19 Juni 2018

19. Juni, 2018



Willkommen bei unserer offiziellen Draft-Vorschau. Am 21. Juni geht für 60 brandneue NBA-Rookies ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der Association willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Spotlights.

von AXEL BABST @BabstMadness

Im vergangenen Sommer ging eine Ära zu Ende, als Thad Matta unter unglücklich anmutenden Umständen seinen Posten als Trainer der Ohio State University räumen musste. Anhaltende gesundheitliche Probleme ließen es nicht zu, dass der Erfolgstrainer sein Amt weiter ausführen konnte.

In den letzten zwei Saisons seiner Regide misslang jeweils die Qualifikation zum NCAA Tournament und entsprechend gering waren die Erwartungen vor der letzten Saison mit einem neuen Trainer. Doch Chris Holtmann führte die Buckeyes zurück in die Spitzengruppe der Big Ten und in den Big Dance.

Daran hatte auch Keita Bates-Diop maßgeblich Anteil. Einst als hochdekorierter Freshman auf dem Campus gelandet, blieb Bates-Diop in seinen ersten drei Jahren hinter den Erwartungen zurück. Als Freshman nur marginal Rotationsspieler, steigerte er sich als Sophomore und musste dann aber in seiner dritten Saison frühzeitig sein Redshirt Jahr nutzen, um sich einer Operation unterziehen zu lassen.

In der vergangenen Saison gelang schließlich der Durchbruch des Forwards. Als erste Option im Angriff, um die sich jedr Ballbesitz drehte, sorgte er mit seinem Scoring dafür, dass die Buckeyes 25 Siege einfahren konnten.

Für NBA Teams ist Bates-Diop vor allem wegen seiner Schussqualitäten interessant. Auch wenn sich seine Quote von 35,9 Prozent aus der Distanz zunächst nicht sonderlich eindrucksvoll liest, ist der ehemalige Buckeye sicher einer der besseren Schützen des Drafts - gerade auf den größeren Positionen.


Insgesamt 66 Dreier traf Bates-Diop in der abgelaufenen Saison aus teils sehr unterschiedlichen Lagen und Situationen. Im Catch & Shoot ist der Stretch Vierer eine relativ verlässliche Option. Gleichzeitig bewies er aber auch, dass er aus der Bewegung heraus seine Füße ordnen und in Schussposition bringen kann.

Dank seiner Spannweite - dazu später mehr - ist es Bates-Diop zudem gewohnt, dass er über einen Verteidiger, der ihm wenig Luft zum Atmen lässt, einfach hinwegwirft. Durch seinen hohen Releasepunkt und seine langen Arme gleicht er seine langsame Wurfbewegung aus.


Besonders gerne erhält Bates-Diop den Ball zwischen Zonenrand und Dreierlinie in Form einer Mischung aus Postup und Eins-gegen-Eins im Faceup. Sein Turnaround Jumper ist in der Regel nicht zu verteidigen und gehört allein vom Schwierigkeitsgrad her in die NBA.

Auch wenn dieser Abschluss sicherlich nicht die höchstmögliche Effizienz aufweist, könnte er gerade als überlebenswichtige Waffe dienen, wenn die Verteidigung Pick & Pops gegen Bates-Diop einfach switcht. Der Forward kann somit die Übernahme durch einen kleineren Gegenspieler konstant sanktionieren.

Am College war Bates-Diop daher ein wandelndes Mismatch: Bigs waren zu langsam, um seine Dreier zu verteidigen, und über kleinere Guards oder Flügelspieler konnte er drüberwerfen.


Im Eins-gegen-Eins von der Dreierlinie aus sollte Bates-Diop gerade in der NBA möglichst wenig Verantwortung erhalten. Auch wenn seine Schrittlänge und sein Touch grundsätzlich ausreichen, um Closeouts zu attackieren, fehlt ihm gegen gute Verteidiger das notwendige Skillset.

Das Ballhandling entspricht eher dem eines klassischen Power Forwards. Bates-Diop dribbelt den Ball sehr hoch, hat Problem ihn zu kontrollieren und wird dadurch in der Regel verlangsamt.

Auch wenn dadurch nicht zwangsläufig direkte Fehler entstehen - Bates-Diops Turnoverrate von 9,5 Prozent ist die zweitniedrigste aller Spotlight Prospects trotz einer relativ hohen Usagerate (29,4) -, ist die Wahrscheinlichkeit einer Vorteilsbeschaffung ebenfalls nur sehr niedrig.


Neben den Wurfqualitäten und Fähigkeiten als Scorer gegen Mismatches, kann Bates-Diop auch immer wieder Punkte durch seine Länge ergaunern. Mit einer astronomischen Spannweite von über 7'3'' ist Bates-Diop trotz mangelnder Athletik und wenig Masse immer wieder ein geeignetes Ziel für Lobpässe in die Zone.

Bates-Diop kann Anspiele fangen und verwerten, die für die Verteidigung selbst im Optimalfall kaum zu verhindern sind.


Bates-Diop liefert in der Offensive also ein interessantes Paket ab, das ihn als klaren Rollenspieler charakterisiert. Der Redshirt Junior ist ein Stretch Vierer, der seinen Verteidiger aus der Zone ziehen und eine absinkende Verteidigung bestrafen kann. Wegen seiner Länge und seiner Scoringinstinkte ist er auch am Zonenrand per Lobpass oder gegen Mismatches gut zu erreichen.

In der Verteidigung besitzt der Forward ebenfalls die Anlagen, um ihm zumindest ein solides Niveau zu ermöglichen.

Auch hier ist natürlich die Länge von KBD ein wichtiges Tool. Deflections, Steals und Blocks sind allesamt mögliche Resultate der Aktivität seiner Krakenarme. Auch wenn die tatsächlichen Stealwerte maximal durchschnittlich im Vergleich zu anderen Spielern seiner Position und Statur zu werten sind, wird er zumindest viele Passwinkel verschlechtern und tödliche Pässe abfälschen.

Als Shotblocker besitzt Bates-Diop ordentliches Timing. Zudem weiß er einfach um seine Spannweite und lockt den Angreifer blind in seine Arme. Eine Blockrate von 5,9 Prozent wäre der Topwert bei einer Zuordnung zu den Wings und selbst im Vergleich zu den reinen Bigs der Draftclass ein beachtlicher Wert (besser als Marvin Bagley III, knapp schlechter als DeAndre Ayton).

Ein weiterer netter Nebeneffekt seiner Reichweite, der oft übersehen wird, aber durchaus spielentscheidende Szenen beeinflussen kann, ist seine Fähigkeit zum Defensivrebound zu gehen. Oft schnappt er sich Bälle aus der Luft und seinem Gegenspieler vor der Nase weg, die so eigentlich kaum zu sichern wären.


In der Eins-gegen-Eins-Verteidigung hat Bates-Diop die größten Defizite. Er ist nicht der schnellste oder explosivste Spieler auf den Beinen, sondern überzeugt vor allem durch runde Bewegungen. In der Defense bringt ihm das allerdings wenig, da er oft beim ersten Schritt das Nachsehen hat. 

Der hohe Körperschwerpunkt und die fehlende Stabilität im Rumpfbereich sind weitere Problemherde. Seine Länge rettet ihn bisweilen, ist aber auch nur in begrenztem Ausmaß belastbar.


Deutlich besser als im direkten Eins-gegen-Eins präsentiert sich Bates-Diop in der Regel in der Pick & Roll Defense. Hierbei glänzt der Forward durch seine Fähigkeit zum Switch. Er findet eine gute Mischung aus Abstand und Contest beim Wurf, weshalb Guards fast nie einen offenen Wurf gegen ihn kreieren können.

Neben Switch Defense kann Bates-Diop auch durchaus mal aggressivere Varianten einstreuen und dem Ballhandler gehörig auf die Finger klopfen. Doch selbst bei klassischeren Varianten wie der Flat Defense beweist Bates-Diop immer ein gutes Gespür für Abstände und Timing.


Im vergangenen Jahr war der Spielertyp des Stretch Vierers in der zweiten Hälfte der ersten Runde des Drafts eine beliebte Wahl. D.J. Wilson, Tyler Lydon, T.J. Leaf und Kyle Kuzma gingen alle zwischen dem 17. und 27. Pick über die Ladentheke.

Durch die sensationelle Rookie Saison von Kuzma und die Trends in den NBA Playoffs zu hemmungsloser Switcherei dürfte die Gier der NBA Verantwortlichen nach genau solchen Spielern noch nicht gestillt sein.

Interessanterweise gibt es im diesjährigen Draft kaum solche Spieler und nur Keita Bates-Diop passt in diese Aufzählung hinein. Während Jaren Jackson Jr. eines der größten Talente des Drafts ist, sind andere Stretch Bigs wie Moe Wagner oder Omari Spellman eher Stretch Fünfer als schussstarke Vierer.

Insofern dürfte Bates-Diop als Nutznießer spätestens gegen Ende der ersten Runde nicht mehr zur Verfügung stehen und gezogen worden sein. Im Bestfall erinnert er an einen gereiften Darius Miller. Guter Wurf, lange Arme, stets kontrolliert, aber körperlich nicht auf dem obersten Level könnte sich Bates-Diop dann seinen Spots als Rotationsspieler oder gar sechster oder siebter Mann eines ambitionierten Teams erspielen.

Die Frage ist jedoch, wie gut Bates-Diop tatsächlich seine Dreier einnetzen kann. Quote und Konstanz der Technik lassen Fragezeichen zu. Auch die fehlende körperliche Robustheit sowie die Abhängigkeit vom Wurf im Angriff sind potenzielle Gefahrenbereiche. Das ruft Erinnerungen an Austin Dayes frühzeitiges Karriereende in der NBA hervor.