31 Mai 2018

31. Mai, 2018


Alles bleibt so wie es ist. Hier wird nichts verändert. In den NBA Finals treffen zum vierten Mal in Folge die gleichen Teams aufeinander. Zu mangelnder Abwechslung gesellt sich mangelnde Spannung, denn selten war die Ausgangslage klarer. Ein Fan macht sich Sorgen.

von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

Erstmal vorneweg: Wer in die Finals kommt, steht dort zu Recht. Auch wenn ich jede andere Endspiel-Paarung lieber gesehen hätte, kann ich den Teams absolut nichts vorwerfen. Die restliche Liga besteht nicht nur aus Kirmestruppen, auch wenn die Eastern Conference in den Playoffs genau diesen Eindruck machte. Die Cleveland Cavaliers beziehungsweise LeBron James waren genau dann zur Stelle, als es draufankam. So funktionsgestört kann die Mannschaft also nicht sein.

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Deshalb sollten wir nicht den gleichen Fehler machen wie in den letzten Runden und den Meister von 2016 bereits vor dem ersten Sprungball abschreiben. Der König ist einfach nicht kleinzukriegen. Wenn ich ehrlich bin, stehe ich bei einer Erwartung von allem anderen als einem klaren Sieg der Warriors jedoch vor einer größeren Glaubensprüfung als Abraham, der seinen Sohn Isaak opfern soll.

Golden State zeigte sich gegen Houston zwar verwundbar, ist jedoch nicht gefallen. Bereits letztes Jahr schlug ein nahezu identisches Team aus Oakland die Cavaliers in nur fünf Spielen. Damals hatte LeBron noch Kyrie Irving an seiner Seite. Jetzt ist er mehr denn je auf sich alleine gestellt und das ging bereits 2015 trotz heroischer Leistungen in die Hose. Das Startriumvirat um Curry, Thompson und Green erwies sich als eines der wenigen Kryponite von James.

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Dann kam noch Kevin Durant hinzu und brachte die Liga endgültig aus dem Gleichgewicht. Sein Wechsel in die Bay Area war absolut legitim, tut der NBA aber nicht gut. Wir gehen zum Sport, um zu erfahren, wer am Ende siegen wird. Voraussagbarkeit vertreibt die Spannung und damit auch den Spaß. Stand jetzt werde ich mir keines der Finalspiele live in der Nacht ansehen.

Seit 2011 fieberte ich immer mindestens bei einer Partie mit. Jetzt frage ich mich, warum ich auf kostbaren Schlaf verzichten sollte. Die Warriors spielen zweifellos grandiosen Basketball, doch ich will keine Ästhetik, sondern einen ausgeglichenen Kampf und der ist eben nicht in Sicht.


Gratulation an die Warriors. Sie haben es geschafft, in einem System eine Dynastie zu erschaffen, das diese eigentlich verhindern soll und dies in den anderen drei Major Leagues auch tut. Sie drafteten clever, hatten mit dem Anstieg des Salary-Caps genau zur richtigen Zeit, um Kevin Durant zu verpflichten, aber auch jede Menge Glück. Zu guter Letzt konnte der Rest der NBA nicht einmal auf die traditionelle „Disease of More“ hoffen.

Die zweite Reihe der Warriors wollte keine größere Rolle bei anderen Teams und selbst die Stars verzichteten auf Geld. Wo ist die Gier nach mehr und mehr, wenn man sie einmal braucht? Viermal in Folge die gleichen Finals hätten das Potential für eine Rivalität wie es sie seit den Achtzigern und den Duellen der Celtics gegen die Lakers nicht mehr gab. Doch damals war der Ausgang der Duelle jedes Mal ungewiss. Heuer machen die Leute wildeste Versprechen, was sie machen würden, wenn die Cavs gewinnen, weil sie wissen, dass es nicht passiert.


Wenn ich jedes Jahr den gleichen Sieger sehen will, kann ich mir auch die Fußball-Bundesliga anschauen. Darum sollte sich die NBA mal Gedanken machen und nicht darum, wie sie noch mehr Geld scheffeln kann. Das Problem betrifft nämlich keinesfalls nur die Finals. Warum sollte ich mir Spiele der regulären Saison anschauen, wenn eh schon feststeht, wer 100 Spiele später auf dem Thron sitzen wird? Einseitiger ist nur das Duell der Harlem Globetrotters gegen die Washington Generals und da bin ich beim zweiten Besuch auch eingeschlafen.