18 Juni 2018

18. Juni, 2018



Willkommen bei unserer offiziellen Draft-Vorschau. Am 21. Juni geht für 60 brandneue NBA-Rookies ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der Association willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Spotlights.

von AXEL BABST @BabstMadness

Zu größerer Bekanntheit gelangte der Flügelspieler mit dem klangvollen Namen Donte DiVincenzo durch seine Performances im Rahmen des diesjährigen NCAA Final Fours. Speziell im Finale gegen Michigan zeigte DiVincenzo sein ganzes Können. Am Ende stand ein Karrierebestwert von 31 Punkten zu Buche, bei dem Freiwurfquote mit 60 Prozent niedriger ausfiel als Feldwurf- und Dreierbilanz.

Seine zwei Dreier Mitte der zweiten Halbzeit waren nicht nur rotzfrech, sondern brachen Michigan beim Versuch eines Comebacks das Genick. Vollkommen zurecht folgte die Auszeichnung zum "Most Outstanding Player" des Finalwochenendes.

Zwei Jahre zuvor war der Flügelspieler noch zum Zuschauen verdammt, da ihn eine Rückenoperation seiner Freshman Saison 2015/2016 beraubte. Stattdessen legte er ein Redshirt Jahr ein, kurierte sich aus und verfolgte aus nächste Nähe, wie Kris Jenkins seinen denkwürdigen Dreier im Netz versenkte.

Die Entwicklung des Wings seit diesem Wurf ist beachtlich. Stetig und mit sehr viel Konstanz arbeitete sich DiVincenzo vom Rotationsspieler zum sechsten Mann und schließlich zum sechsten Starter hoch, wie Coach Jay Wright seinen Edelscorer von der Bank gerne und nicht grundlos betitelte.

Besonders in der zweiten Saisonhälfte der vergangenen Spielzeit schien Donte von Woche zu Woche an Spielstärke zu gewinnen. Die Leistungen im NCAA Tournament (mit Ausnahme des West Virginia Spiels) bestätigten diesen Trend. Die Begehrlichkeiten der NBA Teams nahmen entsprechend zu und somit dürfte die Draftanmeldung nicht sonderlich überraschend gewesen sein.


Die wichtigste Qualität des MOPs ist seine Stärke aus der Distanz. 40,1 Prozent sind eine beachtliche Quote. Mit 85 Treffern belegt er zudem den vierten Platz unter den Spotlight Talenten - hinter seinen Teamkollegen Mikal Bridges und Jalen Brunson.

Umso beachtlicher wird seine Quote dadurch, dass er bei einem gehörigen Prozentsatz seiner Würfe und Treffer schon die NBA Reichweite auslotete. DiVincenzos Wurf ist sehr nah am Lehrbuch orientiert und bietet kaum Angriffsfläche für Kritik.

Er bereitet seinen Wurf schnell vor, kann auch aus Handoffs oder aus dem Dribbling hochsteigen. Sein Catch & Shoot Jumper sieht hervorragend aus, da er immer in Balance ist und den Ball schnell verarbeitet. Die Konstanz der technischen Ausführung ist ebenfalls eindrucksvoll.


Selbst im Eins-gegen-Eins lebt "The Big Ragu" -  TV Kommentator Gus Johnson kombinierte bei diesem Spitznamen die italenienische Herkunft des Schützen mit dessen knallroten Haaren - von seinem formschönen Jumper.

Sein Pull-up war am College von kaum einem Bewacher zu verhindern. DiVincenzo hat ein gutes Gespür dafür, wann er den entscheidenden Kontakt mit dem Verteidiger kreiert hat und diesen in Sicherheit eines Drives bis in die Zone wiegt. In genau diesem Moment macht DiVincenzo dann häufig einen oder zwei große Schritte nach hinten und steigt hoch. 

Beeindruckend ist hierbei einerseits, wie ausbalanciert und kontrolliert die Körperhaltung des Flügelspielers trotz des plötzlichen Rückstoßes bleibt. Zum anderen kann DiVincenzo aus und mittels verschiedenen Dribblings in seine Stepbackbewegung fließend übergehen: Crossover durch die Beine, Crossover vor dem Körper oder normaler Stepback wechseln sich ab.

Mit Hinblick auf die NBA gilt abzuwarten, ob DiVincenzo genug Abstand zwischen sich und seinen Gegenspieler bringen kann oder eventuell seinen Bewegungsablauf beschleunigen muss, um angesichts seiner geringen Körpergröße von gerade mal 6'4.5'' den Wurf auf die Reise schicken zu können.


Obwohl der Michael Jordan von Delaware ein ausgezeichneter Athlet mit viel Sprunggewalt in den Waden ist, verfügt er nicht über den explosivsten ersten Schritt und ist nicht der schnellste bei kleinen Bewegungen und auf kurze Distanzen. 

Dadurch ist DiVincenzo in seinem Eins-gegen-Eins vom Wurf abhängig und zieht eigentlich nur dann zum Korb, wenn er aus Closeouts attackiert. Das könnte er künftig ruhig öfter machen, da die Defense seinen Dreier respektieren muss und er als Villanova Alumni diverse Kurse mit Schwerpunkt Wurftäuschung absolvieren durfte. Dank seiner Sprungkraft und Oberkörperkraft sollte Donte auch als Finisher überzeugen können.

Im reinen Eins-gegen-Eins ist der Rotschopf niemand, der viele Isolations bekommen sollte oder die Wurfkreation für sich und seine Nebenleute übernehmen kann. Ballhandling, erster Schritt und Kreativität sind hierfür einfach nicht ausreichend. Zudem schafft es der Wing nicht, seine Schultern unter die Hüfte des Verteidigers zu schieben, wodurch er im Falles der Penetration abgedrängt wird.


Ähnlich den Eins-gegen-Eins-Situationen ist DiVincenzo auch als Ballhandler im Pick & Roll niemand der dem Spiel seinen Stempel aufdrücken kann. Immerhin ist er in der Lage, leichte Fehler der Verteidigung zu bestrafen. Arbeitet er an seinem Ballhandling und wird er in diesem Bereich gefördert, könnte der Redshirt Sophomore sich in diesem Spielbereich noch deutlich steigern.

Gerade als Passgeber schlummert möglicherweise noch unangetastetes Potenzial im Shooting Guard. Bei Villanova war DiVincenzo maximal dritter Ballhandler hinter Bridges und Brunson und bekam entsprechend selten das Leder im Blocken-und-Abrollen, das in Novas System eh meist nur zur Erzeugung von Paint Touches für Kickout Dreier genutzt wurde.

Grundsätzlich verfügt DiVincenzo aber zumindest über die Spielübersicht und den Blick für die Defense, um gute Pässe zu spielen (dritthöchste Assistrate aller Spotlight Wings). Stand jetzt fehlen einfach Routine, Überzeugung und technische Fertigkeiten. Dinge, die sich mit viel Training und noch mehr Wiederholungen in Training und Spiel bis zu einem gewissen Grad erlernen lassen. Ob er jedoch jemals ein passables NBA Niveau erreichen kann, ist sehr zu hinterfragen.


DiVincenzo besitzt offensiv also mindestens Rollenspieler Potenzial durch seinen sicheren Wurf aus der Distanz. Je nach dem wie viel Vertrauen sein kommender Arbeitgeber in ihn steckt und was dieser investiert oder mit seiner Errungenschaft für die Zukunft plant, könnte DiVincenzo mittelfristig auch mal ein Pick & Roll laufen.

In der Verteidigung wird der Umstieg auf die NBA etwas schwerer fallen, sollte dem Flügelspieler aber letztlich gelingen. Knifflig wird vor allem die Eins-gegen-Eins-Verteidigung der Wildkatze werden.

Die beste Figur gab DiVincenzo dann ab, wenn er einen größeren Gegenspieler mit seiner Kraft im Oberkörper aus der Zone halten konnte oder schwierige und ineffiziente Abschlüsse provozierte, indem er sich einfach nicht abschütteln ließ.

Hin und wieder wurde allerdings offensichtlich, dass DiVincenzo ein wenig die Schnelligkeit auf den Füßen fehlen könnte, um NBA Guards vor sich zu halten. Äquivalent zur Offense fehlt DiVincenzo die Power im ersten Schritt, weswegen er hier zum Teil deutlich das Nachsehen hat. Läuft er dann seine Closeouts auch noch unsauber oder fällt auf Fakes herein, wird es schwierig für ihn, sein Matchup vor sich zu halten.


Die Bewertung der Pick & Roll Verteidigung fällt nicht einfach aus, da Villanova als Team viel switchen ließ und somit kaum traditionelle Pick & Roll Varianten auspacken musste. Damit legen die Wildcats voll im Trend der NBA und könnten ihren Spielern einen leichteren Übergang in die Profiliga erlauben.

Für DiVincenzo ist diese Verteidigungsvariante auf jeden Fall wie geschaffen. Der Flügelspieler kann auch hier wieder demonstrieren, was für ein Kraftpaket er ist und wie schwierig er es größeren Gegenspielern machen kann. College Bigs waren mit ihrem neuen Matchup meist überfordert und konnten sich selten gute Abschlüsse erarbeiten.

In konventionelleren Verteidigungsprinzipien weist DiVincenzo aufgrund seiner geringen Größe für einen Flügelspieler die Gefahr auf, dass er in Blöcken hängen bleibt oder den Pull-up des Ballhandlers nicht erschweren kann.


Am cleversten stellt sich DiVincenzo in der Teamdefense an. Sicherlich ist das auch Verdienst der meisterlichen Villanova Defense, doch der Flügelspieler bewies auch seinerseits, dass er ein überaus cleverer Basketballer ist. 

Er besitzt ein gutes Gespür für den Moment, in dem er eine Hilfe geben muss und hält dann ohne mit der Wimper zu zucken Körper und Knochen hin. Mit vollem Einsatz nimmt er Offensivfouls an, blockt gegnerische Wurfversuche oder erschwert diese, indem er mit ausgestreckten Armen aus dem Nichts angeflogen kommt.


Mit Blick auf seine NBA Zukunft lässt sich Donte DiVincenzo also in erster Linie als klassischer 3-and-D-Kandidat deklarieren, wobei die Defense hier insofern mit einem Sternchen zu versehen ist, als er den Beweis guter Eins-gegen-Eins-Verteidigung gegen NBA Athleten erst noch antreten muss.

Alleine seine Wurfqualitäten werden jedoch dafür sorgen, dass er auf jeden Fall in einem NBA Kader landet und mittelfristig auch einen Spot in irgendeiner Rotation ergattern wird. Perspektivisch könnte in DiVincenzo sogar noch Playmaking Potenzial stecken, das bei guter und gezielter Förderung freigelegt wird.

Tritt dieser Fall tatsächlich ein und kann sich DiVincenzo als Ballhandler im Pick & Roll auf ein solides Level entwickeln, das ihn zumindest als Passgeber gut dastehen lässt, wäre Bogdan Bogdanovic ein Spielertyp, nach dem sich der rothaarige Italo-Amerikaner richten könnte.

Der Serbe ist jedoch gerade im Blocken-und-Abrollen schon so großartig, dass es für den angehenden Rookie utopisch sein wird, dessen wahrhaftiges Niveau zu erreichen. Doch zumindest in ihrer Spielweise könnten sich die beiden angleichen.

Aus heutiger Sicht ist diese Idee nicht mehr als ein Gedankenspiel, das sich als wenig rentabel und zielgerichtet erweisen könnte. Dennoch sollte diese Facette nicht gänzlich außer Acht gelassen werden.

Bleibt DiVincenzo hingegen der Shooter mit der ordentlichen Sprungkraft wäre er eine abgeänderte Version von Pat Connaughton, wobei DiVincenzo der deutlich bessere und konstantere Schütze ist.