28 April 2018

28. April, 2018


Aus 16 mach' 8. Die erste Playoff-Runde ist (fast) in den Büchern, die Spreu trennt sich weiter vom Weizen, nur noch die vier besten Teams der beiden Conferences bleiben im Rennen um die Larry O'Brien Trophy. Nach dem ersten Gang geht's jetzt ans Eingemachte: Für je zwei Mannschaften ist Platz in den Conference Finals – #NBACHEF hat wie immer auch die Semifinals auf der Karte.

von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports & JAN HUSMANN @JanOnOne

Entrée
Es hätte so ein schöner Kampf der Systeme werden können. Die Warriors mit ihrem Small-/Skillball gegen die Twin-Towers der Pelicans. Doch diese Vorstellung verpuffte bereits Ende Januar mit dem Achillessehnenriss von DeMarcus Cousins.

Die Serie verspricht trotzdem eine spannendere zu werden als vor drei Jahren, wo Golden State New Orleans sweepte. War Anthony Davis damals noch etwas grün hinter den Ohren, ist er mittlerweile ein veritabler MVP-Kandidat. In der ersten Runde der Playoffs war er ohne Zweifel der dominanteste Spieler der NBA.

Gegen die Warriors wird Davis weitaus mehr gefordert werden als im Duell gegen die Portland Trail Blazers. Doch damit kam er in der regulären Saison schon bestens zurecht und legte immer mindestens 30 Punkte und zehn Rebounds gegen die Dubs auf. Jrue Holiday drehte zuletzt ebenfalls auf. Es wird also keine One-Man-Show.

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Das sind die Warriors mit ihrer Starparade schon lange nicht mehr. Für die Avengers der NBA beginnt die Saison jetzt erst so richtig. Während in den letzten Monaten Motivationsprobleme nicht abzustreiten waren, weiß der Titelverteidiger nun am besten, dass weniger als 100 Prozent zum Einzug in die  Conference Finals nicht reichen werden.

In denen standen die Pelicans noch nie. Ob sich das dieses Jahr ändert? Die Warriors sind immer noch der Favorit. Doch auf sie wartet eine Gegenwehr, die sie im Westen so zuletzt gegen die Thunder 2016 gespürt haben. Gelingt es New Orleans wie in der Auftaktrunde eines der ersten beiden Auswärtsspiele zu stibitzen, steht die NBA-Gemeinde vor einer richtig schönen Serie.


Warum Golden State gewinnt
Kein Team hat mehr Talent. Golden State mag in der regulären Saison nicht die beste Bilanz geholt haben. Wenn es hart auf hart kommt und die Warriors alle gesund sind, hat der Titelverteidiger jedoch ein Potential, gegen das nur die kühnsten NBA-Fans wetten würden.

Runde eins der Playoffs war nur ein müdes Aufwärmen. Die eine Niederlage gegen die Spurs war unnötig aber verständlich bei einer Mannschaft, deren größte Schwachstelle die eigene Unkonzentriertheit sein kann. Die Pelicans gehen nicht wie San Antonio am Krückstock und werden deshalb nicht unterschätzt werden.


Die Warriors haben abgesehen von dem Betriebsunfall in der Alamo City zuletzt  im Mai 2016 ein Playoff-Spiel in der Western Conference verloren. In diesem Zeitraum spielten die Pelicans gar keine Postseason. Die Eingespieltheit und Erfahrung in der Meisterschaftsrunde sollte also klar auf Seiten des Teams aus der Bay Area sein.

So gut Anthony Davis auch ist. Auf der anderen Seite steht mit Kevin Durant ein Akteur, der sich vor niemandem verstecken muss. Alles was die Monobraue kann, kann KD schon lange und zum Teil sogar besser. Außerdem ist da ja auch noch dieser Steph Curry…


X-Faktor Warriors
Dass die Warriors in einigen Power Rankings zu den Playoffs hinter die Houston Rockets gefallen sind, hat vor allem einen Grund: die Verletzung von Steph Curry. Der edelste aller Edelschützen verpasste die letzten zehn Spiele der regulären Saison und das komplette Duell mit den Spurs. Nun trainiert er zumindest wieder zu 100 Prozent mit.


Sein Einsatz in Spiel eins ist zwar noch fraglich, eine weitere komplette Serie wird er aber nicht wieder aussetzen. Curry wird kaum direkt auf MVP-Niveau wiederkehren, aber Schießen ist wie Fahrradfahren. Das verlernt man so schnell nicht – zumindest nicht, wenn es sich um den besten Shooter der aktuellen NBA-Dekade handelt.

Currys Potenz von der Dreierlinie hilft jeder Offensive. Nun stehen bei den Warriors auf den anderen Positionen nicht nur Blinde herum, aber es ist schon ein Unterschied, ob Draymond Green, Kevin Durant, Andre Iguodala und Klay Thompson mit dem zweimaligen MVP auf dem Parkett stehen oder mit Shaun Livingston. Ein auch nur halbwegs fitter Curry erhöht die (so schon guten) Chancen der Warriors enorm.


Marquee Matchup
Kevin Durant ist der beste Spieler dieser Serie. Da Playoff-Runden in der Regel durch die Superstars entschieden werden, lastet auf KD ein gewisser Druck. Er muss abliefern, erst recht wenn Steph Curry noch etwas Zeit braucht. Dass er das Zeug dazu hat, steht außer Frage.

Interessant wird sein, wer den 29-Jährigen verteidigt. Die Pelicans agierten zuletzt mit drei Guards. Spielt Durant auf der Drei bekäme er es also mit Holiday, Rondo oder am wahrscheinlichsten E'Twaun Moore zu tun. Aus Sicht von Pelicans-Coach Alvin Gentry ist das keine gute Idee.

Keiner dieses Trios könnte Durant vor sich halten. Also gebührt diese Aufgabe Nikola Mirotić oder Anthony Davis. Ersterer ist zwar kein so schlechter Verteidiger wie häufig behauptet wird, KD ist über eine ganze Serie gesehen aber einfach nicht seine Kragenweite.

Bleibt noch Anthony Davis, ein legitimer Kandidat für den Defensive Player of the Year Award. Wird Davis auf Durant angesetzt, wird dieser ihn aber immer wieder aus dem Zentrum ziehen, wo er für das Gesamtkonstrukt der Pels-Defense so wichtig ist. Wie man es auch nimmt, KD sorgt für echte Matchup-Probleme.


Warum New Orleans gewinnt
Das Team, das in der ersten Runde die überzeugendere Vorstellung lieferte, war nicht etwa der Titelverteidiger aus der Bay Area, sondern die New Orleans Pelicans. Viele Experten erwarteten einen Sieg der Portland Trail Blazers über die Pelicans und die wenigen, die einen Sieg New Orleans' voraussagten, prophezeiten diesen in mindestens sechs oder sieben Spielen. Dass das Team von Alvin Gentry nur vier Spiele brauchte, um den gefürchteten Backcourt aus C.J. McCollum und Damian Lillard handzahm werden zu lassen, hinterlässt einen bleibenden Eindruck.


Jetzt trifft das Team von Anthony Davis auf immer noch wankende Meister aus Golden State. Auch wenn sie in der ersten Runde die Spurs größtenteils souverän abfertigten, fehlt ihnen weiterhin die Leichtigkeit der letzten Jahre. Dabei ist der weiterhin fragliche Gesundheitszustand von Steph Curry nicht hilfreich. Seine Rückkehr wird zu Spiel drei erwartet, auch wenn manche Berichte aus Oakland eine Rückkehr am Samstag nicht ausschließen. Dennoch könnte auch dann eine Anpassungsphase als Sand im Getriebe der Warriors fungieren.

Zusätzlich wird Anthony Davis für Kopfschmerzen bei den Verantwortlichen in Nordkalifornien sorgen. „The Brow“ ist seit dem Ausscheiden von DeMarcus Cousins praktisch nicht zu stoppen. Gegen Portland legte der Big Man 33 Punkte und zwölf Rebounds pro Partie auf. Die Warriors haben keinen Spieler, der alleine Davis in Schach halten könnte. Sollte Davis weiterhin derart dominant auftreten, werden die Warriors in jedem Spiel alle Hände voll zu tun haben.

Doch auch die Rollenspieler der Pelicans haben ihr Spiel auf ein neues Level in den Playoffs gehoben. Rajon Rondo, Jrue Holiday und Nikola Mirotić überzeugten gegen Portland insbesondere defensiv. Wenn sie diese Leistung erneut abrufen, ist die nächste, noch viel größere Sensation nicht in unerreichbarer Ferne.


X-Faktor Pelicans
Rajon Rondo hat in der ersten Runde bewiesen, dass das Phänomen „Playoff Rondo“ immer noch lebt. Mit seiner langjährigen Playofferfahrung führte er die jungen Pelikane in die Conference Semis. Er sorgte immer wieder für leichte Würfe seiner Mitspieler und bestimmte das Tempo des Spiels.

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Doch in der zweiten Runde muss Rondo seine solide Defense noch weiter verbessern. Spätestens wenn Steph Curry wieder auf dem Parkett steht, erwartet ihn ein noch größeres Kaliber als Lillard oder McCollum. Dabei wird die defensive Präsenz von Jrue Holiday und Anthony Davis ihm zwar helfen, doch sollte Rondo sein Gegenüber nicht stoppen können, stehen die Pelicans vor großen Problemen.


Marquee Matchup
So dominant die Vorstellung der Pelicans gegen Portland auch war, stellten sich die Matchups rückblickend als optimal für das von New Orleans' GM Dell Demps zusammengestellte Personal heraus. Was dem Team aus Louisiana fehlt, ist ein multidimensionaler Verteidiger, der größere Flügelspieler stoppen kann. Und somit wird Kevin Durant wohl für Kopfzerbrechen bei Alvin Gentry sorgen.

Denn dem gegen Damian Lillard auftrumpfenden Jrue Holiday fehlt es im Duell gegen Kevin Durant schlichtweg an Körpergröße. Anthony Davis hingegen sollte Probleme mit der Schnelligkeit Durants bekommen. Zusätzlich würden die Pelicans auf diese Weise den Warriors die Zone weit öffnen.

Denkbar ist daher, dass Kevin Durant in der Defensive von Possesion zu Possesion unterschiedliche Verteidigungsstile gezeigt werden, sodass er sich ständig auf neue Situationen einstellen muss. In jedem Fall bleibt Durant allerdings die größte Herausforderung, die den Pelicans bisher gegenüberstand.


Die Rechnung, bitte!