21 Juni 2018

21. Juni, 2018


Willkommen bei unserer offiziellen Draft-Vorschau. Am 21. Juni geht für 60 brandneue NBA-Rookies ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der Association willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Spotlights.

von AXEL BABST @BabstMadness

Luka Doncic kann nicht nur sehr gut Basketball spielen, sondern besitzt auch ein Talent für Timing und Dramaturgie. Gut zweieinhalb Minuten vor dem Ende des vierten Finalspiels in der ACB führt Real Madrid mit drei Punkten beim Herausforderer Baskonia. Zu diesem Zeitpunkt hat Doncic nur drei Zähler auf dem Konto und das Spiel wurde bis dahin eher von Härte und Hitzigkeit geprägt.

Baskonia, 1-2 im Rückstand liegend, ist gerade im Rahmen eines letzten Aufbäumens dabei, eine Aufholjagd starten zu wollen. Die Shotclock läuft runter, der Ball landet in Doncics Händen und mit einem einbeinigen Fadeaway in der letzten Millisekunden des Angriffs trifft Doncic den Dagger zur Meisterschaft.

Doncic krönte mit der Meisterschaft zehn überaus erfolgreiche Monate, die ein einzelner Spieler in Europa so wahrscheinlich noch nicht akkumulieren konnte. Europameister mit Slowenien im September, Euroleaguesieger, Euroleague MVP, Euroleague Final Four MVP und Spanischer Meister darf sich Doncic mittlerweile nennen.

Das Talent für Dramaturgie bewies Doncic mit seinem vermutlich letzten Wurf für eine europäische Vereinsmannschaft. Wenige Stunden nachdem das Video dieses Wurfes in den USA viral ging und auch die Kritiker und GMs nach und nach erreicht haben sollte, bestieg Doncic dann auch schon das Flugzeug über den Atlantik, um den Draft im Greenroom erleben zu können, womit auch sein Timing mal wieder perfekt war.

Es ist kaum zu glauben, dass Doncic wirklich erst 19 Jahre alt ist und dabei schon solche Erfolge verbuchen konnte. Gleichzeitig stieg dem Medienecho nach zu urteilen die Kritik an Doncic und in den Mockdrafts, deren Aussagekraft mit Vorsicht zu genießen ist, rutschte der Slowene plötzlich ab. Dabei war zum Beispiel Vlade Divac in der Halbfinalserie der ACB gegen Gran Canaria noch selbst in der Halle, um sich einen Eindruck von Doncic zu verschaffen.


Die Kritik an Doncic fußt vor allem auf der relativ weit verbreiteten Ansicht, dass Doncic nicht athletisch genug sei, um in der NBA ein zukünftiger All-Star sein zu können. Besonders im Eins-gegen-Eins in der Offense limitiere ihn die mangelnde Explosivität im ersten Schritt, weswegen er sich nicht verlässlich einen eigenen Wurf kreieren könne.

In Teilen ist diese Kritik nachvollziehbar und sicherlich auch angebracht. Es ist zunächst sinnvoll die Unterscheidung zu treffen, ob Doncic wirklich im reinen Eins-gegen-Eins zum Korb ziehen soll oder eine Vorteilssituation wie ein Closeout auskosten kann.

Im reinen Eins-gegen-Eins, bei dem Doncic durch Ballhandling oder ersten Schritt seinen Gegenspieler so schlagen soll, dass er am Ende einen Abschluss in der Zone oder deren Nähe herausbekommt, hat Doncic Probleme.

Nur unter bestimmten Voraussetzungen gelangt Doncic in die Zone. Eine Möglichkeit besteht für Doncic darin, mit Hesitations und Tempoverzögerungen zu arbeiten. Davon macht er auch oft Gebrauch und kann durchaus erfolgreich sein. Das Problem ist jedoch, dass die meisten Gegenspieler darauf gut vorbereitet sind.

Als Aufbauspieler konnte Doncic in seiner Anfangszeit seine Größenvorteile nutzen, da er mit über zwei Metern Körpergröße eigentlich immer seinem Matchup in dieser Hinsicht überlegen war. Nach und nach fingen Teams jedoch an, ihre beste und vielseitigsten Verteidiger gegen Doncic zu stellen, was den Vorteil seiner Körpergröße negierte, da es sich bei den Bewachern meist um Flügelspieler handelte.

Gegen die nun größeren und auch athletischeren Gegenspieler hatte Doncic seine Probleme, die sich auch kaum verneinen lassen. Der erste Schritt des Euroleague MVPs ist nicht sonderlich explosiv und dazu lässt ihn sein Ballhandling teilweise im Stich.

Oft versucht er seinen Gegenspieler mit zwei oder mehr Handwechseln auf einmal aus der Balance zu bringen, verliert dabei jedoch selbst öfter Kontrolle über den eigenen Körper und den Ball. Seine Aktionen sind dann doch noch sehr wild und muten ein wenig so an, als würde Doncic mit dem Kopf durch eine massive Wand rennen wollen.

Dennoch ist nicht auszuschließen, dass Doncic auch hier Mittel und Wege findet, sich in Isolations durchzusetzen. Gegen Switches und im Pick & Roll hat Doncic beispielsweise Anlagen entwickelt, die sich mit genug Trainingsarbeit auch auf das Eins-gegen-Eins übertragen lassen könnten.

Zusätzlich ist Doncic beispielsweise schon sehr geschickt darin, Closeouts zu attackieren. Er liest gut, wie der Verteidiger auf ihn hinausstürmt und nutzt seine Größe beim Finish geschickt aus.


Neben Drives im Eins-gegen-Eins hat Doncic jedoch genug andere Wege gefunden, wie er konstant punkten kann und dies auch in der NBA bewerkstelligen wird. Doncic ist beispielsweise äußerst geschickt darin, seinem direkten Verteidiger oder einem Big Man beim Pick & Roll Fouls anzuhängen. Über fünfeinhalb Fouls zog Doncic in der vergangenen Saison pro Euroleague Spiel, was ein sehr hoher Wert ist. 

Diese Qualität bringt gleiche mehrere Vorteile mit sich. Zum einen konnte sich Doncic somit aus mehreren kniffligen Situationen befreien, in denen ihn die Defense an den Rand eines Turnovers drängte. Durch den Foulpfiff blieb Madrid dann nicht nur im Ballbesitz, sondern der Gegner mussten bei künftigen Situationen weit mehr Vorsicht walten lassen und somit automatisch den Druck herunterschrauben.

Ein anderer Aspekt besteht darin, dass Doncic gerade Bigs durchaus in Foultrouble bringen kann, wenn er ihnen zwei oder drei Fouls am Perimeter anhängt in einem Spiel. Gerade bei einem Centerspieler mit viel Insidepräsenz ist Angriff auf so eine Weise die beste Verteidigung.
Zuletzt gerät der Gegner auch schneller in Mannschaftsfouls, die Doncic, wenn er selbst zur Freiwurflinie schreiten darf, mit einer hohen Quote von 81,6 Prozent (Euroleague Wert) bestraft.


Aufgrund seiner Größe ist Doncic auch immer in der Lage mal Punkte über ein Postup einzustreuen. Gerade wenn sein Gegenspieler kleiner ist, wird es für diesen nur sehr schwierig sein, Doncic die einfachen Punkte zu untersagen.

Denn Doncic verfügt über eine exzellente Fußarbeit und fühlt sich im linken Lowpost pudelwohl. Real lief sogar gerne zu Beginn eines Spiels oder Viertels gezielte Setplays, um Doncic den Ball im Postup zu geben und ihn dort zu isolieren.

Entweder scort er mit gut einstudierten Centermoves, die auf der Fußarbeit basieren und durch seinen hohen Spielwitz angewandt und sein weiches Handgelenk bei den Abschlüssen veredelt werden. Auch sein Fadeaway funktioniert schon einigermaßen ordentlich je nach Winkel.

Als Passgeber beweist Doncic in solchen Situationen auch ein gutes Auge und könnte dafür künftig noch verstärkt genutzt werden.


Doncic ist ein ausgezeichneter Werfer, dessen Quote (32,9 Prozent) sich schlechter liest, als sein Wurf tatsächlich ist. Schon jetzt verfügt Doncic über eine ausreichende Reichweite, um von der NBA Dreierlinie einzusetzen. Eine große Umstellung ist also schon mal nicht notwendig.

Doncic muss seine Technik etwas festigen und vielleicht noch an seinem Beineinsatz arbeiten, aber ansonsten gibt es an dem Wurf kaum etwas auszusetzen. Die Quote ist daher vor allem durch die Art seiner Würfe zu erklären.

Als Aufbauspieler und primärer Ballhandler musste Doncic viele Würfe aus dem Dribbling nehmen, die grundsätzlich eine höhere Fehleranfälligkeit aufweisen als simple Catch & Shoot Jumper, von denen Doncic vergleichsweise wenige nahm.

Bewunderswert ist vor allem der Stepback Dreier, den Doncic schon jetzt schlafwandlerisch sicher einnetzt. Dieser Wurf ist die verlässlichste Eins-gegen-Eins-Waffe des Slowenen. Mit einem enorm kraftvollen letzten Schritt nach hinten schafft Doncic eine enorme Distanz zwischen sich und seinen Verteidiger.

Seine Fußarbeit ist so gut, dass er trotz dieses Sprungs in Balance bleibt. Anschließend hilft ihm seiner hoher Releasepunkt, ehe er das Handgelenk wundervoll abklappt und den Ball mit einer hohen Flugkurve auf die Reise schickt.

Der Dreier des Guards wird ihm daher künftig eher 35 oder 40 Prozent als die bisherigen knapp 33 Prozent in der NBA einbringen. Hier besteht keinerlei Anlass zur Sorge.


Eine wesentlich höhere Quote könnte Doncic schon dadurch erzielen, dass er seine Wurfauswahl verbessert. Wie bei jedem 19-Jährigen der Fall, muss Doncic sein Entscheidungsverhalten noch deutlich optimieren und die Fehlerquote minimieren, wenn er in der NBA das allerhöchste Niveau erreichen möchte.

Bisher neigt Doncic dazu, sich das Leben selbst unnötig zu erschweren. Er dribbelt zu viel auf der Stelle herum, ohne einen Ertrag zu erzielen. Hier ist ihm zu Gute zu halten, dass er sich keineswegs vor Verantwortung scheut und sich auch von Fehlern nicht aus der Bahn bringen lässt.

Dennoch wäre es wünschenswert, wenn er seine Dreier aus acht Metern Entfernung bei verbleibenden zehn Sekunden auf der Wurfuhr unterlassen und stattdessen andere Wege ausprobieren würde. Bisweilen leidet die Ballbewegung darunter, wenn Doncic in einem Angriff zehn Sekunden oder länger den Ball in den Händen hält, ohne dass ein weiterer Mitspieler involviert wird.

Aufpassen muss Doncic außerdem, dass er nicht zu leichtsinnig im Umgang mit dem Ball wird. Immer wieder versucht Doncic äußerst schwierige Pässe, die unter normalen Umständen nicht ankommen können. Seine Turnoverpercentage (15 Prozent) ist sicherlich etwas zu hoch. Lässt er solche Fehler zukünftig sein, wird sie sich aber im erträglichen Rahmen einpendeln.


Denn grundsätzlich kann Doncic als Passgeber glänzen. Er findet seine Mitspieler per Durchstecker, kann gute Kickout Pässe spielen und beweist eine exzellente Spielübersicht.

Zudem kann er auch in komplexen Spielsituationen die richtige Entscheidung treffen. Ein zentrales Element von Reals Offense waren Floppy Sets, bei denen ein oder zwei Shooter diverse indirekte Blöcke gestellt bekamen. Doncic zeigt in solchen Situationen seine Spielintelligenz dadurch, dass er immer genau weiß, welcher Mitspieler am gefährlichsten ist. Er wägt gut ab, wann er einen Pass spielen kann und wann nicht und welche anderen Optionen es möglicherweise gibt.


Das Pick & Roll ist letztlich der integrale Bestandteil der Offense des Europäers. Passvermögen, Wurfpotenzial, Körpergröße und Spielintelligenz kulminieren im Blocken-und-Abrollen.
Doncic strahlt durch Drives immer wieder genug Gefahr aus, um die Defense in Unsicherheit zu versetzen.

Doncic ist auch hier sehr geschickt. Er arbeitet gut mit Kontakt und führt seine Gegenspieler perfekt in die Blöcke hinein, wodurch er sich jede Menge Platz verschafft. Je nach Reaktion des zweiten Verteidigers zieht Doncic im Anschluss auch zum Korb.

Wenn der Verteidiger des Bigs zu eng an Doncic steht, zieht dieser mit langen Schritt vorbei und finisht. Dabei kann er entweder entschlossen bis zum Brett ziehen oder auch einen Floater anbringen. Dennoch wird Doncic hier weiter an seinen Abschlüssen arbeiten müssen. Gegen gute Verteidiger und Ringbeschützer wirken seine Layups noch unbeholfen und sein Mangel an Explosivität rächt sich ein wenig.

Gleichzeitig weiß Doncic, wie er seinen Vorteil aufrecht erhält und sich seinen Verteidiger seitlich an die Hüfte schnallt, wo er ihn genau kontrollieren kann. Die Ruhe des Teenagers ist faszinierend. Wenn der eigene Verteidiger über den Block mitgehen konnte und den Abschluss zu irritieren versucht, hat Doncic seinen Up-and-Under als Signature Move auf Lager, den er perspektivisch auch ins Eins-gegen-Eins aufnehmen könnte.

Sinkt der Verteidiger des Blockstellers zu weit in die Zone ab, bestraft Doncic das mit seinem butterweichen Dreier. Doncic ist hier gnadenlos und nutzt eine Sekunde der Unaufmerksamkeit sofort aus. 

Da die Defense des Pick & Rolls mit Doncic so wenig Entscheidungsklarheit für die verteidigenden Bigs birgt, ist der Switch eine angemessene Gegenstrategie. Doch auch für Switches hat Doncic mittlerweile seine Mittel und Wege gefunden. Gegen Adreian Payne bewies Doncic im Rahmen des Euroleague Viertelfinalspiels zum Beispiel, dass er als Athlet unterschätzt wird und seine Größe von Vorteil ist.

Zudem ist sein Stepback Dreier gerade für Bigs nur sehr schwer zu verteidigen. Der schnelle Richtungs- und Tempowechsel in Kombination mit der Größe des Ballhandlers sorgen dafür, dass Doncic fast immer einen halbwegs offenen Wurf bekommt.

Dennoch hatte Doncic dann ein Problem, wenn der Big Man seine Füße einigermaßen bewegen konnte bzw. gut auf die typischen Fakes, Hesitations und den Stepback vorbereitet war. Athletischere NBA Bigs oder gar Small Ball Lineups ohne traditionellen Big würden die Effizienz, die Doncic momentan ausstrahlt verringern.

Als Playmaker und Passgeber befindet sich Doncic auf einem überragenden Level für sein Alter. In diesem Jahrgang gibt es keinen anderen Spieler, der im Pick & Roll über eine derartige Übersicht und Passfertigkeit verfügt. Selbst in der NBA sollte Doncic sofort über dem Durchschnitt liegen und mittelfristig der Elite angehören.

In der Euroleague kam Doncic auf eine Assistrate von 30,4 Prozent und die Mehrzahl seiner Assists stammte wiederum aus Pick & Rolls. Doncic hat schon jetzt jeden Pass in seinem Werkzeugkoffer, den ein Aufbauspieler braucht: Durchstecker auf den Roller, Kickout in die Ecke oder auf die Weakside, Kickback gegen die Laufrichtung der Verteidigung sind allesamt fest verankert.

Hinzu kommt, dass Doncic darüberhinaus auch ein genaues Verständnis für Situationen und Winkel besitzt. Zum einen heißt das, dass Doncic genau weiß, wo er wann welche Option verfolgen muss. Zum anderen heißt das aber auch, dass Doncic in der Lage ist, selbst die Konstellation so abzuändern, dass sich neue Option ergeben.

Konkret heißt das, dass er mit Lookaways die Defense auf eine falsche Fährte locken kann. Oder aber er nutzt verschiedene Dribblings (Snake & Hostage Dribblings), um sich bessere Passwinkel zu kreieren oder dem Roller mehr Zeit zu verschaffen.

Zudem lernt Doncic schnell. Wird er beispielsweise in einem ersten Anlauf plötzlich getrapt und behauptet nur knapp den Ball, ist er darauf beim nächsten Mal vorbereitet und findet eine Lösung für die neue Herangehensweise der Verteidigung.

Wie überall in der Offense geht es für Doncic vor allem darum, Fehler zu minimieren und seine Effizienz im Pick & Roll, zu erhöhen, wobei er sich hier bereits schon auf höchstem europäischen Niveau mit gerade mal 19 Jahren bewegt. Dennoch kann er sich sicherlich den einen oder anderen zu optimistischen Pass sparen und stattdessen weiter sein Ballhandling verbessern.


Doncic mag nicht der schnellste Spieler sein und etwas an Explosivität im ersten Schritt vermissen lassen, dennoch hat er genug Mittel, um langfristig einer der besten Offensivspieler der NCAA zu sein. Signature Moves (Up-and-Under & Stepback Dreier), hohe Spielintelligenz, grenzenloses Selbstvertrauen, gute Spielübersicht und ein meisterhaftes Pick & Roll Game sind die Eckpfeiler seines künftigen Erfolgs.

Wenn er jetzt noch Ballhandling, Entscheidungsverhalten und Sorgfalt im Umgang mit dem Ball sowie Konstanz beim Wurf ausbessert beziehungsweise erreicht, wird Doncic kaum noch zu bremsen sein. Zudem besitzt er die Mentalität, Spiele an sich zu reißen und mit seinen Aktionen zu entscheiden.

Neben der Eins-gegen-Eins-Offense wird vor allem die Defense des Euroleague Siegers bemängelt. Hierbei wird jedoch außer Acht gelassen, dass Doncic, nur weil er offensiv viel als Playmaker in Erscheinung treten wird, nicht zwangsläufig auch defensiv den Aufbauspieler des Gegners verteidigen muss, der vermutlich immer viel schneller und explosiver als Doncic wäre.

Wird diese Entkopplung von offensiven und defensiven Aufgaben mental verarbeitet, fällt es auch wesentlich leichter, sich Doncic in der NBA defensiv so vorzustellen, dass er seinem Team zumindest nicht schadet. Das wäre schon vollkommen ausreichend.

In der vergangenen Saison hatte Doncic nur dann explizit Probleme, wenn er einen schnelleren und meist kleineren Point Guard vor sich halten musste. Lateral fehlt ihm dazu die Geschwindigkeit und auch seine ausbaufähige Grundhaltung, die vor allem Konstanz vermissen lässt, macht sich bemerkbar.

Dafür kann Doncic als Postverteidiger durchaus dafür sorgen, dass der Innenspieler oder Flügelspieler, der über ein gutes Spiel mit dem Rücken zum Korb verfügt, gar nicht erst in Ballbesitz gerät oder wenn doch über Doncic werfen muss.

Doncic hat nur dann ein Problem, wenn sein Gegenspieler im Eins-gegen-Eins einfach zu gute Position direkt am Korb beziehen kann, von wo aus er sich nur noch umdrehen und den Ball im Korb ablegen muss. Doncic ist also darauf angewiesen, vor dem Ballerhalt gute Arbeit zu verrichten, um die Berührung des Spielgeräts überhaupt erst zu unterbinden.


Doncic ist somit also zumindest gegen größere Flügelspieler, die über eine ähnliche Geschwindigkeit verfügen durchaus in der Lage, das Ganze im Eins-gegen-Eins zu regeln. Einen solchen Offensivspieler wird es im Zweifelsfall in 90 Prozent aller Fälle geben. Gegen athletischere Gegenspieler mit starkem Drang zum Korb muss Doncic dann absinken oder hat halt ein Problem. Aber dieser Fall wird wie beschrieben nur selten eintreten.

Entscheidender ist für Doncic, dass er sich bei Closeouts verbessert. Denn zu Rotationen wird es immer wieder kommen, weshalb Doncic auch mal andere Gegenspieler am Korberfolg hindern muss. Bei Closeouts könnte das durchaus schwierig werden, auch wenn Doncic das mittelfristig bewältigen sollte.

Bisweilen hat er zum einen Tendenz, dass er zu leicht die Mitte bei der Penetration abgibt. Dadurch eröffnen sich dem Ballhandler viel bessere Möglichkeiten, was weitere Rotationen im Zweifelsfall zusätzlich erschwert. Doncic muss hier vor allem an seiner Fußarbeit schrauben. Zum anderen nutzt Doncic bei vielen Closeouts seine Größe noch nicht genug. Wenn er einen Arm oben hat, ist das oft schon ein Erfolg.

Drittens versucht Doncic oft schlauer als die Offense zu sein, was sich darin niederschlägt, dass er manchmal gar nicht zum Ball rotiert, sondern in Antizipation eines weiteren Swing Passes den Weg für ein anderes Closeout verkürzen will. Das darf sich Doncic nicht zu oft erlauben.


Gerade seine Größe könnte Doncic noch deutlich häufiger nutzen. Hin und wieder blockt und verändert er mal einen Wurf, doch wirklich gefährlich ist Doncic in dieser Hinsicht noch nicht, was ein wenig verschwenderisch ist.

Doncic kann zum Beispiel oft, Drives von anderen Angreifer stören, indem er einen Stealversuch andeutet und dann doch rechtzeitig wieder bei seinem eigenen Gegenspieler steht, ehe daraus größerer Schaden entstehen könnte. Auf dem größeren Court der NBA ist das aufgrund der längeren Wege zwar ein Spiel mit dem Feuer, kann aber auch gut ausgehen.

Ab und zu verdankt es Doncic zudem nur seiner Größe, dass kein größeres Unheil entsteht. Er ist ein leichtes Opfer für Backdoorcuts, weil er dem Ball oft zu viel Aufmerksamkeit zugesteht. Nur seine Größe und das mit verkleinerte Passfenster verhindern häufig die Katastrophe.


Abseits von seinen Aufmerksamkeitsschwächen und seinem gelegentlichen Ballwatching ist Doncic jedoch ein überdurchschnittlich guter Teamverteidiger. Gerade auf der Helpside kann Doncic sehr effektiv sein, da er mit seiner Größe Würfe verändern kann.

Ansonsten verhält er sich auch in Passwegen clever und kann oft Bälle abfangen oder Deflections sammeln. Ein gewisses Risiko schwingt bei seinen Stealversuchen allerdings mit. Denn hin und wieder verschätzt sich Doncic und es entstehen Unterzahlsituationen fürs eigene Team. Gerade in der NBA kann sich soweit aufgrund des breiteren Courts deutlicher rächen.

Als Weakside Verteidiger beim Pick & Roll ist Doncic gut darin, den abrollenden Big Man zu bumpen oder im Zweifelsfall beim Catch schon auf der Helpside zu stehen. Auch hier hilft ihm wieder seine Körpergröße. Bei starken Athleten hat Doncic meist das Nachsehen, aber da geht es ihm im Zweifelsfall nicht anders als jedem anderen Spieler auf dem Feld.


Zu guter Letzt ist Doncic auch als Pick & Roll Verteidiger durchaus ein solider Akteur. Entscheidend für Doncics positiven Effekt ist, dass er zum einen seine Größe und Spannweite einbringen kann und zum anderen seine überaus ordentliche Fußarbeit einsetzt.

Gerade letzteres ist der springende Punkt. Wenn Doncic eine gute "Stance" einnimmt und sich gleichzeitig mit Füßen und Oberkörper um den Screen kämpfen möchte, hat er eine gute Chance, den Ballhandler zu irritieren und wirksam zu behindern.

Wenn er jedoch einfach ein einziges Mal mit dem Arm herumgreift und nicht mit den Beinen mitarbeitet, trifft ihn der Pick sehr gut und er hat keinerlei Aussichten noch die Punkte zu verhindern und muss stattdessen auf seine Mitspieler bauen.

Für Switches ist Doncic durchaus geeignet, wie in der Sektion zur Eins-gegen-Eins-Verteidigung bereits angedeutet wurde. Doncic hat die Größe und Masse, um Bigs aus der Zone fernzuhalten und anschließend zu schwierigen Abschlüssen zu zwingen. Gegen die athletischsten Vertreter muss Doncic besonders aufpassen, sich nicht in der Zone gefangen nehmen zu lassen. Hat der Big gute Position, bleibt Doncic chancenlos.


Entgegen der aufkommenden Kritik der letzten Wochen aus den US-Medien ist Luka Doncic der klar beste Spieler des Draftjahrgangs und wird wahrscheinlich die beste NBA Karriere seit Anthony Davis hinlegen. DeAndre Ayton hat in gewisser Weise mehr Potenzial, weil er körperlich und athletisch andere Voraussetzungen mitbringt und ein Spiel dadurch noch deutlicher dominieren könnte. Doch diesen Beweis muss der Arizona Alumni erst mal antreten.

Doncic mag athletisch in gewisser Weise limitiert sein, doch das sollte keinesfalls bedeuten, dass er kein Franchise Player werden kann. Doncic hat offensiv jetzt schon genug Waffen, um als Playmaker für Scoring und Assists zu sorgen. Signature Moves, Spielintelligenz - und übersicht sowie das Pick & Roll sind weit überdurchschnittlich und werden auch in der NBA zum Gebrauch kommen.

Darüber hinaus hat Doncic auch noch realistisches Verbesserungspotenzial, das seiner Effizienz förderlich sein sollte und damit offensiv auch letzte Fragezeichen ad acta gelegt werden können.

In der Verteidigung sollte Doncic nach Möglichkeit den schwächsten Angreifer des Gegners verteidigen und somit zumindest zumindest keinen Schaden anrichten. Im Optimalfall wäre er sogar nutzbringend, weil er als Teamverteidiger schon sehr weit ist und in der Pick & Roll Verteidigung Variabilität ermöglicht.

Tritt der Bestfall ein wäre Doncic möglicherweise mit James Harden zu vergleichen. Beide sind Meister im Pick & Roll, wissen Fouls zu ziehen und treffen den Dreier aus dem Dribbling und als Stepback.

Doncic ist defensiv als Teamverteidiger deutlich besser und verfügt offensiv über eine bessere Spielübersicht und mehr Passqualität. Dahingegen ist Harden physisch besser aufgestellt, schließt hochprozentiger und insgesamt effizienter ab und bietet im Eins-gegen-Eins mehr Gefahr. Harden musste sich das alles jedoch über Jahre erarbeiten, während Doncic schon als Rookie auf einem hohen Niveau agieren kann.

Wird Doncic keine bessere Harden Version, bliebe Gordon Hayward als etwas verhaltenerer Vergleich - "realistischer" wäre hier das falsche Wort, denn es ist einfach nicht unwahrscheinlich, dass Doncic eine überragende NBA Karriere abliefern wird. 

Doncic wäre hier im Stile eines Haywards eher sekundärer Ballhandler der Offense und hätte damit offensiv nicht ganz so viel Einfluss. Als Passgeber ist Doncic auf jeden Fall besser ausgestattet, kann aber nicht Haywards Explosivität matchen.

Im allerschlechtesten Fall - den ich persönlich für sehr unwahrscheinlich halte - wird Doncic eine Art zweiter Hedo Türkoglu. Defensiv überaus anfällig und offensiv gegen NBA Athleten zu limitiert, wäre er auch in diesem Szenario zweite oder vielleicht sogar nur dritte Geige einer Offense, würde eher als Passgeber und Werfer auffallen und selten den Drive suchen. Dafür ist Doncic jedoch als Scorer zu begabt. Schon jetzt findet er immer Wege in die Zone, obwohl ihm dazu eigentlich noch Ballhandling und Konstanz bei seinen Moves fehlen.