15 April 2018

15. April, 2018


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

Entrée
Das letzte Mal, dass die beiden Franchises in den Playoffs aufeinander trafen, ist schon eine ganze Weile her. In den Achtzigern war Celtics gegen Bucks dafür ein Klassiker. 1983 sweepte Milwaukee den Rekordmeister. In drei der nächsten vier Jahre revanchierte sich Boston.

Das Duell 2k18 ist trotzdem eine Premiere. Denn nie zuvor standen sich die beiden Teams in der ersten Runde der Postseason gegenüber. Dass es heuer soweit kommen würde, hatten auch nur die wenigsten gedacht. Die Celtics haben die reguläre Saison da beendet, wo sie die meisten Experten im Oktober gesehen hatten – allen Verletzungen zum Trotz. Bei Milwaukee kann das nicht behauptet werden.

Let’s do this!! #FearTheDeer

Ein Beitrag geteilt von Milwaukee Bucks (@bucks) am


Die Bucks haben zwar die meisten Spiele seit 2010 gewonnen, den erhofften Sprung zu einem Contender zumindest auf die Ost-Finals aber verpasst. Das kostete Head Coach Jason Kidd schließlich seinen Hut. Unter seinem Nachfolger Joe Prunty wurde die Siegesbilanz leicht besser, wirklich Angst müssten die Kelten vor ihrem Erstrundengegner jedoch nicht haben.

Müssten, weil der Kontrahent für Boston kaum eine Rolle spielt. Die Traditionsfranchise hat ihre ganz inneren Probleme. In den Playoffs werden mit Gordon Hayward und Kyrie Irving die beiden vermutlich besten Spieler der Truppe fehlen. Genau das verspricht im Endeffekt doch eine spannende Serie. Immerhin hat Milwaukee den wohl größten Trumpf in der Hand.


Warum Boston gewinnt
Es geht nur über das Kollektiv. Der Knöchelbruch von Gordon Hayward im allerersten Saisonspiel war ein Schock. Viele Mannschaften wären nach dem Ausfall ihres herbeigesehnten Free-Agency-Stars zusammengebrochen. Nicht so die Celtics. Die liefen mit 16 Siegen in Folge erstmal so richtig heiß.

Ein ähnlicher Schulterschluss ist auch jetzt nötig. Denn ohne Kyrie Irving fehlt der nächste 20-Punkte-Scorer und Boston war so schon nur auf Platz 20, was die Punkte pro Spiel angeht. Doch die Statistik ist nicht so schlimm wie sie sich anhört. Denn die Celtics spielten vergleichsweise langsam. Rechnet man das raus, liegt Boston beim Offensive Rating schon auf einem deutlichen schöneren siebten Platz. Jetzt, wo das Spiel nochmal etwas langsamer werden sollte, kommt den Grün-Weißen ihr effizienteres Halbfeldspiel entgegen.

Dass Boston in der regulären Saison so viele Spiele gewann, lag außerdem nicht am Angriff. Nur die Utah Jazz verteidigten besser als Beantown. In den direkten Duellen erzielte Milwaukee sieben Punkte weniger im Schnitt als über die restliche Spielzeit gesehen.

Mit ein bisschen mehr Erholung in den Beinen werden Jaylen Brown und Co. noch erstickendere Defense spielen. Wer außer dem „Greek Freak“ kann dieses Bollwerk durchbrechen?


X-Faktor Celtics
Der sitzt im TD Garden auf der Bank. Damit sind weder Hayward noch Irving gemeint. Bostons größte Stärke ist der Trainer. Brad Stevens ist ein Taktik-Genie und verfügt nach den letzten Jahren auch über die nötige Erfahrung, um seine Mannschaft für die Playoffs perfekt einzustellen.


Wie viele andere Trainer hätten es sonst wohl geschafft, aus zweifellos talentierten aber keinen Ausnahmespielern solch ein schlagkräftiges Kollektiv zu formen? Joe Prunty auf der anderen Seite sicherlich nicht. Der ist ein Assistenztrainer auf Lebenszeit. Milwaukee droht ausgecoacht zu werden.


Marquee Matchup
Wer verteidigt Giannis? Brad Stevens Antwort auf diese Frage: „Eine Person kann das nicht alleine schaffen. Wir werden eine Menge verschiedener Spieler für ihn abstellen.“ Ausbremsen lassen wird sich der „Greek Freak“ nicht lassen können. Doch vielleicht reicht es ja, ihn einfach bei den Werten zu halten, die er in den vier bisherigen Duellen auflegte.


Das waren 33,5 Punkte, 10,8 Rebounds und fünf Assists bei einer Wurfquote von 53,9 Prozent. Beeindruckende Zahlen, aber mit diesen alleine wird Antetokounmpo Boston nicht abschießen. Unterstützung bekam er in der regulären Saison kaum. Boston kann sich also leisten, vermehrt zu helfen. Verlieren werden sie das Matchup trotzdem. Das Ziel muss es eben sein, es nicht zu hoch zu verlieren.


Warum Milwaukee gewinnt
Wenig überraschend weil sie den besten Spieler der Serie in ihren Reihen haben. Wenn die Bucks als Mannschaft etwas mehr Erfolg gehabt hätten, wäre Giannis Antetokounmpo ein legitimer MVP-Kandidat. Er führt sein Team zwar nicht wie im letzten Jahr in allen fünf wichtigen Statistik-Kategorien an, seine Konstanz ist trotzdem weiterhin elitär.

Im Osten verbuchte 2017/18 nur ein gewisser LeBron James mehr Win Shares. Dass er die Spitzenposition der Bucks bei Assists und Steals abgegeben hat, hat zudem sein gutes. Mit Eric Bledsoe kam ein veritabler Co-Star, der den nigerianischen Griechen entlastet. In den letzten Playoffs war es irgendwann etwas zu viel „Po”-Ball.

Nichtsdestotrotz wurden letztes Jahr die Toronto Raptors etwas geärgert. Gleiches – und vielleicht mehr – ist jetzt gegen die Celtics drin. Mit einem Sieg in den beiden Auswärtsspielen vielleicht sogar noch mehr. Für einen Siebplatzierten stehen die Chancen dafür nicht schlecht. Am 3. April gelang schon ein Sieg gegen die arg dezimierten Celtics. Das sollte Auftrieb geben.

In allererster Linie müssen die Bucks aber ihr eigenes Mojo überwinden. Zuletzt zogen sie 2001 in die zweite Runde der Playoffs ein.


X-Faktor Bucks
Jabari Parker kam von seinem Kreuzbandriss sehr stotternd zurück. Im April war er mit 19,5 Punkten und acht Rebounds aber schon fast wieder auf altem Leistungsniveau und das ist für die Bucks eminent wichtig. Denn Parker kann nicht adäquat ersetzt werden. Er ist nicht der typische moderne Big Man. Völlig umsonst wurde er 2017 aber auch nicht an Position zwei gedraftet.


Außerdem hat er seine lange Leidenszeit sinnvoll genutzt. Parker trifft inzwischen 38 Prozent seiner Dreier. Ein Jabari in Bestform erhöht die Chancen der Bucks deutlich.


Marquee Matchup
Point Guard. Die Bucks haben auf der Eins nicht die Überspieler. Dafür aber jede Menge Erfahrung. Eric Bledsoe und Brandon Jennings haben Irving-Ersatz Terry Rozier einige Jahre voraus. Wenn Milwaukees Aufbauspieler ihre Gegenüber etwas aus dem Konzept bringen, könnte das Angriffsspiel der Kelten ordentlich ins Stocken kommen.


Auf der anderen Seite des Feldes werden sie sich schon mehr einfallen lassen müssen, denn selbst wenn Bostons erste Reihe durchbrochen wird, warten dahinter Big Men mit einem erstaunlich hohen Defensiv-IQ. Hier gilt es für den eigenen Frontcourt ihre Gegenspieler zu beschäftigen und die Hilfe so unattraktiv wie möglich zu machen.


Die Rechnung, bitte!