bisherige Saisonverlauf jedoch Zweifel an einem tiefen Tournament Run aufkommen. Besonders in der Verteidigung sind die Shockers einfach bei weitem nicht so dominant, wie sich Marshall das gerne wünschen würde und wie es angesichts der individuellen Verteidiger möglich wäre. Selten hat Wichita State so viel Zonenverteidigung und Zonenpressvarianten gespielt wie in dieser Spielzeit. In engen Spielen hat Marshall auch noch nicht die Lineup gefunden, die ihn restlos überzeugt.

Wright State Raiders

MVP: Loudon Love, Big, 6'9'', Freshman
Eigentlich sollte es in einer Ära der (noch vorhandenen) One-and-Dones nicht verwundern, dass bei einigen Teams Freshmen der Chef im Ring sind und den Ton angeben. Allerdings tritt dieser Fall in der Regel bei High-Major-Universitäten, die daraus ein Business machen, auf und weniger bei Mid-Major-Teams, die weniger über reines Talent, sondern mindestens zu gleichen Anteilen über Erfahrung, Teamgeist und hohe taktische Finesse ihr Ticket zum Big Dance lösen. Loudon Love ist die buchstäblich große Ausnahme. Der Innenspieler ist ein wahrer Koloss, der von vielen College Football Programmen rekrutiert wurde, am Basketball jedoch größeren Spaß hat. Love ist jedoch nicht nur eine physische Ausnahmeerscheinung, sondern verfügt über exzellente Basketballskills: Er hat Touch, gute Fußarbeit und ein exzellentes Auge für die Mitspieler. Mit ihm als Fels in der Brandung ziehen die Raiders ihre Offense auf.

X-Faktor: Grant Benzinger, Guard, 6'3'', Senior
Der Topscorer der Raiders muss offensiv einen guten Tag erwischen, wenn die Underdogs eine Chance auf den Upset haben wollen. In erster Linie zeichnet sich der Linkshänder durch seinen guten Wurf aus. Immer wieder drückt der Senior ansatzlos ab und lässt seinem Verteidiger kaum eine Chance zu reagieren. Gleichzeitig sollten seine Verteidiger aber auch überreagieren, denn Benzinger ist durchaus geschickt darin, seine Bewacher beim Closeout aus der Balance zu bringen. Am Korb überrascht er mit Power und Athletik, die man ihm auf den ersten Blick erstmal nicht attestieren würde.

Style: Die Raiders spielen unter ihrem Coach Scott Nagy einen defensivorientierten Stiefel. Big Man Love ist natürlich die Galeonsfigur und wird in vielen Angriffen und Sets gezielt gesucht. Dennoch verfängt sich die Mannschaft nicht in Systemstarre. Die Raiders finden eine gute Mischung aus Sets und freiem Spiel, bei dem sie die Fehler der Defense bestrafen. Benzinger nutzt gerne indirekte Blöcke, um einen kleinen Vorteil beim Ballerhalt zu haben und diesen auszukosten. Allerdings fehlen den Raiders noch die Erfahrung und die letzte Durchschlagskraft, um effizient im Angriff zu agieren. Daher lastet viel Verantwortung auf der Verteidigung. Mit guter Physis und Länge sind die Raiders schwer zu knacken.

NBA & BBL Kandidaten: Grant Benzinger könnte interessant für europäische Teams sind. Ihm fehlt zwar noch etwas die Physis und die Effizienz in seinem Scoring, um auf Anhieb in einer hochklassigen Liga seine Profikarriere zu starten. Doch mittelfristig sollte er dort anzutreffen. Langfristig lohnt es neben Loudon Love auch Freshman Everett Winchester, einen Allrounder mit guten körperlichen Voraussetzungen auf dem Flügel, auf dem Radar zu haben.

Fun/Quick Facts: Loudon Love sollte eigentlich für South Dakota State auflaufen. Als sich jedoch Scott Nagy zum Jobwechsel und für die Stelle bei Wright State entschied, folgt sein Rekrut ihm. Ein Kreuzbandriss in seinem letzten High School Footballspiel zwang den Big zu einem Redshirt Jahr vor dieser Saison.

Tournament: Genau genommen kommt die Tournament Teilnahme ein oder vielleicht sogar früher als eingeplant. Entsprechend befindet sich das Team noch in der Endphase des Rebuilds unter Coach Nagy. Das Team ist talentiert, aber jung und unerfahren. Insofern wird spannend zu beobachten sein, wie gut sich die Raiders dieses Jahr schon schlagen. Ein Upset ist keineswegs ausgeschlossen, denn die Horizon League verfügt über viele ordentliche Teams an der Spitze und den einen oder anderen späteren Profi bzw. NBA Kandidaten. Die Frage wird sein, was Wright State offensiv zu Stande bekommt und wie dominant Love jetzt schon gegen High-Major spielen kann.

Xavier Musketeers

MVP: Trevon Bluiett, Wing, 6'6'', Senior
Trevon Bluiett hat vielleicht den besten Wurf der ganzen NCAA. Seine Dreierquote von 42 Prozent kann nicht annähernd beschreiben, wie automatisch der Wurf ist, sobald Bluiett auch nur ein wenig Platz, Zeit oder Rhythmus hat. Meistens reicht schon eine dieser Bedingungen aus, um ein wildes Feuerwerk zu entfachen. In diesem Jahr konnte Bluiett sein Repertoire insofern erweitern, als er sich nun auch mit einem Dribbling etwas Platz verschaffen und trotzdem in Balance bleiben kann. Bluietts schneller Abwurf garantiert ihm, dass die Verteidiger ihm direkt auf den Zehenspitzen stehen müssen, wenn sie den Wurf ernsthaft beeinflussen wollen. Durch seinen Einsatz als Stretch Vierer sorgt Bluiett für maximales Spacing und übt enorm viel Druck auf die Defense aus.

X-Faktor: J.P. Macura, Guard, 6'5'', Senior
Während sein Kollege Bluiett sich in dieser Saison nochmals steigern konnte und den hohen Erwartungen mehr als gerecht werden konnte, war J.P. Macura während der ganzen Saison und im speziellen in den letzten Wochen ein wenig das Sorgenkind bei den X-Men. Seine Punkteschnitt sank um durchschnittlich zwei Zähler im Vergleich zur Vorsaison und besonders die Inkostanz in seinen Leistungen sorgt ein wenig für Irritationen. Dass Macura häufiger mal nur einstellig punktete, ist sicher auch auf die tiefere Rotation und den leichten Fokusshift zugunst der dominanten Bigs im Postup zurückzuführen, doch Macura ließ zuletzt einfach die Frechheit und das Feuer, das ihn so auszeichnet vermissen. Ohne einen Macura in Topform, wird es für Xavier schwer, das heiß ersehnte Final Four zu erreichen.

Style: Wie immer gehört Xaviers Offense zu den besseren NCAA. Die Mischung aus cleveren Sets, freiem Spiel, schnellen Abschlüssen und einer ausgewogenen Balance aus Dreiern und Insidespiel machen die Musketeers so attraktiv. In dieser Saison geht der Ball einen Tick häufiger an den Zonenrand als noch in den Vorjahren. Defensiv können sich die X-Men auf gute Teamverteidigung verlassen und packen notfalls ihre 1-3-1-Zone aus.

NBA & BBL Kandidaten: Trevon Bluiett kann sich dank seiner Wurfqualitäten berechtigte Hoffnungen auf einen NBA Kaderspot machen. Als Shootingspezialist wird er sicher irgendwo für eine Weile unterkommen. J.P. Macura ist hingegen ein typischer Guard Allrounder für europäische Teams. Kerem Kanter wird ebenfalls in Europa einen Club für sich finden.

Fun/Quick Facts: Kerem Kanter ist der jüngere Bruder von Enes. Er begann seine College Karriere in Green Bay, kam vor der Saison zu Xavier. Nie hat Enes seinen Bruder live spielen gesehen, allerdings wäre es dazu gekommen, hätte Xavier im Madison Square Garden das Finale der Big East Conference erreicht. Im Halbfinale war allerdings Schluss gegen Providence. Damit verpassten die Musketeers nach der allerersten Meisterschaft der regulären Saison der Big East die Chance auf das Double.

Tournament: Wenn bei Xavier alle Spieler einen guten Tag erwischen, sind sie ein Team, das sogar realistische Chancen auf die Meisterschaft hat. Allerdings war das in dieser Saison bisher sehr selten der Fall. Die Musketeers sind in diesem Jahr deutlich breiter aufgestellt und trotz der guten Resultate über den gesamten Saisonverlauf dauerte es zu Beginn der Saison, bis die Neulinge sich effektiv in das Kollektiv einbringen konnten. Zuletzt waren es hingegen die Veteranen wie Macura und Tyrique Jones, die Probleme hatten. Das mögliche Rematch gegen Gonzaga im Sweet Sixteen könnte es eines der spannendsten, ausgeglichensten und hochwertigsten Spiele des Turniers werden.