14 April 2018

14. April, 2018


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von JAN HUSMANN @JanOnOne

Entrée
In dieser Saison war die Western Conference so umkämpft wie seit Jahren nicht mehr. Die Portland Trail Blazers haben sich zwar als drittbestes Team qualifiziert, jedoch nur drei Siege mehr als die Nuggets, die die Playoffs nur von der Couch aus miterleben. Gegenüber ihrem Erstrundengegner, den New Orleans Pelicans, haben sie sogar nur einen Sieg Vorsprung. Entsprechend marginal sind die Unterschiede zwischen den beiden Teams.


New Orleans sicherte sich zum zweite Mal in der Ära Anthony Davis eine Playoffteilnahme. Dabei mussten sie über weite Strecken der Saison auf ihren All-NBA Center DeMarcus Cousins verzichten. Doch die Verpflichtung von Nikola Mirotić sowie die Leistungssteigerung von Anthony Davis und Jrue Holiday rettete den Pelikanen die Saison.

Portland holte derweil die meisten Siege seit dem Abgang von LaMarcus Aldridge nach San Antonio. Terry Stotts bestätigt damit weiter seine gute Arbeit bei den Oregonians, die in seiner sechsten Saison zum fünften Mal in den Playoffs stehen.


Warum Portland gewinnt
Mit einem kaum veränderten Team haben die Portland Trail Blazers diese Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht. Damian Lillard hat sein Team in Höhen geführt, die vor der Saison nicht erwartet wurden. Dementsprechend wurde der Point Guard zwischenzeitlich auch als MVP-Kandidat gehandelt. Gemeinsam mit C.J. McCollum bildet Lillard einen der besten Backcourts der Liga. Stehen die beiden Guards zusammen auf dem Court, haben die Blazers ein Net-Rating von +5,6, via basketball-reference.com.

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Neben McCollum und Lillard haben die Blazers ein Ensemble aus defensiv ausgerichteten Rollenspielern aufgebaut. Portland stieg so in diesem Jahr in die Top 10 in Defensiver Effizienz auf, via NBA Stats. Al-Farouq Aminu und Maurice Harkless sind multidimensionale Verteidiger, die auch größere Flügelspieler verteidigen können und Jusuf Nurkić stellt eine defensive Präsenz in der Zone dar. Von der Bank können noch Spieler wie Shabazz Napier, Pat Connaughton oder Evan Turner gebracht werden, um Druck von Lillards und McCollums Schultern zu nehmen.

Der Heimvorteil wird den Trail Blazers ebenfalls helfen. Im heimischen Moda Center gewannen sie in der regulären Saison 28 ihrer 41 Spiele. Und auch auswärts gewannen die Blazers immerhin die Hälfte ihrer Spiele. Halten sie diesen Trend in Runde eins bei, ist ein Ausscheiden nahezu ausgeschlossen.


X-Faktor Trail Blazers
Evan Turner rechtfertigte in den ersten beiden Jahren seines Vierjahresvertrages über 70 Mio. $ seinen Preis noch nicht. Doch sollten Lillard oder McCollum in den Playoffs nicht ihre gewohnten Leistungen abrufen können, bietet Evan Turner den Blazers die Möglichkeit, das Spiel zu übernehmen.

Auch in der Kombination mit McCollum und Lillard kann Turner effektiv sein, da Portland dann mit mehreren Ballhandlern auf dem Parkett schwerer auszurechnen ist. Insbesondere da die Flügelverteidiger der Pelicans gegen Turners Größe und außergewöhliche Fähigkeiten vor Probleme gestellt werden könnten.

Dazu bringt „E.T.“ die Erfahrung von 44 Playoffspielen für vier verschiedene Teams mit. Diese Erfahrung muss er auf dem Spielfeld in positive Energie umsetzen, die den jungen Spielern helfen kann.


Marquee Matchup
Das Spiel der Pelicans wird sich fast ausschließlich auf Anthony Davis' Fähigkeiten aufbauen. Um ihn zumindest in seiner Dominanz einzugrenzen muss Jusuf Nurkić über sich hinauswachsen. Der bosnische Center hat seit seinem Wechsel nach Portland im Februar letzten Jahres wechselhafte Zeiten hinter sich. Zuerst schien die Befreiung aus seiner Bankrolle in Denver zu einem Home Run für die Blazers zu werden.


Doch in dieser Saison kehrten seine Leistungen zur Norm zurück. Allerdings hat er bewiesen, dass er die Fähigkeiten hat, das Spiel auf beiden Seiten des Balles zu bestimmen. Auch wenn er über die Serie gesehen gegen Anthony Davis den Kürzeren ziehen wird, ist Portland auf eine überdurchschnittliche Leistung des 23-Jährigen angewiesen.


Warum New Orleans gewinnt
Den Trumpf, den die Pelicans in der Hand halten, ist in einem Namen auszudrücken. Anthony Davis. Seit dem Achillessehnenriss von DeMarcus Cousins hat der Kentucky-Alumni eine neue Stufe in seinem Spiel gefunden. Nach „Boogie“ Cousins Verletzung legte Davis 30,1 Punkte, 11,9 Rebounds, 3,2 Blocks und 2,0 Steals pro Spiel auf. Es gibt kaum einen Spieler, der Davis derzeit stoppen kann. Die Trail Blazers müssen alles daransetzen, dass „The Brow“ sie nicht im Alleingang erledigt.

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Doch auch der Rest des Teams hat seinen Rhythmus gefunden. Jrue Holiday beendet die Saison als zweitbester Pelikan. Sein Karrierebestwert von 19 Punkten pro Spiel rechtfertigt zwar noch nicht die 125 Mio. $, die die Pelicans ihm im Sommer gegeben haben, lassen den Vertrag aber in einem besseren Licht dastehen. Auch Rajon Rondo fand in New Orleans seinen Frieden. Bevor er sich letztes Jahr verletzte, stellte er bei den Bulls unter Beweis, dass er in den Playoffs immer noch ein wertvoller Spieler sein kann. Diese Saison ergatterte er sich einen Platz in der Starting Five neben Jrue Holiday und verteilt gute acht Assists pro Spiel.

Dazu wurde der restliche Kader mit Scharfschützen aufgefüllt. E'Twaun Moore, Darius Miller, Nikola Mirotić und Ian Clark sollen dafür sorgen, dass Davis in der Mitte genügend Platz hat, um seine Dominanz auszuspielen. Wenn die Shooter heiß laufen, sind die Pelikane nur schwer zu stoppen.


X-Faktor Pelicans
Nach dem Verlust von Cousins standen die Pelicans am Scheideweg. Sie können die Saison herschenken, einen möglichst hohen Draft-Pick abgreifen und nächste Saison einen neuen Anlauf starten. Oder sie gehen All-In mit ihrem Team und versuchen sich so gut es geht noch zu verstärken. Sie haben Option zwei gewählt und Mirotić via Trade aus Chicago losgeeist.


Der Forward brauchte zunächst ein wenig Eingewöhnungszeit, doch in den letzten vier Spielen der regulären Saison zeigte er, wozu er fähig ist. Mit 18,8 Punkten pro Spiel und 44,7% von der Dreierlinie lieferte er die Leistungen ab, für die man ihn nach Louisiana holte. Wenn er diesen Trend in den Playoffs fortsetzt, ist er einer der wichtigsten Spieler für Coach Alvin Gentry.


Marquee Matchup
Auch wenn Anthony Davis einer der besten Verteidiger der Liga ist, ist seine defensive Leistung vielleicht nicht einmal die wichtigste in dieser Serie. Denn Damian Lillard und C.J. McCollum richten den Großteil ihres Schadens von der Dreierlinie an. Jrue Holiday und Rajon Rondo sind durchaus für ihre gute Verteidigung bekannt. Allerdings auch dafür, diese immer wieder schleifen zu lassen. In den Playoffs werden sie ihre Intensität wieder hochfahren müssen, denn die Stars der Trail Blazers werden defensive Fauxpas eiskalt ausnutzen.

Doch sollten die Guards der Trail Blazers daran gehindert werden, ihr gewohntes Spiel aufzuziehen, gehen Portland schnell die Optionen aus, die ihnen die Serie gewinnen können. Und dann werden die Pelicans auch eine Chance haben, den Favoriten zu schlagen.


Die Rechnung, bitte!