18 Juni 2018

18. Juni, 2018



Willkommen bei unserer offiziellen Draft-Vorschau. Am 21. Juni geht für 60 brandneue NBA-Rookies ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der Association willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Spotlights.

von AXEL BABST @BabstMadness

Eine der heißesten Diskussion, die den College Basketball in der vergangenen Saison treu begleitete, drehte sich um Trae Youngs Einfluss auf die Oklahoma Sooners. Die eine Partei argumentierte, dass Young im Alleingang aus einem Team, das in der Vorsaison deutlich das NCAA Tournament verpasste und abseits von Young kaum überdurchschnittliche Rollenspieler aufweisen konnte, eine Tournament Mannschaft mit Potenzial zum Upset gegen jeden Kontrahenten formen konnte.

Auf der anderen Seite gab es Stimmen, die Oklahomas Abblitzen zum Saisonende deutlich kritischer in ihre Bewertung Youngs einfließen ließen und ihm einen entsprechend geringeren Anteil am Teamerfolg zusprachen. Während diese hypothetische Diskussion um Young Effekt und Oklahomas Abhängigkeit von ihrem Guard nur im Rahmen der Auszeichnung zum Spieler des Jahres von Bedeutung war, mussten die SMU Mustangs am eigenen Leib erfahren, wie schnell die Abhängigkeit von einem guten Guard problematisch werden kann.

Die letzten elf Spiele der Saison verpasste Shake Milton verletzungsbedingt. Bis dahin hatten die Mustangs ordentliche Aussichten auf eine weitere Teilnahme am NCAA Tournament. Siege über Arizona und Wichita State boten einen ansehnlichen Anblick auf dem Saisonzettel. Allerdings waren die Mustangs schon die ganze Saison über durch Verletzungen und Ausfälle von Schlüsselspielern gehandicapt.

Mit der Verletzung an der Wurfhand von Milton überstieg das Lazarett die Aufnahmekapazität und das Team fand keine Ausweichmöglichkeiten mehr. Auf dieser Basis das College zu verlassen, dürfte bei Milton sicher einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, ist aber sicherlich keine verwerfliche Entscheidung angesichts seines steigenden Draftwerts und seiner fortgeschrittenen Alters.

Milton ist ein Combo Guard, der bei SMU sowohl Spielaufbau und -organisation übernehmen musste als auch als Scorer und Shooter in Erscheinung trat. In Bezug auf seine NBA Zukunft ist seine wichtigste Fähigkeit sicherlich der verlässliche Distanzwurf.


Der Wurf an sich ist nicht sonderlich ästhetisch und entspricht nicht unbedingt der Lehrbuchnorm, dennoch weist er genug wesentliche Merkmale auf, die Milton als Shooter klassifizieren. Miltons Handgelenk klappt sehr weich ab und wird von der ökonomischen Wurfbewegung, die relativ ansatzlos ist, unterstützt.

Markenzeichen ist seine insgesamt langsame Wurftechnik, die durch den hohen Releasepunkt trotzdem nicht entscheidend zu stören ist. Milton braucht dadurch nicht viel Platz oder Zeit. Ein weiterer Pluspunkt ist Miltons Range bis zur NBA Dreierlinie, die er am College schon beweisen durfte.

43,4 Prozent seiner Distanzwürfe fanden ihr Ziel und sorgen in dieser Hinsicht für einen Top5 Wert unter allen Spotlight Talenten.


Probleme dürfte Milton im direkten Eins-gegen-Eins haben. Milton ist kein sonderlich guter Athlet und lässt jedwede Explosivität in seinen Bewegungen vermissen. Stattdessen nutzt er seine enorme Größe und Länge sehr geschickt, um in die Zone eindringen zu können. Beim Finish kombiniert er diese Attribute zudem mit seinem Touch. Viele seiner Abschlüsse kommen in Form eines Floaters zustande.

Doch so clever sich Milton auch anstellen mag: In der NBA fehlen ihm Athletik und Ballhandling, um sich konstant den eigenen Wurf ohne Zuhilfenahme eines Screens kreieren zu können. Auch als Finisher in der Zone wird Milton Probleme bekommen. Seine schlaksige Gestalt und seine geringe Stabilität im Rumpfbereich werden für teils wilde Finishes sorgen, bei denen Milton seine Körperlängsachse komplett aus der Balance bringt.

Außerdem war Milton bereits am College schon sehr von der Gunst der Schiedsrichter abhängig. In der NCAA wurden ihm immerhin fünf Freiwürfe pro Spiel zugesprochen, die er so in der NBA auf keinen Fall ergaunern wird.


Eine Fähigkeit, die Milton besitzt und in der NBA fast mehr zur Geltung kommen dürfte als noch am College, ist sein gutes Passspiel. Bei den Mustangs sollte Milton eher selbst als Scorer in Erscheinung treten, ließ vereinzelt jedoch immer wieder aufblitzen, über welche Passfertigkeiten und Spielübersicht er insgeheim verfügt.

Besonders die Kreativität seiner Pässe verdient mehr Anerkennung: Einhändige Hammerpässe, schwierige Bodenpässe gegen die eigene Laufrichtung oder gut gezielte Lobanspiele zu den Bigs demonstrierte Milton im Laufe der vergangenen Saison. Die relativ geringen Assistwerte (4,4 pro Spiel und eine Assistpercentage von 25,9 bedeuten jeweils die niedrigsten Werte unter allen Point Guard der Spotlight Reihe) sind also vor allem system/rollen- und weniger talentbedingt.


Die dargelegten Passqualitäten tauchen auch im Pick & Roll wieder auf und werden hier gerade in der NBA von besonderem Stellenwert sein. Denn neben seinen Wurfqualitäten sollte Miltons zweiter großer Mehrwert als Ballhandler im Pick & Roll vorzufinden sein.

Milton ist überaus geschickt darin, den Block korrekt zu nutzen und eine Vorteilssituation zu veursachen. Wenn er nicht selber per Floater oder Drive mit lang gezogenen Schritten abschließt, findet Milton als Passgeber seine freien Mitspieler.

Hier kommt ihm seine exzellente Spielübersicht gepaart mit hoher Spielintelligenz zu Gute. Milton beobachtet alle fünf Verteidiger gleichzeitig und registriert genauestens, welcher davon zur Hilfe eilt oder einfach nur zu weit absinkt und wo entsprechend der freie Mitspieler anzutreffen ist. Dank seiner Größe kann er auch schwierige Pässe auf die Weakside gekonnt und zielgenau anbringen.

Grundsätzlich ist Milton einfach ein grundsolider Ballhandler, der viele richtige Entscheidungen trifft und sich wenige Fehler leistet. Seine Turnoverrate von 13,3 Prozent ist die zweitniedrigste unter den Spotlight Guards.


Milton wird im Angriff kein Spieler sein, der jede Nacht zweistellig punktet und als ein verlässlicher Produzent für sein künftiges NBA Team zu deklarieren wäre. Doch Milton kann eine Rolle als grundsolider Ballhandler einer zweiten Fünf perfekt einnehmen. Dafür reichen seine Skills als Pick & Roll Taktgeber allemal aus.

Selbst als Sidekick in einer ersten Fünf wäre Milton nicht unvorstellbar in der Offensive. Sein guter und verlässlicher Wurf sowie seine Körpergröße könnten ihn an der Seite eines athletischen Aufbauspieler mit viel Drang zum Korb gut aussehen lassen.

Klar ist: Milton muss seine Rolle in der NBA vor allem über guten offensiven Output festigen. Denn defensiv könnte Milton doch so seine Probleme bekommen. Bereits am College war er maximal ein durchschnittlicher Verteidiger.

Zwar sind seine Leistungen in der letzten Saison ein wenig mit Vorsicht zu bewerten, da die Mustangs aufgrund der engen Personaldecke einerseits viel Zonenverteidigung praktizieren ließen und sich Milton andererseits seine Kräfte genau einteilen musste und sich eher in der Defense schonte, da er offensiv vom Team gebraucht wurde.

Dennoch konnte Milton in keinem seiner drei Jahre am College annähernd solides Niveau in der Verteidigung aufweisen. Seine Länge und seine Antizipationsfähigkeiten retteten ihn zumindest in so mancher Situation und werden ihm auch künftig bei den Profis aus der Patsche helfen.

Auch wenn Milton nicht immer so aussieht, kann er mit seinen Steals, Blocks oder Deflections durchaus am defensiven Ende des Feldes einen Einfluss auf die Partie ausüben. Seine Blockrate (2,3) ist beispielsweise gar nicht so weit von Marvin Bagleys Wert (2,6) entfernt.


In der Eins-gegen-Eins-Verteidigung wird Milton auf NBA Level keine Chance haben. Wenn Milton ganz viel Glück hat, schafft er es, den kompletten Durchbruch seines Gegners in die Zone zu verhindern, an der Hüfte zu bleiben und mit seiner Spannweite zumindest einen schweren Abschluss zu erzwingen.

Zu mehr fehlen ihm die Athletik und Schnelligkeit in lateralen Bewegungen. Außerdem hat Milton einen sehr hohen Körperschwerpunkt, der ihn bisweilen sehr immobil macht und zu Instabilität bei Kontakt führt.


In der Pick & Roll Defense sind seine Physis und der hohe Körperschwerpunkt ebenfalls die Kriterien, die darüber entscheiden werden, ob Milton zumindest ein durchschnittliches bis solides Niveau erreichen kann.

Denn Miltons Konstitution beinhaltet das Risiko, dass er bei einem gut gestellten Screen keine Chance hat, über den Block zu kommen und seinem Gegenspieler zu folgen. Das muss ihm jedoch einigermaßen gelingen, da er sonst seine Spannweite und Größe nicht wirklich einsetzen kann, was seinem Matchup wiederum grünes Licht für Pull-ups und mehr Zeit zur Entscheidungsfindung verschaffen würde.


Shake Milton ist ein typischer Rollenspieler, der gegen Ende der ersten Runde oder Anfang der zweiten Runde einen soliden Zugewinn für die Rotation eines NBA Teams bedeuten würde. Miltons Stärken und Schwächen sind relativ offenkundig, weshalb er ein geringes Risiko vom spielerischen Standpunkt aufweist.

Milton kann entweder als Shooter abseits des Balls genutzt werden oder als Ballhandler im Pick & Roll für gute Ballbewegung sorgen. Im Eins-gegen-Eins sollte er hingegen möglichst nicht so oft den Ball erhalten. Zudem wird er in der Verteidigung ein wenig versteckt werden müssen.

Abseits des Basketballs stellt sich ein wenig die Frage, wie gut Miltons Körper auf eine NBA Saison und Karriere mit über 80 Spielen pro Jahren ausgelegt ist. Immer wieder plagten ihn kleinere Verletzungen während seiner College Karriere, auch wenn er in seinen ersten zwei Jahren kein einziges Spiel deswegen verpassen musste.

Im besten Fall wird Milton ein zweiter Caris LeVert, der durch Eleganz, Shooting und Kreativität im Pick & Roll seine Position bei den Nets gefunden hat, auch wenn er gesundheitlich immer wieder zurückgeworfen wurde.

Im schlechtesten Fall ist Milton defensiv zu schwach und wird offensiv nicht seinen Stärken entsprechend eingesetzt. Letzteres ist jedoch unwahrscheinlich, da die NBA praktisch nur noch aus Shooting und Pick & Roll besteht.