22 Juni 2018

22. Juni, 2018


Der NBA-Draft 2018 ist Geschichte. Wie erwartet/erhofft wurden auch die Namen von zwei deutschen Talenten aufgerufen. An 39. Stelle ging der Frankfurter Isaac Bonga über die Ladentheke. Über Umwege landete er genau bei der Franchise, wo es 14 Stellen zuvor auch Moritz Wagner hin verschlagen hatte. Der 21-Jährige wurden von den Los Angeles Lakers gedraftet. Das goldene Trikot des Hollywood-Clubs dürfte Wagner stehen – begann er seine Karriere doch im gleichfarbigen Jersey von Alba Berlin.

von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

»With the 25th pick in the 2018 NBA Draft, the Los Angeles Lakers select Moritz Wagner from Berlin and the University of Michigan.«

Die Worte von NBA-Commissioner Adam Silver dürften im Management von Alba Berlin runtergegangen sein wie Öl. Der gute Moe lief zwar zuletzt 2014 für den achtfachen deutschen Meister auf, doch dass er jetzt auf der höchsten Ebene des weltweiten Basketballs angekommen ist, bestätigt den Weg, den die Hauptstädter 2006 eingeschlagen haben: Die Gründung einer eigenen Jugend-Abteilung.


Nun lässt sich nur spekulieren, ob Wagner auch ohne diese Entscheidung eine solch steile Karriere gestartet hätte, geschadet hat sie aber sicher nicht. Moe durchlief alle Jugend-Teams von Alba, wurde 2014 NBBL-Champion. Er glänzte nicht nur in den Nachwuchsteams, sondern lief mit zarten 17 Jahren auch schon in der Bundesliga auf.

Es folgte der Wechsel an die Michigan University. Keine Entscheidung gegen Alba, sondern für einen gänzlich anderen Lebensstil. Die Profikarriere war damals noch weit weg. Am College ließen sich Ausbildung und Sport am besten kombinieren.

Der Leistungssprung, den Wagner von seinem Freshman-Jahr bis zur March Madness in diesem Frühjahr machte, war gewaltig. Der Coaching-Staff in Ann Arbor um John Beilin hatte ganze Arbeit geleistet. Entsprechend bedankte sich Moe, indem er das Logo der Wolverines in die Innenseite seines Sakkos einnähen ließ und beim Draft stolz präsentierte.

Doch der Big Man erinnerte sich auch, wo er die Grundlagen für den kometenartigen Aufstieg gelernt hatte. Gegenüber vom „Michigan M“ prangte das Alba-Wappen.


Keine falsche Bescheidenheit, denn Wagner mag der prominenteste Spieler sein, der die Alba-Jugend erfolgreich durchlief, der einzige ist er aber ganz sicher nicht. Timm Schneider war einer der ersten Gratulanten in New York und geht aktuell in der ersten Mannschaft der Berliner auf Korbjagd. Ohne seine Fußverletzung wäre er auch in den Playoffs ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft gewesen. Gleiches hatten sich die Verantwortlichen auch von seinem Buddy Wagner erträumt, doch dafür ist der mittlerweile einfach zu gut.

Draftplatz 25 beschert dem 2,11 Meter-Riesen einen garantierten Vertrag bei den Lakers, der ihm ein Jahresgehalt von rund 1,7 Mio. $ einbringen dürfte. In wenigen Wochen kann er sich bei der Summer League für höhere Aufgaben empfehlen. Wie groß seine Rolle in der kommenden Saison ausfällt, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Die Lakers heute und die Lakers nach der Free Agency könnten grundverschiedene Mannschaften sein.

Ein Beitrag geteilt von Los Angeles Lakers (@lakers) am

Ins Team passt Wagner aber auch gut, sollte LeBron James oder ein Star von einem ähnlichen Kaliber in La-La-Land anheuern. Ein Big Man, der durch seinen Wurf Räume schafft, ist immer zu gebrauchen. Schaltet Magic Johnsons Truppe in den Championship-Modus mag die Spielzeit etwas sinken – doch was gibt es für einen Rookie schöneres, als tagtäglich von den besten Spielern zu lernen? Im Gegensatz zu Isaac Bonga wird Wagner in der kommenden Saison kaum in die BBL zurückkehren.

Das stört in Berlin niemanden. Ziel der Jugend war schließlich nicht nur das eigene Programm zu stärken. Es geht darum, so viele Kinder wie möglich zu dieser geilen Sportart zu bringen. Dafür werden jährlich rund 1,7 Mio. € investiert.

Geld für Nachhaltigkeit statt für den kurzfristigen Erfolg im Profibereich. Mit 1 200 Mitgliedern ist Alba Deutschlands größter Basketballverein. Heuer gewannen die Jugendteams die deutsche Meisterschaft in den Altersklassen U14, U16 und U19. Der nächste Moritz Wagner könnte also schon in der Mache sein. Vielleicht ist es sogar sein Bruder.