21 April 2018

21. April, 2018


Willkommen zur Award-Jahreszeit! Während die jeweils acht besten Teams der beiden Conferences sportlich die Darwin'sche Evolutionstheorie glorifizieren, gilt es für uns, einen Moment inne zu halten und der abgelaufenen regulären Saison Revue passieren zu lassen. In den sechs bekannten Kategorien hat die #NBACHEF Redaktion ihre Favoriten gewählt. 

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Und der Preis für den besten Trainer geht an...

Coach of the Year:
Brad Stevens (Boston Celtics)

Highlights:
- Bestes Defensiv-Rating der Liga
- Siegreichste Celtics-Saison in fünf Jahren unter Stevens (55-27), dabei jedes Jahr siegreicher als das vorherige
- Vor der Saison wurde das Roster komplett erneuert und Stevens hatte nur vier Spielern aus dem Vorjahr zur Verfügung.

Kontinuität ist König! Ein guter Trainer, der lange genug Zeit hat, mit einer bestimmten Spieler-Gruppe zu arbeiten, wird nach genügend Wiederholungen ein System implementieren und kann einem Team eine Identität einpflanzen. Oft dauert dieser Prozess bei guten Trainern Jahre und erfordert ein geduldiges Front Office und so wenig Roster-Veränderung auf wichtigen Positionen wie möglich. Soviel zu „guten Trainern“, kommen wir zum NBACHEF Coach of the Year 2017/18: Brad Stevens.

Die Anzahl an bereits absolvierten Celtics-Spielen, die zu Saisonbeginn im Roster vorhanden waren, verteilt sich auf die Schultern von Al Horford, Jaylen Brown, Marcus Smart sowie Terry Rozier und beläuft sich auf 466. Zum Vergleich dazu hatten die Toronto Raptors eine Erfahrung von 1 775 Raptors-Spielen vorzuweisen. Dem 41-jährigen Brad Stevens, der die Saison als drittjüngster Coach der Liga begann, gelang es trotz des enormen Umbruchs wieder seine Handschrift – die grundsolide Defense gepaart mit einer beweglichen und passfreudigen Offense – auch in dieser Version der Kelten erkennbar zu machen.


Während der furiose Saisonstart mit 22 Siegen aus den ersten 26 Partien eigentlich nicht hoch genug geschätzt werden kann, fiel die interne Bewertung in Boston eher zufrieden-nüchtern aus, wodurch die 33-28 Bilanz im weiteren Saisonverlauf weniger enttäuschend wirkt, als sie es auf den ersten Blick sollte.

Für Brad Stevens gab es in dieser Saison einige enorme Herausforderungen zu meisten: Dazu zählt natürlich vor allem die Verletzung von Gordon Hayward im allerersten Spiel, die daraus resultierende und zuerst erschreckend wichtige Rolle der Youngster Jaylen Brown und Jayson Tatum, dazu permanente Verletzungsprobleme um Kyrie Irving, Marcus Morris, Marcus Smart und Daniel Theis, deren verpasste Spiele addiert eine komplette Saison inklusive Playoffs wert sind.

Die Spielweise und die damit verbundene Mentalität, die Stevens seinen Teams mitgibt, half dieser Iteration auch dabei, so gut wie nie längere Schwächephasen zu erleiden. Die Wochen nach dem London Game am 11. Januar waren mit fünf Niederlagen aus den nächsten sechs Spielen ohne Zweifel kritisch und die Probleme zogen sich bis zum All-Star Break, doch selbst aus diesem Loch führte „President Stevens“ sein Team mit der ihm innewohnenden Akribie und Führungsqualität wieder heraus.

Von allen NBACHEF-Awards in diesem Jahr war keiner so eng und ausgeglichen wie der „COTY“, daher sollen auch die auf Stevens folgenden Kandidaten Erwähnung finden: Quin Snyder, Dwane Casey, Brett Brown und Mike D’Antoni, die allesamt großartige Saisons gecoacht und verdiente Stimmen erhalten haben. Bezeichnend für die Qualität dieses Award-Rennens ist die Tatsache, dass Gregg Popovich dafür, dass er ein Rumpf-Team ohne Kawhi Leonard in Reichweite von Rang drei führte, nur eine Stimme sowie Nate McMillan dafür, dass er ein lotterygeweihtes Pacers-Team auf einen unvorstellbaren Rang fünf geführt hat, gar überhaupt keine Stimme erhält.

Kontinuität ist König und genau deshalb wäre es nicht verwunderlich, wenn einige der Namen aus der diesjährigen Kandidaten-Liste auch in Zukunft regelmäßig dort auftauchen werden.


Abstimmungsergebnis:
1. Brad Stevens (19)
2. Quin Snyder (16)
3. Dwane Casey (10)
4. Brett Brown (7)
5. Mike D'Antoni (6)
6. Terry Stotts (1)
-. Gregg Popovich (1)

* Zum Abstimmungsverfahren: Jeder stimmberechtigte Redakteur wählt seine drei Favoriten und vergibt an diese je nach Präferenz drei, zwei oder einen Punkt.