01 April 2018

31. März, 2018


Die NBA Playoffs starten in zwei Wochen. Bevor sich die finalen Entscheidungen ergeben und die Begegnungen der ersten Runde feststehen, diskutiert die #NBACHEF Redaktion: Welche der möglichen Herausforderer bringen die letztjährigen Champions aus Ost und West ins Schwitzen? Wer sind die X-Faktoren der beiden Conferences? Und welche Serien wollen die Redakteure unbedingt sehen?

von NBACHEFSQUAD

Der spannendste Erstrunden-Herausforderer für die Warriors

Stefan Dupick @hoopsgamede: Der Riese gerät ins Wanken. Aktuell haben die Warriors ordentlich mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Wenn es dann in der ersten Runde der Playoffs zu einem Matchup mit den Jazz kommen würde, dann dürften sich die Sorgen vergrößern. Utah spielt die zweite Saison-Hälfte bisher extrem stark. Speziell in der Defensive hat Coach Snyder um Rudy Gobert ein echtes Bollwerk formiert. Wenn Top-Rookie Donovan Mitchell es dann noch schaffen sollte, seine gute Form in die Playoffs zu retten, dann können die Jazz dem Meister in der ersten Runde richtig gefährlich werden.

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Die Spurs mit einem spielenden Kawhi Leonard – siehe Spiel eins der Western Conference Finals im vergangenen Jahr. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. Deshalb nenne ich an dieser Stelle die Utah Jazz. Gegen das Team aus Salt Lake City haben die Warriors ihre letzten beiden Spiele mit 30 beziehungsweise 19 Punkten verloren. Bei der höheren Niederlage liefen sogar alle Stars des Titelverteidigers auf. Die Jazz werden sich nicht wie im Vorjahr sweepen lassen.

Jan Husmann @JanOnOne: Wenn Kawhi doch noch zurückkommen sollte, wäre San Antonio die einfache Antwort. Da das aber immer unwahrscheinlicher wird, hoffe ich auf ein Matchup mit den Utah Jazz. Seitdem Rudy Gobert am 19.01. zurückgekehrt ist, sind die Jazz ein Top-3 Team in der Liga. Mit dem besten Defensive-Rating, dem zweitesten Net-Rating und einer 25-7 Statistik. Diese beeindruckenden Zahlen und das Fehlen von Steph Curry in Runde eins sind genug Faktoren für Warriors-Fans, um nervös zu werden. Sollte Donovan Mitchell seinen unfassbaren Lauf als Rookie in den Playoffs fortsetzen, haben die Jazz das Potenzial den Champion zu stürzen.

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Philipp Landsgesell @Phillyland: Minnesota könnte ein sehr unangenehmer Gegner in der ersten Runde für die Warriors werden. Mit Karl-Anthony Towns haben die Wolves eine Waffe, die das Small Lineup der Dubs bestrafen kann, da er Draymond Green defensiv vor Probleme stellt. Um realistisch aber eine, wenn auch kleine, Chance zu haben, brauchen die Wolves Jimmy Butler auf Topniveau.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Oklahoma City Thunder. Ihr wisst warum.


Der spannendste Erstrunden-Herausforderer für die Cavaliers

Dupick: Mein Wunsch-Matchup sind die Milwaukee Bucks. Die Bucks wurden nach dem Bledsoe-Trade den hohen Erwartungen nicht gerecht, dennoch hat Milwaukee ein Team geformt, welches den Cavs in den Playoffs gefährlich werden dürfte. Bereits in der Vorsaison hat Milwaukee den Raptors in den Playoffs alles abverlangt. In der aktuellen Saison sind die Bucks ein gereifter und noch gefährlicherer Gegner. Alleine das Duell des Königs, LeBron James, gegen einen legitimen Thronfolger Giannis wäre in den Playoffs ein Traum.

Lagenstein: In den Playoffs heißt die Frage ja eher: Wer kann LeBron James stoppen? Bei den Teams, die hinter den Cavaliers in der Tabelle stehen, sehe ich dort nur einen Kandidaten – Giannis Antetokounmpo. Die Bucks haben zwar drei von vier Divisionsduellen verloren und LeBron scorte im Schnitt 33 Punkte, The Greek Freak war mit fast 35 Zähler aber noch etwas besser. Jetzt müssten nur noch die Teamkollegen mitziehen…

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Husmann: Seit 2010 gab es kein LeBron-Team, das so angeschlagen in die Playoffs kam wie dieses Jahr. Die Rückkehr von Kevin Love kommt zur rechten Zeit, doch das Fehlen eines dritten All-Stars wird sich bemerkbar machen. Speziell in einem Matchup mit den Milwaukee Bucks. Giannis Antetokounmpo ist einer der wenigen Spieler der Liga und womöglich der einzige im Osten, der LeBron über 48 Minuten die Stirn bieten kann. Milwaukee kann mit unglaublicher Länge auf der defensiven Seite punkten und den Cavs zusetzen. Ohne Coach Ty Lue könnte es ein frühes Aus geben für die Cavs.

Landsgesell: Nachdem ungewiss ist, ob Embiid zur ersten Runde fit wird, bleiben nur die Miami Heat übrig. Die Heat sind eingespielt, diszipliniert und abgezockt. Ein Vorteil könnte sein, dass die Heat eine Menge an verschiedener Wings auf LeBron loslassen können. Ganz auszuschalten ist LeBron zwar nie, aber Miami hat ein paar interessante Varianten zur Verfügung. Komischerweise sind Spiele in Miami immer ein Problem für den King.

Schlechtriem: Die nonexistente Zone der Cavs gegen (den hoffentlich rechtzeitig zurückkehrenden) Joel Embiid oder ein Showdown zwischen LeBron und Giannis hätten definitiv großen Reiz, diese Szenarien sind nach aktuellem Stand aber leider nicht realistisch. Daher drücke ich auf die Tränendrüse und wähle die Miami Heat und Dwyane Wade. James zurück in South Beach, wo er zwei Titel gewonnen hat, gegen seinen Kumpel Wade – das verspräche vielleicht nicht unmittelbare Spannung bis zur letzten Sekunde, dafür aber ein Matchup zweier zukünftiger Hall-of-Famer, welches wir aller Wahrscheinlichkeit nach nicht wieder zu sehen bekommen werden.


Der X-Faktor im Westen

Dupick: Die San Antonio Spurs sind nie zu unterschätzen. Vor einigen Wochen sah es noch so aus, als könnten die Spurs ganz aus den Playoffs fallen, inzwischen haben sich die Texaner jedoch wieder gefangen. Ein Team von Coach Pop darf nie unterschätzt und erst recht nie abgeschrieben werden. There is no „i“ in Team, eine der Grundregeln der Spurs! Wenn in den Playoffs auch noch Superstar Kawhi Leonard zurück zum Team stoßen sollte, dann ist für die Spurs sehr viel möglich.


Lagenstein: Die Jazz haben seit Februar hinter den Rockets die meisten Siege im Westen eingefahren. Wenn sie dieses Momentum mit in die Playoffs nehmen, muss die erste Runde trotz voraussichtlich fehlendem Heimvorteil nicht das Ende der Fahnenstange sein. Darüber hinaus wird es schwer, denn da kommen wir zu meiner Must-Have-Serie.

Husmann: Vor der Saison gab es in Oklahoma City viele Fragen. Wie wird sich Russell Westbrook an die neue Situation anpassen? Wie verhält sich Carmelo Anthony, wenn er Nacht für Nacht die dritte Option ist? Wird Paul George Oklahoma nach nur einer Saison wieder verlassen? Nach über 70 Spielen sind die meisten Fragen nur mangelhaft beantwortbar, da die wahre Prüfung erst in den Playoffs wartet. Russell Westbrooks öffentliche Wahrnehmung hat nach seiner MVP-Saison stark gelitten, doch ein tiefer Playoff-Push könnte einige Kritiker wieder auf seine Seite bringen. Und eine Teilnahme an den Conference Finals wäre auch beste Werbung um Paul George zu halten.

Landsgesell: Die Jazz haben sich nach der Rückkehr von Rudy Gobert wieder gefangen. Mit Head Coach Quin Snyder ist ein absoluter Fachmann am Werk, der die Mannschaft aus der Mormenenstadt perfekt auf den Erstrundengegner einstellen wird. Die Jazz werden perfekt eingestellt, diszipliniert sein, sich auf das Verteidigen konzentrieren und unangenehm sein. Das sind Zutaten, um auch mal ein vermeintlich talentierteres Team frühzeitig zum Fischen zu schicken.

Schlechtriem: Ich glaube nicht an eine Rückkehr von Kawhi, daher die Jazz. Die eklig zu spielende Defense hat in Donovan Mitchell unverhofft dem Arsenal jede Menge Feuerkraft hinzugefügt und es außerdem vermocht, den Minusfaktor Ricky Rubio einigermaßen effizient einzubinden. Letztes Jahr wollten die Warriors nicht gegen die Jazz spielen, weil das Nachtleben im mormonisch geprägten Salt Lake City wenig reizvoll ist. Dieses Jahr möchte die Western Conference den Salzsee aus anderen Gründen meiden.


Der X-Faktor im Osten

Dupick: Die Philadelphia 76ers sind mein Kandidat. Für die Sixers ist im Osten alles möglich, ein Blowout in Runde eins würde mich bei dem jungen Team nicht überraschen, da die Erfahrung fehlt und wenn Ben Simmons und Joel Embiid es nicht schaffen, an die Leistung aus der regulären Saison anzuknüpfen, dann kann in den Playoffs früh Schluss sein. Sollten die beiden angehenden Superstars ihre Leistung jedoch abrufen und die Veteranen um J.J. Redick, Marco Belinelli oder Ersan Ilyasova ihren Mann stehen, dann kann der „Process“ schon dieses Jahr zum Erfolg führen. Wenn in der Stadt der brüderlichen Liebe alles passt, dann wären sogar die Finals denkbar. Unrealistisch, aber denkbar.

Lagenstein: Die Washington Wizards. In der Hauptstadt wurden die Conference Finals im letzten Jahr mit einer sehr ähnlichen Mannschaft nur haarscharf verpasst. Die folgende reguläre Saison war enttäuschend, aber auch von Verletzungen geprägt. Im Falle der Abwesenheit von John Wall könnte das Pech aber noch sein Gutes haben. Nach dem Ausfall des Franchise-Spielers legten die Wizards eine ihrer besten Phasen 2017/18 hin. Das macht Mut, dass Washington nach seiner Rückkehr nicht mehr so abhängig von ihm ist.

Husmann: Die Philadelphia 76ers müssen zeigen, ob sie mit dem jungen Team schon bereit sind, in den Playoffs wirklich aufzutrumpfen. Joel Embiid spielt seine erste gesamte und Ben Simmons seine erste Saison überhaupt. Dass es in der regulären Saison so gut läuft, haben wohl nur die größten Optimisten erwartet. Am Ende könnte sogar Heimvorteil in Runde eins heraus springen. Doch die Mängel an Phillys Spiel werden in den Playoffs noch stärker betont und den jungen Spielern kann die große Bühne noch zu groß sein.

Landsgesell: Philly hat durchaus Chancen, es bis in die Conference Finals zu schaffen. Die Sixers sind seit Weihnachten eines der besten Teams der Liga. Würde es wirklich einen vom Stuhl reißen, wenn die Sixers plötzlich im Ost-Finale stehen?  Die Celtics haben mit Verletzungen zu kämpfen und die Kanadier müssen erstmal beweisen, dass sie ein absolutes Top-Team sind.

Schlechtriem: Die Boston Celtics – einfach weil ihr Weg unvorhersehbar ist und vom Erstrunden-Aus bis zum Finals-Einzug alles denkbar. Wir erinnern uns noch gut daran, wie die Kobolde letztes Jahr trotz #1 Seed gegen die lahmen Bulls strauchelten und die letztlich gewonnene Serie auch der Verletzung des eigentlichen Treppenwitzes Playoff-Rondo verdanken. Dieses Jahr tritt Boston mit voll besetztem Lazarett an, aber auch mit einem der besten Coaches der Liga, der diese Hürden zu überwinden versteht.



Diese Serie muss kommen

Dupick: Rockets vs. Warriors in den Conference Finals im Westen sind das Traum-Matchup! Beide Teams in bester Verfassung und wir hätten das vorgezogene Finale. Im Laufe der Saison wurden die Rockets um James Harden und Chris Paul lange belächelt, inzwischen sehen einige Experten die Rockets sogar mit einem leichten Vorteil gegenüber den Warriors. Hoffentlich werden die Stars der Warriors rechtzeitig fit, denn diese Serie könnte in die Geschichte eingehen.

Lagenstein: Die Warriors in der regulären Saison hinter sich zu lassen, ist das eine. Ob sich die Rockets auch in den Playoffs durchsetzen können, ist für mich die spannendste Frage der Postseason. Auf dem Weg zum NBA-Thron gibt es eben keine größere Herausforderung als den amtierenden Champion zu schlagen. Besonders schön wäre es natürlich, wenn in den Western Conference Finals auf beiden Seiten keine Spieler fehlen werden. Verletzungen sollten so ein Duell nicht entscheiden.

Husmann: Auch wenn ich mir hier jede Kombination aus zwei Teams wünschen könnte, wähle ich das wahrscheinlich eintretende Western Conference Finale. Die Houston Rockets sind Golden States größte Gefahr, seit Kevin Durant in Oakland angeheuert hat. Der erste Platz im Westen ist ihnen sicher, doch dieses Jahr müssen Paul und Harden zeigen, dass sie in den Playoffs Erfolg haben können. Wenn alles glatt läuft in der medizinischen Abteilung der Warriors, kehren bis zu den Conference Finals alle vier All-Stars zurück ins Team. Dann haben die Rockets ihre Chance zu zeigen, dass sie tatsächlich das beste Team im Westen sind.

Landsgesell: Warriors vs. Rockets. Es könnte das vorgezogene NBA Finale sein und es sind momentan die beiden mit Abstand besten Teams in der Liga. Basketball-Herz, was willst du mehr?


Schlechtriem: Alle sagen Rockets gegen Warriors und dem lässt sich nicht widersprechen. Auf diesen Showdown haben die Raketen das ganze Jahr hingearbeitet. Das Team wurde designed, um die historisch starken Warriors zu schlagen. Das ändert natürlich nichts am Favoritenstatus des Titelverteidigers, dennoch bringt dieser neue, starke Herausforderer Vitalität in den Titelkampf und die war nach den eher öden und einseitigen Playoffs 2017 dringend nötig.