15 April 2018

15. April, 2018


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Entrée
LeBron James gegen den Rest der Conference. Dieses Prinzip gilt praktisch seitdem der inzwischen 33-Jährige vor nunmehr 15 Jahren gedraftet wurde und in dieser Ära alle anderen Teams des Ostens auf die billigen Plätze verwiesen hat.

Zuletzt verlor der König von Cleveland eine Serie in der Eastern Conference im Jahr 2010 gegen die Boston Celtics um Paul Pierce, Kevin Garnett und Ray Allen. Seit seiner Rückkehr zu den Cavaliers verloren diese nicht eine einzige Partie in der ersten Runde.


Warum also sollte dieses Jahr irgendetwas anders laufen? LeBron hat soeben die numerisch beste Saison seiner Karriere hingelegt und zum ersten Mal überhaupt alle 82 Spiele absolviert. Die Herausforderer im Osten drängen sich wegen Verletzungen (Celtics) oder Leistungsschwankungen in den letzten Playoffs (Raptors) nicht zwingend auf.

Jedoch stehen die Vorzeichen für die LeBron-Kavaliere so schlecht wie zuletzt in dessen frühen Jahren: Der Abgang von Kyrie Irving hat eine nicht geschlossene Qualitätslücke hinterlassen. Das Team war zerstritten und musste mitten in der Saison ausgetauscht werden. Coach Tyronn Lue kämpft mit gesundheitlichen Problemen. Und – um die Referenz zu 2010 zu vervollständigen – es droht ein zweiter Abgang von LeBron James. Ähnlich wie heute hatte LeBron 2010 einen überalterten, nur noch mittelmäßigen Kader voller Ex-Stars an seiner Seite, weswegen der inzwischen vierfache MVP die Reißleine zog und seine Talente nach South Beach mitnahm.

Wiederholt sich diese Geschichte im Jahr 2018? Hat die restliche Eastern Conference endlich eine Chance auf die Finals? LeBrons Schicksal wird die spannendste Story des Ostens, erst recht da es zunächst wie schon in der Vorsaison gegen die Indiana Pacers geht, die in besagtem Zeitraum gleich vier Mal vergeblich versuchten, den König zu stürzen.


Warum Cleveland gewinnt
LeBron 4, Pacers 0. So steht es nicht nur seit 2010 – schon im letzten Jahr endete diese Erstrunden-Serie mit einem klaren Sweep. Auch wenn Indiana zu den Upcomern der Saison gehört und mit dem Team um Paul George des Vorjahres nichts mehr gemein hat, fehlt immer noch die Vorstellungskraft, wie die Truppe von Nate McMillan den zuletzt dreifachen Finalisten aus Cleveland stoppen soll.

Der Mix aus geballter Erfahrung (J.R. Smith, Kyle Korver, George Hill, Jeff Green) und jugendlichem Eifer (Cedi Osman, Rodney Hood, Jordan Clarkson, Larry Nance Jr.) hat die Cavs nach der Trade Deadline zurück in die Spur gebracht. In neuer Zusammenstellung steht Cleveland bei 19-10 Siegen.


Schon im letzten Jahr wurden Abgesänge angestimmt, als die Cavs den ersten Rang im Osten an die Celtics abgeben mussten und die Toronto Raptors aufbegehrten. Das Resultat ist bekannt: Die Raptors wurden wie die Pacers mit einem Sweep nach Hause geschickt, die Celtics durften sich über einen einzigen Sieg freuen, LeBrons Cavaliers zogen einmal mehr bequem in die Finals ein.

Dass sie nun nur noch als Vierter ins Ziel gegangen sind? – Geschenkt! In der ersten Runde finden Spiel eins und zwei im heimischen „Q“ statt. Hier haben die Cavs seit 2015 genau zwei Playoff-Matches gegen Conference-Rivalen verloren. Cleveland hat alle Krisen des Jahres gemeistert und keinen Grund, an einem weiteren Durchmarsch mindestens bis in die Conference Finals zu zweifeln.


X-Faktor Cavaliers
Kevin Love hat in dieser Spielzeit nur wenige sportliche Akzente gesetzt. Er fehlte in diesem Kalenderjahr in 21 Partien wegen einer Handgelenksverletzung, bestritt insgesamt nur 59 der 82 möglichen Spiele. In allen relevanten Kategorien gingen seine Zahlen im Vergleich zur Vorsaison zurück.

Den meisten Applaus erntete der 29-Jährige abseits des Feldes, als er sich offen zu einer Panikattacke während eines Spiels Anfang November bekannte und damit auf die Wichtigkeit des richtigen Umgangs mit mentalen Problemen aufmerksam machte.

Zu den Playoffs brauchen die Cavs den fünffachen All-Star aber wieder auf dem Parkett, denn Love ist seit Irvings Abgang der unbestritten zweitbeste Mann im Königreich und aufgrund der qualitativ-personellen Mängel auf den großen Positionen nun in ungewohnter Rolle gefordert. Defensiv war er nie ein Faktor, in der Serie gegen die Pacers wird er aber am eigenen Korb benötigt, denn die Pacers bringen in Myles Turner, Domantas Sabonis, Thad Young und Al Jefferson einen gefährlichen Mix aus Athletik und Erfahrung auf Center/Power Forward mit.


Die Cavs hingegen haben immer noch keinen legitimen Ringbeschützer im Aufgebot. Der nominelle Center Tristan Thompson arbeitet immer nachdrücklicher an seiner Metamorphose zum Trash-TV Darsteller, Kendrick Perkins ist im Jahr 2018 nur noch ein besserer Cheerleader, Ante Žižić in seinem Rookie-Jahr in der Statistenrolle geblieben. Umso wichtiger die Funktion von Love, der nun nicht nur gewohnt als Scharfschütze und Rebounder gebraucht wird, sondern den explosiven und/oder wuchtigen Bigs der Pacers in der Zone Paroli bieten muss.


Marquee Matchup
George Hill gegen Victor Oladipo. Der im Februar von den Sacramento Kings akqurierte Hill ist Clevelands bester Verteidiger auf den kleinen Positionen, Oladipo bester Spieler und Hoffnungsträger der Gegenseite. Zwar wird sich mutmaßlich auch LeBron höchstpersönlich zeitweise dem zweiten Pick des 2013 Drafts annehmen, weil die Cavs aber auch offensiv von ihrem Superstar abhängig sind, ist es an Hill, LeBron zu entlasten und in Oladipo den Favoriten auf den Most Improved Player Award einzudämmen.

George Hill stammt gebürtig aus Indianapolis und spielte fünf Jahre lang für die Pacers. Besondere Motivation wird in seinem Fall also nicht vonnöten sein, was angesichts der oft lustlosen Auftritte der Kavaliere in dieser Spielzeit gute Nachrichten für Coach Lue sind. Gelingt es dem 31-Jährigen, Oladipo etwas Wind unter den Flügeln wegzunehmen, steht die Türe für James und Love weit offen, die Cavaliers unbeschadet in die nächste Runde zu tragen.


Warum Indiana gewinnt
Nur zwei Siege trennen diese beiden Teams, die Kluft zwischen den Pacers und ihrem Angstgegner ist also so klein wie nie, seit der Zeit in der LeBron noch das Trikot der Miami Heat trug.

Die Offensive der Cavs mag elitär sein und die Pacers vor Herausforderungen stellen, für ihre Defensive jedoch wären Attribute wie „nachgiebig“, „überfordert“, „limitiert“, und „fragil“ noch schmeichelhaft. Die Cavs beendeten die Regular Season mit der zweitschlechtesten Verteidigung aller Teams – also inklusive derer, die in den letzten Wochen und Monaten gar nicht mehr gewinnen wollten.

Nur die Phoenix Suns stellen eine noch miesere Defense... nicht die allerbeste Gesellschaft. Indianas Verteidigung ist derweil nicht überragend (12.), aber immer noch um Längen besser als die des Gegners.

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Diese Mängel lassen sich nicht einfach mit dem häufig beschworenen Playoff-Schalter lösen, denn auch wenn viele der Niederlagen der Cavs vor allem vor der Trade Deadline primär auf die fehlende Einstellung zurückzuführen sind, sind die Probleme in der eigenen Zone ligaweit bekannt und nicht durch reine Willensleistungen zu beheben. Cleveland ist 22. in der Rebound Rate, Shotblocking quasi nicht existent (28.).

Anders als in den letzten Jahren haben die Pacers diesmal also ein Rezept vorliegen, um Cleveland richtig weh zu tun – und auch das Spielermaterial dafür. Neben Oladipo ist vor allem Darren Collison geübt darin, den gegnerischen Korb zu attackieren.

Mit ihrer akzeptablen Defense muss Indiana also nicht einmal einen Shootout anzetteln, sondern kann Clevelands Schwächen gezielt nutzen, ohne selbst ein größeres Risiko einzugehen.


X-Faktor Pacers
Bojan Bogdanović. Die Cavaliers gehören zu den feuerwütigsten Teams der Liga – Kyle Korver, Kevin Love und J.R. Smith sind allesamt Dreierspezialisten, die jederzeit heiß laufen und den Gegner damit vor Probleme stellen können.

Die Pacers hingegen nehmen nicht ganz zufällig mit die wenigsten Dreier der Liga, wirklich gute und zuverlässige Schützen auf dem Flügel sind Mangelware. Umso wichtiger für sie, dass Bojan Bogdanović funktioniert. Der Kroate ist Indianas gefährlichster Off-Ball Shooter (40,2% von Downtown) und mutmaßlich ihre einzige Antwort auf Korver, Love und Smith. Erwischt der Wing eine fruchtbare Serie und „neutralisiert“ somit die Dreier der Gegenseite, steigen die Chancen der Pacers erheblich.


Marquee Matchup
LeBron James gegen die Pacers. Es führt kein Weg dran vorbei – um die Cavs zu Fall zu bringen, muss eine Antwort auf den besten Basketballer unserer Zeit her. Individuell ist das schon gleich gar nicht möglich und selbst im Verbund für ein Team von Indianas Qualität praktisch nicht machbar.


Oladipo ist ein starker Verteidiger, allerdings körperlich unterlegen. Die Erinnerung an Lance Stephensons Verteidigung gegen LeBron beschränken sich auf den legendären Ohrpuster. Dennoch wird es voraussichtlich vor allem letzterer mit James zu tun bekommen. Viel mehr als auf Pech oder Formschwäche des Kontrahenten zu hoffen bleibt ihm dabei nicht übrig.

Immerhin können sie sich auf Hilfe in der Zone verlassen, in Myles Turner steht ein athletischer Ringbeschützer und Shotblocker bereit, der zumindest einfache Layups zu unterbinden versteht.


Die Rechnung, bitte!