20 Juni 2018

20. Juni, 2018



Willkommen bei unserer offiziellen Draft-Vorschau. Am 21. Juni geht für 60 brandneue NBA-Rookies ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der Association willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Spotlights.

von AXEL BABST @BabstMadness

Am 23. Februar schwirrte eine Meldung durch die College Basketballwelt, die sie auf den Kopf zu stellen schien und selbst weiter über ihre Grenzen hinaus Aufmerksamkeit erregte. Ein ESPN Artikel berichtete, dass das FBI über Mitschnitte verfüge, in denen Arizonas Trainer Sean Miller angeblich eine Zahlung von 100.000 Dollar in Aussicht stellen würde, wenn Deandre Ayton den Wildcats seine Zusage gäbe. Im Nachhinein erwies sich dieser Bericht als widersprüchlich und entsprechend nicht wahrheitsgemäß.

Dennoch gab es für 24 Stunden kein anderes Gesprächsthema und alle warteten gespannt, ob Ayton am Folgetag gegen Oregon mitspielen würde, ob Miller coachen würde und welche Statements aus dem Lager der Wildcats folgen würden. Ayton spielte, Miller coachte nicht, verpasste allerdings nur das eine Spiel und Arizona lehnt bis heute alle Vorwürfe entschieden ab.

Diese Thematik um Korruption und die FBI Ermittlungen ist ein eigener Komplex, der an anderer Stelle diskutiert werden sollte. Zumindest steht dieser Vorfall jedoch symptomatisch für die Saison, die Arizona und besonders Ayton durchstehen mussten.

Das Elend begann aus Aytons Sicht bereit bei seiner medial pompös aufgeblähten Heimkehr auf die Bahamas, die er vor seinem High School Alter verließ, um sich basketballerisch in den USA ausbilden zu lassen. Mit Arizona nahm er am "Battle 4 Atlantis" teil, einem der traditionellen Turniere zu Saisonauftakt. Erwartet wurde ein Finale zwischen Arizona und Villanova, den Titelaspiranten. Arizona verlor allerdings alle drei Spiele sang- und klanglos und steckte somit bereits nach drei Saisonwochen in einer tiefen Krise.

Grundsätzlich wusste das Team über die Saison kaum zu überzeugen, ließ Konstanz und die gewohnte Defensivstärke vermissen. Dieser letzte Punkt wurde auch oft Ayton angelastet, der gemessen an seinen Möglichkeiten, zu wenig Einfluss ausübte.

Letztlich kam es, wie es kommen musste: Arizona traf in der ersten Runde des NCAA Tournaments auf Buffalo, eines der besten Mid-Major-Teams und wurde vom Underdog regelrecht vorgeführt. Auch im Anschluss an diese frühe Niederlage musste Ayton viel Kritik einstecken.


Ein Großteil dieser Kritik zeugt allerdings schlicht von Ignoranz. Genauso wie der übertriebene und unreflektierte Hype um das Talent unangebracht ist, entstehen viele Kritikpunkte an Ayton aus mangelnder Beobachtung und Verständnis der Gegebenheiten und taktischen Einflüsse, denen sich Ayton ausgesetzt sah.

Ayton ist mit 7'1'' und 250 Pfund kein normaler oder traditioneller Innenspieler, sondern verfügt über die Schnelligkeit, Sprungkraft und Wendigkeit bei schnellen Richtungs- und Tempowechseln, die viele Guards gerne hätten. ESPN Kommentator und Trendikone Bill Walton verglich Ayton in seiner Beweglichkeit immer mit einem Turner.

Am College war Ayton damit überdimensioniert und alleine von einem physischen Standpunkt aus jemand, der offensichtlich fehl am Platz war und schon in der vergangenen Saison problemlos in der NBA hätte spielen können. Und selbst unter den Profis wäre Ayton mit seinem monströsen Körper herausgestochen.

Auf dem Spielfeld nutzt er seine Ausmaße vor allem zum Rebound. 11,6 Abpraller pro Spiel sicherte sich der Big Man. Am offensiven Ende verbuchte er die zweitbeste Offensivreboundrate (13,5) aller Spotlight Prospects und nutzte sie entsprechend für Putbacks. Die Quote wäre vielleicht sogar noch höher ausgefallen, wenn Ayton mehr Zeit in Brettnähe verbracht hätte. Alleine bei Freiwurfboxouts wirkte es manchmal so, als würde ein akzelerierter U16 Spieler bei der U12 mitmischen.

Ansonsten konnte Ayton seine Urgewalt entweder bei Finishes nach Durchsteckern oder Lobpässen demonstrieren. Auch als Rimrunner ist Ayton eine Gefahr für die Transition Defense.


Ayton ist allerdings kein Brecher und Wühler, der seine Gegenspieler in jedem Angriff in den Boden stampft und sich wie eine Axt im Wald seinen Weg bahnt. Er versucht lieber, sich mit Skills und filigranen Eins-gegen-Eins-Bewegungen durchzusetzen. Das ruft zum Teil bereits Kritik hervor, da er seine physische Überlegenheit ungenutzt ließe.

In Teilen sind diese Bedenken nachzuvollziehen und zu bekräftigen. Tatsächlich ergreift den regelmäßigen Beobachter der Eindruck, dass Ayton in der vergangenen Saison zu sehr beweisen wollte, dass er Skills und ein Faceup Game hat (dazu später mehr), weswegen er statt Power Moves und Posterdunks eher mal einen Fadeaway aus vier Metern nach fünfsekündiger Beschäftigung mit Aufdrehen und Jabsteps nimmt.

Möglicherweise haben ihm Agenten und Trainer den Floh ins Ohr gesetzt, dass Bigs künftig nur dann in der NBA Erfolg haben, wenn sie trotz ihrer Größe mit der Fähigkeitenpalette eines Guards hantieren können. Diese subjektive Spekulation ließe sich dadurch befeuern, dass Ayton einst zu Protokoll gab, dass er sich Lauri Markkanens Spielweise aus der vergangenen Saison zum Vorbild nehmen wolle. Zwar war dieses Statement in erster Linie auf seine Rolle bei den Wildcats bezogen, doch auch langfristig scheint Ayton hieran Gefallen gefunden zu haben.

Das Problem an dieser Sichtweise ist einfach, dass die Existenz des Finnen maßgeblich von seinem Wurf abhängt, weil er physisch und athletisch nicht das aufbieten kann, was ein Ayton auffährt. Für Aytons Karriere wird es entscheidend sein, genau diesen Punkt zu verinnerlichen: Angesichts seines Zerstörungspotenzials als Brecher in der Zone wird jede Defense wunderbar mit Faceup Jumpern im Post leben können. Diese lösen für die Defense nicht den maximalen Schaden aus.

Ayton hat durchaus bewiesen, dass er über eine exzellente Fußarbeit verfügt, geschickte Postmoves besitzt und auch hier mit einer wahnsinnig guten Grundausbildung dominieren kann. Er muss es nur wollen. Ayton muss verstehen, dass die Defense erst beweisen muss, dass sie Lösungen für Aytons Physis finden kann.

Solange das nicht der Fall ist, muss Ayton die Zone eigentlich nach Belieben dominieren und die Defense zu einer Antwort zwingen. Erst wenn die Verteidigung ein Gegenmittel entwickelt, werden Jumper und Ballhandling interessant. Aytons Mindset und Aggressivität müssen sich in der Offensive verändern.


Gleichzeitig ist Ayton hier auch ein wenig in Schutz zu nehmen. Kein anderes Team dürfte in der vergangenen Saison so oft und lange einer Zonenverteidigung ins Gesicht gestarrt haben, wie die Wildcats. Aus Respekt vor Ayton verbarrikadierten sich die Gegner mit fünf Verteidigern in der eigenen Zone, sodass dort schlicht kein Platz für Aktionen war. Aytons Superkräfte können gegen fünf Verteidiger auf einmal dann doch nicht standhalten.

Selbst wenn der Gegner doch "nur" Mannverteidigung praktizierte, hieß das oft, dass Ayton im Postup aggressiv gedoppelt wurde und nicht mal ein Dribbling zur Verfügung hatte.

Arizona stand sich zudem selbst im Weg, weil sie pro Spiel jeweils zwischen 20 und 25 Minuten mit einer Lineup aufliefen, bei der Ayton der Power Forward war und ihm mit Dusan Ristic ein klassischer Brettcenter auf die Füße gestellt wurde. Durch das miese Spacing, blieb kein Platz für Aytons gewünschte Einzelaktionen.

Ein vierter Punkt, der Aytons Wirkungskreise beschnitt, war die miese Spielübersicht, Entscheidungsfindung und Passqualität seiner Mitspieler, die Ayton selbst dann nicht fanden, wenn er komplett frei stand.

Die folgende Sequenz zeigt die letzten drei Punkte in einem Angriff. Ayton ist als Roller für das Lobanspiel verfügbar, das jedoch nicht kommt. Gleichzeitig steht Ristic mitten in der Zone und im Weg. Und abschließend kommt das Doppeln, noch bevor Ayton überhaupt den Ball mit beiden Händen berührt. Anzumerken gilt noch, dass solche Angriffe pro Spiel ein gutes Dutzend mal zu sehen waren.


Gegen das Doppeln schlug sich Ayton mehr als beachtlich. Viele talentierte Bigs sind Doppeln schon aus früheren Zeiten gewohnt und haben gelernt, sich damit zu arrangieren. Ayton ist im Vergleich aber nochmals eine Stufe höher anzusiedeln.

Zunächst ist Ayton grundlegend sehr gut darin, die richtige Lösung zu erkennen und sie umzusetzen. Das bedeutet einerseits, dass Ayton eine gute Übersicht hat und zum anderen über ausgezeichnete Passskills verfügt. Seine Kanonenkugeln treffen Schützen auf der Weakside in ihre Wurftasche oder die Slasher beim Cut entlang der Baseline.

Auch für Ristic hatte Ayton immer wieder ein gutes Auge und die beiden profitierten beim Doppeln des jeweils Anderen durch dessen Durchstecker.

Aytons Besonderheit als Playmaker im Post liegt darin, dass er schon beim Ballerhalt direkt über die Schulter guckt und nach dem offenen Mitspieler sucht. Fast automatisch liest er die Situation richtig und kann aus mehreren Optionen die richtige wählen.

Wird Ayton von Schützen umringt, kann das eine sehr tödliche Kombination werden, zumal der Kickout aus dem Lowpost an die Dreierlinie einer der neuesten Trends in NBA Playbooks ist. Mit einer relativ hohen Assistrate (10,2) und einem guten Spielgefühl passt Ayton perfekt in das Profil des Passgebers.


Abseits der Dominanzproblematik, die sich mit NBA Coaching, Mitspielern und Spacing ein wenig entspannen wird, weist Ayton auch für das Faceup Game gute Anlagen und schon vorhandene Fähigkeiten auf. Sollte Ayton in einem ersten Lernprozess lernen, die Zone zu dominieren, könnte er anschließend in einem zweiten Schritt auch sein Spiel vom Perimeter verbessern.

Stand jetzt liebt Ayton zum Beispiel den Spinmove, bei dem von der Freiwurflinie mit einem Dribbling zur linken Hand startet und im Anschluss mit rechts finisht. Aytons Koordination, Tempowechsel und Ballgefühl sind für seine Statur beeindruckend und lassen darauf schließen, dass selbst koordinativ anspruchsvolle Bewegungen wie Euro-Steps mit genug Training Einzug in sein Repertoire finden.


Der oftmals angesprochene Wurf ist noch zwiespältig zu betrachten - nicht nur weil er Ayton möglicherweise von Zonenabschlüssen fernhält. Ayton hat auf jeden Fall ein weiches Handgelenk und sehr viel Touch. Das wird bei seinem Wurf auch offensichtlich.

Allerdings ist technisch noch einiges aus der Wurfmechanik herauszuholen. Ayton wirft sehr flach, da er den Wurfarm nach vorne und nicht nach oben streckt. Zudem wird er sich abtrainieren müssen, dass sein rechtes Bein in einem Ausfallschritt nach vorne wegknickt. Auch dadurch verliert Ayton an Balance und stört die Flugbahn des Wurfes.

Nichtsdestotrotz verwandelte Ayton von der Collegedreierlinie immerhin zwölf seiner 35 Wurfversuche und konnte auch seine Freiwürfe mit 73 Prozent einigermaßen sicher verwerten. Langfristig sollte Ayton als Schütze auf jeden Fall Stretch Potenzial besitzt. Bei den Wildcats zeigte er Anlagen eines Pick & Pop Dreiers.


Neben seinem Postupgame wird spannend zu beobachten sein, wie viel produktiver Ayton im Pick & Roll sein kann, wenn er das entsprechende Spacing und die dazu passenden Passgeber an seiner Seite weiß.

Ayton verfügt über gute Körperkontrolle und sichere Hände, weswegen er auch schwierige Anspiele verwerten kann. Dank seiner Größe sollte er ohnehin ein unverfehlbares Ziel darstellen. Deutliches Verbesserungspotenzial hat noch die Arbeit beim Screen.

Zwar sind Arizona Bigs traditionell nicht dafür bekannt, sich als Roller sonderlich geschickt anzustellen, doch gerade Ayton muss sich in dieser Hinsicht noch verbessern. Seine Screens lassen noch Härte und Präzision und seine Rollbewegung die notwendige Schnelligkeit vermissen. Daher wurde bei den Wildcats aus dem Roll auch meist ein Postup.


Ayton hat von allen Spielern im Draft vielleicht das größte Potenzial, ein Spiel offensiv nach Belieben dominieren zu können und sollte sich in dieser Hinsicht auch mit den besten der NBA messen. Athletische und körperliche Voraussetzungen sind selten bis einzigartig, werden mit großartigem Touch und viel Ballgefühl kombiniert und ergeben mit den vorhandenen Skills und Ansätzen sehr viel Potenzial für die Zukunft.

Künftige Coaches und Mitspieler werden Ayton vor allem eintrichtern müssen, dass er sich dominanter verhält und mehr Schaden in der Zone anrichtet. Gelingt das, kann er daran anknüpfend auch an seinem Perimeter Game weiterwerkeln.

In der Verteidigung musste Ayton die größte und vehementeste Kritik einstecken. Im Kern wird ihm vor allem vorgeworfen, dass er den Ring nicht gut genug beschützen würde, schlechte Instinkte aufweise und grundsätzlich nicht hart genug spielen würde.

Bevor diese Kritik aufgegriffen werden soll, ist zunächst wichtig festzustellen, dass Ayton grundsätzlich die notwendigen Voraussetzungen hat, um ein exzellenter Verteidiger in verschiedenen Bereichen des Spiels zu sein.

Seine Größe, die Spannweite von 7'5'' (die allerdings nicht offiziell bestätigt ist, grob jedoch stimmten sollte), die Beweglichkeit und Fußschnelligkeit in seitlichen Bewegungen und seine Muskelmasse sorgen dafür. Besonders die Länge sollte dafür sorgen, dass Ayton irgendwie Einfluss auf die Aktionen der Offense nehmen kann.

Dank seiner Reichweite kann Ayton auf der einen Seite am Perimeter viele Würfe erschweren oder gar blocken. Auf der anderen Seite ist Ayton der dominanteste Defensivrebounder des Jahrgangs. Das bestätigen nicht nur die Zahlen (mit Mo Bamba mit 28,2 Prozent die höchste Defensivreboundrate), sondern zeigen auch seine Aktionen auf dem Feld. Ayton lässt keinen Zweifel daran, wer sich die Bälle schnappt und arbeitet in diesem Bereich mit maschineller Effizienz. 


Die Anlagen sind also da, um den Ring beschützen zu können. Doch das macht sich zu selten im Spiel dann auch bemerkbar. Ayton wird nur dann als Rimprotector von der Helpside aktiv, wenn die Offense ihm genug Zeit gibt. Das bedeutet, dass Ayton unmittelbar vor dem Angreifer stehen müsste, damit er seine Länge auch wirklich einsetzt. Das ist erstens selten der Fall und zweitens tatsächlich ein zu schwacher Versuch, die Zone sauber zu halten.

In der ganzen Saison dürfte sich die Anzahl der Fälle, in denen Ayton in letzter Sekunde zwei Punkte durch einen spektakulären Block aus dem Hinterhalt verhindern konnte, im einstelligen Bereich bewegen. Und das ist keine Übertreibung. 

Gerade Guards hatten in der Zone der Wildcats viel zu leichtes Spiel und konnten zum Teil beliebig Layups versenken. Ayton fehlt ein wenig das Timing, das Shotblocker auszeichnet. Oft reagiert er zu spät oder gar nicht mehr auf Korblegerversuche des Gegners. Wenn er es doch mal probiert, was bereits ein Fortschritt ist, gibt er eine unglückliche Figur ab, weil er einfach eine geringe Erfolgsquote aufweist. Selbst Situationen, die für eine spektakuläre Abwehraktion wie gemacht erscheinen, lässt Ayton verstreichen.

Eine Blockpercentage von 6,1 Prozent liegt im Vergleich der anderen Bigs des Jahrgangs unterhalb des Durchschnitts. Zwar ist sie auch nicht gänzlich katastrophal, doch beileibe nicht das, was von Ayton angesichts seiner Größe und Athletik zu erwarten wäre. 

Ähnlich wie in der Offense fehlt einfach die Entschlossenheit, den Gegner komplett zu dominieren und den eigenen Dreisekundenbereich zur Sperrzone zu erklären. Hier ist die Kritik an Ayton absolut berechtigt und der junge Big Man muss daran arbeiten, seine Mentalität zu ändern. Eventuell muss er zusätzlich intensives Filmstudium betreiben, um aus seinen Fehlern zu lernen.


Zugleich gibt es aber auch einige Erklärungen für Aytons Blockschwäche und Anknüpfungspunkte, die Hoffnung für die Zukunft machen.

Zum ist darauf hinzuweisen, dass Ayton als Power Forward auflief, was auch hieß, dass er die gegnerischen Vierer verteidigen musste. In 95 Prozent der Fälle handelte es sich dabei um einen schussstarken Flügelspieler, den Ayton am Perimeter bewachen musste. Insofern war er oft entweder zu weit vom Korb entfernt, um Hilfen zu geben, oder war sogar selbst im Eins-gegen-Eins gefordert.

Gerade die Defense am Perimeter gegen Flügelspieler und Faceup Vierer war beeindruckend. Ayton konnte sich über sein Freshman Jahr enorm verbessern. Seine defensive Grundhaltung verbesserte sich und über die Saison entwickelte er etwas mehr Behaglichkeit an der Dreierlinie. Ayton hat die Fußarbeit und laterale Geschwindigkeit, um am Perimeter zu verteidigen.


In der Pick & Roll Defense hedgen die Wildcats traditionell unter Coach Miller, was im letzten Jahr jedoch nicht die cleverste Entscheidung war, da Ayton und Ristic sich weit vom Korb weglocken ließen. Bei Ristic wurde die fehlende Schnelligkeit zum Problem, Ayton fehlt mit seiner Länge dann in Zonennähe. Zudem hatten die Guards nicht genug Physis, um sich über Blöcke schnell herüberzukämpfen.

Insofern war diese Taktik für Ayton hilfreich, weil er ein Jahr lang Pick & Roll Prinzipien erlernen konnte. Auf der anderen Seite hatte er bei einem gut ausgeführten Pick & Roll meist nicht die Geistesgegenwart und Schnelligkeit, um wieder rechtzeitig das Anspiel zum abrollenden Gegenspieler zu unterbinden.

Bei Switches hinterließ Ayton einen gemischten Eindruck. Wie bereits in der Eins-gegen-Eins-Verteidigung offensichtlich wurde, kann Ayton dank guter Geschwindigkeit und Fußarbeit den durchschnittlichen College Guard vor sich halten. Je näher die Ballhandler jedoch der Athletik von NBA Spielern kamen, desto schlechter sah Ayton aus. Mit genug Training und Gewohnheit scheinen massive Fortschritte jedoch absolut möglich und machbar zu sein.

Fast wichtiger ist die Entwicklung der Pick & Pop Defense. Ayton wurde oft in solche Situationen verstrickt, weil gegnerische Coaches darauf hofften, dass Ayton damit überfordert sei und somit im schlechtesten Fall ein offener Dreier herausspringen würde. Tatsächlich hatte Ayton immer wieder Probleme damit zu erkennen, wann und wie lange er sich mit dem Ballhandler beschäftigen darf und wie er entsprechend mit seinem eigenen Gegenspieler zu verfahren hatte.

Allerdings erwies er sich auch teils während eines laufenden Spiels als lernfähig. Es passierte selten, dass er in einem Spiel den gleichen Fehler im Pick & Pop zwei Mal beging.


In der Teamdefense ist Ayton abseits seiner Schwäche als Rimprotector sicherlich zu gebrauchen. Besonders in Pick & Roll Situationen verrichtet Ayton sehr gute Arbeit, wenn es darum geht, den Blocksteller beim Roll zu bumpen und anschließend ein schnelles Closeouts zu laufen.
Zwar wird er in der NBA vermutlich selten in dieses Schicksal geraten, da er konsequent der Verteidiger des Blockstellers sein sollte. Dennoch ist die Fähigkeit, aus einer Rotation fließend in ein gutes Closeout über zu gehen, keine kleine und sollte sich in der NBA häufiger bezahlt machen.


Deandre Ayton ist ein riesiges Basketball Talent, das in der Draftnacht höchstwahrscheinlich an erster Stelle von den Phoenix Suns gezogen werden wird. Fakt ist jedoch auch, dass er mit Luka Doncic gewaltige Konkurrenz im Nacken sitzen hat und der europäische Star momentan der gerechtfertigte erste Pick des Drafts wäre.
Ayton polarisiert durchaus und lässt wegen seiner Spielweise unterschiedliche Bewertungen zu. Kritikpunkte wie seine fehlende Dominanz am Brett in der Offense, seine fehlende Rimprotection in der Defense und sein bisweilen stotternder Motor sind legitim.

Aus meiner Sicht ist es jedoch vor allem wichtig nachzuvollziehen, warum es bei Ayton hapert. Mögliche Erklärungen wurden sowohl für die offensiven (Spacing, Doppeln etc.) als auch defensiven (Defense am Perimeter) im Rahmen dieses Textes angeschnitten. Ob diese Einwände zulässig sind, werden die kommenden Jahre in der NBA zeigen.

Ayton muss auf jeden Fall lernen, das Spiel mit seinen Fähigkeiten und Voraussetzungen zu dominieren. Alles andere wäre doch irgendwo eine enttäuschende Entwicklung. Auch wenn eine solche Erwartungshaltung an einen jungen Spieler immer etwas unfair erscheint, zeugt sie zugleich davon, welches Potenzial Ayton in sich trägt. 

Während seines Jahres in Arizona konnte Ayton schon viele Fortschritte hinlegen, was die Lernfähigkeit des jungen Centers unterstreicht. Hierbei sollte auch im Hinterkopf behalten werden, dass Ayton kaum konstantes Coaching durch seine vielen Wechsel in seiner High School Zeit erhielt.

Ayton hat letztlich das Talent dazu, um in zehn Jahren als bester Spieler des Drafts hervorzugehen. Ob er diesen Status tatsächlich erreichen wird, bleibt abzuwarten. Dafür muss er wie bereits geschrieben sein Mindset ändern. Ob er dazu im Stande ist, lässt sich aus der Entfernung nicht beurteilen, weswegen sich eine Spekulation verbietet.

Im besten Fall wird Ayton ein ähnlich dominanter Insidespieler, wie es zuletzt vielleicht Dwight Howard oder Shaquielle O'Neale waren. Von einem rein körperlichen Standpunkt hat Ayton dazu die nötigen Anlagen. Allerdings müsste er dafür seine Persönlichkeit nahezu verändern, weswegen diese Vergleiche dann doch relativ schnell wieder zu verwerfen sind.

Aus den vergangenen Jahren wäre Karl-Anthony Towns der naheliegendste Artverwandte. Beide sind körperlich imposante Bigs, die dennoch mehr über Skills ihr Potenzial entfalten wollen als durch rohe Urgewalt. Ayton weist etwas mehr Potenzial als KAT zum damaligen Zeitpunkt auf. Ayton ist spielerisch besser als KAT im gleichen Alter war. Zudem ist er eine Spur athletischer und explosiver und kann defensiv deutlich mehr aufbieten, was Potenzial und derzeitigen Leistungsstand (Perimeter Defense!) angeht.

Kann Ayton nicht den Schalter umlegen und seine höchsten Level aktivieren, was trotz aller hoffnungsvollen Indizien nicht gänzlich auszuschließen ist, wäre Ayton immer noch ein Starter in der NBA. Er kann finishen, rebounden und vermutlich gut genug switchen und Pick & Rolls verteidigen, um nicht negativ aufzufallen. Damit könnte er vielleicht ein Level wie Nene erreichen, wobei Ayton deutlich größer ist.