31 Mai 2018

31. Mai, 2018


Die Finals sind da! Nach drei Vorspiel-Runden an beiden Küsten ist der Moment der Wahrheit angebrochen und die Larry O'Brien Trophy steht auf dem Spiel: Ab Donnerstag starten die vierte Auflage der Golden State Warriors und Cleveland Cavaliers. Die Vorzeichen sind deutlicher denn je...

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Entrée
Da wären wir wieder. Warriors gegen Cavaliers, vierter Teil. Wie schon bei „Der Pate“ war der erste aufregend und neu, der zweite sehr gut, der dritte nicht mehr so sehr und eigentlich will keiner einen vierten. Doch zumindest auf dem Parkett hilft nichts – beide Teams schaffen es nach 2015, 2016 und 2017 auch 2018 wieder in die Finals, wenn auch längst nicht so unbeschadet wie vergangenes Jahr.

Vor allem im Falle der Cavs ist das bemerkenswert – nicht zufällig starteten sie vom vierten Rang aus, hatten ab den Conference Semis kein Heimrecht mehr und brauchten gleich zwei Mal ein siebtes Spiel, um in die nächste Runde einzuziehen. Die Team um LeBron James ist das schlechteste seit seiner Rückkehr nach Cleveland, entsprechend gering stehen die Hoffnungen auf eine wundersame Wiederholung des Comebacks von 2016.


Die Warriors zeigten in den Conference Finals gegen die Houston Rockets erstmals so etwas wie Menschlichkeit, lagen in der Serie 3-2 zurück und zur Halbzeit von Spiel sechs und sieben ebenfalls, ließen jedoch unterm Strich keinen Zweifel an ihrer Ausnahmequalität und gehen daher als haushoher Favorit in diese Finals.

Der Blick auf die beiden Duelle der Regular Season verspricht wenig Aussagekraft, beide Spiele fanden statt bevor Cleveland zur Trade Deadline die halbe Mannschaft austauschte. Zumindest die Endergebnisse – 99-92 sowie 118-108 für Golden State – geben dem krassen Außenseiter einen Funken Hoffnung, in beiden Partien wurden sie wenigstens nicht aus der Halle geschossen. Damals spielte Golden State allerdings bekanntlich mit angezogener Handbremse.


Warum Golden State gewinnt
Spricht auch nur irgendetwas gegen die Warriors? Sie haben Heimrecht, die klar bessere Mannschaft, den besseren Coach und sich in den Playoffs in der deutlich schwereren Conference deutlich souveräner gezeigt. Sie haben vier All-Stars, die allesamt ein Spiel im Alleingang entscheiden, ebenso aber auch eine Off-Night haben können, ohne dass es ins Gewicht fällt.

Die Cavaliers derweil haben abgesehen von LeBron James weder die Qualität, noch die Tiefe, als dass Golden State irgendwo justieren oder nachbessern müsste. Vielmehr können sie dem Kontrahenten aus dem Osten jederzeit das Spiel aufzwingen, das sie spielen möchte.


Der Schandfleck des hergegeben 3-1 in den Finals 2016 wurde schon vergangenen Sommer ausradiert, 2017 gewann Golden State problemlos 4-1 und es bedurfte eines abnorm guten Shootings der Cavs (24-45 von der Dreierlinie in Spiel vier), um den Sweep zu verhindern.

Ähnlich stehen die Sterne vor diesen Finals. Die Warriors müssen letztlich nur ihr bekanntes Programm abspulen und können sich im Prinzip nur selber schlagen, wenn die Nachlässigkeit und Lustlosigkeit Überhand nimmt, die sie in den bisherigen Runden zumindest in einer Partie der Serie aufblitzen ließen. Dass in dem Fall oftmals dennoch ein ausgezeichnetes drittes Viertel genügt, um das Schiff in die richtige Richtung zu lenken, spricht für sich.

Machen wir uns nichts vor. Rockets gegen Warriors waren die Finals 2018.


X-Faktor Warriors
Andre Iguodala. Ohne Iggy ging den Dubs vor allem in Spiel vier und fünf ein Stück weit der Rhythmus und die Sicherheit abhanden. Iguodala entspricht dem Klischee des harten Arbeiters, dessen Einfluss auf das Spiel sich von keiner Box Score der Welt darstellen lässt.


Der 34-jährige Flügelspieler wird im ersten Spiel der Finals fehlen, peilt aber eine baldige Rückkehr, vielleicht schon in Spiel zwei an. Dass die Warriors nicht von ihrem Finals MVP 2015 abhängig sind und auch ohne ihn signifikante Spiele gewinnen, haben sie bewiesen. Dennoch macht Iguodala den Titelverteidiger ein gutes Stück besser und sobald er wieder auf dem Feld steht, stehen die Chancen der Cavaliers noch mal schlechter.


Marquee Matchup
Kevin Durant gegen LeBron James. Die beiden besten Spieler werden auf das direkte Duell brennen, wenngleich Golden States variable Verteidigung auch problemlos Draymond Green oder Klay Thompson auf Clevelands Nummer 23 switchen kann.

James (34,0 PPG) und Durant (29,0 PPG) dominieren diese Playoffs und haben maßgeblichen Anteil am Finals-Einzug ihres jeweiligen Teams. Wenn schon im Five on Five mit ungleichen Waffen geschossen wird, so dürfen wir uns wenigstens auf das One on One dieser Ausnahmeathleten freuen.


Warum Cleveland gewinnt
LeBron James.

Wie der König von Cleveland dieses Team in die Finals getragen hat ist eigentlich eine gesonderte Auszeichnung wert. Die Cavs sind LeBron und LeBron ist die Cavs.

Und darauf bauen die Cavaliers: Schon nach Spiel eins in Runde eins gegen die Indiana Pacers wurde alles und jeder infrage gestellt. Keiner außerhalb Clevelands hielt es für möglich, die Toronto Raptors zu sweepen. Und auch in Spiel sieben gegen die heimstarken Boston Celtics standen die besseren Argumente auf der Gegenseite.

LeBron hat sämtlichem Gegenwind mit bemerkenswerter Ruhe auf und abseits des Feldes widerstanden, mit nunmehr 33 Jahren agiert er auf dem Feld besser als je zuvor. Auch wenn die Chancen gleich null stehen – zumindest wird es Spaß machen zu sehen, wie sich LeBron dieser Übermacht stellt.



X-Faktor Cavaliers
Kevin Love hat in den Playoffs 2018 streckenweise sein altes, produktives Ich wiedergefunden, vor allem beim Sweep gegen die Toronto Raptors (20,5 PPG, 11,5 RPG). Im entscheidenden Spiel gegen die Boston Celtics musste Love infolge eine Gehirnerschütterung aussetzen, sein Einsatz im ersten Spiel der Finals ist fraglich.

Für jedes noch so unwahrscheinliche Szenario, in dem die Cavs den Warriors so etwas wie Paroli bieten, bedarf es eines Kevin Loves in Bestform. Nur hat der sich weder in der Spielzeit 2017/18, noch in den Playoffs in irgendeiner Form von Konstanz blicken lassen.


Marquee Matchup
LeBron James gegen den Rest der Welt. So muss sich der vierfache MVP beim Anblick der jeweiligen Lineups vorkommen. Sicherlich ist die SNL-Parodie nicht ganz fair etwa gegenüber Kyle Korver, J.R. Smith, Tristan Thompson oder Jeff Green. Sie alle haben wenigstens vereinzelt zum Finals-Einzug beigetragen und auch in den Finals zumindest ein außergewöhnliches Spiel in sich – mehr aber eben auch nicht.


Selbst wenn LeBron seine überirdischen Leistungen auf ein noch höheres Level hievt: Auf der Gegenseite warten vier All-Stars inklusive des wahrscheinlich besten Spielers nach LeBron.

Die Erinnerungen an 2007 werden immer signifikanter. Damals führte ein junger LeBron James seine maximal mittelmäßigen Cavs geradezu sensationell in die Finals, musste dort aber gegen den damaligen Primus aus San Antonio einen Sweep über sich ergehen lassen. Geschichte wiederholt sich bekanntlich – allerdings diesmal nicht im Falle von „The Block“ und „The Shot“.


Die Rechnung, bitte!