18 Juni 2018

18. Juni, 2018


Willkommen bei unserer offiziellen Draft-Vorschau. Am 21. Juni geht für 60 brandneue NBA-Rookies ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der Association willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Spotlights.

von AXEL BABST @BabstMadness

Guards von der Wichita State University waren in den vergangenen Jahren durchaus erfolgreich in der NBA unterwegs und konnten sich trotz anders lautender Prognosen in den Kadern und teilweise auch der Rotation von NBA Teams festsetzen.

Daher liegt es irgendwie nah, Ähnliches von Landry Shamet zu erwarten, auch wenn dieser unter ganz anderen Voraussetzungen in die Profiliga wechselt als seine Vorgänger und sich auch als Spielertyp deutlich anders definiert.

Im Gegensatz zu Fred VanVleet und Ron Baker, die erst als hochdekorierte Seniors den Campus verließen und als Galionsfiguren für den Aufstieg der Shockers vom gefährlichen Mid-Major zum legitimen Final Four Contender betrachtet werden können, erfuhr Shamet schon früh in seiner Karriere Anerkennung von Scouts.

Bereits nach der Saison 2016/2017 als Redshirt Freshman - seine ursprüngliche Freshman Saison endete frühzeitig aufgrund einer Stressfraktur im Fuß - erweckte Shamet Begehrlichkeiten. Vor gut einem Jahr hätte er fast mit einem Wurf in letzter Sekunde Kentucky um De'Aaron Fox aus dem NCAA Tournament ausscheiden lassen.

In die abgelaufenen Saison starteten die Shockers mit hohen Erwartungen, konnten aber ihre Defense im Laufe der Saison nicht auf Kurs bringen und wurden im Big Dance Opfer eines Upset gegen Underdog Marshall.

Shamet selbst nutzte das Jahr auch weniger als erhofft, weist aber nach wie vor Stärken auf, die ihn für die NBA interessant machen. Der beste Trumpf im Ärmel des Aufbauspielers ist sein sicherer Distanzwurf. Shamet traf als Sophomore 44,2 Prozent seiner Dreier - der Topwert unter allen Spotlight Prospects, sofern Zhaire Smiths Quote aufgrund der mittelprächtigen bis geringen Stichprobengröße (nur 40 Versuche) außen vor gelassen wird.


Shamet versenkte 84 Dreier in der letzten Spielzeit. In seinem Scoring war der Shocker in höchstem Maße von seinem Dreier abhängig: Über 60 Prozent seiner Wurfversuche aus dem Feld nahm er hinter der College Dreierlinie. Auch dies ist der höchste Wert unter allen Spotlight Prospects.

Rein technisch gibt es wenig Anlass zur Sorge. Shamet sollte auch in der NBA gute Quoten werfen können: Dank seiner guten Fußarbeit und einer flüssigen Bewegung ist Shamet ein ausgewiesener Schütze, der zudem auch unter Bedrängnis hochprozentig wirft.

Pull-ups und Stepbacks gehören in sein Repertoire. Durch seine Größe, dem damit verbundenen hohen Abwurfpunkt und der Schnelligkeit der Wurfbewegung ist Shamet für Schüsse über lästige Verteidiger bestens präpariert.


Sehr offensichtlich wird die Präferenz für den Sprungwurf auch bei Betrachtung der Transition Abschlüsse des groß gewachsenen Guards. Zwar kann er auch mal zum Korb ziehen und in Brettnähe vollstrecken, doch den Pull-up Dreier aus vollem Tempo in perfekter Balance beherrscht Shamet spielend.


Abseits seiner Schussqualitäten ist Shamet jedoch nur bedingt in der Lage, als Scorer in Erscheinung zu treten. Die Shockers Offense insgesamt beruht auf konstanter Bewegung aller vier Außenspieler mit diversen indirekten Blöcken.

Shamet konnte im Rahmen dieser bewegungslastigen Teamoffense sein gutes Gespür für Cuts zur Schau stellen, das es ihm ermöglicht, auch und gerade abseits des Balls für Gefahr für die Defense zu sorgen - eine wichtige Qualität hinsichtlich seiner NBA Zukunft.


Wird Shamet hingegen zum Eins-gegen-Eins gezwungen zeigt sich schnell, dass Shamet kein Spieler ist, der sich ohne weiteres einen hochprozentigen Wurf selbst erarbeiten kann.
Trotz seines Gardemaßes von über 6'5'' für einen Aufbauspieler ist Shamet niemand, der sich in der Zone wohlfühlt und um jeden Preis dorthin gelangen möchte. 

Shamet verfügt nicht über die notwendige Explosivität, die es bräuchte, um an seinen Bewachern vorbei sausen zu können. Meist versucht er es mit einer kurzen Hesitation, bei der Ball gefährlich lange auf der Handfläche ruht, die aber auch nur selten von Erfolg gekrönt ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass Shamet bei seinen Drives auch nicht die Geschwindigkeit aufbauen kann, um über Ringniveau finishen zu können. Meist wird er von der Helpside trotz seiner Größe gepflückt.


Als Gestalter für seine Mitspieler fühlt sich Shamet hingegen sichtlich wohler. Gute Spielübersicht, Geduld und das geschickte Ausnutzen seiner Größe sind die ausschlaggebenden Parameter für seinen Erfolg als Ballverteiler.

Die Assistrate von 28,8 Prozent ist die vierthöchste aller Spotlight Prospects. Über fünf Mal pro Partie war Shamet direkter Vorbereiter beim Korberfolg eines Mitspielers.


Wesentlich wirksamer als das Eins-gegen-Eins sind Shamets Drives aus dem Pick & Roll. Durch gute Screens, die er bei Wichita State von Koloss Shaq Morris erhielt, kann er sich dann doch mal mittels seiner enormen Schrittlänge einen Weg zum Korb bahnen.

Je mehr Platz Shamet zum Anlaufnehmen hat, desto besser ist das Resultat in der Regel. Dennoch fehlt Shamet oft die Fähigkeit zum Finish über Ringniveau, um seine Punkte erzielen zu können.

Finisht Shamet nicht selbst, beweist er sein gutes Auge. Er kann sowohl den einfachen Pass zum Roller spielen als auch mal den Schützen an der Dreierlinie finden.

Allerdings sollten von Shamet keine Wunderdinge erwartet werden. Ihm geht ein wenig die Kreativität anderer Guards und Wings dieser Draftclass abhanden, wenn es darum geht Punkte für sich oder seine Teamkollegen zu generieren.


Offensiv ist Shamet also in erster Linie auf seinen Wurf beschränkt. Zudem ist seine Entscheidungsfindung solide und als Passgeber kann er durchaus mal den freien Nebenmann bedienen. Allerdings ist er niemand, der durch kraftvolle Drives und durchsetzungsstarke Finishes in Erscheinung treten wird.

Damit bietet sich Shamet als Rollenspieler in der NBA für die Nische des 3-and-D-Typs an. Tatsächlich kann er defensiv durchaus einen Mehrwert für ein NBA Team darstellen.
Während Shamet im Angriff mit seinem Gardemaß für einen Aufbauspieler relativ wenig anfangen kann, ist er dafür defensiv umso geschickter, wenn es darum geht, mal einen Wurf aus dem Hinterhalt zu blocken oder einen optimistischen Pass zu ersprinten.


Auf Eins-gegen-Eins-Situationen übertragen glänzt Shamet mit seiner Größe besonders bei Closeouts. Shamet findet meist einen guten Abstand, mittels dessen er einerseits einen möglichen Wurf erschweren kann, andererseits aber auch den Drive in die Zone unterbindet.

Versuchen seine Matchups dennoch den Zug zum Korb, stoppt der Wichita State Guard die Angreifer vor der Zone und forciert mit seiner Größe einen schwierigen Fadeaway. Grundsätzlich wird bei den Closeouts auch offenkundig, dass Shamet über eine solide Fußarbeit verfügt und gerade in seitlichen Bewegungen das Potenzial besitzt, Schritt mit seinem Gegner halten zu können.


Die gute Fußarbeit ist auch integraler Bestandteil der Pick & Roll Defense. Weiß Shamet früh genug, dass ein Block kommt, treibt er den Ballhandler genau dorthin, wo er ihn haben möchte und ist auch willens, sich über einen Block zu kämpfen, um die Verfolgung aufzunehmen. 

Die Kombination aus guter Fußarbeit und Körpergröße führt dazu, dass seine Gegenspieler meist nur sehr kurz einen Vorteil genießen, sofern dieser überhaupt entsteht. Zwar ist Switchen momentan weiter verbreitet in der NBA als andere Verteidigungsvarianten, die das Bekämpfen des Blocks erfordern, doch Shamets Fähigkeit ist dennoch von Nutzen.

Kritisch wird es, wenn Shamet nicht genügend Zeit zur Vorbereitung erhält und direkt vom Block getroffen wird. Hier fehlt ihm die Masse, um in Reichweite zu bleiben und den Effekt des Screens zu schmälern.


Landry Shamet ist einer der besten 3-and-D-Spieler des kommenden Draftjahrgangs. Shamets Wurf gehört zu den besten seiner Zunft - nicht nur in Anbetracht der beachtlichen Quote. In der Verteidigung macht Shamet schon jetzt vieles richtig und profitiert von der Ausbildung durch Verteidigungsfanatiker Gregg Marshall, der seinem Lehrling über die vergangenen zwei Jahre jede Menge Lektionen eintrichterte.

Gleichzeitig ist doch zu bezweifeln, dass Shamet jemals über den Status eines Rollenspielers hinauskommen kann. Das ist sicher keine Schande und bietet auch die Chance eines klaren und begehrten Profils, das NBA GMs zum Zugreifen verleiten sollte.

Dennoch ist Shamets Upside einfach limitiert. Athletisch, physisch und als Ballhandler sind keine großen Entwicklungssprünge mehr zu erwarten. Dafür zeigte Shamet in den vergangenen Jahren nicht genügend Anhaltspunkte, um dieser Aussage stichhaltige Gegenargumente entgegenhalten zu können. 

Im Bestfall könnte Shamet als eine größere Version von Kirk Hinrich eine länger währende NBA Karriere ohne große Glorie abliefern, sich dafür aber vielleicht zehn Jahre Spots in der Rotation verschiedener NBA Teams ergattern. Im schlechtesten Fall wird Shamet offensiv nicht genug abliefern können, um als Rotationsspieler auf dem Court zu stehen und das am defensiven Ende nicht entsprechend aufwiegen. Eric Maynor wäre hier ein naheliegender Vergleich.