18 April 2018

18. April, 2018


Willkommen zur Award-Jahreszeit! Während die jeweils acht besten Teams der beiden Conferences sportlich die Darwin'sche Evolutionstheorie glorifizieren, gilt es für uns, einen Moment inne zu halten und der abgelaufenen regulären Saison Revue passieren zu lassen. In den sechs bekannten Kategorien hat die #NBACHEF Redaktion ihre Favoriten gewählt. 

von ANNO HAAK @kemperboyd

Und der Preis für den meistverbesserten Spieler geht an...

Most Improved Player:
Victor Oladipo (Indiana Pacers)

Stats ‘17/18: 
23,1 PPG | 5,2 RPG | 4,3 APG | 2,4 SPG | 0,8 BPG | 47,7% FG | 79,9% FT in 79 gm.

Highlights:
- Zwölf mal 30+x Punkte und damit drei mehr als in vier Karrierejahren zuvor zusammen
- Von 2,5 auf 6,4 explodiertes NetRtg
- Erste All-Star-Nominierung der Karriere

Volle Punktzahl, heißt: ausschließlich First-Ballot-Votes bei einer der einseitigsten Award-Wahlen in der Historie dieses kleinen Basketball-Lesezirkels. Das ist statistisch und durch den Augentest ohne Weiteres zu rechtfertigen und der Verdienst nicht weiter streitig. Doch zu jedem Award gehört eine Geschichte, die große „Erzählung“, die mit „verhandelt“ wird. Sie leuchtet den Hintergrund zur schalen Übergabe einer Trophäe aus, deren Namen ich nicht einmal kenne. Bei Oladipo ist es das amerikanischste aller Narrative und der Narrator könnte Paul George im Strickjäckchen und mit Pfeife vor einem brutzelnden Kamin sein.

Der Weg des Victor O. ist der eines Abgeschriebenen, eines Verlachten, eines Mannes, dessen Karriere mit Schnellzuggeschwindigkeit auf das steinerne Ende einer Sackgasse zuzurasen schien. Der sich dann am eigenen Schopf ziehend bremste und den Turnaround hinlegte. Kitsch as Kitsch can. Der Tellerwäscher von Oklahoma, der zum Millionär von Indiana wurde, auch noch im (College-)Heimatstaat.

Das ist vielleicht ein bisschen zu viel des Guten. Zur Wahrheit gehört, dass Oladipo natürlich Millionär war, bevor er zur am Boden liegenden Franchise aus dem Hoosier State kam. Zugleich aber ist das auch einer der Ausgangspunkte, von denen die Underdog-Story sich entspinnt. Sein prall gefülltes Konto war einer der vielen Gründe der Schnappatmung der NBA-Gemeinde über den Trade im letzten Sommer. Manche begnügten sich damit, den hypothetischen Gegenwert für Paul George aus dem Safe von Danny Ainge zu extrapolieren. Andere empfahlen Kevin Pritchard gleich eine neurologische Untersuchung.

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Oladipo, schon zuvor als Speerspitze des vermeintlichen Superbustjahrgangs 2013 verdammt, war ein schwer überbezahlter Rollenspieler mit voll garantiertem Dödeldeal bis 2021. Den als Haupt-Gegenwert für den jahrelangen Franchise-Spieler Paul George einzutüten, ließ nicht wenige bereits im Herbst 2017 den EoY-Award 2018 an Sam Presti vergeben. Ca. neun Monate später erhält den Danny Ainge, obwohl (oder weil) er George nicht abgriff. OKC bibbert vor der Verlockung an PG13, mit Lonzo Ball um Würfe zu streiten und Indiana gewann so viele Spiele wie sonst nur zweimal in den letzten 15 Jahren. Die Schnelllebigkeit des Basketballs, katalysiert von Victor Oladipo, Damen und Herren.

Oladipo trieb Indianas Offensive, verankerte ihre Defense, füllte die Herzen der alten Heimat und führte die Pacers souverän (wenn auch mit Prall gegen die 5-year-wall nach dem All-Star-Break) in die Playoffs. Aus einem suspiziösen Irgendwas-Guard wurde ein Franchise-Player, All-Star und möglicher All-NBA-Teamer. Only in America. Eine solche Geschichte – wie auch ähnliche Zahlen 
– hatte keiner der anderen Kandidaten auch nur annähernd zu bieten. Wohl auch deshalb waren alle anderen Genannten unter ferner liefen, am nächsten kam dem Phönix aus Indianas Asche noch Clint Capela mit rund einem Drittel der Oladipo-Punkte. Von „indiskutabel“ zu „keine Diskussion: MIP“ in weniger als einem Jahr. Amerika, Du hast es besser! Glückwunsch an Kehinde Babatunde Victor Oladipo!


Abstimmungsergebnis:
1. Victor Oladipo (30)
2. Clint Capela (11)
3. Spencer Dinwiddie (6)
4. Lou Williams (4)
5. Andre Drummond (3)
6. Ricky Rubio (2)
-. Steven Adams (2)
-. Jaylen Brown (2)

* Zum Abstimmungsverfahren: Jeder stimmberechtigte Redakteur wählt seine drei Favoriten und vergibt an diese je nach Präferenz drei, zwei oder einen Punkt.